Einleitung
Das Nachdenken über die eigenen Person ist ein uraltes Anliegen der Menschheit. Man fragte schon immer nach dem „Selbst“ oder „wer bin ich?“, um Erklärungen zu suchen für das, was den Menschen ausmacht. Philosophen, Psychologen, Soziologen und Pädagogen bemühen sich, Antworten auf diese Fragen zu finden und immer wieder neu ein Verständnis für die Probleme des Selbst zu entwickeln. Unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen erhöht sich die Relevanz der Auseinandersetzung mit sich selbst, da sich jedem Menschen neue Perspektiven für die eigene Entwicklung eröffnen. Ob und wie vorhandene Chancen genutzt werden, liegt stark im Ermessen jedes einzelnen. Die ersten Schuljahre stellen eine wichtige Etappe in der Entwicklung der Einstellungen der Kinder zu sich selbst dar. Bereits bei der Bewältigung täglich neuer Aufgaben werden Grundlagen dafür gelegt, ob und in welchem Maß die Kinder eine generell optimistische Einstellung zu sich selbst, gesundes Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln oder ob sich niedriges Selbstvertrauen und damit Angst vor Schwierigkeiten und Versagen herausbilden und sich zu verfestigen beginnen. (vergl. Felger- Pärsch, S.1)
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
3. Selbstkonzeptstrukturen
3.1 Selbst und Selbstkonzepte
3.2 Private und öffentliche Selbstkonzepte
3.3 Ökologische Selbstkonzepte
3.4 Individuelle und kollektive Selbstkonzepte
3.5 Reale und potentielle Selbstkonzepte
3.6 Retrospektive, aktuelle und prospektive Selbstkonzepte
4. Bedingungen für die Herausbildung und Entwicklung von Selbstkonzepten
5. Darstellung eines Bedingungsgefüges zur Entwicklung von Selbstkonzepten
6. Prozess der Herausbildung des Selbstkonzeptes
7. Das Selbstkonzept als Teil der Identität
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die Entwicklungsbedingungen des menschlichen Selbstkonzepts, um zu ergründen, wie die Auffassung der eigenen Person entsteht und durch soziale Einflüsse geformt wird.
- Multidimensionale Strukturen des Selbstkonzepts
- Einflussfaktoren der Persönlichkeitsentwicklung
- Bedeutung von Erziehungsbotschaften und Wertschätzung
- Wechselbeziehung zwischen Selbstkonzept und Identität
- Prozess der Selbstaktualisierung und Bewertungsbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Selbst und Selbstkonzepte
Eine Person kann sich in einer bestimmten Situation seiner eigenen Person, seiner Eigenschaften, Merkmale, Vorlieben, Schwächen etc. mehr oder weiniger bewusst sein. William James unterscheidet zwei Formen des Selbst: Zum einen das ICH und das MICH.
Der Begriff des Selbst beinhaltet sowohl das Wissen, dass eine Person über sich selbst hat (MICH oder auch „empirisches Selbst“) als auch den Gegenstand (Ich), der sich im Bewusstsein der Person zeigt. Das ICH erschließt sich dem Individuum immer nur in Form des MICH. Das MICH ist mithin das Ergebnis der Wahrnehmung des ICH. Zwischen den beiden Formen des Selbst besteht laut den Erkenntnissen der Wahrnehmungsforschung eine Diskrepanz, die dem Individuum jedoch nicht bewusst ist. Der Begriff des Selbst – so wie ihn William James versteht – betont, dass das Individuum zugleich Subjekt und Objekt seines Bewusstseins ist. Es ist Objekt insofern, als dass es die eigene Person zum Gegenstand des Bewusstseins macht und Subjekt, da es selbst auch Träger des Bewusstseins ist. Das Selbst ist sowohl die Basis des individuellen Verhaltens und Erlebens als auch Gegenstand der eigenen Betrachtung.
Das Konzept des MICH entspricht dem Selbstkonzept. Das Bild, das ein Individuum von sich selbst hat wird demnach als Einstellung gegenüber der eigenen Person begriffen, die mehr oder weniger komplex ausfallen kann (Marsh, 1993). Es werden drei Komponenten unterschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung der Selbstreflexion und betont die Relevanz einer stabilen Selbstwahrnehmung für die psychische Entwicklung von Kindern.
2. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert Selbstkonzepte als multidimensionale Auffassungen über eigene Fähigkeiten und Eigenschaften, die durch verschiedene Informationsquellen wie Fremdmitteilungen oder Selbstbeobachtungen gespeist werden.
3. Selbstkonzeptstrukturen: Hier werden differenzierte Facetten des Selbstkonzepts analysiert, darunter die Unterscheidung zwischen dem Ich und dem Mich sowie private, öffentliche und ökologische Aspekte.
4. Bedingungen für die Herausbildung und Entwicklung von Selbstkonzepten: Das Kapitel erläutert, wie genetische, soziokulturelle und innerseelische Faktoren gemeinsam die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbild eines Individuums beeinflussen.
5. Darstellung eines Bedingungsgefüges zur Entwicklung von Selbstkonzepten: Dieser Abschnitt dient der konzeptionellen Veranschaulichung des komplexen Geflechts aus verschiedenen Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Selbst.
6. Prozess der Herausbildung des Selbstkonzeptes: Hier wird fokussiert, wie Erziehungsbotschaften und Wertschätzung durch Bezugspersonen das Selbstbild prägen und wie Bewertungsbedingungen zu psychischen Spannungen führen können.
7. Das Selbstkonzept als Teil der Identität: Das abschließende Kapitel setzt das Selbstkonzept in den Kontext der Identitätsforschung und definiert Identität als Einheit aus Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Kontrollüberzeugung.
Schlüsselwörter
Selbstkonzept, Identität, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl, Erziehungsbotschaften, Selbstaktualisierung, Bewertungsbedingungen, Psychologie, Sozialpsychologie, Selbststeuerung, Kontrollüberzeugung, Selbstbild, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung des Selbstkonzepts und untersucht, wie der Mensch ein Bild von sich selbst entwickelt und welche Faktoren diesen Prozess steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Strukturierung des Selbst, den Einfluss der sozialen Umwelt, die Bedeutung frühkindlicher Erziehungserfahrungen sowie den Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Herausbildung des Selbstkonzepts zu schaffen und die Einflüsse aufzuzeigen, die zur Entstehung eines positiven oder negativen Selbstbildes beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der existierende psychologische Modelle, wie die von William James, Carl Rogers und anderen, synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Selbstkonzeptstrukturen, die Darstellung der Entwicklungsbedingungen sowie die tiefgehende Betrachtung des Einflusses von Erziehungsbotschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Selbstkonzept, Identität, Persönlichkeitsentwicklung, Erziehungsbotschaften und Selbstwertgefühl charakterisiert.
Wie definiert die Autorin den Unterschied zwischen Ich und Mich?
In Anlehnung an William James wird das "Ich" als das wahrnehmende Subjekt und das "Mich" als das wahrgenommene Objekt bzw. das Ergebnis der Selbstwahrnehmung verstanden.
Welche Rolle spielen "Bewertungsbedingungen" laut dem Text?
Bewertungsbedingungen entstehen durch verinnerlichte Wertmaßstäbe anderer. Wenn ein Kind nur unter diesen Bedingungen Annahme erfährt, kann dies zur Entfremdung von den eigenen Gefühlen und zu seelischen Störungen führen.
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- Claudia Becker (Author), 2002, Das Selbstkonzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4004