Brechts Kalendergeschichten und "Der Augsburger Kreidekreis"


Seminararbeit, 2003

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALT

Einleitung

I. Bertolt Brecht
1. Sein Leben

II. Kalendergeschichten
1. Brecht und seine Helden
2. Brecht und die Moral
3. Die Zusammenstellung von Brechts Kalendergeschichten 1949

III. Der Augsburger Kreidekreis
1. Entstehung der Geschichte
2. Handlung und Lehre Brechts
3. Herkunft des Kreidekreis-Stoffes

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Brechts Kalendergeschichten. Mein besonderes Augenmerk richtet sich bei diesem Thema auf seinen Text „Der Augsburger Kreidekreis“.

Zunächst gehe ich auf den Autor Bertolt Brecht als Person ein und skizziere kurz sein Leben und die Schaffensphase, in die seine Kalendergeschichten einzuordnen sind.

Dann soll es um Brechts Buch von 1949 „Kalendergeschichten“ gehen und um dessen Hintergrund, Zweck und Entstehung.

Der darauffolgende dritte größere Teil meiner Arbeit beschäftigt sich mit Brechts „Augsburger Kreidekreis“. Zunächst schildere ich die Entstehung der Geschichte und, wie diese in das Leben des Autors einzuordnen ist. Als nächstes gehe ich auf die Handlung und die Aussageabsicht Brechts mit dieser Erzählung ein und komme schließlich noch zur Herkunft des Kreidekreis- Stoffes. Interessant zu beobachten ist, inwieweit Brecht seine Erfahrungen im Leben und sich selbst in seine Werke miteinbringt.

I. Bertolt Brecht

1. Sein Leben

Eugen Bertold Friedrich Brecht wurde am 10. Februar 1898 als Sohn eines Fabrikdirektors in Augsburg geboren. Nach seinem Abitur studierte er Medizin in München, leistete Kriegs- und Sanitätsdienst, studierte von 1919 bis 1923 weiter und wurde danach erst Dramaturg bei den Münchner Kammerspielen und später am deutschen Theater. Ab 1924 lebte er in Berlin als freier Schriftsteller und begann dort auch Marxismus zu studieren.1928 heiratet er Helene Weigel, Schauspielerin am Staatstheater. 1929 ist „der blutige Mai“ im Wedding Berlins einzuordnen und auch Brechts Hinwendung zum Sozialismus. Er wird Zeuge, wie die brutale Polizei auf unbewaffnete Arbeiter losschießt, weil diese trotz des Verbots zu ihrer traditionellen Maitagsdemonstration zusammen getreten sind. Ab jetzt schreibt er auch Lehrstücke.

Zu Beginn des Krieges Ende Februar 1933 wird Brecht der Boden in Deutschland zu heiß unter den Füßen. Seine Frau ist Jüdin und er gehört schon lange zu den Bekämpfern der Nazis, seine ganze literarische Produktion wäre unter dem Naziregime ganz unmöglich[1]. Hier beginnen seine Exiljahre und eine seiner erfolgreichsten Schaffensperioden, in die auch die „Kalendergeschichten“ einzuordnen sind. Er flieht mit seiner Familie und hält sich fünfzehn Jahre lang wehmütig von Deutschland getrennt in den verschiedensten Ländern Europas, Österreich, Schweiz, Dänemark, England, Schweden, der Sowjetunion, und später lange Jahre in den USA auf. 1947 kehrt er nach Europa in die Schweiz zurück und gelangt 1948 mit einem tschechischen Pass über Prag nach Ost-Berlin, da ihm die Einreise in den Westen von den Alliierten verwehrt wird. Hier gründet er das Berliner Ensemble unter der Leitung seiner Frau Helene. Durch zahlreiche Inszenierungen seiner eigenen Stücke von 1949 bis 1956 und Aufführungen zum Beispiel seines Dramas „Der Kaukasische Kreidekreis“ in Paris, eine Neubearbeitung des Kreidekreis-Stoffes für die Bühne, erlangt er internationalen Ruf und Zugang zu bundesdeutschen Bühnen. Am 14. August 1956 stirbt Brecht in Berlin. 1998 zählte die Weltauflage seiner 50 Brecht- Stücke, seiner Lyrik und Prosa 70 Millionen Exemplare.[2]

II. Kalendergeschichten

1. Brecht und seine Helden

Die Kalendergeschichten fassen- entgegen den Erwartungen, die der Titel provoziert- Erzählungen und Gedichte zusammen, und sie sind auch alles andere als volkstümlich im traditionellen Sinn. Wohl aber erzählen die Geschichten die Geschichte des „Volkes“, versuchen sie, seine Ansprüche zu formulieren.[3] Entstanden sind die Geschichten und Gedichte in den Exiljahren Brechts. In dieser langen Zeit lässt er seine Heimat nie aus den Augen, beobachtet von außen und bemerkt das offensichtliche Fehlen einer kritischen Haltung der Bevölkerung in bezug auf Geschichte und Politik. Mit seinen Texten will er dem Leser Anstoß zu kritischem und produktivem Zweifel[4] geben und sein besonderes Augenmerk auf die Geschichte der Beherrschten lenken. Denn das ist auch die des Lesers. Also, die der Namenlosen, Unbekannten, der Masse des Volkes. Brecht will damit erreichen, dass das Volk nicht länger unkritisch zulässt, dass andere über den eigenen Kopf hinweg entscheiden. Statt sich der Geschichte zu ergeben soll es selbst seine Geschichte gestalten und beeinflussen. Brecht übernimmt zwar den Begriff des „Volkes“, verändert in seinen Geschichten jedoch den traditionellen Sinn des „Volkstümlichen“ radikal. Diese Übernahme zeigt, dass Brecht nicht ganz gegen die Tradition ist. Er will aber, dass diese nicht mehr ohne darüber nachzudenken weitergeführt wird, sondern von jedem einzelnen überdacht, korrigiert und durch dessen individuellen Standpunkt mitbestimmt wird. Der Begriff „volkstümlich“ ist, so schreibt Brecht, nicht mehr zu einem „geschichtslosen, statischen, entwicklungslosen gestempelt.[5] Er sieht den bisherigen Begriff des „Volkes“ als historischen, für einen bestimmten Moment in der Geschichte geltenden und veränderbaren und will in seiner zukünftige Bedeutung eine Aktivität des neuen Volkes erreichen. Ein Nachdenken, Mitgestalten und Kritisch sein des einzelnen ehemals unterdrückten.

[...]


[1] Hellmuth Karasek: Bertolt Brecht. Der jüngste Fall eines Theaterklassikers, München, 1978, Seite 168

[2] http://www.cwru.edu/artsci/modlang/german380/brecht.html

[3] Jan Knopf: Geschichten zur Geschichte. Kritische Tradition des „Volkstümlichen“ in den Kalendergeschichten Hebels und Brechts, Stuttgart, 1973, Seite 12/13

[4] Jan Knopf: Geschichten zur Geschichte. Kritische Tradition des „Volkstümlichen“ in den Kalendergeschichten Hebels und Brechts, Stuttgart, 1973, Seite 12

[5] Jan Knopf: Geschichten zur Geschichte. Kritische Tradition des „Volkstümlichen“ in den Kalendergeschichten Hebels und Brechts, Stuttgart, 1973, Seite 13

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Brechts Kalendergeschichten und "Der Augsburger Kreidekreis"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V40128
ISBN (eBook)
9783638387194
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brechts, Kalendergeschichten, Augsburger, Kreidekreis
Arbeit zitieren
Kirsten Hauk (Autor), 2003, Brechts Kalendergeschichten und "Der Augsburger Kreidekreis", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40128

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Brechts Kalendergeschichten und "Der Augsburger Kreidekreis"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden