Linguistische Gesprächsanalyse von Talkshows im Fernsehen


Examensarbeit, 2005

95 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Talkshow in Deutschland
2.1 Verschiedene Typen von Talkshows
2.1.1 Der Bekenntnistalk
2.1.2 Der Portrait- Talk
2.1.3 Die politische Talkshow als Subgenre des Thementalks

3. Der Moderator
3.1.1 Die Aufgaben des Moderators
3.1.2 Die Strategien des Moderators

4. Außersprachliche Faktoren
4.1 Die Gesprächsgäste
4.2 Das Publikum
4.3 Die Showelemente

5. Gesprächsanalyse eines Bekenntnis- Talks am Beispiel von „Oliver Geißen“
5.1 Analyse der aussersprachlichen Faktoren
5.2 Die Rollen der Gesprächspartner
5.3 Organisation des Sprecherwechsels
5.4 Das Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge
5.5. Redezeit
5.6 Sprachniveau
5.7 Die Rolle des nonverbalen Verhaltens

6. Gesprächsanalyse des Portrait- Talks am Beispiel von „Fliege“
6.1 Analyse der aussersprachlichen Faktoren
6.2 Die Rollen der Gesprächspartner
6.3 Organisation des Sprecherwechsels
6.4 Das Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge
6.5 Redezeit
6.6 Sprachniveau
6.7 Die Rolle des nonverbalen Verhaltens

7. Gesprächsanalyse einer politischen Talkshow am Beispiel von „Sabine Christiansen“
7.1 Analyse der aussersprachlichen Faktoren
7.2 Rollen der Gesprächspartner
7.3 Organisation des Sprecherwechsels
7.4 Das Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge
7.5 Redezeit
7.6 Sprachniveau
7.7 Die Rolle des nonverbalen Verhaltens

8. Vergleichende Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie kaum ein anderes Sendeformat im deutschen Fernsehen erhitzt die Talkshow mit all ihren Facetten die Gemüter. Informierender Talk oder peinliche Show- an dieser Frage scheiden sich die Geister.

Importiert aus den USA, wo die Talkshow schon seit den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts fest auf dem Bildschirm etabliert ist, konnte sie sich erst etwa zwanzig Jahre später in Deutschland durchsetzen und hat seitdem eine rasante Entwicklung durchlebt, was Subgenres, Intentionen und Themen angeht. Trotz des in den letzten Jahren festgestellten „Übersättigungs- Phänomens“ des Publikums am Bildschirm und den damit einhergehenden rückläufigen Zahlen an Zuschauern ist auch heute ein breites Angebot an verschiedenen Talkshow- Formaten vorhanden, wobei sich besonders der meist nachmittägliche Bekenntnis- Talk, auch als Daily- Talk bezeichnet, besonderer Beliebtheit erfreut.

Die vorliegende Hausarbeit will zunächst auf die Entwicklung der Talkshow in Deutschland und die verschiedenen Talkshow- Formate eingehen, um anschließend die außersprachlichen Faktoren, die für den Gesprächsablauf von entscheidender Bedeutung sein können, zu analysieren. Daran anknüpfend wird, ausgehend von drei Transkripten verschiedener Talkshow- Formate, eine linguistische Gesprächsanalyse vorgenommen, die sich vor dem Hintergrund der außersprachlichen Faktoren besonders auf die Organisation des Sprecherwechsels und das Verhältnis der benachbarten Gesprächsbeiträge konzentrieren und so die sprachlichen Charakteristika der unterschiedlichen Formate verdeutlichen soll. Die vergleichende Schlussbetrachtung fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

2. Die Talkshow in Deutschland

Dem Beginn der Talkshow im deutschen Fernsehen geht eine in den fünfziger Jahren in den USA einsetzende Entwicklung dieses Genres voraus. Die ersten Talkshows in Amerika setzen auf unterhaltende Gespräche mit Prominenten, Ende der sechziger Jahre etabliert sich das sachliche Interview mit dem Element der Zuschauerbefragung. Der sogenannte Bekenntnistalk, in dem nicht-prominente Gäste über gesellschaftliche Tabuthemen sprechen, entwickelt sich in den USA erst in den achtziger Jahren gleichzeitig mit dem „Confrotalk“, einer meist hitzigen Debatte über ein kontroverses Streitthema in einer künstlich angeheizten Atmosphäre.[1] Zwar wird auch in Deutschland schon in den sechziger Jahren die Entwicklung des Talkshowformats aus den USA beobachtet, jedoch wird erst 1972 mit „Je später der Abend“ im WDR die erste Talkshow ausgestrahlt.[2] Die Live- Talkshow „III nach 9“, gesendet von Radio Bremen, entwickelt das Konzept von „Je später der Abend“ weiter und setzt gleichzeitig auf neue Elemente wie nicht- prominente Gäste mit interessanten Geschichten. Die Mitte der siebziger Jahre wird geprägt von der Etablierung der Promi- Talkshow auf sämtlichen Kanälen des öffentlich- rechtlichen Rundfunks. Mit dem Aufkommen der privaten Fernsehsender Ende der achtziger Jahre beginnt eine Entwicklung von neuen Talkshow- Konzepten, beispielsweise dem Bekenntnis- Talk, der bis heute die Talkshow- Szene dominiert.[3]

2.1 Verschiedene Typen von Talkshows

Die Literatur unterscheidet verschiedene Kategorisierungsmöglichkeiten von Talkshows, wobei die einzelnen Sendungen nicht immer eindeutig einem Format zugeordnet werden können, da sich charakteristische Elemente überschneiden oder in verschiedenen Maßen ausgeprägt sein können. Im Folgenden sollen die drei Talkshow- Typen erläutert werden, die den zu analysierenden Transkripten zugrunde liegen.

2.1.1 Der Bekenntnis- Talk

Auch als Confessional- oder Daily- Talk bekannt, behandelt die Bekenntnis- Show, meist bei den privaten Fernsehsendern angesiedelt, Themen aus dem Alltag, die häufig die Intimsphäre der einzelnen Gäste tangieren. Kennzeichnend sind die bereits oft provokant formulierten Titel der einzelnen Sendungen, wie zum Beispiel „Schlampe- Du bist eine Gefahr für unsere Moral“ oder „Ich bin gerne arbeitslos und steh´ dazu“. Das Spektrum reicht also von Gesprächen über persönliche Lebenskrisen und deren Auslösern bis hin zu Debatten über das persönliche Sexualverhalten. Die oft anrüchigen Themen und die entsprechend offenherzigen Darstellungen sind damit charakteristisch für dieses Format und scheinen auch den Reiz dieses Talkshow- Typs auszumachen. Nicht die Gäste sind von eigentlichem Interesse, sondern die Gesprächsinhalte. Prominente spielen kaum eine Rolle, jeder, der zu den vorgegebenen Themen etwas zu sagen hat, kann in die Talkrunde eingeladen werden. Neben Gästen, die von der Gesellschaft kritisierte Lebenseinstellungen verkörpern, werden auch solche Personen eingeladen, die einen eher konservativen Standpunkt vertreten und damit unverzichtbar für eine kontroverse Debatte sind.[4] Charakteristisch für den Bekenntnistalk ist weiterhin die starke Einbeziehung des Studiopublikums. Dieses lauscht nicht nur den Offenbarungen der Gäste, sondern kann selbst durch Applaus, Buhrufe oder Rückfragen Stellung beziehen und somit den Verlauf der Talkshow beeinflussen.[5]

2.1.2 Der Portrait- Talk

Sowohl Prominente als auch Menschen des Alltags können Gäste im Portrait-Talk sein. Die Literatur unterscheidet den journalistischen vom unterhaltenden Portrait- Talk. Während der journalistische Ansatz eher sachliche Informationen zu zeitgeschichtlichen Themen fokussiert, sind die Inhalte des unterhaltenden Portrait- Talks eng mit den jeweiligen Gästen verknüpft und dienen in erster Linie der Unterhaltung des Zuschauers. Kennzeichnend für diese eher personenzentrierte Kategorie des Talks ist das meist dominierende Einzelgespräch zwischen Moderator und Gast.[6] Auch bei mehreren Gästen wird der Gesprächskreis im Gegensatz zu den meisten Bekenntnis- Shows eher klein gehalten. Somit kann der Moderator gezielter auf den Einzelnen eingehen und folglich auch an ein Mehr an persönlichen Informationen zum Thema gelangen.

2.1.3 Die politische Talkshow als Subgenre des Thementalks

Diese Kategorie der Talkshow stellt meist Themen zum aktuellen Zeitgeschehen in den Mittelpunkt des Gesprächs. Charakteristisch für die meist prominenten Gäste ist die Sachkompetenz bezüglich des vorgegebenen Themas, die Biographie spielt nur eine geringe oder auch gar keine Rolle.[7] Hans- Friedrich Foltin nennt als weiteren Talkshow – Typen das Subgenre der Zielgruppen- Talkshows, die spezifische Informationsbedürfnisse der Zuschauer befriedigen wollen, so zum Beispiel Talkshows, die sich speziell mit Themen aus dem Bereich Sport und Kultur befassen und damit einen eingeengten Kreis von Zuschauern ansprechen.[8]

Das Format der politischen Talkshow , die mit aktuellen Themen aus der Politik und entsprechend prominenten Gästen Informationen zu oftmals sehr spezifischen Inhalten aus dem politischen Tagesgeschehen, wie beispielsweise Streitigkeiten innerhalb einer Partei und deren Auswirkungen, bieten möchte, kann also auch dem Thementalk zugeordnet werden.

3. Der Moderator

Charakteristisch für viele Talkshows ist die Tatsache, dass deren Titel untrennbar mit dem Moderator verknüpft sind. Besonders auffällig ist dieses Phänomen bei den nachmittäglichen Bekenntnis- Talks auf den Privatsendern des deutschen Fernsehens, die oft den Namen des Moderators mit einem teilweise provokanten Slogan verbinden, wie beispielsweise „Vera am Mittag“, „Britt- der Talk um Eins“ oder „Nicole- Entscheidung am Nachmittag“. Auch die Verwendung des Namens ohne Untertitel wie „Oliver Geißen“, „Fliege“ und „Sabine Christiansen“ lässt die These zu, dass die Gestaltung der jeweiligen Talkshow in besonderem Maße vom Moderator und dem für sie oder ihn typischen Image abhängt. Ulrike Mühlen befindet hierzu, dass Moderatoren durch pointenreiches Sprechen oder ähnliches bemüht sind, ihren Witz oder ihre Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen, um so beim Publikum Lachen und Applaus zu erzeugen.[9]

3.1. Die Aufgaben des Moderators

Alle gesprächsorganisatorischen Aufgaben obliegen dem Moderator, der mehreren Interessen verpflichtet ist. Zum einen muss er sich an seinen Gesprächsgästen orientieren und auf diese eingehen, zum anderen muss er die Interessen des Bildschirm- Publikums befriedigen, damit sein Profil gewahrt wird.[10] Je nach Talkshowformat muss der Moderator noch zusätzlich auf die Reaktionen und Fragen des Präsenzpublikums eingehen und diese geschickt in den Verlauf der Show einbauen. Zunächst einmal muss das Gespräch durch gezielte Fragen an den Gast in Gang gebracht werden, durch entsprechend geschicktes Nachfragen kann dieser auch zur Preisgabe von weiteren Informationen bewegt werden. Um die Talkshow für den Zuschauer interessant zu machen, soll der Moderator darüber hinaus Hemmschwellen seiner Gäste abbauen und Konflikte schüren.[11] Mit einem steigenden Anspruch an sachliche Informationen ist der Moderator verpflichtet, verbalen Entgleisungen seiner Gäste und thematischen Abschweifungen Einhalt zu gebieten und die Sprecherwahl im Sinne einer bezüglich des Gesprächsthemas optimalen Verteilung an Redebeiträgen zu koordinieren.

3.2 Die Strategien des Moderators

Wie bereits erwähnt, ist der Erfolg einer Talkshow meist unmittelbar mit den gesprächstaktischen Fähigkeiten des jeweiligen Moderators verknüpft. Um im Showgeschäft verbleiben und damit das eigene Image weiterhin vor Publikum verkörpern zu können, stellt die Talkshow auch einen Ort der Selbstdarstellung des Moderators da. Diese ist eng verbunden mit den verschiedenen Strategien zur Darstellung der Gäste. Ulrike Mühlen unterscheidet die Handlungsziele positive, negative oder kritische Partnerdarstellung, die durch die Protektionsstrategie, die Disqualifizierungsstrategie oder die Provokationsstrategie realisiert werden können. Die Protektionsstrategie bietet dem Gast zunächst die Möglichkeit alles zu erzählen, was er oder sie preisgeben mag. Damit kann das Image weitestgehend selber konstruiert werden. Der Moderator begnügt sich in diesem Fall mit der bloßen Bezugnahme auf einen vom Gast angesprochenen Bereich bei gleichzeitiger Abwesenheit von negativen oder kritischen Äußerungen zu dessen Person oder dessen Meinung zum Thema. Somit wird der Gast von Seiten des Moderators positiv oder zumindest neutral dargestellt. Die Disqualifizierungsstrategie dagegen hat das Ziel, die Persönlichkeit des Gasts oder seine Ansichten und Einstellungen in ein negatives Licht zu rücken. Dies kann beispielsweise durch eine explizite Imageverletzung geschehen. Die Provokationsstrategie will den Gast weder explizit positiv noch explizit negativ darstellen. Durch eine potentielle Imagebedrohung, beispielsweise durch Formulierungen, die Persönlichkeit, Einstellungen oder Verhalten des Gasts in Frage stellen, versucht der Moderator in diesem Fall an ein Mehr an Informationen zu gelangen.[12]

4. Außersprachliche Faktoren

4.1 Die Gesprächsgäste

Neben dem Moderator sind es hauptsächlich dessen Gesprächsgäste, die den Verlauf der Talkshow und deren sprachliche Gestaltung bestimmen. Die Gäste können sowohl prominent als auch nicht- prominent sein und damit aus den unterschiedlichsten Berufsbranchen und Sozialschichten kommen. In einer Talkshow auftreten kann demnach jeder Mensch, „der etwas zu sagen hat und dem man auch gern zusieht, wie er es sagt- sogenannte Prominente, ebenso gut aber auch jemand, dessen Ansichten besonders aktuell, wichtig oder vergnüglich sind“.[13] Die ersten Talkshows in Deutschland wurden überwiegend von prominenten Gesprächspartnern dominiert, mit dem Aufkommen des Bekenntnis- Talks auf den Privatsendern, der heute besonders den Fernseh- Nachmittag bestimmt, nahm jedoch auch die Zahl der nicht- prominenten Talkgäste zu. Entscheidend ist bei der Gästeauswahl immer das Kriterium des Besonderen. Analysen des Medienspiegels zufolge lassen sich drei grundlegende Absichten bezüglich des Auftritts in einer Talkshow unterscheiden. Zum einen kann eine Gesprächsrunde im Fernsehen den Rahmen zur Vermittlung von politischen Botschaften bilden, zum anderen stellt sie eine Möglichkeit zur ausgiebigen Selbstdarstellung mit dem Ziel eines hohen Bekanntheitsgrades dar. Weiterhin kann der Wunsch für bestimmte Produkte, Dienstleistungen oder gemeinnützige Ziele zu werben sowie das Bedürfnis nach medienwirksamen Hinweisen auf Minderheitsprobleme Motiv für einen Auftritt im Fernsehen sein.[14] Je nach Intention und Bildungsgrad kann die Verbalisierung der Auftrittsabsichten unterschiedlich ausfallen.

4.2 Das Publikum

Der Talk im Fernsehen findet immer vor einem Publikum statt. Zu unterscheiden sind dabei die Zuschauer an den Bildschirmen sowie das Präsenzpublikum im Studio. Beide üben durch ihre Anwesenheit oder durch ihre Reaktionen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Show- Geschehen aus.

Die direkten Einflussmöglichkeiten des Fernsehpublikums werden durch die Tatsache, dass es sich bei den meisten Talkshows um Aufzeichnungen handelt, dezimiert. In einer Live- Sendung hat der Zuschauer zu Hause die Möglichkeit, sich durch einen Anruf im Studio direkt verbal zu beteiligen, allerdings bieten eher wenige Talkshows diese Art der Kommunikation mit den Gästen an. Weiterhin besteht die Möglichkeit einen Zuschauerbrief zu verfassen, immer beliebter wird auch die Aufforderung der Moderatoren, nach der Sendung mit den Gästen per Chat zu kommunizieren. Auch wenn die Einflussmöglichkeiten des Fernsehpublikums also eher gering sind, spielt es dennoch eine wichtige Rolle hinsichtlich des Sprachverhaltens der Gäste. Diese sind sich der Tatsache bewusst, dass ihr Auftritt vor einem Millionenpublikum an den Bildschirmen stattfindet und die Äußerungen somit von einer Vielzahl von Menschen sowohl rezipiert als auch gewertet werden. In vielen Fällen beeinflusst dies das Geschehen während der Show, da die meisten Gäste darauf bedacht sind dem Publikum zu gefallen und Äußerungen somit vor diesem Hintergrund getätigt werden.

Dem Präsenzpublikum im Studio kommt aufgrund seiner Möglichkeit der direkten Einflussnahme eine wichtigere Rolle zu. Sowohl für die Gesprächsgäste als auch für den Zuschauer am Bildschirm sind die im Studio Anwesenden von Bedeutung. Zum einen nimmt das Präsenzpublikum eine Art Stellvertreterrolle für den Fernsehzuschauer ein, zum anderen wird so verhindert, dass der Talk zwischen Moderator und Gast allzu „privat“ wird. Der Moderator verfügt meist über mehr Fakten bezüglich seiner Gäste als das Publikum und könnte so dazu verleitet werden, Dinge anzusprechen die dem Zuschauer, dem entsprechende Zusatzinformationen fehlen, unverständlich sind. An dieser Stelle wird das Präsenzpublikum durch Unmutsbekundungen oder entsprechendes Nachfragen einschreiten und den Talk somit wieder auf eine für alle verständliche Ebene bringen.[15]

Hinsichtlich der Einflussmöglichkeiten lassen sich drei Handlungsmodi unterscheiden. Die verbale Beteiligung in Form von Wortmeldungen oder Zwischenrufen kann sowohl spontan als auch vom Moderator initiiert sein. Letzteres kann beispielsweise durch die gezielte Befragung eines Zuschauers bezüglich des Themas oder der Einstellung zu den Gästen geschehen. Durch die spontane Beteiligung werden meist kritische Einwände oder Unmutsbezeugungen verbalisiert, Zustimmung signalisiert das Präsenzpublikum eher durch eine nonverbale Beteiligung. Diese kann sich beispielsweise durch Applaus, aber auch durch Pfiffe und Gelächter äußern. Auch die nonverbale Beteiligung kann spontan oder vom Moderator oder den Gästen durch entsprechende Äußerungen oder Gesten initiiert sein. Eine aktionale Beteiligung des Präsenzpublikums kommt eher selten vor. Jegliche Handlungen der Zuschauer im Studio dienen Moderator und Gästen als Stimmungsbarometer und beeinflussen somit den Geschehensverlauf. Ein Gast, der durch kritische Stimmen aus dem Publikum zu spüren bekommt, dass seine Meinung keinen Zuspruch findet, wird sich daraufhin entweder zurücknehmen und seine Redebeiträge einschränken oder aber noch deutlicher und vielleicht provokativer seine Einstellung verbalisieren. Wie auch das Fernsehpublikum übt das Präsenzpublikum einen latenten psychologischen Einfluss auf die Gäste aus, indem es das Gefühl des Beobachtetwerdens verstärkt und somit nach Mühlen zu einer doppelt gehemmten Spontaneität führen kann.[16]

4.3 Die Showelemente

Zu den Showelementen des Talks gehören zum Beispiel Musikeinspielungen, kurze Filmausschnitte, Fotoeinblendungen und Inserts. Sie alle können als Begleitinformationen verstanden werden, auf die auch während des Gesprächs zurückgegriffen werden kann. So können Fotos und Filmausschnitte beispielsweise Fakten liefern oder Emotionen erwecken, an die der Moderator während des Talks anknüpfen kann. Inserts werden während des Gesprächs eingeblendet und geben dem Zuschauer Informationen zu Alter, Herkunft und Beruf der einzelnen Gäste. Somit kann bereits eine gewisse Einstellung gegenüber diesen entstehen, noch bevor sie zu ihrem ersten Redebeitrag angesetzt haben. Besonders der Bekenntnis- Talk blendet oft ein provokantes Statement zur jeweiligen Person ein, während diese gerade spricht. Weiterhin wird häufig beim Eintreten des Gasts kurz Musik eingespielt, die oft von Text oder Melodie auf die Meinung, das Verhalten oder die Stimmung des neuen Gesprächspartners schließen lässt. Auch die Anmoderation kann als Showelement verstanden werden. An dieser Stelle wird Musik eingespielt, die auch als Wiedererkennungsfaktor der jeweiligen Show gelten kann. Ebenfalls werden einige, meist aus dem Kontext herausgerissene Szenen eingeblendet, die das nachfolgende Geschehen für den Fernsehzuschauer interessant machen sollen. Anzumerken ist hier, dass diese Szenen meist an späterer Stelle im Zusammenhang gesehen nicht mehr besonders spektakulär wirken, die reißerische Wirkung also nur auf dem Fehlen von Zusatzinformationen und benachbarten Gesprächsbeiträgen beruht und damit in gewisser Weise eine Täuschung des Zuschauers mit dem Ziel von möglichst hohen Einschaltquoten darstellt. Gleiches gilt für die Abmoderation vor der Werbung, auch hier soll der Zuschauer durch die Vorwegnahme von nachfolgenden Szenen am Bildschirm gehalten werden.

Zusammenfassend lassen sich vier Funktionen von Showelementen unterscheiden. Sie dienen zunächst als Überleitung zwischen den einzelnen Gesprächen. Weiterhin sind sie personenbezogen und haben damit eine repräsentative Funktion in Bezug auf die Gäste. Showelemente können auch themenbezogen sein und dienen in diesem Fall der Vorinformation zum eigentlichen Talk. Eine Zensurfunktion liegt vor, wenn die Regie mittels Einspielung von Musik beispielsweise ein Gespräch abbrechen will.[17]

5. Linguistische Gesprächsanalyse eines Bekenntnis- Talks am Beispiel der „Oliver Geissen Show“

5.1 Analyse der außersprachlichen Faktoren

Die Oliver Geissen Show wird seit August 1999 täglich von Montag bis Freitag zwischen dreizehn und vierzehn Uhr vom Privatsender RTL gesendet. Charakteristisch für die behandelten Themen ist die Tatsache, dass diese meist die Intimsphäre des Einzelnen berühren oder Einstellungen formulieren, die von den Normvorstellungen der Gesellschaft abweichen und somit eine hitzige Debatte ankündigen. Der Titel des transkribierten Show lautet „Luxusmaus- Eure Armut kotzt mich an!“. Schon das Kompositum „Luxusmaus“ dürfte bei der Zielgruppe der Zuschauer eher Abneigung als Zuneigung erwecken, im Zusammenhang mit dem Vulgärausdruck „ankotzen“ verspricht das Thema aussergewöhnliche Gesprächspartner und verbale Tiefschläge. Wie bereits erwähnt ist die Sendung von dreizehn bis vierzehn Uhr anberaumt, durch zwei Werbepausen wird jedoch die eigentliche Sendezeit auf etwa 45 Minuten reduziert. Innerhalb dieser Zeitspanne wird der Moderator acht Gäste begrüßen, wobei vier von diesen dem abstrakten Begriff „Luxusmaus“ zuzuordnen sind, die übrigen vier werden ein Leben im Reichtum eher negativ bewerten. Damit sind die Positionen ausgewogen verteilt, es bleibt jedoch zu untersuchen, ob jeder Gast auch tatsächlich die gleichen Möglichkeiten haben wird seine persönliche Meinung im Verlauf der Talkshow zu vertreten. Zu den Gästen ist weiterhin zu sagen, dass diese alle zwischen siebzehn und dreiundzwanzig Jahren alt und nicht prominent sind. Werbung für bestimmte Produkte oder die Verbalisierung von politischen Botschaften sind demzufolge nicht zu erwarten. Jede Talkshow kann eine Vielzahl von Gesprächskonstellationen aufweisen.[18] Für die „Oliver Geissen Show“ ist sowohl das Einzelgespräch zwischen Gast und Moderator als auch das Gruppengespräch zwischen mehreren Gästen und dem Moderator charakteristisch. Die Gäste werden nach ihrem Eintreten meist zunächst vom Moderator begrüßt, vorgestellt und kurz nach ihrer Einstellung befragt, um danach das Gespräch in der Gruppe mit einem erweiterten Meinungsspektrum fortzuführen. Im fortgeschrittenen Stadium der Diskussion kommt es auch häufiger vor, dass sich die Gäste gleich in das Gespräch einbringen ohne zuvor vom Moderator befragt worden zu sein. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Diskussion bereits recht hitzig geworden ist und der neu eintretende Gast das Bedürfnis hat, sofort an die vorausgegangenen Gesprächsbeiträge anzuknüpfen und diese zu kommentieren. Eine weitere wichtige Gesprächskonstellation in der „Oliver Geissen Show“ ist die sogenannte Gastbefragung durch das Publikum.[19] Hierzu zählen alle an die Gäste gerichteten verbalen Äußerungen des Studiopublikums. Diese werden im Verlauf der Talkshow mehrmals ihre Kritik an den vorgetragenen Einstellungen bekunden. Es bleibt zu untersuchen, inwieweit diese Wortmeldungen das weitere Sprachverhalten der Gäste beeinflussen. Die These Mühlens, dass meist nur Unmutsbezeugungen verbalisiert werden, scheint sich hier zu bestätigen, da keine bezüglich der Meinung der Gäste positiv eingestellte Wortmeldung registriert werden kann. Im Verlauf der Talkshow werden diverse Inserts eingeblendet, die zum einen Informationen über Namen, Alter und Berufstätigkeit der einzelnen Gesprächspartner liefern, zum anderen aber auch provokante Statements enthalten. Da den Gästen die Einblendung während der Diskussion nicht bewusst ist, beeinflussen die Inserts das Sprachverhalten, wenn überhaupt, in nur sehr geringem Maße. Weiterhin spielen die Musikeinspielungen insofern eine mögliche Rolle, als dass der Text und der Musikstil meist die Einstellung des Gasts widerspiegeln und die Stimmung beim Eintreten auch durch Melodie und Rhythmus entsprechend angeheizt werden kann. Die Studiokulisse erweckt durch ein Bücherregal, Lampen und Obstkörbe den anheimelnden Eindruck eines Wohnzimmers. Hinter dieser Einrichtung steckt die Idee, dass es den Gästen in einer gemütlichen Atmosphäre leichter fallen soll, intime Dinge preiszugeben. Da die Gäste aber mit dem Rücken zur Dekoration sitzen und diese bestenfalls beim Eintreten von vorne wahrnehmen, kann die Rolle der Studiokulisse auf das Sprachverhalten der Gäste nicht konkret analysiert werden.

5.2 Die Rollen der Gesprächspartner

Grundsätzlich lassen sich bei Gesprächen zwei Rollenkonstellationen unterscheiden. Zum einen können alle beteiligten Gesprächspartner gleichberechtigt sein, zum anderen kann aber auch eine Rollentrennung in sogenannte bevorrechtigte und nicht- bevorrechtigte Gesprächsteilnehmer vorliegen.[20] Bei der „Oliver Geissen Show“ liegt letzteres vor, da Moderator und Gäste unterschiedliche Rechte und Pflichten wahrnehmen müssen. So ist nur der Moderator dazu berechtigt den Sprecherwechsel zu organisieren, indem er bestimmten Gästen explizit das Wort zuteilt. Dieses Recht beruht auf seiner organisationsbezogenen Rolle als Moderator allgemein und auf seiner situationsbezogenen Rolle als Diskussionsleiter während der Talkshow.[21] Eine Pflicht des Moderators besteht beispielsweise darin, thematischen Abschweifungen Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass Konversationsmaximen eingehalten werden. Es bleibt zu untersuchen, inwieweit diesen Pflichten beim Bekenntnistalk nachgekommen wird. Den einzelnen Gästen obliegen keinerlei gesprächsorganisatorische Funktionen. Die situationsbezogene Rolle als Diskutant verpflichtet sie aber, sich während der Talkshow zum vorgegebenen Thema, für welches sie sich beworben haben oder eingeladen worden sind, zu äußern. Bei den Gästen handelt es sich zumindest theoretisch um gleichberechtigte Gesprächspartner. Im vorliegenden Transkript des Bekenntnistalks kommt keinem von ihnen eine herausragende funktionale Rolle, etwa aufgrund von Fachwissen bezüglich eines bestimmten Sachthemas, zu, welche ein bevorrechtigtes Gesprächsverhalten legitimieren würde. Aufgrund der zahlreichen Wortmeldungen des Studiopublikums sollen diese auch als Diskutanten im weiteren Sinne angesehen werden. Da das Publikum der Hilfe des Moderators bedarf um sich mit einem Mikrofon laut äußern zu können, handelt es sich um nicht- bevorrechtige Gesprächspartner.

Die nächsten beiden Gliederungspunkte sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit Moderator, Gäste und Studiopublikum die ihnen zugedachten Rollen und die damit verbundenen Rollenerwartungen erfüllen.

5.3 Organisation des Sprecherwechsels

Die Organisation des Sprecherwechsels lässt sich unter verschiedenen Aspekten analysieren. Untersucht werden soll das Verhältnis von Selbstwahl und Fremdwahl, die verschiedenen Formen des Sprecherwechsels, Hörer- sowie Sprecherrolle und die dazugehörigen Funktion der Partikeln beim Sprecherwechsel.

Der Gesprächsbeitrag, in der Linguistik als turn bezeichnet, gilt als Grundeinheit des Gesprächs, die grundlegende Organisationsgröße ist damit der Sprecherwechsel, auch turn taking genannt. Um zu Wort kommen zu dürfen, muss zunächst das Rederecht erteilt werden. Dies kann sowohl durch Fremdwahl als auch durch Selbstwahl erfolgen.[22] Die Fremdwahl obliegt dabei meistens den bevorrechtigten Gesprächspartnern, in der Talkshow also dem Moderator.

Zu Beginn der transkribierten Talkshow erfolgt der Sprecherwechsel weitestgehend durch Fremdwahl. Der Moderator stellt dem ersten Gesprächsgast Fragen und verwendet dabei häufig das Pronomen „du“ . Da sich auch noch keine weiteren Gäste im Studio befinden, kommen keine Zweifel auf, wer als Antwort auf die vorausgegangene Frage redeberechtigt ist. Dabei handelt es sich um einen sogenannten glatten Sprecherwechsel[23] in Form von Frage- Antwort- Sequenzen. Als im Studio Gemurmel aufkommt, bittet der Moderator die Gäste dies einzustellen und von einer Selbstwahl in Form von Zwischenrufen abzusehen.[24] Er zeigt sich damit seiner Rolle als Diskussionsleiter bewusst erfüllt das ihm zugedachte Rollenverhalten. Zum ersten Versuch eines Sprecherwechsels durch Unterbrechung kommt es, als ein Zuschauer aus dem Publikum den ersten Gast verbal angreift und dieser noch vor Ende des Redebeitrags Stellung beziehen will, jedoch durch Applaus daran gehindert wird.[25] Mittels aggressiver Selbstwahl will der Gast an dieser Stelle zu einer defensiven Selbstdarstellung ansetzen. Im weiteren Verlauf kommt es erneut zu einem Sprecherwechsel durch Unterbrechung, diesmal von Seiten eines Zuschauers.[26] Auch hier versucht der Gast zu einer defensiven Selbstdarstellung anzusetzen, wird jedoch durch den Redebeitrag des Zuschauers unterbrochen und kann sich auch nach der Unterbrechung nicht mehr das Rederecht sichern. Die Verletzung einer Konversationsmaxime durch den Zuschauer wird an dieser Stelle vom Moderator nicht geahndet. Als der Gast nach verklungenem Applaus noch einmal seine Einstellung erläutern möchte, geht der Diskussionsleiter nicht mehr darauf ein, sondern kündigt den nächsten Gast an, indem er seinem ersten Gast ins Wort fällt, wodurch eine Simultan- Sequenz entsteht.[27] Der Auftritt des zweiten Gasts wird zunächst durch weitestgehend glatte Sprecherwechsel charakterisiert. Erst als dieser von „B“ eine Rechtfertigung bezüglich des Lebensstils verlangt, kommt es wieder zu Sprecherwechseln mit Overlap.[28] Hier kann zwar jeder Sprecher seinen Redebeitrag zu Ende führen, die andauernden Simultansequenzen beeinträchtigen jedoch die Verständlichkeit und verhindern eine argumentative Diskussion. Auffällig ist auch an dieser Stelle, dass der Moderator nicht während des andauernden Parallelsprechens eingreift und die beiden Gesprächspartner zur Ordnung ruft. Dies lässt sich auch an späterer Stelle feststellen, als ein Zuschauer wiederum den ersten Gast zu disqualifizieren versucht , die beiden sich jedoch ständig gegenseitig unterbrechen, was die Stimmung im Publikum merklich steigert.[29] Der Moderator erfüllt hier das ihm zugedachte Rollenverhalten als Diskussionsleiter nicht. Zu diesem Verhalten ist jedoch anzumerken, dass gerade der verbale Schlagabtausch durch gegenseitiges Unterbrechen und Beleidigen ein Charakteristikum des Bekenntnis- Talks sowie ein Garant für hohe Einschaltquoten und damit auch für den Verbleib des Moderators im Showgeschäft darstellt. Die weiteren Sprecherwechsel laufen fast allesamt ohne Gap ab, wirklich erkennbare Sprechpausen am Ende eines Redebeitrags sind also nicht zu erkennen. Dies deutet darauf hin, dass die einzelnen Gäste gar nicht oder nur extrem kurz über den Gesprächsbeitrag ihres Vorredners nachdenken, ihren eigenen Turn aber unmittelbar an den vorangegangenen anschließen, als gelte es, keinem anderen Gast durch eine kurze Pause die Möglichkeit zur Selbstwahl zu bieten. Je länger die Diskussion bereits andauert, umso häufiger werden Simultansequenzen. Die Gäste untereinander fallen sich immer wieder gegenseitig ins Wort, aber auch die Zuschauer lassen es häufig nicht zu, dass die Angesprochenen ihren Redebeitrag, der meist einer defensiven Selbstdarstellung dient, zu Ende bringen. Insgesamt kommt es während der gesamten Talkshow zu 109 Simultansequenzen bei einer Gesamtzahl von 507 Turns. Hin und wieder bittet der Moderator zwar „nicht reinzurufen“, da diese Aussage von ihm an einigen Stellen aber selbst eine Unterbrechung von Redebeiträgen seiner Gäste bedeutet[30], kann er sich nicht durchsetzen. Als die Unruhe im Studio so große Ausmaße angenommen hat, dass selbst die Aussagen und Fragen des Moderators nicht mehr verstanden werden können, seine Autorität damit nicht mehr gewährleistet und eine Diskussion kaum mehr möglich ist, spricht dieser explizit das unterschwellige Gemurmel und die damit verbundenen Probleme bezüglich des Diskussionsverlaufs an[31]. Die angeheizte Stimmung im Publikum scheint jedoch die Gäste zu besonders applausförderndem Sprechen zu animieren. So wird seine Bitte um mehr Ruhe im Studio vom Redebeitrag eines Gasts unterbrochen, der durch seine Äußerung einen anderen Gesprächspartner verbal angreift und dafür mit Gelächter und Beifall von Seiten der Zuschauer bedacht wird.[32] Als es nach dieser Situation wieder zu mehreren Sprecherwechseln durch Unterbrechung kommt, der Vorredner also nicht mehr seinen Redebeitrag zu Ende führen konnte, greift der Moderator nicht mehr ein.[33] Festzustellen ist, dass gegen Ende der Talkshow die Lautstärke im Zuschauerraum immer mehr zunimmt und die Gäste damit gezwungen sind, immer lauter zu sprechen, wenn sie verstanden werden möchten. Dies gelingt jedoch nicht immer, wie die Zahl der zunehmend unverständlichen Passagen zeigt.[34] Vor diesem Hintergrund wirkt es fast ironisch, als der Moderator die Vorstellung des nächsten Gasts mit den Worten „wenn ich ganz kurz stören darf“[35] einleitet. Kurz vor Ende der Sendung nimmt die Anzahl der Simultansequenzen noch einmal deutlich zu. Die Gäste sind sich der begrenzten Sendezeit bewusst und möchten sich alle noch einmal ins Gespräch einbringen. Auch hier kann der Moderator nicht mehr wirklich eingreifen, sein Versuch an Konversationsmaximen zu erinnern wird von einem eher zaghaften „äh hallo“[36] und einem kurzen Lachen begleitet. Unklar bleibt dabei, ob er sich seiner mangelnden Autorität bewusst ist oder die Situation sogar genießt und auf hohe Einschaltquoten dank verbaler Entgleisungen hofft. Unmittelbar vor Ablauf der Sendezeit äußert sich ein Zuschauer im Publikum negativ über alle Gäste, was mit großem Applaus quittiert wird und unter den Gästen wiederum für eine nun vollkommen unverständliche Simultansequenz sorgt. Anzunehmen ist, dass der Moderator von Seiten der Regie mitgeteilt bekommen hat, dass die Sendezeit vorbei ist. Er geht nicht mehr verbal auf den Beitrag seines Vorredners ein, beteiligt sich aber am andauernden Gelächter. Bevor einer der Gäste noch einmal das Sprecherrecht für sich beanspruchen kann, ergreift der Moderator abschließend das Wort, bedankt sich kurz bei den Gästen, bei den Zuschauern zu Hause und im Studio und verweist auf die nachfolgende Sendung.

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[1] Steinbrecher, Michael; Weiske, Martin: Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. Tips und Hintergründe. München: Ölschläger Verlag 1992, S.109

[2] Ebd.; S. 141.

[3] Ebd.; S.139.

[4] Plake, Klaus: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation. Darmstadt: Primus Verlag 1999, S. 33f.

[5] Ebd.; S. 96.

[6] Ebd.; S. 21.

[7] Plake, Klaus: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation. Darmstadt: Primus Verlag 1999, S. 21.

[8] Foltin, Hans- Friedrich: Die Geschichte eines schillernden Genres. In: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland , Band 4. München 1992, S. 126.

[9] Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1985, S. 327.

[10] Weinrich, Lotte: Verbale und nonverbale Strategien in Fernsehgesprächen. Eine explorative Studie. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1992, S. 42f.

[11] Plake, Klaus: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation. Darmstadt: Primus Verlag 1999, S. 29.

[12] Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1985, S. 209f.

[13] Steinbrecher, Michael; Weiske, Martin: Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. Tips und Hintergründe. München: Ölschläger Verlag 1992, S. 70.

[14] Ebd.; S. 73.

[15] Steinbrecher, Michael; Weiske, Martin: Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. Tips und Hintergründe. München: Ölschläger Verlag 1992, S. 58.

[16] Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1985, S. 28ff.

[17] Steinbrecher, Michael; Weiske, Martin: Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. Tips und Hintergründe. München: Ölschläger Verlag 1992, S. 52.

[18] Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1985, S.19.

[19] Ebd.; S. 19.

[20] Linke, Angelika; Nussbaumer, Markus; Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2001, S. 289.

[21] Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1985, S. 168.

[22] Linke, Angelika; Nussbaumer, Markus; Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2001, S. 264f.

[23] Brinker, Klaus; Sager, Sven F.: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2001, S. 62.

[24] Vgl. Transkript 1, Turn 30.

[25] Vgl. Transkript 1, Turn 41.

[26] Vgl. Transkript 1, Turn 68 / 69

[27] Vgl. Transkript 1, Turn 71/ 72

[28] Vgl. Transkript 1, Turn 86-103.

[29] Vgl. Transkript 1, Turn 111-119.

[30] Vgl. Transkript 1, Turn 254/ 255.

[31] Vgl. Transkript 1, Turn 279 / 281.

[32] Vgl. Transkript 1, Turn 282.

[33] Vgl. Transkript 1, Turn 341- 356.

[34] Vgl. Transkript 1, Turn 477/ 478.

[35] Vgl. Transkript 1, Turn 479.

[36] Vgl. Transkript 1, Turn 489.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Linguistische Gesprächsanalyse von Talkshows im Fernsehen
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
95
Katalognummer
V40047
ISBN (eBook)
9783638386647
Dateigröße
1220 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Staatsexamensarbeit für das Lehramt an Realschulen im Fach Deutsch ! 45-seitiger Anhang !
Schlagworte
Linguistische, Gesprächsanalyse, Beispiel, Talkshows, Fernsehen
Arbeit zitieren
Michaela Andre (Autor), 2005, Linguistische Gesprächsanalyse von Talkshows im Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40047

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