Aristoteles' "Politik" und ihr Bezug zur Gegenwart


Seminararbeit, 2002
23 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Was bleibt?

2. Die Polis
2.1. Aus welchen Elementen besteht die Polis?
2.2. Was ist die Polis?
2.3. Vorraussetzungen für die beste Stadt
2.4. Unterschiede zwischen Polis und modernem Staat
2.5. Zusammenfassung

3. Verfassung
3.1. Das höchste Ziel des Staates und seine Verwirklichung bei Aristoteles
3.2. Ziele und Umsetzung heute
3.3. Zusammenfassung

4. Erziehung
4.1. Zusammenhang zwischen Staat und Erziehung
4.2. Die Bedeutung der Erziehung und ihre Durchführung
4.3. Erziehung heute
4.4. Zusammenfassung

5. Schluss Was fehlt?

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

Selbständigkeitserklärung

1. Einleitung – Was ist geblieben?

Ich möchte über Aristoteles schreiben, weil mir sein Ansatz vom Streben nach dem Guten gefällt und entspricht. Seine Denkweise ist bestimmt und detailgenau, seine Argumentation strukturiert und logisch.

Außerdem ist er kein Idealist. Er greift nicht, wie so viele andere Philosophen, nach den Sternen, und verlangt Dinge, die der Normalsterbliche kaum erfüllen kann, sondern er strebt nach dem Bestmöglichen. Alles, was er sagt, ist wünschenswert, oder war es zumindest in seiner Zeit, und, was das Wichtigste ist: Es ist durchführbar. Das macht ihn zu einem Denker, dem jeder folgen kann, und der die Menschen direkt anspricht, da es sich lohnt, über seine Theorien nachzudenken.

Ich nehme an, dass Aristoteles ein sehr rechthaberischer Mann war, jemand, der sehr genau beobachten und vergleichen konnte, der sich Zeit für die Entwicklung einer Theorien nahm. Hatte er diese jedoch einmal gefasst, so war es vermutlich schwer, ihn wieder vom Gegenteil zu überzeugen.

Diese Haltung hat ihn in seinen Schriften alle möglichen Gegenargumente berücksichtigen und beantworten lassen, was es schwer macht, ihn anzugreifen. Und das führt mich zu meiner eigentlichen Frage:

Es fällt auf, wie wenig er vergessen oder ausgelassen hat, wie logisch und detailgenau er seine Aussagen und Beobachtungen begründet, so dass man versucht ist, jedes Wort für die absolute Wahrheit zu halten.

Allerdings stellt sich, vor allem im Bereich der Politik, die Frage, warum nur sehr wenige von Aristoteles’ Empfehlungen tatsächlich bis in unsere Zeit hinein „überlebt“ haben und wirklich angewendet werden. Was ist also geworden aus seiner besten Verfassung? Woher kommt es, dass wir heute nicht in Stadtstaaten, sondern in kleinen bis riesigen Staaten leben, dass unsere Verfassungen sich so von Aristoteles’ Ideen unterscheiden, dass wir unsere Kinder so ganz anders erziehen?

Vielleicht ist aber der Unterschied auch gar nicht so gross, wie man im ersten Moment annehmen mag. In welchen der oben genannten Punkte hat die Philosophie des griechischen Philosophen, der vor über 2000 Jahren gelebt hat und gestorben ist, bis heute in der modernen Gesellschaft tatsächlich Anwendung gefunden und in welchen Punkten unterscheidet sie sich vom heutigen Leben – und warum?

Und wie ist das in unserer heutigen Gesellschaft? Sind wir wirklich so perfekt, wie wir zu glauben scheinen?

Dies sollen die Ausgangsfragen der folgenden Arbeit sein.

Beginnen werde ich mit der Staatsform, die Aristoteles’ Ausgangspunkt bildet: der Polis. Was ist die Polis, aus welchen Elementen setzt sie sich zusammen, und welches sind die Idealvoraussetzungen für die beste Stadt? Es stellt sich die Frage, worin sich die Polis vom modernen Staat unterscheidet, und ich werde versuchen, sie zu beantworten.

Die Grundbedingungen für die ideale Polis bestehen sowohl aus geographischen als auch verfassungsmässigen Punkten, weshalb ich danach auf seine Theorie der besten Verfassung eingehen werde. Das Ziel des menschlichen Strebens ist nach Aristoteles immer das Gute. Was aber ist das Gute für den Staat? Aus dieser Überlegung definiert sich das Ziel des Staates und seine Umsetzung, heute wie vor über 2000 Jahren.

Danach werde ich mich einem praktischen Aspekt der Verfassung zuwenden, der gleichzeitig auch die Basis für das „Gute Gelingen“ der Verfassungstheorie und damit des Lebens in der Polis bildet und somit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Glückseligkeit darstellt – der Erziehung. Ich möchte zuerst den Zusammenhang zwischen Staat und Erziehung genauer erläutern, und dann auf Ziele und Methoden heute wie damals eingehen.

In allen oben genannten Punkten werde ich versuchen, eine Verbindung zur Gegenwart herzustellen und aufzuzeigen, was sich verändert hat und was nicht.

Mein Hauptaugenmerk soll jedoch stets auf Aristoteles’ Werken liegen.

2. Die Polis

Ich möchte zunächst auf die Polis eingehen. Die Polis ist die Staatsform, die Aristoteles für seine Überlegungen als Ausgangspunkt gewählt hat und die seiner Meinung nach die höchste und beste Form des menschlichen Zusammenlebens darstellt. Doch was ist eigentlich die Polis?

2.1. Aus welchen Elementen besteht die Polis?

Jeder Mensch strebt von Natur aus nach Gemeinschaft, sagt Aristoteles1. Die notwendig aus diesem Streben entstehenden Beziehungen sind zum ersten die Beziehung zwischen Mann und Frau, die um der Fortpflanzung willen und somit aus einer natürlichen Notwendigkeit heraus besteht, und zweitens die Beziehung zwischen Herr und Sklave, zum Zwecke der Lebenserhaltung. Beide Arten von Gemeinschaft sind in der Natur des Menschen angelegt.

Aus diesen beiden Gemeinschaften entsteht nun die nächst höhere, das Haus, welches allein dem Überleben und den „augenblicklichen Bedürfnissen“2 dient. Innerhalb des Hauses gibt es eine dritte wichtige Beziehung, nämlich die zwischen Vater und Kindern.

Den nächsten Schritt zur Polis bildet das Dorf. Es besteht aus mehreren Häusern, die durch Verwandtschaft miteinander verbunden sind.

„Endlich ist die aus mehreren Dörfern bestehende vollkommene Gemeinschaft der Staat. Er hat gewissermassen die Grenze der vollendeten Autarkie erreicht, zunächst um des blossen Lebens willen entstanden, dann aber um des vollkommenen Lebens willen bestehend.“3 Der Staat besteht also von Natur aus, da auch die Gemeinschaften, die den Staat bilden, von Natur aus bestehen.

2.2. Was ist die Polis?

Das griechische Wort „polis“ lässt sich mit „Staat“ übersetzen. Damit meint Aristoteles jedoch keinen Staat im heutigen Sinne, sondern einen Stadtstaat mit umliegenden Ländereien und Dörfern, wie sie seinerzeit üblich waren. Dieser Staat hat keine festgelegte Regierungsform, sondern Aristoteles überlässt es jedem Volk selbst, die für es am geeignetsten erscheinende zu finden.

Für Aristoteles stellt die Polis die ursprünglichste Form des menschlichen Zusammenlebens dar, „Denn das Ganze muss ursprünglicher sein als der Teil“4, und, wie wir oben schon festgestellt haben, bestehen die beiden Beziehungen, auf denen alles aufbaut, von Natur aus.

Dieser Punkt ist ihm sehr wichtig und er wiederholt ihn oft. Der Staat ist kein, von der Obrigkeit den Menschen aufgezwungenes, künstliches Gebilde, sondern eine Lebensform, die jeder Einzelne von sich aus anstrebt und die seiner Natur am meisten entspricht. Es ist auch die Form der Gemeinschaft, die den Menschen am ehesten zu seiner wahren Natur hinführt und ihn lehrt, wie er mit seinen Tugenden am besten umgehen kann. Damit ist die Polis das Endziel des menschlichen Strebens, denn das Endziel jeder Sache ist immer die Natur einer solchen.5 .

2.3. Vorraussetzungen für die beste Stadt

Die wichtigste Vorraussetzung für die ideale Polis ist die Autarkie, „denn das vollkommen Gute scheint selbstgenügsam zu sein.“6 Und wie wir schon gehört haben, ist die Polis eine „vollkommene Gemeinschaft.“

Deshalb muss die Bevölkerungsgröße genau so sein, dass sie ein autarkes Leben ermöglicht und trotzdem überschaubar bleibt.7

Was das Gebiet betrifft, so sollte es vom Umfang her ein angenehmes, großzügiges Leben ermöglichen können, aber nicht zu groß sein, da man ihm dann im Kriegsfall nicht zu Hilfe kommen kann. Von der Landesqualität her sollte es möglichst viele, wenn nicht gar alle lebensnotwendigen Produkte selbst liefern und herstellen können um nicht auf andere angewiesen zu sein.

Ausserdem sollte es „...den Feinden schwer sein, in es einzudringen, den Bewohnern hingegen leicht, aus ihm herauszukommen.“8 Die Stadt sollte Zugang zum Meer haben und die Ernte und Holzmaterial oder ähnliches sollte leicht zuführbar sein. Trinkwasser muss reichlich vorhanden sein, sie muss gute Ausgänge haben und schwer von Feinden einzunehmen sein. Zur Verteidigung soll weiterhin eine Stadtmauer dienen, die von Wachlokalen und Türmen unterbrochen wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Aristoteles' "Politik" und ihr Bezug zur Gegenwart
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Völkerkunde und Afrikanistik)
Veranstaltung
Grundkurs zur Politischen Theorie
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V3990
ISBN (eBook)
9783638124829
ISBN (Buch)
9783638638425
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Politik, Politische Theorie, Philosophen
Arbeit zitieren
Davina Nweze (Autor), 2002, Aristoteles' "Politik" und ihr Bezug zur Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3990

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