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Vivit et non vivit - Friedrich II. und die falschen Friedriche

Titel: Vivit et non vivit - Friedrich II. und die falschen Friedriche

Seminararbeit , 2004 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Arne Friedemann (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

"Ich bin König Friedrich." 1 Mit diesen Worten behauptete 1283 ein Mann in Köln, er sei der 1250 gestorbene Kaiser Friedrich II. Die Kölner Episode war kein Einzelfall. Tatsächlich gaben sich nach Friedrichs Tod eine ganze Reihe von Hochstaplern als wiedergekehrter Kaiser Friedrich aus. Was aber hat all diese Männer zu ihrem Tun bewogen? Wie kommt es, dass die falschen Friedriche so leicht Gehör finden und sich manchmal jahrelang an der Macht halten konnten?

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns mit der Kaisersage befassen, einer Sage, der zufolge ein messianischer Endkaiser erscheinen und vor dem Weltuntergang ein Reich des Friedens errichten wird. Gefragt werden muss aber auch, warum es gerade Friedrich II. war, den die falschen Prätendenten zu ihrem Vorbild erkoren. Das heißt, ein zentrales Anliegen dieser Arbeit wird sein, die Gestalt Kaiser Friedrichs II. zu beleuchten und dabei zu fragen, welche Umstände ein derart intensives Nachleben ermöglicht haben.

Über diesen Betrachtungen sollen jedoch die falschen Friedriche nicht vergessen werden, Männer, die sich den Rang eines Kaisers anmaßten und mit unterschiedlichem Erfolg ihr riskantes Spiel spielten. Dabei ist es sinnvoll, den Untersuchungszeitraum auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zu beschränken, denn dies ist die Zeitspanne, in der die meisten falschen Friedriche auftraten.

Vorweg noch ein paar Worte zur Quellenlage und zum Forschungsstand. Zu den falschen Friedrichen existieren nur wenige Quellen und diese sind oft nicht allzu genau. Mancher dieser Pseudokaiser hat nur so kurz "regiert", dass sich der jeweilige Vorfall bestenfalls mit wenigen Sätzen in einer Stadtchronik niedergeschlagen hat. Auch sind die falschen Friedriche Gegenstand nur sehr weniger Darstellungen gewesen. Als herausragendes Werk muss man Victor Meyers 1868 erschienene Arbeit "Tile Kolup" nennen, die sich allerdings auf einen der berühmtesten Pseudo-Friedriche konzentriert. 2 Der Autor, ein Wetzlarer Gymnasiallehrer, glänzt nicht nur durch Genauigkeit und hohes wissenschaftliches Niveau; noch dazu gelang es Meyer, sein Sujet mit einer Frische zu schildern, die man bei professionellen Historikern leider nur selten antrifft. Mehr Gewicht auf die Kaisersage legte Julius Heidemann in seiner Arbeit "Die deutsche Kaiseridee 1 "ego sum rex Fridericus!" Gesta Trevirorum, zit. n. Meyer, Victor Tile Kolup (der falsche Friedrich) und die Wiederkunft eines ächten Friedrich, Kaisers der Deutschen: [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die falschen Friedriche

1.1. Giovanni de Calcaria

1.2. Tile Kolup

2. Die Bedeutung der Kaisersage

2.1. Die Lehren Joachims von Fiore

3. Warum Friedrich II.?

3.1. Stupor Mundi

3.2. Mythenumranktes Leben

3.3. Friedrich als Erneuerer der verderbten Kirche

3.4. Vivit et non vivit

3.5. Andere Gründe

Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht das Phänomen der „falschen Friedriche“, die nach dem Tod von Kaiser Friedrich II. im 13. Jahrhundert auftraten, und analysiert, warum diese Hochstapler so leicht Gehör fanden und wie die Kaisersage sowie die politische Instabilität der Zeit ihren Erfolg begünstigten.

  • Die Rolle der mittelalterlichen Kaisersage und der eschatologischen Erwartungen.
  • Die historische Figur Friedrichs II. als Projektionsfläche für messianische Hoffnungen.
  • Die Bedeutung von Machtvakua und politischer Instabilität für das Auftreten der Pseudokaiser.
  • Die Analyse prominenter Beispiele wie Giovanni de Calcaria und Tile Kolup.

Auszug aus dem Buch

1.2. Tile Kolup

Tile Kolup ist der zweite falsche Friedrich, dem es gelang, mehr als nur lokale Bedeutung zu entfalten, ja, sein Ruf soll sich sogar bis nach Italien und Burgund verbreitet haben. Davon abgesehen hat seine "Regierungszeit" erstaunlich lange gewährt, nämlich von 1283 bis 1285.

Zunächst versuchte Tile Kolup sein Glück in Köln. Dort hatte er in seiner Rolle als Kaiser Friedrich allerdings keinen Erfolg. Nach einem kurzen Verhör wurde er auf dem Marktplatz zur Schau gestellt, dort von der Menge verspottet und schließlich mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt. Von dieser Behandlung nicht entmutigt, zog der falsche Kaiser ins rheinabwärts gelegene Neuß, wo ihm endlich die erhoffte Huldigung zuteil wurde. Nun richtete Tile Kolup einen Hofstaat ein und sammelte viel Volk um sich. Er hielt "Hof- und Gerichtstage, ertheilte Privilegien und ließ Briefe mit [kaiserlichem] Siegel an Fürsten und Städte ergehen." Seine lange Abwesenheit (immerhin war Friedrich II. 1284 bereits seit 34 Jahren tot!) erklärte auch er mit einer Pilgerschaft – oder aber er verstieg sich zu der Behauptung, im Innern der Erde gelebt zu haben.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der falschen Friedriche und Abgrenzung des Untersuchungszeitraums sowie der Quellenlage.

1. Die falschen Friedriche: Darstellung der historischen Auftritte verschiedener Hochstapler, die sich als Friedrich II. ausgaben, mit Fokus auf die Fälle Giovanni de Calcaria und Tile Kolup.

2. Die Bedeutung der Kaisersage: Erläuterung der eschatologischen Hintergründe und der Bedeutung der Kaisersage für das 13. Jahrhundert.

3. Warum Friedrich II.?: Analyse der Gründe, warum gerade die Person Friedrichs II. zur zentralen Identifikationsfigur für die Erwartung eines Endkaisers wurde.

Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Einordnung der Rolle des „Volksghibellinismus“ und politischer Machtverhältnisse.

Schlüsselwörter

Friedrich II., Kaisersage, Hochstapler, Mittelalter, Endkaiser, Staufer, Giovanni de Calcaria, Tile Kolup, Eschatologie, Joachim von Fiore, Volksghibellinismus, Machtvakuum, Kaiseridee, Prophetie, Ketzer.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Erscheinung von falschen Friedrichen im 13. Jahrhundert und den soziopolitischen sowie ideologischen Ursachen für dieses Phänomen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die mittelalterliche Kaisersage, der Mythos um Friedrich II., die kirchliche Situation und das soziale Milieu des 13. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, warum sich Männer als verstorbener Kaiser ausgaben, wie sie Anhänger finden konnten und welche Rolle Friedrich II. als messianische Identifikationsfigur spielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkrete Fälle von Hochstaplern sowie die Hintergründe der Kaisersage und warum gerade Friedrich II. das Ziel dieser Mystifizierung war.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kaisersage, Staufer, Hochstapler, Friedrich II. und Eschatologie charakterisiert.

Welche Bedeutung hatte das Jahr 1260 laut Joachim von Fiore?

Joachim von Fiore errechnete das Jahr 1260 als den Anbruch eines dritten Zeitalters, des Zeitalters des Heiligen Geistes, was die Erwartung eines kommenden Endkaisers befeuerte.

Warum war der "Volksghibellinismus" für die Hochstapler relevant?

Dieser Begriff beschreibt eine Stimmung im Volk, die Anhängerschaft für ghibellinische Ideale und die Staufer als Hoffnungsträger gegen die Kirche bildete, was den falschen Friedrichen als Basis diente.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vivit et non vivit - Friedrich II. und die falschen Friedriche
Veranstaltung
PS Kaiser Friedrich II. (1194-1250)
Note
1,0
Autor
Arne Friedemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V40018
ISBN (eBook)
9783638386432
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vivit Friedrich Friedriche Kaiser Friedrich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Arne Friedemann (Autor:in), 2004, Vivit et non vivit - Friedrich II. und die falschen Friedriche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40018
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Leseprobe aus  20  Seiten
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