1. Jugend: Was ist das?
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Bevor man jedoch über Jugend sprechen kann, muss man zunächst die Bedeutung dieses Begriffes, der weder „(...)in der Alltagssprache noch in der Fachsprache der Soziologie, der Psychologie oder der Pädagogik(...)“ (Schäfers, 2001, S.17) aus einem Inhalt besteht, klären. Man kann den Begriff anhand von einigen Tatsachen für den Bereich der Soziologie definieren. Zunächst einmal ist Jugend eine Altersphase die jeder Mensch auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen durchlaufen muss. Diese Phase ist durch die Pubertät biologisch vorgegeben, wird aber durch die Gesellschaft „(...)sozial und kulturell ‚überformt’(...)“ (Schäfers, 2001, S.17), da in ihr der junge Mensch die Fähigkeiten zum Handeln als Erwachsener erwirbt. Des Weiteren ist Jugend eine, wie ich später noch erläutern werde, gesellschaftliche Teil- beziehungsweise Subkultur, die bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen besitzt (vgl. Schäfers, 2001, S.17).
Diese kurze Definition erläutert aber lediglich Grundlagen. Welche Funktion hat der Lebensabschnitt der Jugend? Wie nimmt die Gesellschaft industrialisierter Staaten, also beispielsweise unsere eigene, Einfluss auf diesen Lebensabschnitt und welche Folgen hat dies? Wie ist diese Gesellschaft überhaupt aufgebaut und was für Auswirkungen bringt dies für die Heranwachsenden mit sich? Dies sind einige der Fragen die ich in dieser Arbeit anhand der Betrachtung zweier der bedeutendsten soziologischen Theoriemodelle zum Thema Jugend klären will. Dies wird zunächst die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck sein. Anschließend werde ich mich mit der funktionalistischen Jugendtheorie Eisenstadts auseinandersetzen. Die Betrachtungen dieser Theorien können im Umfang einer Seminararbeit natürlich nicht den Anspruch erheben, vollständig oder erschöpfend zu sein, deshalb werde ich lediglich einige Aspekte behandeln können. Nach den Erläuterungen zu den theoretischen Modellen wird ein kurzer Vergleich, bezüglich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der grundlegenden Annahmen, folgen. Dann möchte ich mich der Frage zuwenden, inwieweit die getroffene Einordnung in die übergeordneten Theoriemodelle zutreffend ist. Beginnen werde ich die Arbeit mit Tenbrucks Ansatz, dessen Betrachtung auch ausführlicher sein wird, da er meiner Meinung nach der Überzeugendere ist, diese Einschätzung werde ich im Schlussabschnitt näher erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Jugend: Was ist das?
2. Die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck
2.1 kurze Biographie
2.2 zentrale Aspekte seiner Theorie
2.2.1. Gesellschaftsanalyse nach Tenbruck
2.2.2. Merkmale der modernen Jugend
2.2.3. Ursachen und Auswirkungen der Ausprägung dieser Merkmale
3. Die funktionalistische Jugendtheorie Eisenstadts
3.1. kurze Biographie
3.2. zentrale Aspekte seiner Theorie
3.2.1. Voraussetzungen für das Fortbestehen des sozialen Systems
3.2.2. Funktionen von altersheterogenen Gruppen
3.2.3. Funktionen von altershomogen Gruppen
4. Vergleich der Theorien
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2. Unterschiede
5. Einordnung der beiden Theoriemodelle
6. Ist eine der Theorien auch heute noch überzeugend?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Jugendtheorien von F. H. Tenbruck und S. N. Eisenstadt zu analysieren und kritisch miteinander zu vergleichen, um ihre Relevanz für das Verständnis moderner Jugend zu bewerten.
- Handlungstheoretischer Ansatz von F. H. Tenbruck
- Strukturell-funktionalistischer Ansatz von S. N. Eisenstadt
- Vergleichende Analyse der theoretischen Grundannahmen
- Sozialisationsprozesse in komplexen Gesellschaften
- Bedeutung von altershomogenen und altersheterogenen Gruppen
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Gesellschaftsanalyse nach Tenbruck
Die zwei grundlegenden Fragen mit denen sich Tenbruck im ersten Kapitel seines Werkes „Jugend und Gesellschaft“ beschäftigt sind: erstens die Frage wie die Gesellschaft die Übergabe des kulturellen Erbes an die Jugend bewerkstelligt (vgl. Tenbruck, 1962, S. 13) und zweitens, wie die Gesellschaft strukturiert ist, die diese Aufgabe zu bewältigen hat (vgl. Tenbruck, 1962, S. 14).
Nachdem er kurz darauf eingeht wie wichtig die Funktion der Jugend als „(...)Filter, durch den die Kultur einer Gesellschaft ständig passieren muß(...)“ (Tenbruck, 1962, S. 12) ist, erläutert er den zentralen Unterschied zwischen einfachen und komplexen Gesellschaften. In der einfachen Gesellschaft ist der/die Heranwachsende aufgrund der sozialen Einbindung in die Familie und der fehlenden Kommunikationsmittel dem direkten Zugriff der Gesellschaft entzogen (vgl. Tenbruck, 1962, S. 17). Gesellschaften mit einem hohen Grad an Differenzierung hingegen müssen auf die Heranwachsenden zugreifen können um die Sozialisierung dieser überhaupt bewerkstelligen zu können, da diese Aufgabe nicht mehr durch die Familie allein lösbar ist (vgl. Tenbruck, 1962, S. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Jugend: Was ist das?: Dieses Kapitel beleuchtet die Schwierigkeit einer eindeutigen Begriffsdefinition von Jugend und stellt die historische Konstanz des Generationenkonflikts dar.
2. Die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck: Es wird die Biographie und die zentrale Theorie Tenbrucks zur Jugend als Ergebnis charakteristischer Gruppenbildungen in der modernen Gesellschaft erarbeitet.
3. Die funktionalistische Jugendtheorie Eisenstadts: Hier liegt der Fokus auf Eisenstadts funktionalistischem Ansatz, der Jugend als notwendiges Instrument zur Sicherung der sozialen Kontinuität betrachtet.
4. Vergleich der Theorien: Die beiden theoretischen Ansätze werden gegenübergestellt, wobei Gemeinsamkeiten in der Sozialisationsthematik und Unterschiede in der Rollentheorie und Familiensicht herausgearbeitet werden.
5. Einordnung der beiden Theoriemodelle: Die Theorien werden theoretisch verortet: Eisenstadt in der strukturell-funktionalen Theorie von Parsons und Tenbruck in einer anthropologisch orientierten Handlungstheorie.
6. Ist eine der Theorien auch heute noch überzeugend?: Abschließend wird kritisch diskutiert, welche der beiden Theorien trotz ihres Alters ein höheres Maß an Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Gegebenheiten bietet.
Schlüsselwörter
Jugendsoziologie, Tenbruck, Eisenstadt, Sozialisation, Handlungstheorie, Strukturfunktionalismus, Altersphasen, Generationen, Gruppenbildung, Teilkultur, Puerilismus, Rollentheorie, Moderne Gesellschaft, Sozialer Wandel, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht zwei bedeutende soziologische Jugendtheorien, um deren Sicht auf die Rolle der Jugend in der Gesellschaft zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Sozialisationsprozesse, die Bedeutung von altersgleichen (homogenen) vs. altersgemischten (heterogenen) Gruppen und der Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf Heranwachsende.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze von Tenbruck und Eisenstadt gegenüberzustellen und ihre Überzeugungskraft hinsichtlich moderner jugendlicher Lebenswelten zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den systematischen Theorienvergleich, um die Konzepte der beiden Autoren zu rekonstruieren und zu kontrastieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der handlungstheoretischen Theorie Tenbrucks, die funktionalistische Theorie Eisenstadts, deren Vergleich sowie die wissenschaftliche Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sozialisation, Jugendtheorie, Strukturfunktionalismus, Gruppenidentifikation, Puerilismus und der soziale Wandel.
Wie bewertet der Autor Tenbrucks Konzept des Puerilismus?
Der Autor sieht im Tenbruckschen Puerilismus der Gesamtkultur ein starkes Erklärungsmodell, das in der heutigen Zeit sogar noch deutlicher sichtbar ist als zur Zeit der Erstveröffentlichung.
Worin liegt die größte Differenz in der Sicht auf die Familie?
Während Eisenstadt die Familie als weitgehend autark und unberührt von gesellschaftlichen Prozessen betrachtet, sieht Tenbruck die Familie als tief in die gesellschaftlichen Strukturen integriert an.
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- Florian Rößle (Author), 2004, Der handlungstheoretische und strukturell-funktionalistische Ansatz in der Jugendsoziologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40136