Die Stadt Lemgo liegt im Osten Nordrhein-Westfalens, in der Nähe von Hannover. Sie umfasst rund 45.000 Einwohner, hat eine 800-jährige Stadtgeschichte und war frühere Hansestadt.
Die Versorgungseinrichtungen konzentrieren sich im Stadtkern, der bedingt durch die historische Stadtstruktur viele enge Straßen aufweist, die nicht für den Autoverkehr konzipiert wurden.
Durch steigende Einwohnerzahlen erhöht sich jedoch auch das Verkehrsaufkommen, was die innerstädtische Lebens- und Aufenthaltsqualität ganz beträchtlich mindert.
So kommt es dazu, dass 1988 ein neuer Verkehrsentwicklungsplan in Auftrag gegeben wird, der der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und Beschränkung des Autoverkehrs dienen soll.
Vieles scheitert jedoch im politischen Raum (vor allem die Beschränkung des Autoverkehrs) und geringfügige Verbesserungen des bestehenden ÖPNV-Angebotes werden von der Bevölkerung kaum angenommen.
1992 kommt es jedoch zum Durchbruch. Die Lemgoer Stadtwerke überlegen den ÖPNV in Eigenregie zu führen. Nach dem Besuch des Aufsichtsrates in Dornbirn, wo 1991 ein Stadtbus-System mit großem Erfolg eingeführt wurde, beauftragen die Stadtwerke ein Planungsbüro mit dem Entwurf eines gleichwertigen Konzeptes.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext und Ausgangssituation
3. Einführung des Stadtbussystems
4. Streckennetz und Linienführung
5. Betriebsphilosophie und Treffpunkt-Konzept
6. Angebotsgestaltung
7. Erfolgskontrolle
8. Corporate Design
9. Tarifsystem
10. Betreibermodell
11. Positive Auswirkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert die Implementierung und den Erfolg des Stadtbussystems in der Stadt Lemgo. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie durch ein neu konzipiertes ÖPNV-Modell eine stadtverträgliche Verkehrspolitik realisiert und die innerstädtische Lebensqualität nachhaltig verbessert werden kann.
- Analyse der verkehrlichen Ausgangssituation und Probleme in Lemgo.
- Darstellung der Planungsphasen und des „Treffpunkt“-Konzepts.
- Untersuchung der betriebswirtschaftlichen und operativen Rahmenbedingungen (Betreibermodell).
- Evaluation des Kundenerfolgs und der stadtentwicklungsrelevanten Auswirkungen.
Auszug aus dem Buch
Der „Treffpunkt“
Der „Treffpunkt“ ist eine zentral gelegene Haltestelle, an der alle Linien zusammentreffen. Von hier fahren die Busse sternförmig und zeitgleich in sieben verschiedene Richtungen. Vom Treffpunkt bis zur jeweiligen Endhaltestelle beträgt die Strecke nicht mehr als vier bis sechs Kilometer, so dass der Stadtbus nur 15 Minuten für einen Weg braucht und nach einer halben Stunde wieder am Treffpunkt ist. Das Liniennetz sichert auf diese Weise die strikte Einhaltung des Taktes.
Die Festsetzung des Linienverlaufes orientierte sich an folgenden Kriterien:
• Ausrichtung des gesamten Systems auf das innerstädtische Versorgungszentrum
• Anbindung aller wesentlichen Wohngebiete, so dass jede Linie ein Einzugsgebiet von etwa 8.000 Einwohnern erschließt
• Auf diese Weise Gewährleistung, dass über die gesamte Betriebszeit eine relativ gleichmäßige Busauslastung entsteht
• Erreichbarkeit möglichst aller Ziele direkt und ohne größere Umsteigezeitverluste
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Kurze Vorstellung der Stadt Lemgo als historischen Ort mit aktuellen verkehrlichen Herausforderungen.
2. Historischer Kontext und Ausgangssituation: Erläuterung der Verkehrsplanungsprobleme und des Scheiterns früherer Ansätze bis 1992.
3. Einführung des Stadtbussystems: Beschreibung des Entscheidungsprozesses und des Starts im September 1994.
4. Streckennetz und Linienführung: Detaillierte Darstellung der direkten Linienführung und des Verzichts auf zeitraubende Schlaufen.
5. Betriebsphilosophie und Treffpunkt-Konzept: Analyse des sternförmigen Taktknoten-Systems und der Kriterien für die Linienfestlegung.
6. Angebotsgestaltung: Erläuterung der Taktverdichtung aufgrund steigender Fahrgastzahlen.
7. Erfolgskontrolle: Präsentation der Ergebnisse aus Kundenbefragungen bezüglich Neukundengewinnung und Nutzungszwecken.
8. Corporate Design: Beschreibung der Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes zur Steigerung des Wiedererkennungswertes.
9. Tarifsystem: Darstellung der Integration in den Tarifverbund und des innovativen Chipkarten-Systems.
10. Betreibermodell: Erläuterung der Kooperation zwischen den Stadtwerken Lemgo und privaten Busunternehmen.
11. Positive Auswirkungen: Zusammenfassung der ökologischen, sozialen und städtebaulichen Vorteile für Lemgo.
Schlüsselwörter
Stadtbussystem, Lemgo, ÖPNV, Verkehrsentwicklungsplan, Treffpunkt-Konzept, Linienführung, Stadtwerke, Kundenbindung, Taktverkehr, Mobilität, Stadtentwicklung, Nahverkehr, Verkehrsplanung, Tarifverbund, Betreibermodell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung, Einführung und dem operativen Betrieb des Stadtbussystems in der Hansestadt Lemgo als Lösung für innerstädtische Verkehrsprobleme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Liniennetzplanung, das „Treffpunkt“-Konzept, Marketingstrategien, das Betreibermodell sowie die Evaluation des Projekterfolgs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch eine strategische Neuausrichtung des ÖPNV die Verkehrsbelastung reduziert und die Lebensqualität für die Bürger gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche bzw. methodische Herangehensweise wird genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine deskriptive Analyse des Planungsprozesses, die Auswertung von Verkehrsdaten sowie die Interpretation von Erfolgskontrollen (Kundenbefragungen).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Linienplanung, die organisatorische Aufteilung zwischen Stadtwerken und privaten Partnern sowie die Analyse der positiven Auswirkungen auf die Stadt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Stadtbussystem, Taktverkehr, Verkehrsplanung, Betreibermodell und stadtverträgliche Mobilität.
Wie trägt das „Treffpunkt“-Konzept zur Effizienz bei?
Durch die sternförmige Anordnung mit zentralem Umstiegspunkt können Anschlüsse optimiert und die Fahrzeit zu den Endhaltestellen auf maximal 15 Minuten begrenzt werden.
Warum wurde ein spezielles Corporate Design für den Stadtbus entwickelt?
Das Design, insbesondere die himmelblaue Farbe, wurde gewählt, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen und durch eine moderne Ästhetik auch Nichtfahrgäste anzusprechen.
- Quote paper
- DI (FH) Rainer Müller (Author), 2002, Stadtbussystem Lemgo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3982