Kriegsberichterstattung und der Embedded Journalist


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Entwicklung
2.1 Peloponnesischer Krieg
2.2 Vietnam Krieg
2.3 Irak Krieg 1991
2.4 Irak Krieg 2003 und die „embedded Journalists“

3. Irak Krieg 2003 - Veränderte Rahmenbedingungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Berichterstattung aus einem Krisengebiet ist zumeist eine sehr heikle Aufgabe, da der Journalismus in einem Krieg nicht selten der Zensur der jeweiligen Kriegspartei unterworfen ist. Lediglich die Daten und Fakten dürfen an die Öffentlichkeit gelangen, welche zuvor einer Kontrolle und Genehmigung der jeweiligen Kriegsseite, unterzogen worden sind. Allgemein wird dies auch mit dem Begriff „Kriegspropaganda“ umschrieben. Aufgrund ihrer negativen Assoziation vermeiden selbstverständlich beide Kriegsparteien diese Bezeichnung tunlichst. Die Kriegsberichterstattung dient auf der einen Seite dazu, die eigene Bevölkerung mit zensierten Informationen gezielt zu beeinflussen, auf der anderen Seite soll aber auch die Weltöffentlichkeit informiert werden. Die Schwierigkeit für den Journalisten liegt darin, abzuwägen, welche Informationen er veröffentlicht und welche er für sich behält. Die Kriegsberichterstattung hat aber nicht nur eine große Verantwortung der Öffentlichkeit gegenüber, sondern hat auch zur Aufgaben, dem Leser beziehungsweise dem Zuschauer ein genaues Bild über die Lage in einem Konfliktgebiet zu geben. Die Berichterstattung aus einem Kriegsgebiet soll ein möglichst objektives Bild des Geschehens aufzeigen, da die Öffentlichkeit über den genauen Verlauf des Krieges mit allen Truppenbewegungen, Zielen der Kriegsparteien, Strategien und natürlich auch Folgen des Krieges aufgeklärt werden will.[1]

Die Aufgabe der Kriegsberichterstattung erstreckt sich aber auch auf Hintergrundinformationen zu einer Krise. Dabei sollen Analysen zu Ursachen und Auslösern eines Krieges aufgezeigt, Probleme und Problemlösungen diskutiert werden. Des Weiteren sind aber auch die Folgen eines Konfliktes in der Berichterstattung zu erörtern, sowie die Abwägungen der Verhältnismäßigkeit des Krieges. All diese genanten Punkte sollten immer auf einer objektiven Basis der Berichterstattung stehen.[2]

Den Medien kommt aufgrund ihrer Berichterstattung aber auch die Aufgabe zuteil, die Verständigung zwischen den Konfliktparteien anzutreiben. Nicht nur Abwägungen bezüglich der Notwendigkeit eines Krieges sind von Bedeutung, sondern auch die gegensätzlichen Interessen und möglichen

Handlungsmöglichkeiten für eine Beilegung des Konfliktes sind abzuwägen. Dem Zuschauer soll die Möglichkeit gegeben werden, über die Krise zu reflektieren, wobei der Journalismus Lösungsansätze vorgeben kann. Diese Möglichkeit basiert natürlich auf der Berichterstattung der Medien, wobei diese, wie bereits angedeutet, möglichst objektiv berichten sollen.[3]

Diese Aufgaben sind von theoretischer Natur und beschreiben einen Leitfaden für die Kriegsberichterstattung. Die Praxis bietet sehr oft ein anderes Bild, was in dieser Arbeit noch verdeutlicht wird.

Die Kriegsberichterstattung hat im Laufe der Jahrhunderte eine drastische Entwicklung erlebt.

2. Geschichtliche Entwicklung:

2.1 Peloponnesischer Krieg

Den ersten Kriegsberichterstatter gab es bereits in der Antike. Der bedeutendste Geschichtsschreiber seiner Zeit war Thukydides, der ca. 455-396 v. Chr. lebte. Seine Berichte des Peloponnesischen Krieges zwischen Sparta und Athen begründete die kritische und politische Geschichtsschreibung. Als athenischer Flottenkommandant zeichnete er sehr ausführlich und streng chronologisch den Ablauf des Krieges nach und bediente sich dabei den heutigen Standardinstrumenten eines jeden Journalisten, wie zum Beispiel Augenzeugenberichten, Urkunden und Ergebnissen wissenschaftlicher Arbeiten. Thukydides war in seiner Berichterstattung stets um moralische Neutralität bemüht[4]. Seine Berichterstattung war außerdem frei von jeglicher Zensur, was in der heutigen Zeit kaum mehr denkbar wäre. Seit dem Peloponnesischen Krieg hat sich in der Kriegsberichterstattung viel verändert. Die Innovation neuer Medientechnik, wie Fernsehen und Internet erlauben es heute live aus Kriegsgebieten zu berichten und dem Zuschauer zu Hause vor dem Fernseher ein ungefähres Bild vom Geschehen wieder zu geben.

2.2 Vietnamkrieg

Der erste Krieg, der live im Fernsehen zu verfolgen war, war der Vietnamkrieg von 1964-1975. Man sprach daher auch vom „Krieg im Wohnzimmer“. Das besondere an diesem Krieg war zudem, dass die Medienberichterstattung die erste und bisher einzige unzensierte des 20. Jahrhunderts war. Dadurch, dass der amerikanische Kongress nie eine Kriegserklärung gegen Vietnam ausgesprochen hatte, sondern die amerikanische Regierung von Anfang an die Invasion lediglich als „amerikanischen Engagement“ vertuschte, war eine direkte Zensur nicht gegeben, denn dies hätte die amerikanische Presse misstrauisch gemacht. Zudem hatten weder die amerikanischen Politiker noch die Militärs ein ausgearbeitetes Konzept einer Pressepolitik, wie dies heute der Fall ist. Die Kriegsberichterstatter in Vietnam konnten somit ohne staatliche Kontrolle über das Kriegsgeschehen vor Ort berichten und mit Bildern kommentieren[5]. Ein weiterer Punkt warum die amerikanische Regierung die Kriegsberichterstattung nicht zensierte war, dass die US-Streitmacht von einem kurzen und schmerzlosen Einsatz in Vietnam ausging und dies auch in der Öffentlichkeit so darstellte. Der Großteil der Medien stand hinter der Kriegspolitik der Regierung, da auch sie im Glauben an ein schnelles Ende des Kriegseinsatzes war, was sich allerdings schnell als Irrtum herausstellte.

Die Journalisten im Vietnamkrieg hatten den Rang eines Majors und bekamen durch die US-Army sowohl Unterkunft, Verpflegung, als auch Transportmöglichkeiten gestellt. Als 1967 schon 700 Reporter aus Südvietnam berichteten, gelang es dem Militär nicht mehr, direkt an der Quelle der Nachrichten einzugreifen. Die Haltung der Medien gegenüber des Einsatzes änderte sich allerdings sehr schnell, als immer offensichtlicher wurde, dass der Krieg kein schnelles Ende nehmen würde. Als 1968 die brutalen Bilder des Massakers von My Lai über den Bildschirm flimmerten, änderten auch die Redaktionen ihre Meinung zu dem Kriegseinsatz und forderten die sofortige Beendigung des Krieges. Schonungslos zeigten die Medien Bilder von schwer verwundeten Soldaten, leichenübersäten Strassen und brennenden Dörfern. Diese Bilder führten zu einem Medienereignis, das in der Bevölkerung eine extreme Anti-Kriegs-Stimmung erzeugte. Die Menschen gingen auf die Strasse und verlangten den sofortigen Rückzug der Amerikaner. Durch die fehlende moralische, politische und wirtschaftliche Unterstützung der Bevölkerung, wurde die amerikanische Streitmacht schließlich in die Knie gezwungen, was zur Niederlage in Vietnam führte und als Trauma Amerikas im 20. Jahrhundert in die Geschichte einging. Grund: Vietnam war der erste und einzige verlorene Krieg der USA. „Aus einem vermeintlichen Blitzkrieg wurde ein Krieg, den die Supermacht USA über zwei Jahrzehnte lang kämpfte und gegen den kleinen Staat Vietnam verlor“.[6] Die Regierung gab vor allem den Medien die Schuld an dieser Niederlage und zog daraus ihre Konsequenzen. „Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass das Fernsehen das Ende des Vietnamkriegs herbeigeführt hat![7] Von nun an ließ man, wenn überhaupt, nur noch zensierte Kriegsberichterstattung zu, um die öffentliche Meinung zu kontrollieren.

Beispielsweise wurde während des Falklandkrieges und der Konflikte in Grenada und Panama den Journalisten weitgehend der Zugang zum Kampfgebiet verweigert. Es wurden keine Live-Bilder von Kämpfen im Fernsehen zugelassen. Fotos wurden zensiert. Journalisten durften sich nur in ausgewählten Pools innerhalb ausgewählter Armee-Einheiten bewegen, da man in Bezug auf die Medienberichterstattung auf keinen Fall die gleichen Fehler wie im Vietnamkrieg machen wollte.

[...]


[1] Vgl. Loretan, Matthias: Kriegsberichterstattung. Aufgaben und Kriterien. www.medienheft.ch/links/folder/03_Folien_WS0203.pdf . Abgerufen am 24.02.04

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Groß, Jochen: Der erste embedded Journalist. www.//cf.e-politik.de/beitrag.cfm?Beitrag_ID=2094. Abgerufen am 20.01.04

[5] Vgl. Christel Boven: Macht der Medien? –Vietnamkrieg www.kommunikare.de/01_themen/011kb/vietnam.htm. Abgerufen am 05.01.04.

[6] ebd.

[7] Bresser, : Was nun? Über Fernsehen, Moral und Journalisten. München. 1992. S.66

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kriegsberichterstattung und der Embedded Journalist
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Pathologie des Journalismus
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V40061
ISBN (eBook)
9783638386722
ISBN (Buch)
9783638789646
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der Kriegsberichterstattung und der Embedded Journalists. Angefangen beim Peloponnesischen Krieg, über den Vietnam Krieg, Irak Krieg 1991 bis hin zum Irak Krieg 2003.
Schlagworte
Kriegsberichterstattung, Embedded, Journalist, Pathologie, Journalismus
Arbeit zitieren
Diplom Journalistin Univ. Ariane Schleipfer (Autor), 2004, Kriegsberichterstattung und der Embedded Journalist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40061

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