BID Hamburg "Neuer Wall" verglichen mit den Perspektiven der Kölner "Ehrenstraße"


Diplomarbeit, 2005
90 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Business Improvement District
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Historische Entwicklung
1.3 Ziele und Maßnahmen
1.4 Aufbau und Struktur / Organisation
1.4.1 Ausgangssituation
1.4.2 Entwicklung
1.4.3 Administrative Struktur
1.5 Umsetzungsphasen
1.6 Finanzierung
1.7 Aufgaben und Funktionen
1.8 Nutzen
1.9 Pro & Contra

2. Abgaben- und organisationsrechtliche Bedingungen für eine Umsetzung in Deutschland

3. Diskussion von Umsetzungsbeispielen in Deutschland
3.1 Vergleich der Leitbilder Hamburg und Köln
3.2 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.3 Köln ‚Ehrenstraße’
3.4 Zielsetzungen und Maßnahmen
3.4.1 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.4.2 Köln ‚Ehrenstraße’
3.4.3 Zwischenfazit
3.5 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.5.1 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.5.2 Köln ‚Ehrenstraße’
3.5.3 Zwischenfazit
3.6 Städtebauliche Rahmenbedingungen
3.6.1 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.6.2 Köln ‚Ehrenstraße’
3.6.3 Zwischenfazit
3.7 Finanzierungsmöglichkeiten
3.7.1 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.7.2 Köln ‚Ehrenstraße’
3.7.3 Zwischenfazit
3.8 BID vs. Interessengemeinschaft
3.8.1 Hamburg ‚Neuer Wall’
3.8.2 Köln ‚Ehrenstraße’

4. Resümee

5. Anhang
5.1 Gesetz zur Stärkung der Einzelhandels- und Dienstleistungszentren
5.2 Begründung
5.3 Planunterlagen aus der Wettbewerbsphase
5.4 Research Hamburg
5.5 Research Köln

6. Literaturverzeichnis

7. Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Titelblatt: ‚Fassade Neuer Wall 37 / Alsterarkaden, Louis Vuitton-Haus, Hamburg’

Aufgenommen und bearbeitet durch: Anne Bartling, Holunderweg 16, 50858 Köln

Abbildung 1: Maßnahmen der Quartiersaufwertung,

Handelskammer Hamburg, Geschäftsbereich Starthilfe & Unternehmensförderung, Bernd Reichert, Dr. Thorsten Koletschka, Dr. Jörg Märkt: Business Improvement District – Quartiersentwicklung durch Eigen(tümer)-initiative, Hamburg, 2004. In: www.ihk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 2: Umsetzungsphasen in Zusammenarbeit mit der Stadt,

Trägerverbund Projekt Innenstadt e.V., Dipl. – Ing. Dorothee Rothmann: BID – Pilotprojekt Umgestaltung Neuer Wall Werkstattbericht, Hamburg, 2004. In: www.ihk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 3: Anteile der Ausgaben,

Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MSWKS), Referat Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Business Improvement Districts (BIDs) – Untersuchung von Business Improvement Districts (BIDs) in Bezug auf Möglichkeiten und Grenzen einer Übertragbarkeit auf innerstädtische Geschäftsquartiere in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2001,

Abbildung 4: Anteile der Finanzierung,

Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MSWKS), Referat Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Business Improvement Districts (BIDs) – Untersuchung von Business Improvement Districts (BIDs) in Bezug auf Möglichkeiten und Grenzen einer Übertragbarkeit auf innerstädtische Geschäftsquartiere in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2001,

Abbildung 5: Finanzierung,

Handelskammer Hamburg, Geschäftsbereich Starthilfe & Unternehmensförderung, Bernd Reichert, Dr. Thorsten Koletschka, Dr. Jörg Märkt: Business Improvement District – Quartiersentwicklung durch Eigen(tümer)-initiative, Hamburg, 2004. In: www.ihk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 6: Tätigkeitsfelder von BIDs,

Wiezorek, E.: Business Improvement Districts (BIDs) – Ein Erfahrungsbericht aus New York City, TU – Berlin, 2004. In: www.berlin.ihk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 7: Problemstruktur von Interessengemeinschaften,

Handelskammer Hamburg, Hamburger Städtebauseminar 2004: Zukunft der Zentren – Zentren der Zukunft (25.02.2004), Bernd Reichert: Business Improvement Districts – Neue Chancen für alte Quartiere?, Hamburg, 2004. In: www.hk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 8: Chancen von BIDs,

Handelskammer Hamburg, Hamburger Städtebauseminar 2004: Zukunft der Zentren – Zentren der Zukunft (25.02.2004), Bernd Reichert: Business Improvement Districts – Neue Chancen für alte Quartiere?, Hamburg, 2004. In: www.hk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 9: Pro & Contra,

Eigene Darstellung nach IHK Würzburg-Schweinfurt: Merkblatt der IHK Würzburg-Schweinfurt zu Business Improvement Districts (BIDs),

Abbildung 10: Gegenüberstellung der Ziele der Leitbilder,

Eigene Darstellung nach Peiner Dr., W.: Metropole Hamburg – Wachsende Stadt, Rede vor den Mitgliedern der Industrie- und Handelskammer zu Köln, 2004, -25

Abbildung 11: Lageplan ‚Neuer Wall’,

Kemper`s Verlag & Agentur GmbH, Kaiserswerther Straße 119, 40474 Düsseldorf: Kempers`s City Profil Hamburg, März 2004, und 10

Abbildung 12: ‚Neuer Wall’ vorher vs. nachher,

Trägerverbund Projekt Innenstadt e.V., Dipl. – Ing. Dorothee Rothmann: BID – Pilotprojekt Umgestaltung Neuer Wall Werkstattbericht, Hamburg, 2004. In: www.ihk24.de, Internetrecherche vom 02.11.2004,

Abbildung 13: Lageplan ‚Ehrenstraße’,

Kemper`s Verlag & Agentur GmbH, Kaiserswerther Straße 119, 40474 Düsseldorf: Kempers`s City Profil Köln, März 2004, und 5

Abbildung 14: Lageplan 1:500,

WES & Partner Landschaftsarchitekten, Jarrestr. 80, 22303 Hamburg, 2004

Abbildung 15: Beleuchtungskonzept / Ausstattung,

WES & Partner Landschaftsarchitekten, Jarrestr. 80, 22303 Hamburg, 2004

Abbildung 16: Perspektiven,

WES & Partner Landschaftsarchitekten, Jarrestr. 80, 22303 Hamburg, 2004

Abbildung 17: Beleuchtungsbeispiel,

WES & Partner Landschaftsarchitekten, Jarrestr. 80, 22303 Hamburg, 2004

Einleitung

„Im Mittelpunkt einer Markt- und Standortanalyse von Immobilien steht immer der Standort selbst, an den diese zwangsläufig gebunden ist.“[1] Umfeldbedingungen und Marktgegebenheiten machen aus einem Standort eine Lage und nehmen erheblichen Einfluss auf eine geplante oder bereits vorhandene Nutzerstruktur.

Zukunftsszenarien der Immobilienwirtschaft erwarten eine Renaissance der Innenstädte. Das bedeutet, dass die innerstädtischen Lagen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden.[2]

Um dieser Renaissance der Innenstädte auch entsprechend Rechnung zu tragen, liegt es im Aufgabenbereich der Hauseigentümer, die Gebäude in einem attraktiven und ansprechenden Zustand zu erhalten bzw. diesen wieder herzurichten. Auch das Mieterklientel spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle.

Insofern hat auch das Thema Marketing für Städte und Regionen in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Weltweit konkurrieren die Städte aus Sicht diverser Zielgruppen beispielsweise als Lebensraum, Wirtschaftsstandort, Einkaufs- und Kulturstadt, sowie als Erholungsraum. Die Ursache für diese Entwicklung liegt in den starken Veränderungen der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einem Europa des Umbruches . [3] Durch die Öffnung Mittel- und Osteuropas hat der Wettbewerb der Städte eine neue internationale Dimension erhalten, die auch neue Anforderungen an die Standorte richtet. Die Fähigkeit zur Innovation im globalen Wettbewerb der Großstadtregionen wird zu einem entscheidenden Faktor.

„Die Standorte können deshalb ihre Entwicklung nicht allein der Ordnung durch den globalen Wettbewerb oder der Dominanz internationaler Kapitalanleger überlassen und sich somit ihrem Schicksal fügen.“[4]

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Leistungsangebote der Standorte zunehmend ähneln und diese versuchen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Ein hoher Bekanntheitsgrad und eine positive Wahrnehmung sind deshalb zur Differenzierung entscheidend, um sich aus Sicht der Zielgruppen als unverwechselbar darzustellen.

Daher ist Stadt- und Regionalmarketing in vielen Kommunen bereits zu einem zukunftsweisenden Thema geworden. Mit Hilfe dieses Instrumentes versuchen die Standorte gemeinsam wahrnehmbare Anstrengungen zu unternehmen, um sich im Wettbewerb um neue und alte Einwohner, Investoren, Käufer, Touristen und Besucher zu behaupten.

Parallel hierzu hat sich in den vergangenen Jahren in den USA das Instrument des

‚ B u s i n e s s I m p r o v e m e n t D i s t r i c t ’ (BID) [5]

zu einer der erfolgreichsten Methoden zur Revitalisierung und Stärkung innerstädtischer Geschäftsbereiche entwickelt. Der sichtbare Erfolg der BIDs macht neugierig: Wie funktioniert ein BID? Was macht BIDs so erfolgreich? Sind BIDs auch in deutschen Städten denkbar?

Die Gründung eines BIDs basiert in den meisten Fällen auf der Eigeninitiative von Geschäftsleuten und Grundeigentümern eines Stadtquartiers, die ihr Umfeld verbessern wollen. Die hierzu notwendigen finanziellen Mittel können nach Durchführung eines speziellen, durch Landesgesetze geregelten Verfahrens, für einen festgelegten Zeitraum von allen Grundeigentümern des Quartiers als zweckgebundene Zwangsabgabe eingefordert werden. Die Zwangsabgabe, die in der Regel zusammen mit der Grundsteuer von der Kommune eingezogen wird, wird in vollem Umfang an die nicht-staatliche BID-Gesellschaft weitergeleitet.

Die BID-Gesellschaft kann im Rahmen der Gesetze über diese Mittel weitgehend unabhängig verfügen und erhält hierdurch eine verlässliche, kalkulierbare, mehrjährige Einnahmequelle zur Finanzierung von Maßnahmen wie z.B. zusätzliche Pflege des öffentlichen Raumes, Durchführung von Veranstaltungen und Events, Werbung und Marketing, Verbesserung der verkehrstechnischen Erreichbarkeit sowie Finanzierung von Sachinvestitionen (z.B. Beleuchtung, Straßenbelag und Straßenmöblierung).

Es hat sich gezeigt, dass die Kosten, die für jeden Einzelnen durch einen BID entstehen, relativ gering sind und um ein Vielfaches durch die Erhöhung der Kundenfrequenzen und die allgemeine Wertsteigerung, die der Standort erfährt, ausgeglichen werden. Zu beachten ist, dass Wohnflächen von der BID-Abgabe ausgenommen sind, da die Bewohner des Stadtquartiers aus der Standortaufwertung keine wirtschaftlichen Vorteile ziehen können und man soziale Verdrängungseffekte ausschließen möchte.[6]

Die positiven Erfahrungen speziell aus den USA legen nahe, diesen Organisations- und Finanzierungsmechanismus auch in Deutschland zu erproben.

Die Rahmengesetzgebung zur Gründung von BIDs könnte – ähnlich wie in den USA – auf Landesebene erfolgen. Die Gestaltung, Kontrolle und Umsetzung der Maßnahmen fiele vollständig in den kommunalen Bereich.

Die Hansestadt Hamburg – in ihrer Position als Stadtstaat – hat den ersten Versuch eines Pilotprojektes gewagt und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen, um ein BID umsetzen zu können.

Hamburgs ‚Neuer Wall’ zählt zu einer der 1 A-Lagen der Innenstadt. Namenhafte Designer und Boutiquen wie Gucci, Hugo Boss und Escada sind hier ansässig. Doch dies allein reicht nicht aus, um sich am Immobilienmarkt langfristig behaupten zu können.

Im Vergleich dazu zeigt sich die Kölner ‚Ehrenstraße’ derzeit in einer zwiespältigen Situation. Neben Markengeschäften wie Kookai, Sisley und M.A.C. sind ebenfalls die berühmt berüchtigten Szenegeschäfte wie z.B. Sixty Fife Schuhe, Studio 59 und Loft von Köln angesiedelt. Die Gebäude befinden sich in äußerst unterschiedlichen Zuständen, so dass kein einheitliches Straßenbild geboten wird. Die Interessen der Hauseigentümer scheinen hier erheblich auseinander zu driften.

Diese Arbeit befasst sich mit den vorgenannten Themen in folgender Weise.

Zunächst wird im ersten Kapitel der Bezugsrahmen der Arbeit dargestellt und ausführlich auf das Thema Business Improvement District eingegangen. Thematisiert werden die historische Entwicklung, Ziele und Maßnahmen, Aufbau und Struktur und die Finanzierung von BIDs. Ferner wird eine kritische Betrachtung des Nutzens und der Auswirkungen vorgenommen.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Problematik der abgaben- und organisationsrechtlichen Rahmenbedingungen, die bei einer Umsetzung des amerikanischen BID-Modells in Deutschland zu berücksichtigen sind.

Im Zuge des dritten Kapitels wird der untersuchungsleitenden Fragestellung nachgegangen, ob eine Umsetzung dieses Modells auch an deutschen Standorten sinnvoll erscheint oder überhaupt realisierbar wäre. Hierzu werden zwei Standorte in unterschiedlichen Bundesländern als Diskussionsgrundlage herangezogen. Es handelt sich hierbei um das ‚BID Neuer Wall’ in Hamburg und die Kölner ‚Ehrenstraße’. Anhand von beispielhaft ausgewählten Untersuchungskriterien werden Problematiken im Umgang mit diesen Standorten und deren Entwicklung verdeutlicht und Entwicklungspotenziale herausgestellt.

Anschließend wird im vierten Kapitel ein Resümee der vorangegangen Betrachtungen gezogen und eine abschließende Beurteilung über den Einsatz von BIDs in Deutschland, insbesondere an dem Standort Köln ‚Ehrenstraße’, gewagt.

Ziel ist es, das Entwicklungspotential der Kölner ‚Ehrenstraße’ darzulegen, Zukunftsprognosen herzuleiten und eine Vorhersage für den Erfolg eines Kölner BID-Projektes zu wagen.

1. Business Improvement District

Innenstadtquartiere stehen in vielen deutschen Städten vor großen Herausforderungen. Während die Konkurrenz im Einzelhandel mit aufwendig umgebauten oder neu gestalteten Einkaufszentren auf der ‚grünen Wiese’, mit Factory Outlet[7] Centern und Internet-Marktplätzen weiter zunimmt, reduzieren sich Umsätze und Besucherzahlen in den zentralen Stadtbereichen von Jahr zu Jahr.[8]

Auf Grund ständig abnehmender Ertragserwartungen werden Neu- und Instandhaltungsinvestitionen in einen Standort oftmals zurückgestellt oder auf das Nötigste beschränkt. Bei gleichzeitiger Vernachlässigung von Gestaltungs-, Sicherheits- und Werbemaßnahmen besteht die Gefahr, dass diese Innenstadtquartiere in eine Abwärtsspirale geraten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist in den vergangenen Jahren, mit Unterstützung von lokalen Interessengemeinschaften, eine Vielzahl von Initiativen im Bereich des Stadtmarketings entstanden.

Ziel der Initiativen ist es, Innenstadtbereiche für Besucher und Bewohner attraktiver zu gestalten. Gezielte Standortwerbung, Kunst- und Kulturveranstaltungen aber auch die Bildung von Gesprächs- und Arbeitskreisen, in denen öffentliche und private Aktivitäten und Investitionen besser aufeinander abgestimmt und koordiniert werden, sollen dazu dienen, eine Belebung der Innenstadtbereiche zu erreichen.

BIDs haben sich in Nordamerika in den vergangenen 30 Jahren zu einem erfolgreichen und effizienten Mittel zur Stabilisierung und Aufwertung von innerstädtischen Geschäftsquartieren entwickelt.[9] Nicht zuletzt deshalb wird dieses in Deutschland noch wenig bekannte „Medikament gegen kränkelnde Ortszentren“[10] in der Öffentlichkeit auch unter dem Namen „Bündnis für Investition und Dienstleistung“[11] propagiert.[12]

Zur Beurteilung, ob die Arbeitsweise der BIDs mit ihrer Kombination aus Eigeninitiative, Selbstbesteuerung und Selbstverwaltung auch in deutschen Städten Anwendung finden kann, werden im Folgenden zunächst die wesentlichen Grundzüge der BIDs herausgearbeitet, um darauf aufbauend die Möglichkeiten einer rechtlichen bzw. organisatorischen Übertragbarkeit auf innerstädtische Quartiere in Deutschland zu behandeln.

1.1 Begriffsbestimmung

Ein BID ist ein räumlich begrenzter, meist innerstädtischer Bereich, in dem sich Grundeigentümer und Gewerbetreibende zusammenschließen, um Maßnahmen zur Verbesserung ihres Umfeldes durchzuführen. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt dabei über eine Zwangsabgabe, die in der Regel von der Gemeinde zusammen mit der Grundsteuer eingezogen und dem BID zur Verfügung gestellt wird.

So sehr BIDs auch in Größe, Handlungsspielraum und Einflussnahme variieren, gibt es dennoch in Bezug auf ihre Entstehung und ihre Funktionsweise grundlegende gemeinsame Mechanismen.

Typische Voraussetzung für die Gründung eines BID ist, dass eine traditionelle Einkaufsstraße mit unterschiedlichen, meist kleineren Ladengeschäften und einer stark fragmentierten Eigentümerstruktur auf Grund der Konkurrenz zu einem professionell gemanagten Einkaufszentrum oder einer Einkaufsstraße mit sinkenden Kundenfrequenzen, Leerständen und zunehmendem Imageverlust zu kämpfen hat. Da erkennbar ist, dass der Standort und der geschäftliche Erfolg der einzelnen Läden nur durch eine gemeinsame Anstrengung gesichert werden können, geht die Initiative zur Gründung eines BIDs meist von den Ladeninhabern aus und wird meist erst in einem zweiten Schritt von einem Teil der Grundstückseigentümer mit getragen. Die Größe des BIDs und die genaue Gebietsabgrenzung fallen dabei sehr unterschiedlich aus.

Merkmale von BIDs:

- klar definierte – meist innerstädtische – Bereiche
- drohender oder bereits existenter wirtschaftlicher, sozialer und baulicher Verfall eines innerstädtischen Quartiers machen eine umfassende Umfeldverbesserung durch Investitionen notwendig
- Basis ist eine Initiative der lokalen Wirtschaft
- Initiatoren des Organisations- und Finanzierungsmechanismus eines BIDs sind die Betroffenen, d.h. die Grundeigentümer und die Gewerbetreibenden eines eindeutig definierten Bezirkes
- durch Beschluss der Gemeindevertretung konstituiert
- Finanzierung mit Hilfe einer festen, von den Grundeigentümern zu erbringenden Zwangsabgabe
- Nutzung der Abgabe für Investitionen zur Verbesserung des geschäftlichen & städtischen Umfeldes
- Einrichtung wirtschaftlicher Selbsthilfe[13]

1.2 Historische Entwicklung

Die Entstehung von BIDs in Nordamerika geht zurück auf eine Initiative von Gewerbetreibenden in der kanadischen Stadt Toronto im Jahre 1970, bei der sich eine Gruppe von Laden- und Grundbesitzern im Stadtteil Bloor West Village zusammenschloss, um in einer gemeinsamen Anstrengung ihren Einzelhandelsstandort aufzuwerten und damit die Ansiedlung eines Einkaufzentrums in nächster Umgebung zu verhindern. Die Kaufleute forderten die Stadtverwaltung erfolgreich auf, von allen Grundstückseigentümern ihrer Einkaufszone eine Abgabe zu erheben. Mit dieser Abgabe sollten ausschließlich Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der innerörtlichen Einkaufsstraße finanziert werden. Die finanzielle Basis für ein effektives Arbeiten war damit gesichert.[14] Das hierbei entwickelte und seitdem erfolgreich angewandte Modell, das sich aus den Elementen Eigeninitiative, Selbstverpflichtung, Selbstbesteuerung und Public-Private-Partnership[15] zusammensetzt, wurde in den USA in den 80er Jahren weiterentwickelt und durch Landes- und Gemeindegesetze rechtlich verankert. Heute existieren in Nordamerika mehr als 1.200 BIDs und 48 US-Bundesstaaten mit einer BID-Gesetzgebung. Erst ab den 90er Jahren wurde es auch auf anderen Kontinenten nachgeahmt. Inzwischen gibt es BIDs nicht nur in Kanada und den USA, sondern auch in Australien, Neuseeland, Südafrika, Jamaika, Brasilien und Großbritannien.[16]

Besonders populär wurden BIDs in den 80er Jahren in den USA vor dem Hintergrund der Diskussion über die negativen Folgen der Suburbanisierung und die Frage nach Möglichkeiten zur Revitalisierung der Innenstädte.[17]

Dem Wunsch, den Unterhaltungswert für Besucher und Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, schien die Initiierung von BIDs mit ihren lokalen Steuerungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sehr entgegenzukommen. Die Erfahrungen, die in den letzten 20 Jahren in den USA gemacht wurden, bestätigen diesen Ansatz.

In Nordamerika wird in speziellen Landesgesetzen der Bundesstaaten (USA) bzw. der Provinzen (Kanada) den Bürgern das Recht eingeräumt, BIDs zu gründen. In diesen Landesgesetzen ist festgelegt, welche Regelungen eingehalten werden müssen, um ein BID zu etablieren, in welchen Bereichen sich ein BID betätigen darf, in welcher Form eine Kontrolle der Tätigkeit erfolgt und nach welcher Laufzeit sich ein BID automatisch auflöst, falls es nicht durch ein erneutes Votum eine Verlängerung erfährt (die sog. ‚sunset provision’ oder ‚sunset clause’ beträgt meist fünf Jahre).[18] Auf diese Weise wird sichergestellt, dass durch die Gründung keine Institution geschaffen wird, die sich verselbstständigt und von den ursprünglichen Aufgaben entfernt.[19] Ferner wird an diesem Punkt deutlich, dass es sich in bezug auf die Finanzierung von BIDs nicht um eine staatliche Zwangsabgabe handelt, sondern um eine demokratisch legitimierte freiwillige Selbstverpflichtung der Mehrheit der Gewerbeimmobilieneigentümer eines Bezirkes, welche die Minderheit der Eigentümer zur Finanzierung mit verpflichtet.[20]

Deutlich sichtbar ist, dass BIDs in älteren Landesgesetzen wesentlich stärker reglementiert wurden, als dies in den neueren Gesetzen der Fall ist. Zurückzuführen ist diese Entwicklung in gewissem Umfang auf die positiven Erfahrungen mit BIDs im Allgemeinen. Wesentlich wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass eine zu enge Definition der Tätigkeitsbereiche eines BIDs eine möglichst kreative und damit kostengünstige Umsetzung von Ideen behindert. So beschränken sich die jüngeren Landesgesetze auf einige wesentliche Vorgaben bezüglich der Gründung, der öffentlichen Kontrolle und der Betroffenenbeteiligung, während die zulässigen Tätigkeitsbereiche recht offen definiert werden.[21]

Zwei typische Merkmale, die bei der Entstehung von BIDs von Bedeutung sind:

» Der wirtschaftliche, soziale und bauliche Verfall eines innerstädtischen Quartiers macht eine umfassende Umfeldverbesserung notwendig.

» Initiatoren des Organisations- und Finanzierungsmechanismus eines BID sind die Betroffenen, d.h. die Grundeigentümer und die Gewerbetreibenden.

Anhand dieser Merkmale lassen sich die durch ein BID beabsichtigten und notwendigen Ziele und die damit seitens der Initiatoren geplanten Maßnahmen ableiten.

1.3 Ziele und Maßnahmen

Anlass zur Überlegung, welche Ziele und Maßnahmen ein BID verfolgen sollte, basieren auf der Frage: Was passiert in den Zentren?

Die Grund-, Mittel- und Oberzentren der gewachsenen europäischen Stadt geraten zunehmend unter Druck.[22] Erst öffnete der großflächige Einzelhandel seine Tore auf der ‚grünen Wiese’, d.h. außerhalb der Zentren oder zog gemeinsam mit Discountermärkten zwischen zwei Orte. Nun siedeln sich Shopping-Center auch innerorts an. Die Magnetwirkung der Shopping-Center erzeugt schlagartig eine Attraktivitätsminderung aller anderen Lagen. Die großflächigen Einzelhandelszentren bieten professionelles Management, ausreichende Parkraumangebote und verfügen über ein gemeinsames Budget für Marketing und Veranstaltungen, für Sicherheit und Sauberkeit. Außerhalb der Shopping-Center prägen häufig Ladenleerstände das Bild, sog. „Einkaufsinseln“[23] entstehen. Der Strukturwandel wird dadurch verstärkt, dass sich traditionelle Einzelhändler zurückziehen und eine Filialisierung in den Zentren zunimmt. Mit der Aufgabe kleiner inhabergeführter Einzelhandelsbetriebe geht auch ein Teil der Individualität der Städte verloren und die Uniformität der Zentren nimmt zu. Die Kundenfrequenz auf den Straßen sinkt und Laufwege verändern sich.

Das Ziel der BIDs sollte von allen Beteiligten als ‚Aufwertung der Lage durch gemeinsames Engagement’ verstanden werden. BIDs können insofern auch als ‚konzeptgestaltende Eigentümer-Standortgemeinschaften’ gesehen werden.

Die Attraktivitätssteigerung der innerörtlichen Einkaufsstraße zur Schaffung und Gestaltung eines sicheren, einladenden und prosperierenden Stadtteils steht hierbei im Vordergrund. Individuelle Projekte und Maßnahmen des BIDs werden örtlich festgelegt.

Im Zuge meiner Recherche nach den Zielen und dafür verwandten Maßnahmen der bisher existierenden und veröffentlichten BIDs fanden folgende Teilziele, in Abhängigkeit von Standort und Größe des Gebietes, den größten Zuspruch:

- Sauberkeit & Sicherheit
- Investitionen in das öffentliche Erscheinungsbild (Licht, Möbel, Schilder ...)
- Erhöhung der Kundenzufriedenheit, Kundenfrequenzen & Gastfreundschaft
- Finanzielle Basis für ein effektives Arbeiten
- Einsatz von Marketingmaßnahmen
- Wiederherstellung des historischen Gutes
- Aufwertung der Umgebung durch kleinräumliche Umfeldverbesserungen
- Stadtteilentwicklung & -gestaltung
- Verbesserung der Infrastruktur
- Wertsteigerung der Immobilien
- Schaffung neuer Nutzungsformen für Leerstände
- Standortbindung
- Wirtschaftsförderung.[24]

Die hierfür verwandten Maßnahmen zur Verbesserung des geschäftlichen Umfeldes setzen sich in der Regel aus folgenden Aktionen zusammen:

- Ladenleerstandsmanagement
- Funktions- und Branchenmix[25] durch Ansiedlung neuer Branchen & Betriebe
- Strategieentwicklung
- Instandhaltung der Gebäude & Neugestaltung von Läden
- Einrichtung einladender Beleuchtungskonzepte & Sitzgelegenheiten
- einheitliche Beschilderungen & Werbemaßnahmen
- Erstellung von Einkaufsbroschüren
- Veranstaltung von Events / Modenschauen
- Tourismusförderung & Kulturveranstaltungen
- Verbesserung der Erreichbarkeit & kostenloses Parken
- Bürgersteigbarrieren abbauen
- Public-Private-Partnership (PPP)
- Einsatz von Sozialarbeitern & Repräsentanten vor Ort.[26]

Die Aufwertungsmaßnahmen sind als Optimierungsmöglichkeit für den Standort zu begreifen, als sog. ‚On-Topp-Leistungen’. Sie dienen nicht dazu, originär staatliche Aufgaben auf Private zu übertragen.[27]

Abbildung 1: Maßnahmen der Quartiersaufwertung[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.4 Aufbau und Struktur / Organisation

1.4.1 Ausgangssituation

Der Großteil der bisherigen BID-Gründungen fand vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Niedergangs eines Geschäftsviertels, einer Einkaufsstraße oder einer Fußgängerzone statt. Ursache war in der Regel ein in die Jahre gekommenes Angebotskonzept, welches für Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde, und die gleichzeitige Ausbildung eines Konkurrenzstandortes in einer für Kunden als akzeptabel angesehenen Entfernung. Die Abwanderung der Kundschaft in Richtung von zentral und professionell gemanagten Supermärkten und Einkaufszentren in periphere Lagen verlief nicht schlagartig, sondern war mit hohem Werbe- und Serviceaufwand und einem meist aggressiven Marketingkonzept verbunden. Für den traditionellen Geschäftsbereich ergaben sich aus der direkten Konkurrenzsituation kontinuierlich abnehmende Kundenfrequenzen, so dass einige Geschäfte schließen mussten. Die zunehmende Anzahl von Leerständen führte jedoch zu einer weiteren Abnahme an Attraktivität, so dass die verbliebenen Geschäftsleute mit ständig sinkenden Umsätzen zu kämpfen hatten und Erneuerungsinvestitionen in den Geschäftsbestand unterblieben.

Häufig verschlechterte sich die Lage noch weiter durch fehlende Pflege des öffentlichen Raumes und mangelnde Sicherheit. Die Mieten für Gewerberäume sanken, Immobilienbesitzer konnten oder wollten kein Geld für die Instandhaltung der Gebäude ausgeben. Vandalismusschäden wurden insbesondere bei Leerständen nicht mehr beseitigt. Das Quartier verwahrloste zusehends. Diese Abwärtsspirale aus fortschreitendem Verfall und sinkenden Verdienstmöglichkeiten für Handel und Grundstücksbesitzer hatte auch ihre Ursachen in einer meist stark fragmentierten Eigentümerstruktur. So scheiterte die Initiative einzelner Geschäftsleute oftmals an der Vielzahl unterschiedlicher Interessen und der fehlenden Möglichkeit, eine Kooperation zwischen allen Betroffenen

aufzubauen.

1.4.2 Entwicklung

Nachdem die Erfolge der ersten BID-Gründungen bekannt wurden, nahmen die Zweifel an der Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens sichtbar ab, und es bildeten sich an vielen Standorten neue Zusammenschlüsse von Gewerbetreibenden und Grundeigentümern, zunächst in Form von Interessengemeinschaften.

Noch heute stellen diese Gruppen, unter Beteiligung möglichst vieler Ladeninhaber, in der Regel zunächst ein Programm zur Verbesserung des geschäftlichen Umfeldes zusammen. Dieses Programm enthält die Ziele der Umfeldverbesserung, die räumliche Eingrenzung des betroffenen Bereichs, einen mehrjährig angelegten Maßnahmenkatalog und Projektplan, sowie die Kalkulation des notwendigen Finanzbedarfs. Auf dieser Grundlage werden mit Hilfe der Kommune verschiedene Umlageverfahren zur Verteilung der Kosten entwickelt. Bemessungsgrundlage für die Beiträge können Geschossfläche, Baugrund, laufende Meter Ladenfront oder die Lage (Zentralität) sein.

Anhand der Zielsetzungen, der Gebietsabgrenzung, der zu erwartenden Kosten und der Planungsinhalte wird außerdem ein öffentlicher Diskussionsprozess durchgeführt, in dem die Einwände und Kommentare der planungsbetroffenen Gewerbetreibenden und Grundstücksbesitzer gesammelt, sowie der Dialog mit öffentlichen Einrichtungen und Behörden geführt wird. Auf dieser Grundlage wird ein erstes Meinungsbild erstellt, um einzuschätzen, ob das Verfahren Aussicht auf Umsetzung hat. Falls das Meinungsbild weitgehend positiv ist, wird nach einem festgelegten Zeitraum ein offizielles Verfahren durchgeführt, in dem die Betroffenen zu dem Vorhaben Stellung nehmen können. Dies bedeutet, dass die Gründung eines BIDs nur dann erfolgen kann, wenn sich nicht die Mehrheit der Haus- und Grundbesitzeigentümer sowie des Immobilienwertes im Quartier, gemäß getroffener Mehrheitsregel, innerhalb einer Einspruchsfrist von 30 Tagen nach öffentlicher Bekanntmachung der Gründungsinitiative gegen die Einrichtung aussprechen.[29] Eine Mehrheitsregel, in der die Vetoschwelle zwischen 25 und 33 % liegt, sollte als Minderheitenschutz genügen.[30] Je nach Bundesstaat erfolgt dann die Verabschiedung der Planung über eine Befragung, eine Abstimmung oder einen gerichtlichen Beschluss.[31] Dazu werden eine Satzung und der BID-Haushalt genehmigt und die Geschäftsführung gewählt.[32] Mit der Abstimmung über den BID wird ein Businessplan für den BID festgelegt, der aus Gebiets-, Maßnahmen-, Finanzplan und Finanzierungsschlüssel besteht. Der Finanzierungsschlüssel legt fest, wie hoch die BID-Abgabe für den Einzelnen ist. Durch den gleichzeitigen Beschluss von Maßnahmenplan und Finanzierungsschlüssel werden für jeden Betroffenen Kosten und Nutzen transparent.

1.4.3 Administrative Struktur

Die Initiative zur Gründung eines BIDs geht in der Regel von einer zunächst noch nicht organisierten Gruppe von Geschäftsleuten aus. Diese Gruppe verbindet die Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation und den Wunsch, die dafür verantwortlichen Missstände zu bekämpfen.

Mit zunehmender Konkretisierung der Pläne bildet sich meist eine Steuerungsgruppe heraus, die die Gründung eines BIDs vorbereitet. In dieser Phase werden Kernziele bezüglich des geplanten BIDs formuliert, Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen gesammelt und Maßnahmen zur Gründung einer Trägergesellschaft getroffen. Diese Trägergesellschaft übernimmt nach der Gründung des BIDs die Funktion des operativen Managements. Sowohl Organisationsform als auch die personelle Besetzung werden von der Steuerungsgruppe nach eigenem Ermessen festgelegt. Stimmt die Kommune der Gründung einer solchen – meist privatwirtschaftlichen – Trägergesellschaft zu, kann mit der Konstitution des BIDs begonnen werden.

In kleinen BIDs ist das Personal der Trägergesellschaften meist nebenberuflich für den BID tätig. Größere BIDs beschäftigen für die Betreuung ein professionelles Management. Hauptaufgaben der Trägergesellschaften sind die Entwicklung und Koordination von Maßnahmen zur Verbesserung, die Durchführung von Marketingmaßnahmen und Events, die Vertretung der Interessen gegenüber der öffentlichen Hand und die Verwaltung der finanziellen Mittel. Die Trägergesellschaften der BIDs sind der Dreh- und Angelpunkt für alle öffentlichen und privaten Aktivitäten innerhalb des festgelegten Gebietes. Bei größeren BIDs ergibt sich aus der Vielfalt der Aufgaben die Notwendigkeit, ein professionelles Management mit der Leitung der Trägergesellschaft zu beauftragen.

1.5 Umsetzungsphasen

Die Entstehungsgeschichte eines BIDs kann kurz in zehn Schritten zusammengefasst werden:

1. Eine Gruppe interessierter Geschäftsleute findet sich mit der Zielsetzung zusammen, das geschäftliche Umfeld zu verbessern.
2. Diese Initiativgruppe erstellt ein Programm, welches die Gebietsabgrenzung, Ziele, Entwicklungsmaßnahmen und Budgeterfordernisse für ein BID definiert.
3. Die Kommune berechnet die Kosten pro Grundstück / Gewerbeimmobilie zur Finanzierung des BID.
4. Das BID-Programm wird im Rahmen einer öffentlichen Diskussion erörtert.
5. Die Kommune informiert die direkt Betroffenen über die geplante Gründung eines BIDs.
6. Die Betroffenen haben die Möglichkeit, zum geplanten Vorhaben innerhalb eines definierten Zeitraumes Stellung zu nehmen. Durch die Anhörung können die Betroffenen auf den BID-Businessplan und die Gebietsabgrenzung Einfluss nehmen.
7. Nach Auswertung der Stellungnahmen wird über die Gründung des BID abgestimmt. Es existieren unterschiedliche Mehrheitsregeln (z.B. mehr als 50 %, 60 % oder auch 70 % der Grundeigentümer bzw. der repräsentierten Grundstückswerte).
8. Die Kommune verabschiedet die Satzung zur Gründung eines BIDs.
9. Der BID wird konstituiert. Es folgt die Wahl der Geschäftsführung sowie die Verabschiedung des Haushaltes.
10. Die Kommune genehmigt den Haushalt; die Finanzverwaltung zieht die Abgaben zur Finanzierung des BID ein und leitet diese an das BID-Management weiter.[33]

Der Ablauf eines Verfahrens von der Gründung eines Innovationsbereiches bis zur Umsetzung einzelner Maßnahmen lässt sich somit in vier Phasen gliedern:

Er beginnt in der Regel mit einer Initialphase, in der die ersten Vorüberlegungen zur Gebietsabgrenzung des Innovationsbereiches und über mögliche Maßnahmen und deren Finanzierung angestellt und mit Betroffenen vor Ort diskutiert werden. Durch die Diskussion ist sichergestellt, dass die Betroffenen gleichzeitig sowohl über die Chancen aus den zu realisierenden Maßnahmen als auch über die damit anfallenden Kosten zum Zeitpunkt der Abstimmung informiert sind. Jeder Betroffene kann dann für sich abwägen, ob das mit dem Konzept definierte BID vorteilhaft ist.

In der zweiten Phase, der sog. Konkretisierungsphase, erfolgen erste öffentliche Informationsveranstaltungen, sowie die konkrete Erarbeitung eines Maßnahmen- und Finanzierungskonzeptes für den geplanten Innovationsbereich. Da dieses Konzept jedoch auch Handlungsspielräume offen lässt, sollte bereits jetzt auch schon ein entsprechender Lenkungsausschuss gegründet werden, der die Gesamtheit der Betroffenen berät und vertritt, die noch ausstehenden Entscheidungen trifft und die Finanzentwicklung und die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert.[34]

Anschließend folgt die Entscheidungsphase, in der sowohl auf privater als auch auf öffentlicher Seite offiziell über den Innovationsbereich entschieden wird.

In der letzten Phase, der Umsetzungsphase, beginnt die eigentliche Arbeit. Der Aufgabenträger setzt das Maßnahmen- und Finanzierungskonzept um, die Stadt zieht die Abgaben ein und genehmigt – sofern erforderlich – die vorgeprüften Maßnahmen.

Abbildung 2: Umsetzungsphasen in Zusammenarbeit mit der Stadt[35]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.6 Finanzierung

In gleicher Weise wie der Entstehungsprozess und der Handlungsspielraum der BID-Verwaltungen gesetzlich geregelt sind, macht der Gesetzgeber in den USA Vorschriften bezüglich der Finanzierung. Hierbei gibt es jedoch von Bundesstaat zu Bundesstaat abweichende Anforderungen. Allen gemein ist, dass als Voraussetzung für die Gründung eines BIDs ein Haushaltsplan aufgestellt werden muss. Die Regelung über die Verwendung des Budgets kann im Jahresrhythmus durch die öffentliche Hand verabschiedet oder für einen Zeitraum von fünf Jahren festgelegt werden. Auf Grund des verpflichtenden Charakters der BID-Abgabe unterliegen BIDs der Rechnungskontrolle durch die öffentliche Hand. Dadurch wird sichergestellt, dass die Mittel tatsächlich für den vorgesehenen Zweck ausgegeben werden. Bei der Aufstellung des Haushaltsplanes muss beachtet werden, dass nach Ablauf der ‚sunset provision’ alle Darlehen und Kredite getilgt sein müssen. Ein BID darf nach Ablauf des Tätigkeitszeitraumes keinen negativen Haushalt aufweisen.[36] Insofern muss kein BID nach einer überschaubaren Experimentierphase verlängert werden. Die ‚sunset-Regelung’ schließt eine Verlängerung jedoch nicht aus. Vorraussetzung ist allerdings ein erneuter Beschluss der Betroffenen.

Zusätzlich müssen vor Gründung eines BIDs die Umlage der Kosten auf Gewerbetreibende und Grundeigentümer und die Einzugsweise der Zwangsabgaben festgelegt werden. Die Grundlage der BID-Finanzierung ergibt sich zwar aus der Zwangsabgabe, der Gesamthaushalt beinhaltet jedoch oftmals zusätzlich öffentliche Mittel (Zuschüsse zu bereits geplanten Investitionsvorhaben), Kapitalmarktmittel und Einkünfte aus Gebühren wie z.B. Standgebühren von Straßencafes, Parkraumbewirtschaftung sowie Einnahmen aus Events, Sonderveranstaltungen und Marketing.

Durch diese Mischfinanzierung ergeben sich je nach Größe und Finanzkraft des BIDs unterschiedliche Jahresbudgets:

- kleine BIDs verfügen über ein Budget von 80.000 DM bis 500.000 DM

(nachrichtlich ca. 40.900 € bis 255.645 €)

- mittlere BIDs besitzen ein Budget von 500.000 DM bis 2 Mio. DM

(nachrichtlich ca. 255.645 € bis 1.022.584 €)

- große BIDs erreichen Budgets von bis zu 60 Mio. DM

(nachrichtlich bis zu 30.677.512 €)[37]

Gelegentlich sind noch höhere Summen im Gespräch. In der Regel handelt es sich dann aber um ein Missverständnis. BIDs werden nämlich in den USA regelmäßig von TIFs (TIF = Tax Increment Financing) überlagert. Hier werden die erwarteten Steuerzuwächse eines Gebietes in Form einer Kommunalanleihe kapitalisiert, aus der Stadterneuerungsprojekte finanziert werden, die das Gebiet wirtschaftlich stärken und Auslöser der Steuerzuwächse sein sollen.[38]

Zwangsabgaben bilden die Grundlage der Finanzierung. Für die Umlage der Kosten wurden in der Praxis verschiedene Berechnungsmodelle angewandt. In den meisten Fällen wird der betreffende Grundstückswert in Relation zum Gesamtwert der einbezogenen Grundstücke gesetzt und aus dem so gewonnenen Index der Anteil an den Gesamtkosten berechnet. Ebenfalls recht häufig wird der Flächenanteil der gewerblichen Nutzfläche zur Indexierung herangezogen. Auch kann die Länge der Ladenfront oder die Art des Unternehmens ein Indikator für die Berechnung der Anteilskosten sein. Letztere Werte werden jedoch meist in Kombination mit Flächenwerten eingesetzt.[39]

[...]


[1] Frechen, J.: Markt- und Standortanalysen, 2004, S. 6

[2] vgl. Eichener, V.: Zukunft des Wohnens – Perspektiven für die Wohnungswirtschaft, 2002, S. 3

[3] vgl. Lilie, B. T.: Zur Situation und Perspektive des Stadt- und Regionalmarketing aufgezeigt am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg sowie der Metropolregion Hamburg, 2004, S. 1

[4] Lilie, B. T.: Zur Situation und Perspektive des Stadt- und Regionalmarketing aufgezeigt am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg sowie der Metropolregion Hamburg, 2004, S. 1

[5] Im Folgenden wird der Begriff ‚Business Improvement District’ durch die allgemeingültige Abkürzung BID ersetzt.

[6] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 5

[7] Der Begriff ‚Factory Outlet’ - übersetzt ‚Fabrikladen’ - stammt aus den USA. Er bezeichnet eine Verkaufseinrichtung, in welcher Hersteller ihre Produkte an private Endverbraucher bzw. gewöhnliche Einzelhandelskunden absetzen. Mit anderen Worten: Jeweilige Waren gelangen nicht in die Handelskette, sondern werden unter Umgehung von Groß- und Einzelhandel abgesetzt.

Quelle: http://www.stalys.de/data/ehbf03.htm#fo

[8] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 7

[9] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 7

[10] IHK Kiel: Business Improvement Districts – Heilmittel auch für deutsche Zentren?, 2004, S. 1

[11] IHK Kiel: Business Improvement Districts – Heilmittel auch für deutsche Zentren?, 2004, S. 1

[12] vgl. IHK Kiel: Business Improvement Districts – Heilmittel auch für deutsche Zentren?, 2004, S. 1

[13] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 11

[14] vgl. IHK Kiel: Business Improvement Districts – Heilmittel auch für deutsche Zentren?, 2004, S. 1

[15] Public-Private-Partnership (PPP): Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft in denen öffentliche und private Partner ihre individuellen Stärken kombinieren, Projekte gemeinsam planen, finanzieren und realisieren.

Quelle: http://www.gtz.de/de/unternehmen/2362.htm

[16] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 5

[17] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 12

[18] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 5

[19] vgl. IHK Köln: Merkblatt Business Improvement Districts, 2003, S. 1

[20] vgl. IHK Würzburg-Schweinfurt: Merkblatt der IHK Würzburg-Schweinfurt zu Business Improvement Districts (BIDs), 2004, S. 2

[21] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 8

[22] vgl. IHK Berlin: BIDs eine neue Form von Public Private Partnerships zur Zentrenentwicklung, 2004, S. 1

[23] vgl. IHK Berlin: BIDs eine neue Form von Public Private Partnerships zur Zentrenentwicklung, 2004, S. 1

[24] vgl. u.a. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 20-25

[25] Branchenmix: Eine angemessene Auswahl von Gütern des täglichen und periodischen Bedarfs in zumutbarer Entfernung.

Quelle: http://www.stalys.de/data/zpl07.htm

[26] vgl. u.a. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 20-25

[27] vgl. IHK Berlin: BIDs eine neue Form von Public Private Partnerships zur Zentrenentwicklung, 2004, S. 1

[28] Quelle: Handelskammer Hamburg, Business Improvement District – Quartiersentwicklung durch Eigen(tümer)-initiative, S. 29

[29] vgl. Fuchs, T.: Business Improvement Districts (BIDs) in New York, 2004, S. 13-14

[30] vgl. Handelskammer Hamburg, Geschäftsbereich Starthilfe & Unternehmensförderung, Bernd Reichhardt, Dr. Thomas Koletschka, Dr. Jörg Märkt: Business Improvement District Quartiersentwicklung durch Eigen(tümer)initiative, 2004, S. 32

[31] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 16

[32] vgl. IHK Kiel: Business Improvement Districts – Heilmittel auch für deutsche Zentren?, 2004, S. 1

[33] vgl. IHK Würzburg-Schweinfurt: Merkblatt der IHK Würzburg-Schweinfurt zu Business Improvement Districts (BIDs), 2004, S. 1-2

[34] vgl. Handelskammer Hamburg, Geschäftsbereich Starthilfe & Unternehmensförderung, Bernd Reichhardt, Dr. Thomas Koletschka, Dr. Jörg Märkt: Business Improvement District Quartiersentwicklung durch Eigen(tümer)initiative, 2004, S. 36

[35] Quelle: Trägerverbund Projekt Innenstadt e.V., S. 13

[36] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 17

[37] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 17

[38] vgl. CIMA Stadtmarketing Gesellschaft für gewerbliches und kommunales Marketing mbH, 2003, S. 10

[39] vgl. Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (MSWKS), 2001, S. 18

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
BID Hamburg "Neuer Wall" verglichen mit den Perspektiven der Kölner "Ehrenstraße"
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen  (FWI Bochum)
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
90
Katalognummer
V40065
ISBN (eBook)
9783638386746
Dateigröße
4126 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Diplomarbeit wurde im Zusammenhang mit einem privaten Studium an der Führungsakademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Bochum erstellt.
Schlagworte
Hamburg, Neuer, Wall, Perspektiven, Kölner, Ehrenstraße
Arbeit zitieren
Anne Bartling (Autor), 2005, BID Hamburg "Neuer Wall" verglichen mit den Perspektiven der Kölner "Ehrenstraße", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40065

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