Die Metamorphosen des Publius Ovidius Naso zählen mit Sicherheit zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Die etwa dreihundert Erzählungen der insgesamt fünfzehn Bücher sind untereinander thematisch verknüpft, so dass am Ende ein kunstvolles Gesamtwerk entsteht. Walther Ludwig beschreibt dies in seinem Werk „Struktur und Einheit der Metamorphosen Ovids“ von 1965 mit folgenden Worten: „Es ist gleichsam eine große kreisförmige Bewegung (von den Göttern zu den Menschen und wieder hinauf zu den Göttern), die das Werk als Ganzes durchzieht und die sich schließlich in Augustus erfüllt. (...) Ovid war der Erste, der die Metamorphosendichtung mit der Konzeption eines Weltgedichts verband.(...) Sein Ziel war gewissermaßen ein Überepos, das die gesamte
Mythologie und Geschichte zur Darstellung bringen sollte“ Jede Metamorphose zeichnet sich, wie der Name schon sagt, durch die Schilderung einer Verwandlung aus, die sich als Folge der Erzählung ergibt. Ein Beispiel hierfür ist sowohl der Götterzorn, der oft Eingang in die Erzählungen findet, als auch die Liebe, die in den Metamorphosen oft Anlass zu einer Verwandlung bietet. So auch in der Geschichte Pyramus und Thisbe, die dieser Arbeit zugrunde liegt. Zunächst gilt die Betrachtung der Geschichte selbst. Nach Darlegung des Inhalts und Anfertigen einer Gliederung, gilt es den Mythos um Pyramus und Thisbe zu analysieren. Den Abschluss bildet schließlich ein Beispiel aus der Rezeptionsgeschichte der Metamorphose. Der normannische Künstler Nicolas Poussin setzte sich mit der Metamorphose auseinander und nannte sein 1651 entstandenes Werk „ Landschaft mit Pyramus und Thisbe.
Inhaltsverzeichnis
I Vorwort
II Pyramus und Thisbe
2.1 Inhalt
2.2 Gliederung
2.3 Analyse
2.4 Rezeption: Poussins’ „Landschaft mit Pyramus und Thisbe“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die tragische Erzählung von Pyramus und Thisbe aus Ovids Metamorphosen. Ziel der Untersuchung ist es, den mythologischen Inhalt und seine strukturelle Gliederung aufzuarbeiten, eine literaturwissenschaftliche Analyse der zentralen Motive (insbesondere Wand, Früchte des Maulbeerbaumes und Liebe) vorzunehmen sowie die künstlerische Rezeption durch Nicolas Poussin zu beleuchten.
- Mythologische Erzählanalyse von Ovids Pyramus und Thisbe
- Untersuchung zentraler Leitmotive und Symbolik
- Literarische und sprachliche Gestaltungsmittel bei Ovid
- Interdisziplinärer Vergleich: Bildende Kunst (Poussin) und literarische Vorlage
- Diskussion von Rezeptions- und Interpretationsansätzen
Auszug aus dem Buch
2.3 Analyse
Führt man sich den Inhalt der Geschichte vor Augen, stellt sich zunächst die Frage nach der Schuld an dieser Tragödie. Sicherlich tragen in erster Linie die Eltern einen Großteil an Schuld, da sie die Liebe ihrer Kinder verbieten und dafür nicht einmal einen plausiblen Grund angeben. Mit Sicherheit hat auch Pyramus eine gewisse Schuld, da er zu spät zu Verabredung kommt. Außerdem erklärt er Thisbe ohne ausreichende Beweise für tot und begeht damit einen entscheidenden Fehler, den die Literaturwissenschaft mit dem griechischen Wort περιπετεια beschreibt. Daraus ergibt sich im folgenden die Peripetie, also die tragische Wende.
Zu Beginn der Metamorphose rühmt der Autor zunächst die Schönheit von Pyramus und Thisbe, wobei der zweite Vers, gemäß dem Gesetz der wachsenden Glieder, sich ganz der Schönheit Thisbes annimmt. Neben dem Schlüsselbegriff der Liebe (das Wort amor, bzw. Zusammensetzungen mit eben diesem Wort kommen im Text elf mal vor und rufen dem Leser so das Hauptgeschehen immer wieder ins Gedächtnis) gibt es noch zwei Motive, die in der Geschichte eine tragende Rolle spielen: die Wand und die Früchte des Maulbeerbaumes.
Die Wand, die durch einen störenden Riss beschädigt ist, bildet die einzige Kommunikationsmöglichkeit für das Liebespaar. Sie wird aus diesem Grunde auch personifiziert, da nämlich nicht durch die Wand gesprochen wird, sondern mit ihr. Ja sogar menschliche Eigenschaften wie die invidia werden ihr zugetraut, auch wenn der „Vorwurf der Missgunst sofort eingeschränkt wird-nec sumus ingrati- denn die Wand begünstigt ja das Liebesgleück indem sie den Stimmen Durchlaß gibt“.
Zusammenfassung der Kapitel
I Vorwort: Einleitung in die Bedeutung der Metamorphosen als Weltliteratur und Erläuterung der Motivation für die Auswahl der Geschichte von Pyramus und Thisbe.
II Pyramus und Thisbe: Umfassende Betrachtung der tragischen Liebesgeschichte von der inhaltlichen Zusammenfassung über eine detaillierte gliederungstechnische Erschließung bis hin zur philologischen Analyse.
2.1 Inhalt: Zusammenfassung der erzählerischen Handlung von der heimlichen Liebe in Babylon bis zum tragischen Doppelselbstmord.
2.2 Gliederung: Strukturierte Auflistung der Geschichte nach Versgruppen mit inhaltlichen Schwerpunkten wie Exposition, Hauptteil und Schluss.
2.3 Analyse: Literarische Untersuchung der zentralen Motive wie der Wand, der Maulbeeren und der tragischen Wendepunkte im Text.
2.4 Rezeption: Poussins’ „Landschaft mit Pyramus und Thisbe“: Untersuchung der künstlerischen Umsetzung des Stoffs durch den Maler Nicolas Poussin unter Berücksichtigung des Laokoon-Problems.
Schlüsselwörter
Ovid, Metamorphosen, Pyramus, Thisbe, Antike Dichtung, Literaturanalyse, Poussin, Motivforschung, Peripetie, Liebe, Wandmotiv, Maulbeerbaum, Rezeptionsgeschichte, Klassische Philologie, Tragödie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der mythologischen Erzählung von Pyramus und Thisbe aus den Metamorphosen von Publius Ovidius Naso.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der inhaltlichen und strukturellen Analyse des Textes stehen literarische Motive und die künstlerische Rezeption durch Nicolas Poussin im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine tiefgehende Analyse der Geschichte unter Berücksichtigung sprachlicher Mittel sowie der Verknüpfung von Literatur und bildender Kunst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die philologische Aspekte sowie kunstgeschichtliche Interpretationsansätze kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Handlungsverlauf, die Gliederung der Verse, die Funktion zentraler Symbole wie der Wand und der Einfluss von Naturphänomenen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ovid, Metamorphosen, Pyramus und Thisbe, Motivik, Antike und Rezeptionsgeschichte geprägt.
Welche Bedeutung hat das Wand-Motiv?
Die Wand fungiert als einzige Verbindungsmöglichkeit der Liebenden und wird personifiziert, um ihre Bedeutung für das Handeln der Charaktere zu verdeutlichen.
Wie interpretiert Poussin den Mythos?
Poussin integriert die Szene in eine dramatische Naturlandschaft und nutzt das Unwetter als Ausdruck für das tragische Liebesunglück.
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- Steffi Rothmund (Author), 2003, Pyramus und Thisbe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39998