Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften und ihre Reform durch die Verträge von Maastricht, Amsterdam und Nizza


Seminararbeit, 2002

26 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung und historischer Hintergrund

2 Entstehung der Europäischen Gemeinschaften
2.1 Schuman-Plan und EGKS
2.2 EVG und EPG
2.3 EWG und Euratom (Römische Verträge)
2.4 Fusionsvertrag
2.5 Krisen der EWG

3 Die Einheitliche Europäische Akte

4 Reformen der Europäischen Union
4.1 Exkurs: Umbruch im Osten und deutscher Einigungsprozess
4.2 Vertrag von Maastricht
4.3 Vertrag von Amsterdam
4.4 Vertrag von Nizza

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung und historischer Hintergrund

In meinem Referat skizziere ich die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften und ihre historische Entwicklung. Angesichts der mehr als 50-jährigen Geschichte kann diese Darstellung nicht vollständig sein und nur einzelne Aspekte beleuchten, die eine Antwort auf die Frage ermöglichen, ob durch das Primäre Gemeinschaftsrecht, also die Römischen Verträge und insbesondere ihre Reformen durch die Verträge von Maastricht, Amsterdam und Nizza ein institutioneller Rahmen geschaffen wurde, der eine tragfähige Basis für die Osterweiterung der Europäischen Union bietet und einen erfolgreichen Abschluss des Weges der Europäischen Integration ermöglicht.

Eingeleitet wurde der Prozess der Europäischen Integration insbesondere durch den Schuman-Plan. Die Ereignisse, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Gründung der EG stehen, werden vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Interessenlagen verständlich[1].

1. Volkswirtschaftliche Bedürfnisse

Die europäischen Volkswirtschaften befanden sich nach dem Krieg in einem desolaten Zustand. Man nahm an, dass nur größere Wirtschaftsräume Voraussetzungen für einen Reichtum bildeten, mit denen die Not und der Hunger zu überwinden war. Das ging nicht ohne ein Mindestmaß an Koordination.

2. Globale Sicherheitsinteressen

"Der sich rasch entwickelnde Ost-West-Konflikt - Churchill hatte schon 1946 den Begriff "iron curtain" geprägt - manifestierte sich in der Hegemonialpolitik der UdSSR ebenso wie in der Eindämmungspolitik der USA. Dabei war die schnelle Rekonstruktion des kriegszerstörten Westeuropas ein zentraler Baustein im amerikanischen Konzept, die Ausbreitung des Sozialismus zu verhindern. Es war allen Beteiligten klar, dass dies in einem integrierten westeuropäischen Wirtschaftsraum leichter zu erreichen sein würde als in einem segmentierten, in dem nationalstaatliche Grenzen die internationalen Wirtschaftsbeziehungen behinderten." [2]

Die USA brauchten die europäischen Märkte aber auch aus eigenen ökonomischen Interessen. Die eigenen Märkte werden durch die außenpolitische "Strategie der offenen Tür" gesichert:

- Das am 27.12.1945 in Kraft tretende Abkommen von Bretton Woods mit dem der Internationale Währungsfonds (IWF bzw. International Monetary Fund – IMF) geschaffen wurde und
- das Welthandelsabkommen GATT (General Agreement on Tariffs and Trade), das am 24.03.1948 in Havanna unterzeichnet wurde.[3]

3. Furcht vor den Deutschen

Wohl alle Staaten hatten ein Interesse, die Deutschen dauerhaft zu kontrollieren, um so einen Schutz vor dem Revanchismus zu erreichen. Überlegungen wie der Morgenthau-Plan, der die Umwandlung Deutschlands in ein Agrarland vorsah, wurden bald aufgegeben, weil auch ein schwaches Deutschland immer noch stärker als manch einer seiner Nachbar sein würde.

Das machiavellische Konzept: Mehr Integration, um Interessen auszugleichen.

4. Psychologische Interioritätsgefühle

Die Europäer gelangen langsam zu der Einsicht, dass nicht nur ein Krieg beendet war, der allen Beteiligten nichts gebracht hat. Man spürte langsam, dass die Zeit europäischer Hegemonie über die Welt unwiederbringlich vorbei war und auch der Verlust der letzten Kolonien bevorstand.

Vor diesem Hintergrund wird klar: Der Integrationsprozess konnte nicht anders als kompliziert verlaufen.

Gemeinsamen Ziele der Europäer erforderten jedoch von Beginn an nicht, dass sich die potenziellen Mitgliedsstaaten auf ein einheitliches Konzept einigten, um die Ziele zu erreichen. Zwei Organisationsprinzipien konkurrierten bereits bei der Gründung des Europarates, des ersten nationenübergreifenden Forums zur Umsetzung des Integrationsgedankens, am 5. Mai 1949 miteinander. Für die Gestaltung der europäischen Einheit: kamen die Organisation als Staatenbund und als Bundesstaat in Betracht. Aber wir in der Folgezeit häufiger feststellbar, hat dieser europäische Gegensatz auch eine fruchtbare Seite. Da es keine starre Festlegung auf ein einziges Modell für Europa gibt, kann der Einigungsprozess äußerst pragmatisch oder auch funktionalistisch[4], je nach gegebener Situation an völlig unterschiedlichen Materien der Politik ansetzen ‑ und von dort aus versuchen, Fortschritte zu erzielen[5].

2 Entstehung der Europäischen Gemeinschaften

2.1 Schuman-Plan und EGKS

Dieser besondere europäische Pragmatismus prägt auch den Prozess zur Gründung der Montanunion bzw. der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).

Am 09.05.1950 stellte der französische Außenminister Robert Schuman einen später nach ihm benannten Plan vor, dessen Grundidee vom französischen Plan-kommissar Jean Monnet stammt. Dies war für die Regierungen Frankreichs, Deutschlands, Italiens und der Benelux-Staaten der Anstoß zu Verhandlungen.

In den Verhandlungen wurde ein Kompromiss zwischen den nationalen Interessen gefunden, die sich aus den unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen, den divergierenden wirtschaftspolitischen Systemen und sozialen Rahmenbedingungen ergaben. In wirtschaftlicher Hinsicht versprachen sich alle Beteiligten angesichts der Mangelsituation bei Kohle und Stahl von der Vergemeinschaftung eine bessere Versorgung mit diesen Basisprodukten. In politischer Hinsicht sollte durch die Einbeziehung der Bundesrepublik auch nach dem Ende des eigentlichen Besatzungsregimes deren Schwerindustrie wirksam kontrolliert werden. Für die Bundesrepublik bedeutete der Beitritt zur sog. Montanunion sogar einen Souveränitätszuwachs, weil damit die Auflösung der Ruhrbehörde und die Beendigung der alliierten Aufsicht und Demontage beschleunigt wurde. In diesem Zusammenhang wurde zwischen Frankreich und Deutschland noch ein Übereinkommen über das Saargebiet getroffen und Belgien erreichte, dass es seine marode Grundstoffindustrie für praktisch unbegrenzte Zeit mit „Ausgleichszahlungen“ subventionieren konnte[6]. Die Vereinigten Staaten unterstützen die EGKS mit einer Anleihe von 100 Millionen Dollar, die als erster größerer Betrag der Hohen Behörde der EGKS zur Finanzierung von Rationalisierungsinvestitionen zur Verfügung stand. Der Schuman-Plan war letztlich deshalb so erfolgreich, weil er konkrete Lösungen für konkrete Probleme bot, weil er auf einem allgemein akzeptierten Interessenausgleich beruhte und weil er spezifisch nationale Interessen befriedigte.[7]

Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde am 18.04.1951 unterzeichnet und trat zum 25.07.1952 in Kraft[8]. Zum 10.02.1953 wird der gemeinsam Markt für Kohle, Eisenerz und Schrott und zum 01.05.1953 für Stahl errichtet.

Der Vertrag über die EGKS bildete durch die gemeinsame Kontrolle, Planung und Verwertung der potenziell kriegswichtigen Ressourcen Kohle und Stahl in den Unterzeichnerstaaten einen Eckpfeiler der westeuropäischen Friedensordnung und erleichterte die Überwindung der deutsch‑französischen Erbfeindschaft wesentlich. Erstmals gelang hier die supranationale Organisation eines zentralen Politikbereiches, der bis dahin allein in nationalstaatlicher Kompetenz lag. Die EGKS-Mitgliedsstaaten Frankreich, Italien, die Bundesrepublik Deutschland und die Benelux‑Staaten verzichteten auf einen Teil ihrer Souveränität und unterwarfen sich den Entscheidungen der von ihnen geschaffenen übernationalen Institutionen[9].

2.2 EVG und EPG

Am 27.05.1952 unterzeichneten Vertreter der Mitgliedsstaaten der EGKS den Vertrag zur Errichtung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und am 10.09.1952 beschlossen die Außenminister der 6 Mitgliedsstaaten, die Verfassung einer Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) auszuarbeiten. Im August 1954 erschien der französischen Nationalversammlung der nationale Souveränitätsverzicht durch die EVG offenbar zu groß. Damit war der Plan des damaligen französischen Ministerpräsidenten Pleven gescheitert.

2.3 EWG und Euratom (Römische Verträge)

Danach erfolgte ein Rückgriff auf das bewährte funktionalistische Modell, wenn auch diesmal mit stark föderalistischen Ausprägungen. Die Errichtung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) führt die sektorale Integration fort[10]. Im Rahmen der EWG streben die sechs Staaten der EGKS eine Zollunion an, die bestehende Handelshemmnisse abbauen und einen gemeinsamen Außenzoll ermöglichen soll. Der EWG-Vertrag sah außerdem das Ziel eines Gemeinsamen Marktes mit freiem Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr sowie der dafür notwendigen Koordinierung und Harmonisierung unterschiedlicher Politiken vor. In den sechs Mitgliedstaaten dient die Euratom dem Aufbau und der Entwicklung der Nuklearindustrie zu friedlichen Zwecken. Die Verhandlungen über beide Abkommen wurden von den sechs Außenministern der EGKS auf der Konferenz am 1. und 2. Juni 1955 in Messina eröffnet. Am 25. März 1957 wurden abschließend die sog. Römischen Verträge unterzeichnet.

[...]


[1] Ambrosius, S. 73

[2] Ambrosius, S. 73 f.

[3] Ambrosius, S. 74

[4] Nach der funktionalistischen Theorie (form follows function) wird sich im Zuge der wirtschaftlichen Integration quasi automatisch auch eine politische internationale Organisation ergeben, wenn dies im funktionalistischen Sinne erforderlich ist, man bezeichnet dies auch als sog. „spin-over-Effekte“.

[5] Weidenfeld in Weidenfeld/Wessels, Europa von A –Z, S. 13

[6] Ambrosius, S.82

[7] Ambrosius, S.83

[8] Bundesgesetzblatt II, 1952, S. 447 ff.

[9] Weidenfeld in: Weidenfeld/Wessels, Europa von A –Z, S. 14

[10] Weidenfeld in: Weidenfeld/Wessels, Europa von A –Z, S. 16

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften und ihre Reform durch die Verträge von Maastricht, Amsterdam und Nizza
Hochschule
Hochschule Osnabrück
Veranstaltung
Seminar Europäische Integration
Note
bestanden
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V40044
ISBN (eBook)
9783638386623
ISBN (Buch)
9783638729437
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Europäischen, Gemeinschaften, Reform, Verträge, Maastricht, Amsterdam, Nizza, Seminar, Europäische, Integration
Arbeit zitieren
Jürgen Isernhagen (Autor), 2002, Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften und ihre Reform durch die Verträge von Maastricht, Amsterdam und Nizza, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40044

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