Feministische Ethik


Hausarbeit, 2005

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was bedeutet feministische Ethik?
2.1 Ursprung und Ausgangspunkt feministischer Ethik
2.2 Eine Definition feministischer Ethik
2.3 Verortung feministischer Ethik

3. Neuere Geschichte der feministischen Ethik

4. Kontroversen feministischer Ethikdiskussion
4.1 Universale versus kontextuelle Begründung
4.2 Deontologische und teleologische Konzepte
4.3 Geschlechtergleichheit versus sexuelle Differenz

5. Gender-Perspektive: Ethik der geschlechtsspezifischen Moral
5.1 Definition und Grundgedanken von Gender
5.2 Anwendung in einem Feld der Sozialen Arbeit

6. Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir können heute auf eine rund dreitausendjährige Geschichte der Philosophie zurückblicken. In dieser Geschichte kommen Frauen nicht vor. Nie hat jemand von einer Philosophin, einer anerkannt großen Denkerin gehört. Das Denken war seit jeher eine Domäne der Männer...“ (Pieper 1998, S.7)

Das Bestürzende an der jahrtausendealten Diffamierung des weiblichen Denkvermögens besteht nach Pieper darin, dass weniger der gewöhnliche Mann von der Straße den Frauen das Mitspracherecht auf intellektueller Ebene absprach, sondern dass die Philosophen es waren, ausgerechnet diejenigen also, die es aufgrund ihres geschulten rationalen Urteilsvermögen und aus der Distanz des sachgerechten kritischen Beobachters eigentlich besser hätten wissen müssen. So behauptet zum Beispiel ein großer Denker und Philosoph wie Aristoteles, das männliche Geschlecht sei das bessere und daher zum Herrschen über das Weibliche bestimmt, welches selbst lediglich dienende Funktionen beanspruchen könne. Eine Frau die zu mehr im Stande ist, ist nach Aristoteles widernatürlich veranlagt und in diesem Punkt besteht ein großer Konsens unter den Philosophen die lediglich Göttinnen, Seherinnen und Musen herrschende Funktionen zusprechen. (Pieper 1998 S.10) „Oder was hat Kant zu der Annahme bewogen, die Frau sei zum wissenschaftlichen Studium ungeeignet?“, fragt Pieper . „Weshalb bestreitet Schopenhauer, dass die Frau Genie besitzen könne?“ (Pieper 1998 S.8) Ohne den geringsten Anflug von Zweifeln vertritt auch Boenhoeffer die Geschlechtsrollenverteilung frauendiskriminierender biblischer Texte. (Kramer 1994, S.123)

Hin und wieder tauchen jedoch im Bereich der Göttinnen, Nonnen, Seherinnen und Musen positive Frauengestalten in der philosophischen Literatur auf. Die Frauenforschung ist heute auf der Suche nach Spuren von ihnen.

Es gab sie also schon vereinzelt, die philosophischen Denkerinnen, wie Hildegard von Bingen, auch wenn es sie offiziell nicht geben durfte. (Pieper 1998, S.11)

Resümierend lässt sich sagen, dass die, durch männliche Interessen geprägten Denkmuster, die sich in den vergangenen 3000 Jahren de facto durchgesetzt haben, nicht schlechthin repräsentativ für menschliches Handeln sind. Es wird aber auch deutlich, wie schwer es ist und war, derart internalisierte Denkstrukturen und Verhaltensmuster durch neuere Ansätze feministischer Ethik zu modernisieren und langfristig zu verändern.

Im Anschluss an diese Einführung geht es in Kapitel 2 um die Klärung der Bezeichnung ‚feministische Ethik’. Dabei geht es vor allem um die doppelte Ausrichtung feministischer Ethik: zum einen die Analyse und Kritik traditioneller ethischer Ansätze aus feministischer Perspektive, zum anderen das spezifisch herrschaftskritische Interesse feministischer Ethik, in dessen Mittelpunkt die Frage nach der Möglichkeit gelingenden weiblichen Lebens steht. Kapitel 2 soll einen Überblick über die Entwicklung feministischer Ethik in Europa und den USA seit den 1950er Jahren geben. Um die Kontroversen feministischer Ethikdiskussion geht es in Kapitel 4, denn die Denkerinnen sind sich keineswegs eins in ihren Überlegungen und Ansichten. In Kapitel 5 geht es um die Gender-Perspektive als Ethik der geschlechtsspezifischen Moral. Hier soll am Beispiel emanzipatorischer Mädchenarbeit der Rückbezug zur sozialen Arbeit dargestellt werden. Im Ausblick werden resümierend Aufgaben für die künftige feministische Arbeit benannt.

Im Rahmen einer Hausarbeit kann man natürlich der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit des Themas ‚feministische Ethik’ und einem Anspruch auf Vollständigkeit nicht gerecht werden. Beabsichtigt ist deshalb ein Einblick in die wichtigsten Thesen und zentralen Diskussionsfelder. Dieser Arbeit liegt aufgrund dessen keine chronologische sondern eine systematische Gliederung zugrunde.

2. Was bedeutet feministische Ethik?

2.1 Ursprung und Ausgangspunkt feministischer Ethik

Der Ursprung: Analyse und Kritik traditioneller Ethik

Die Wurzel des Projekts feministischer Ethik ist die Analyse und Kritik der impliziten oder expliziten frauenfeindlichen Tendenz traditioneller Ethik, wie sie in Kapitel 1 schon beschrieben wurde. Provoziert zum einen durch den Ausschluss der Frauen aus der Ethik als Subjekte ethischer Reflexion als auch durch misogyne Urteile innerhalb ethischer Konzeptionen der philosophischen Tradition, widmeten sich feministische Ethikerinnen einer kritischen Auseinandersetzung mit der klassischen Ethik. Diese kritische Auseinandersetzung mit der ethischen Tradition steht nach Wendel unter folgender Leitfrage: „Welche moralphilosophischen Begründungen sind erforderlich, um Diskriminierung als ein nicht nur politisches, sondern auch moralisches Problem durchschaubar zu machen, bzw. wie muss Moralphilosophie reformiert werden, damit sich ein Handeln begründen kann, das sich mit der vielfältigen Benachteiligung von Frauen kritisch auseinandersetzt“? (Wendel 2003, S.14) Wie Wendel betont, versteht sich feministische Ethik nicht allein als eine deskriptive, sondern vor allem auch als eine normative Ethik, da sie schon immer auch einen kritisch-wertenden Standpunkt vertritt und darüber hinaus die Formulierung eigener ethischer Konzeptionen impliziert. Die normative Ausrichtung, so Wendel weiter, ist Ausgangspunkt jedes feministischen Entwurfs. (Wendel 2003, S.26)

Der Ausgangspunkt: Die Normativität feministischer Ethik

Feministische Ethik ist nicht wertneutral sondern macht Vorschläge für moralische Prinzipien und Handlungsziele. Sie geht davon aus, dass Ethik schon immer ein normatives Projekt ist – entgegen einer rein deskriptiven Ethik. Wenn feministische Ethik nun grundsätzlich als normativ zu begreifen ist, hat dieses normative Verständnis auch Auswirkungen auf die Frage, ob feministische Ethikerinnen ‚einen moralischen Standpunkt’ einnehmen. Wendel bejaht diese Frage: „Auch feministische Philosophinnen haben einen solchen Standpunkt, der ihre Fragenstellungen und Forschungsprojekte bestimmt – im Unterschied zu vielen anderen Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern machen sie diesen Standpunkt jedoch explizit“. (Wendel 2003, S.29)

Feministische Ethik macht, so Wendel, ihr erkenntnisleitendes Interesse von Anfang an klar : „Es ist ein herrschaftskritisches Interesse, kritisch gegenüber jeder Form der Herrschaftsausübung von Einzelnen oder Gruppen über andere bzw. andere Gruppen. Jenes herrschaftskritische Interesse ist die grundlegende Motivation feministischer Ethik“. (Wendel 2003, S.30)

Aus diesen Grundmotiven feminstischer Ethik – Ursprung und Ausgangspunkt – lässt sich eine Definition feministischer Ethik ableiten, auf die im Folgenden genauer eingegangen wird.

2.2 Eine Definition feministischer Ethik

Nach Wendel, ist das Projekt einer feministischen Ethik wie Ethik im Allgemeinen als Reflexion gelingender Lebensführung zu verstehen. „Denn das Ziel der Ethik ist es, nach der Art und Weise des menschlichen Handelns und Verhaltens sich selbst und anderen gegenüber zu fragen, also das Nach- und Durchdenken der Möglichkeit der je eigenen Lebensgestaltung in Gemeinschaft mit anderen.(Wendel 2003, S.33) Diese universale Perspektive und der normative Anspruch werden, so beschreibt Wendel, auch von der feministischen Ethik in Anspruch genommen. Dabei nehmen die feministischen Ethikerinnen eine parteiliche Perspektive für Frauen ein. Feministische Ethik steht nach Wendel, im Dienst der Kritik an Herrschaftsverhältnissen, von denen insbesondere Frauen betroffen sind und will Perspektiven für ein Handeln aufzeigen, das Herrschaftsverhältnisse überwinden und so zu gelingendem Leben beitragen kann. (Wendel 2003, S.33/34) Ein grundlegender Aspekt, den Wendel hervorhebt ist, dass jedes Individuum sein Leben immer konkret als Mann oder als Frau gestaltet. Es entwirft also sich und seine Existenz immer auch als geschlechtliche Existenz, und damit, so begründet sie schlüssig, hat die Kategorie Geschlecht für die Reflexion gelingender Lebensführung eine zentrale Bedeutung.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Feministische Ethik
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Veranstaltung
Ethik in der Sozialen Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V40034
ISBN (eBook)
9783638386531
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feministische, Ethik, Sozialen, Arbeit
Arbeit zitieren
Lisa Sarholz (Autor), 2005, Feministische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40034

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