Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Ästhetisierung des Krieges in Apollinaires lyrischem Werk Calligrammes. Diese Gedichtsammlung verfasste Apollinaire, der selber an der Front kämpfte, in den Jahren 1913-1916. Sie dokumentiert die Zeit vor dem Kriegsausbruch über Apollinaires Einsatz an der Front bis hin zu seiner Rückkehr im Jahre 1916 aufgrund einer schweren Verletzung des Schädels. Trotz der hautnahen Erfahrungen mit dem Krieg, entwickelt Apollinaire kein negatives bzw. abfälliges und hasserfülltes Bild von der Front und verachtet auch nicht das Kriegsgeschehen. Aus diesem Grund wird die Arbeit folgende Fragestellung berücksichtigen: Haben Krieg und Verwundung keinerlei Spuren, keinen Bruch in seinem Schaffen hinterlassen? Bleiben seine ethischen und ästhetischen Konzeptionen von diesem Ereignis unberührt? Welche Stellung nimmt der Erste Weltkrieg in seinem Denken und seine n Werken ein? In Apollinaires Vorstellungen ist es unmöglich Kriegsdichter zu sein, ohne selbst am Krieg teilzunehmen. Deshalb ist er auch in der Lage so zu tun, als sei nichts geschehen. Er braucht das Gefühl, mitten im Zentrum des Geschehens zu stehen und mit dem Krieg hat sich der Schauplatz des Geschehens lediglich von Paris gen Norden und Osten verlagert. Im Folgenden soll ein kurzer Lebenslauf Überblick über Apollinaires Werk und dessen äußere Einflüsse liefern. Der Dichter wurde am 26. August 1880 unter dem Namen Guillaume Albert Vladimir Alexandre Apollinaire Kostrowitzky in Rom geboren. (Aus seinem ersten und letzten Vornamen entstand später sein Pseudonym, unter dem er bekannt wurde.) Er war der uneheliche Sohn einer italienisch-polnischen Mutter und eines italienischen Bourbonenoffiziers. 1887 verließ die Mutter mit ihren zwei Kindern die italienische Hauptstadt und wurde in Monaco sesshaft. In den folgenden Jahren besuchte Guillaume verschiedene Gymnasien in Monaco, Cannes und Nizza und verließ 1897 die Schule, ohne jedoch das Abitur absolviert zu haben. Sein Berufswunsch stand dennoch fest; er wollte Journalist und Schriftsteller werden. Apollinaire schloss Freundschaften mit anderen Dichtern und las die Werke Balzacs, Tolstois und Zolas. 1899 siedelte die Familie nach Paris über, wo Guillaume sich weiterhin mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen musste, da er als Ausländer und ohne Ausbildung nicht auf eine Anstellung rechnen konnte. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Frage der Ästhetik in Apollinaires Calligrammes
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ästhetisierung des Ersten Weltkriegs in Guillaume Apollinaires Gedichtband Calligrammes. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Dichter den Krieg literarisch verarbeitet und ob seine ethischen sowie ästhetischen Konzeptionen durch die Kriegserfahrungen einen Bruch erfahren oder ob er den Krieg als Medium zur Herrschaft des Menschen über die Natur und als Ausgangspunkt für eine Neugestaltung der Welt betrachtet.
- Analyse der Ästhetik und Formensprache der Calligrammes.
- Untersuchung des Symbolgehalts technischer Fortschritte wie Autos und Flugzeuge im Kontext des Krieges.
- Betrachtung von Apollinaires kriegsverharmlosender und futuristisch geprägter Perspektive.
- Synthese von Lyrik und Malerei durch kalligraphische Ausdrucksformen.
- Einordnung des Werkes im zeitgeschichtlichen Kontext des Ersten Weltkriegs.
Auszug aus dem Buch
2. Zur Frage der Ästhetik in Apollinaires Calligrammes
Apollinaires Werk Calligrammes ist eine 84 Gedichte umfassende Lyriksammlung. Sie erscheint im April 1918 als zweite große Sammlung nach Alcools und trägt den Untertitel Poèmes de la paix et de la guerre. Ihr Entstehungszeitraum liegt in den Jahren 1913-1916, was den besonderen Vorteil bietet, den Kriegsausbruch im Zusammenhang mit seinen ästhetischen und moralischen Auswirkungen auf dieses literarische Werk konkret nachvollziehen zu können. Der Gedichtband umfasst sechs Teile, die in chronologischer Reihenfolge - der jeweiligen Entstehungszeit entsprechend - in die Sammlung eingegangen sind.
Aufgrund der chronologischen Anordnung der Gedichte wird Calligrammes zu einem wichtigen Zeugnis für die Bewältigung des 1. Weltkrieges durch einen bedeutenden zeitgenössischen Dichter. Das erste Kapitel Ondes enthält Gedichte, die vor Kriegsbeginn entstanden sind und somit der Ästhetik von Les fenêtres und Lundi Rue Christine folgen. Der zweite Teil Étendards enthält Gedichte aus dem Zeitraum vom Kriegsausbruch bis zu Apollinaires Entsendung an die Front im April 1915. Der dritte Teil Case d’Armons wird zu einem eigenständigen Gedichtband mit einer Auflage von nur 25 Exemplaren und spiegelt den Optimismus und die Begeisterung Apollinaires für den Krieg wider.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Biografie Apollinaires und führt in die Fragestellung ein, wie der Dichter trotz seiner eigenen Kriegserfahrung eine ästhetisierte und teils verharmlosende Sicht auf den Ersten Weltkrieg entwickelte.
2. Zur Frage der Ästhetik in Apollinaires Calligrammes: Der Hauptteil analysiert die formale Struktur der Kalligramme als Synthese von Lyrik und Bild sowie die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Krieg als Fortschrittssymbol und apokalyptisches Schauspiel.
Schlüsselwörter
Guillaume Apollinaire, Calligrammes, Erster Weltkrieg, Ästhetisierung des Krieges, Kalligramm, Futurismus, Avantgarde, Poesie, Kriegsdichtung, Belle Époque, Symbolismus, Identitätsfindung, Ideogramm, La petite auto, technische Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Aufarbeitung und Ästhetisierung des Ersten Weltkriegs in Apollinaires Gedichtband "Calligrammes".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die ästhetische Formgebung der Gedichte, die Rolle des Krieges als technisches Fortschrittssymbol und die persönliche Haltung Apollinaires zum Kriegsgeschehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und wie der Krieg das Schaffen Apollinaires beeinflusst hat und ob dieser den Krieg als Bruch oder als notwendige Stufe einer zivilisatorischen Neugeburt begreift.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den historischen Kontext mit der Analyse der spezifischen Form der Kalligramme und dem Vergleich verschiedener Gedichte kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Struktur des Bandes, der kalligraphischen Technik sowie der Deutung von Symbolen wie dem Auto oder dem Flugzeug in Bezug auf die Kriegserfahrung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Werk "Calligrammes" sind Begriffe wie Kalligramm, Ästhetisierung, Avantgarde und die ambivalente Kriegswahrnehmung entscheidend.
Wie deutet Apollinaire die Schrecken des Krieges?
Anstatt die Schrecken vehement zu verurteilen, interpretiert Apollinaire den Krieg als eine entscheidende Etappe des Industriezeitalters und als apokalyptisches, faszinierendes Schauspiel.
Welche Bedeutung hat die kalligraphische Form in den Gedichten?
Die Kalligramme dienen als Synthese von Lyrik und Malerei, um die Aussage der Gedichte auch visuell zu verstärken und den Leser zu einer zweidimensionalen, ideographisch-synthetischen Leseart anzuregen.
Was symbolisiert das Gedicht "La petite auto"?
Das Gedicht markiert den Abschied von der "Belle Époque" und das Eintreten in ein radikal verändertes, technisch geprägtes Zeitalter, wobei das Auto als Symbol für den Fortschritt fungiert.
- Quote paper
- Daniela Weingartz (Author), 2001, Apollinaires Calligrammes und die Frage nach der Ästhetisierung des Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39853