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Des Kaisers neue Kleider? Über die Illusion des beidseitigen Kommunikationsvorgangs in der Kunst am Beispiel des Hörspiels Die Geschichte vom Franz Biberkopf von Alfred Döblin

Title: Des Kaisers neue Kleider?  Über die Illusion des beidseitigen Kommunikationsvorgangs in der Kunst am Beispiel des Hörspiels  Die Geschichte vom Franz Biberkopf  von Alfred Döblin

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 26 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Alain Bieber (Author)

German Studies - Modern German Literature
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So wie der Computer als allerneueste Erfindung des Menschen zu neuen literarischen und visuellen künstlerischen Ausdrucksweisen anregt, die im Internet ein breitgefächertes Forum finden, so lud vor rund 80 Jahren das damals neue Medium Radio zu neuen kreativen, literarischen und auditiven Entfaltungsmöglichkeiten ein: Eine dieser Ausdrucksweisen war das Hörspiel.
Nahezu die gesamte literarische Intelligenz der Weimarer Republik - Alfred Döblin, Arnold Zweig, Bertolt Brecht, Walter Benjamin, Joseph Roth, Ernst Bloch, Kurt Weill, u.v.a. - haben eine mehr oder weniger intensive Beziehung zu diesem neuen Medium entwickelt. Das neue Medium wurde in den höchsten Tönen als weltbewegende Innovation gepriesen(1) , jedoch auch als mysteriöser Apparat dämonisiert(2) und am Ende von Kapitalisten und Nationalsozialisten funktionalisiert(3) .
[...]
______
1 "Denn daß du an den Äther rührst, Funkturm, daß du als sichtbare Zeugung, aufgerichtet bist, um ins mächtige All die Wellen des Menschen auszupulsen, das erst, Funkturm, macht dich ja so schön, weil es dich magisch macht." - Zweig, Arnold: "An den Funkturm, den Nachbarn." In: Hay, Gerhard: Literatur und Rundfunk 1923-1933. Hildesheim 1975.
2 "Achten Sie darauf, wie diese irrsinnige Schallröhre scheinbar das Dümmste, Unnützeste und Verbotenste von der Welt tut und eine irgendwo gespielte Musik wahllos, dumm und roh, dazu noch jämmerlich entstellt, in einen fremden, nicht zu ihr gehörenden Raum hinein schmeißt - und wie sie dennoch den Urgeist dieser Musik nicht zerstören kann, sondern an ihr nur ihre eigene ratlose Technik und geistlose Betriebmacherei erweisen muß!" - Hesse, Hermann: Der Steppenwolf. Frankfurt am Main 1972.
3 Der Lautsprecher ist ein Instrument der Massenpropaganda, das man in seiner Wirksamkeit heute noch gar nicht abschätzen kann. Jedenfalls haben doch unsere Gegner nichts damit an-zufangen gewußt. Um so besser müssen wir lernen, damit umzugehen." - Goebbels, Joseph: Tagebuchnotiz, 1933.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Literatur im Wandel

2. 1 Technologischer Fortschritt und neue Wahrnehmung

2. 2 Wahrnehmung als ästhetische Komponente und ihre literarische Umsetzung in „Berlin Alexanderplatz“

III. Rundfunk – Entwicklung und Theorien

3. 1 Die Entstehung des Radios in Deutschland

3. 2 Döblins Rundfunktheorie – Eine Utopie?

3. 3. Döblin, Brecht und Benjamin – Das Radio als Propaganda-Medium für sozialistische Ideologien

IV. Literatur und Rundfunk

4.1 Altes Medium vs. Neues Medium: "Berlin Alexanderplatz" vs. "Die Geschichte vom Franz Biberkopf"

4. 2 Die futuristischen Einflüsse in Döblins Hörspiel

V. Resümee und neue Partizipationsformen der Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die utopische Hoffnung eines beidseitigen Kommunikationsvorgangs im Rundfunk der Weimarer Republik am Beispiel von Alfred Döblins Hörspiel "Die Geschichte vom Franz Biberkopf" und analysiert, inwiefern literarische Werke technologisch neue Medien zur Publikumsbeteiligung nutzen können.

  • Die literarische Verarbeitung von Wahrnehmung im 20. Jahrhundert
  • Entwicklung und medientheoretische Einordnung des frühen Radios
  • Döblins didaktisches Konzept und die Grenzen der Hörspieladaption
  • Futuristische Einflüsse und die Ästhetik der Geräuschkunst
  • Die Parallelen zwischen historischen Medienutopien und moderner Hypertext-Literatur

Auszug aus dem Buch

3. 2 Döblins Rundfunktheorie – Eine Utopie?

"Die Geschichte vom Franz Biberkopf" ist die versuchte Realisierung der rundfunktheoretischen Ansichten Döblins. Es lässt sich darüber streiten, ob ihm das am Ende auch wirklich gelungen ist. Sein Ziel war eine Anpassung des epischen Dramas an die spezifischen Möglichkeiten des Rundfunks; auch aus diesem Grund wählte Döblin das didaktische Lehrstück-Konzept.

Er schrieb mit Hilfe von Max Bing und wahrscheinlich auch Heinrich George (der Sprecher des Franz Biberkopf, sowie des Darstellers im Film), seinen schon damals sehr erfolgreichen Roman Berlin Alexanderplatz um; jedoch kam der festgelegte Sendeplatz nie zustande. Man vermutete politische Umstände, vor allem aufgrund der Machtsteigerung der NSDAP oder aber Mängel an der letzten Fassung, denn obwohl Döblin die Sprecherzahl schon stark reduzierte, wurde er trotzdem noch wegen der schweren akustischen Differenzierung kritisiert.

Seine rundfunktheoretischen Ansichten werden vor allem von seinem Vortrag "Literatur und Rundfunk" abgeleitet, den er bei der Kasseler Arbeitstagung "Dichtung und Rundfunk" am 30.9.1929 hielt. Bei der Tagung, die von der Reichsrundfunkgesellschaft und der Preußischen Akademie der Künste veranstaltet wurde, hielten noch viele andere Autoren wie z.B. Arnold Zweig oder Alfons Paquet einen Vortrag über das neue Medium. Döblins Rundfunktheorien ähneln sich dabei sehr seinen literaturwissenschaftlichen Ansichten. Seiner Auffassung nach, basiert die Literatur ursprünglich auf einem zweiseitigen Kommunikationsvorgang: Produzent und Rezipient sind beide kollektiv und aktiv beteiligt. Das Problem der einseitigen Kommunikation beschreibt Döblin mit den Worten: "...so sitzt, wer etwas sagen will, vor einem toten Papier, um sich tote Wände..." Er sah im Medium Rundfunk die Möglichkeit, die Kluft zwischen "überartistischer Literatur" und "Volksmasse" zu vermindern.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Faszination für das Medium Radio in der Weimarer Republik und stellt die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten einer beidseitigen Kommunikation zwischen Sender und Hörer.

II. Literatur im Wandel: Das Kapitel analysiert den Einfluss technologischer Fortschritte auf die menschliche Wahrnehmung und wie Döblin diese neue Erfahrungswirklichkeit in seinem Roman "Berlin Alexanderplatz" ästhetisch umsetzte.

III. Rundfunk – Entwicklung und Theorien: Es wird die historische Entstehung des Radios in Deutschland beschrieben sowie Döblins theoretische Ansätze und deren Parallelen zu Intellektuellen wie Brecht und Benjamin diskutiert.

IV. Literatur und Rundfunk: Hier erfolgt ein Vergleich zwischen dem Roman und dem Hörspiel, wobei insbesondere die Montagetechnik und der Einfluss des Futurismus sowie der Geräuschkunst hervorgehoben werden.

V. Resümee und neue Partizipationsformen der Literatur: Das Fazit reflektiert das Scheitern der sozialistischen Medienutopien im Rundfunk und zieht einen Bogen zur heutigen digitalen Vernetzung und Hypertext-Literatur.

Schlüsselwörter

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, Rundfunktheorie, Hörspiel, Weimarer Republik, Medienästhetik, Kommunikationstheorie, Franz Biberkopf, Futurismus, Luigi Russolo, Montagetechnik, Literatur im Wandel, Hypertext, Partizipation, Medientechnik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Literatur zu den neuen Medien der 1920er Jahre, insbesondere dem Radio, am Beispiel von Alfred Döblins Hörspiel "Die Geschichte vom Franz Biberkopf".

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Radiotechnik, medientheoretische Positionen zur Partizipation der Hörer, literarische Adaptionsprozesse sowie futuristische Ästhetik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu erörtern, ob das Radio als "Kommunikationsapparat" zur Aufhebung der Kluft zwischen Elite-Literatur und Volksmassen dienen kann und wie Döblin diesen Anspruch in seinem Hörspiel umzusetzen suchte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche und medienhistorische Analyse angewandt, die intertextuelle Bezüge sowie zeitgenössische medientheoretische Schriften (Döblin, Brecht, Benjamin) miteinander verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Rundfunkentwicklung, eine theoretische Einordnung von Döblins Hörspielansätzen und eine Untersuchung der technischen Montagetechnik im Vergleich zum Roman.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Montagetechnik, Medialisierung, Intertextualität, Geräuschkunst und der Wandel von der Literatur hin zum Hypertext.

Inwiefern beeinflusste der Futurismus Döblins Arbeit?

Döblin wurde von den Thesen Luigi Russolos beeinflusst, insbesondere von der Idee, "Geräusch-Töne" als ästhetische Komponente zu begreifen und die "Krankenhaus-Atmosphäre" konventioneller Konzertsäle zu verlassen.

Wie bewertet der Autor den aktuellen Stand der Medienpartizipation?

Der Autor konstatiert, dass die historischen Utopien einer aktiven Hörerpartizipation im Rundfunk weitgehend gescheitert sind, sieht jedoch im Internet und der dort entstehenden Hypertext-Literatur eine neue, wenn auch risikobehaftete Chance für interaktive Mitautorschaft.

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Details

Title
Des Kaisers neue Kleider? Über die Illusion des beidseitigen Kommunikationsvorgangs in der Kunst am Beispiel des Hörspiels Die Geschichte vom Franz Biberkopf von Alfred Döblin
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Course
HS: Medien-Inszenierungen in der Literatur um 1900
Grade
1,5
Author
Alain Bieber (Author)
Publication Year
2002
Pages
26
Catalog Number
V3992
ISBN (eBook)
9783638124843
Language
German
Tags
Hörspiele
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alain Bieber (Author), 2002, Des Kaisers neue Kleider? Über die Illusion des beidseitigen Kommunikationsvorgangs in der Kunst am Beispiel des Hörspiels Die Geschichte vom Franz Biberkopf von Alfred Döblin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3992
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