[...] In dieser Arbeit wird die unterschiedliche Behandlung aktienkursorientierter Vergü- tungssysteme nach deutschem Steuerrecht und nach IFRS 2 dargestellt und disku- tiert. Nach einer Unterteilung und Begriffsbestimmung aktienkursorientierter Vergü- tungssysteme liegt der Fokus der Untersuchung auf der Behandlung der Varianten Stock Options und Phantom Stocks. W ährend erstere zu den so genannten echten Eigenkapitalinstrumenten zählt, ordnet man letztere den virtuellen Eigenkapital- instrumenten zu. Die steuerlichen Konsequenzen einer Auflage solcher Vergütungs- instrumente werden mittels einer Modellrechnung quantifiziert. Dabei w ird die Ent- wicklung des Steuerbarwertes für die Fallkonstellationen Ausübung und Nichtaus- übung der Instrumente betrachtet. Die Arbeit beschränkt sich auf die Arbeitgeber- sicht. Konsequenzen auf Seiten der Arbeitnehmer oder der Aktionäre sind nicht Ge- genstand der Untersuchung.
Das deutsche Steuerrecht versagt bei Stock Options mittels bedingter Kapitalerhö- hung die Möglichkeit Betriebsausgaben anzusetzen. W erden sie dagegen durch z u- rückerworbene eigene Anteile bedient, so können Rückstellungen in Höhe des inne- ren Wertes der Option angesetzt und in gleicher Höhe Betriebsausgaben geltend g e- macht werden. Nach IFRS 2 kann bei Stock Options generell Personalaufwand ge- bucht werden. Während nach deutschem Steuerrecht die Bilanzierung von Stock Options somit von deren Bedienungsart durch das Unternehmen abhängt, ist die Be- dienungsart nach IFRS 2 unerheblich. Die Bewertung erfolgt zum fair v alue, welcher zum Gewährungszeitpunkt über den so genannten Leistungszeitraum fixiert wird. Die ermittelten Gesamtaufwendungen werden pro rata temporis über den Leistungs- zeitraum verteilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Wandel im Umfeld leistungsorientierter Mitarbeitervergütung
1.1. Neue Ausgestaltungsmöglichkeiten der Mitarbeitervergütung in Deutschland
1.2. Internationalisierung der deutschen Rechnungslegung
2. Aktienkursorientierte Vergütungssysteme
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Behandlung nach deutschem Steuerrecht
2.2.1. Bilanzierung echter Eigenkapitalinstrumente
2.2.1.1. Stock Options auf Basis einer bedingten Kapitalerhöhung
2.2.1.2. Stock Options auf Basis eines Aktienrückkaufs
2.2.2. Bilanzierung virtueller Eigenkapitalinstrumente
2.2.2.1. Share Appreciation Rights
2.2.2.2. Phantom Stocks
2.3. Behandlung nach IFRS 2
2.3.1. Bewertung der Vergütungsinstrumente
2.3.2. Bilanzierung echter Eigenkapitalinstrumente
2.3.3. Bilanzierung virtueller Eigenkapitalinstrumente
2.4. Ist ein Anknüpfen der steuerlichen Gewinnermittlung an den Regelungen des IFRS 2 denkbar?
3. Modellrechnung zu aktienkursorientierten Vergütungssystemen
3.1. Einführung und Zielsetzung der Modellrechnung
3.2. Ausgangsdaten des Modells
3.3. Fallkonstellation 1: Erfüllung der Ausübungsbedingungen
3.3.1. Stock Options nach deutschem Steuerrecht
3.3.2. Stock Options nach IFRS 2
3.3.3. Phantom Stocks nach deutschem Steuerrecht
3.3.4. Phantom Stocks nach IFRS 2
3.4. Fallkonstellation 2: Verfehlung der Ausübungsbedingungen
3.4.1. Stock Options nach deutschem Steuerrecht
3.4.2. Stock Options nach IFRS 2
3.4.3. Phantom Stocks nach deutschem Steuerrecht
3.4.4. Phantom Stocks nach IFRS 2
3.5. Zwischenergebnis
4. Thesenartige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die steuerlichen Unterschiede in der Behandlung aktienkursorientierter Vergütungssysteme nach deutschem Steuerrecht und nach IFRS 2 zu analysieren und zu quantifizieren. Die Forschungsfrage untersucht, welche Vorgehensweise aus Sicht des arbeitgebenden Unternehmens im Hinblick auf die steuerliche Gewinnermittlung vorteilhafter ist, wobei als Entscheidungskriterium der Steuerbarwert dient.
- Internationalisierung der Rechnungslegung und deren Einfluss auf deutsche Unternehmen
- Vergleich der Bilanzierung echter (Stock Options) und virtueller (Phantom Stocks) Instrumente
- Analyse der steuerlichen Anerkennung von Vergütungsaufwendungen
- Durchführung einer Modellrechnung zur Quantifizierung von Steuerbarwerten bei Erfüllung und Verfehlung von Ausübungsbedingungen
- Diskussion über die Übertragbarkeit der IFRS 2-Regelungen auf die deutsche steuerliche Gewinnermittlung
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1. Stock Options auf Basis einer bedingten Kapitalerhöhung
Die erste Möglichkeit, Stock Options auszugeben, besteht darin, sie auf Basis einer bedingten Kapitalerhöhung gemäß § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG aufzulegen. Dem wird zugute gehalten, dass dabei „…zu keinem Zeitpunkt Barmittel aus dem Unternehmen abfließen.“ Bedingt bedeutet in diesem Fall, dass die Kapitalerhöhung nur in dem Umfang erfolgt, wie Bezugsrechte auch tatsächlich ausgeübt werden. Jeder Stock Option Plan auf Basis eines bedingten Kapitals hat aktienrechtliche Mindestvoraussetzungen nach § 193 Abs. 2 AktG zu beachten. So müssen bei der Ausgestaltung der Pläne u.a. folgende Informationen abgebildet werden: der Kreis der Berechtigten sowie die Aufteilung der Optionen innerhalb dieses Kreises, der festgelegte Ausübungspreis, die Erfolgsziele, die die Voraussetzung für eine Optionsausübung bilden.
Der Begünstigte erhält das Recht, wenn bestimmte Ausübungsbedingungen erfüllt sind, Aktien der Gesellschaft zu einem vorher festgelegten Ausübungspreis zu zeichnen. Da die bilanzielle Behandlung aktienkursorientierter Vergütungssysteme in Deutschland bisher aber nicht explizit gesetzlich geregelt ist, ist deren Behandlung aus den GoB abzuleiten. Gegenwärtig werden folgende Auffassungen, wie Stock Options auf Basis einer bedingten Kapitalerhöhung abzubilden sind, vertreten.
Nach h.M. entstehen bei Stock Options auf Grundlage von § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG keine Personalaufwendungen. Die durch eine bedingte Kapitalerhöhung zu liefernden jungen Aktien führen nicht zum Abfluss von Liquidität und die Kosten des entstehenden Kapitalverwässerungseffektes tragen alleine die Altaktionäre. Bei Ausübung der Option fließt der Gesellschaft neues Kapital zu, das auf die Bilanzpositionen gezeichnetes Kapital und Kapitalrücklage aufzuteilen ist. Somit sind solche Stock Options bis zum Zeitpunkt der Optionsausübung bilanzunwirksam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wandel im Umfeld leistungsorientierter Mitarbeitervergütung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung variabler, aktienkursorientierter Vergütungssysteme vor dem Hintergrund internationaler Trends und gesetzlicher Änderungen wie dem KonTraG.
2. Aktienkursorientierte Vergütungssysteme: Hier werden die verschiedenen Vergütungsformen (echte vs. virtuelle Instrumente) definiert und ihre steuerliche sowie bilanzielle Behandlung nach deutschem Recht und IFRS 2 detailliert gegenübergestellt.
3. Modellrechnung zu aktienkursorientierten Vergütungssystemen: Dieses Kapitel quantifiziert mittels einer Beispielrechnung die Auswirkungen verschiedener Instrumente auf die Steuerlast und den Steuerbarwert, sowohl bei Erfüllung als auch bei Verfehlung der Ausübungsbedingungen.
4. Thesenartige Zusammenfassung: Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit in Form zentraler Thesen zusammengefasst, die die Vorteile einer IFRS 2-basierten Bilanzierung aus Unternehmenssicht hervorheben.
Schlüsselwörter
Aktienkursorientierte Vergütungssysteme, IFRS 2, Deutsches Steuerrecht, Stock Options, Phantom Stocks, Steuerbarwert, Maßgeblichkeitsprinzip, Betriebsausgabenabzug, Bilanzierung, Fair Value, Innerer Wert, Kapitalerhöhung, Aktienrückkauf, Share Appreciation Rights, Modellrechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der steuerlichen und bilanziellen Behandlung von aktienkursorientierten Vergütungssystemen für Mitarbeiter, wobei ein Vergleich zwischen dem deutschen Steuerrecht und den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS 2) gezogen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung von echten und virtuellen Eigenkapitalinstrumenten, die Ausgestaltung von Stock Option Plänen und Phantom Stocks sowie die Anwendbarkeit der IFRS 2-Regelungen auf die deutsche steuerliche Gewinnermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse, welche Vergütungsvariante aus Sicht eines arbeitgebenden Unternehmens unter dem Gesichtspunkt der Steuerbarwertminimierung am vorteilhaftesten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine quantitative Modellrechnung für ein fiktives Unternehmen (XY-AG), um die steuerlichen Auswirkungen verschiedener Szenarien messbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse der steuerlichen und IFRS-rechtlichen Behandlung sowie eine ausführliche Modellrechnung für verschiedene Fallkonstellationen bei Ausübung bzw. Verfehlung von Bedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aktienkursorientierte Vergütung, IFRS 2, Steuerbarwert, Maßgeblichkeitsprinzip und Betriebsausgabenabzug charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach deutschem Steuerrecht von IFRS 2?
Während nach deutschem Steuerrecht häufig der innere Wert herangezogen wird, schreibt IFRS 2 eine Bewertung zum "Fair Value" vor, was oft zu höheren Aufwandsbuchungen und einer gleichmäßigeren Verteilung führt.
Warum spielt das EuGH-Urteil zur Vorabentscheidungszuständigkeit eine Rolle?
Das Urteil ist relevant, da es die Diskussion befeuert, ob in Zweifelsfällen des nationalen Rechts auf internationale Standards wie IFRS zurückgegriffen werden muss, was langfristig die steuerliche Gewinnermittlung beeinflussen könnte.
Welches Ergebnis liefert die Modellrechnung bezüglich Stock Options?
Die Modellrechnung zeigt, dass Stock Options bei Anwendung der IFRS 2-Regelungen im Vergleich zur de lege lata-Situation steuerlich vorteilhafter sein können, da sie eine stetigere und planbarere Aufwandsverteilung ermöglichen.
- Quote paper
- Johannes Schlicht (Author), 2005, Behandlung aktienkursorientierter Vergütungssysteme aus Sicht des Arbeitgebers nach deutschem Steuerrecht und IFRS im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40031