In der folgenden Hausarbeit werde ich die Bibelstelle Matthäus 8,5-13 „Der Hauptmann von Kapernaum“ auf Basis der neutestamentlichen Exegeseschritte untersuchen und analysieren. Die Reihenfolge der Exegeseschritte ist so gewählt, dass die Erkenntnisse der vorhergehenden, für ein Erarbeiten der nachfolgenden Untersuchung als Grundlage dient.
Das Evangelium nach Matthäus wurde etwa 75-90 n. Chr. verfasst und wendet sich vor allem an jüdische Gemeinden. Das Evangelium verarbeitet Themen wie das Verhältnis des Christusglaubens zum Alten Testament und zum alten Gottesglauben1. Jüdische Tradition spielt im Matthäus-Evangelium eine große Rolle und daher werde ich mich zunächst mit den Elementen des Textes beschäftigen, die typisch für diese Tradition und typisch für Matthäus sind. Die Wundergeschichte, die in Matthäus 8,5-13 erzählt wird, wirft die Frage auf, we lche Rolle das Wunder in der Geschichte spielt und wie Wundergeschichten mit heutigem Wissen verstanden werden können. Wundergeschichten werden von der Kirche heute oft dazu verwendet, den Menschen Mut zum Glauben zu geben, indem sie uns anregen über eigene Erfahrungen in Bezug auf „Wunder“ nachzudenken. Im Folgenden verwende ich für die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes die gebräuchlichen Abkürzungen Mt, Mk, Lk und Joh.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachliche Analyse (Textlinguistik)
2.1 Anfang und Ende
2.2 Inneres Gefüge – Textkohärenz und Oppositionen
2.2.1 Ort/ Zeit und Personen
2.2.2 Pro-Formen
2.2.3 Konjunktionen
2.2.4 Rahmungen
2.2.5 Spannungsbögen
2.2.6 Semantische Felder (Themen)
2.2.7 Gegensatzpaare
2.2.8 Tempuswechsel
2.2.9 Verwendete Sprechformen
2.2.10 Textgliederung
2.2.11 Zielaussage
2.2.12 Themenwechsel
3. Quellenanalyse und Synoptischer Vergleich
3.1 Synoptischer Vergleich Mt 8,5-13 und Lk 7,1-10
3.2 Vergleich Mt 8,5-13 und Joh 4,46-53
4. Gattungsanalyse
5. Traditions- und Motivanalyse
6. Kompositionsanalyse/ Redaktionsanalyse
7. Theologische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die biblische Erzählung „Der Hauptmann von Kapernaum“ (Mt 8,5-13) durch eine systematische exegetische Analyse zu erschließen. Dabei steht die Untersuchung der narrativen Struktur, die Einordnung in den synoptischen Kontext sowie die Erarbeitung der spezifischen matthäischen Theologie im Fokus, um die Bedeutung von Glauben und Heilsgeschichte in diesem Textabschnitt zu ergründen.
- Sprachwissenschaftliche Textanalyse zur Bestimmung der inneren Kohärenz.
- Quellenkritischer Vergleich mit den Parallelstellen bei Lukas und Johannes.
- Gattungsbestimmung der Wundergeschichte im urchristlichen Kontext.
- Traditionsgeschichtliche Einordnung und Bedeutung einzelner Motive.
- Redaktionsanalytische Betrachtung der Komposition im Matthäusevangelium.
- Hermeneutische Reflexion zur heutigen Relevanz und didaktischen Vermittlung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Abgrenzung von Anfang und Ende
Eine Textabgrenzung zur vorherigen Bibelstelle ist in der Handlung “Der Hauptmann von Kapernaum”, Mt 8, 5-13, deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zu dem vorhergehenden Textabschnitt (Mt 8,1-4), in welchem beschrieben wird, wie Jesus auf dem Weg von einem Berg hinunter einen Aussätzigen heilt, wird ab Vers 5 mit den einleitenden Worten “Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging...” eine präzise Örtlichkeit festgelegt. Der Text grenzt sich des weiteren durch einen Wechsel der Personen ab. In dem Textabschnitt Mt 8,1-4 spielt sich die Handlung zwischen Jesus und dem Aussätzigen ab, der nach seiner Heilung den Befehl von Jesu erhält “...geh hin und zeige dich dem Priester...” (Vers 4) und somit aus der Handlung verschwindet. Im der nachfolgenden Vers erreicht Jesus eine neue Stadt und trifft auf den heidnischen Hauptmann, eine neue Person, und wird sogleich von diesem mit einer neuen Heilsbitte konfrontiert.
Eine Abgrenzung zum nachfolgenden Text ist sowohl durch einen Orts-, als auch durch einen Personenwechsel festzustellen. In Mt 8,14 kommt Jesus in das Haus des Petrus und trifft auf eine neue Person, die Schwiegermutter des Petrus, welche das Fieber hat. Vers 13 ist ein typischer Schlusssatz: „Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der zu untersuchenden Bibelstelle sowie der methodischen Vorgehensweise und Zielsetzung.
2. Sprachliche Analyse (Textlinguistik): Detaillierte Untersuchung der sprachlichen Struktur, Kohärenz, Spannungsbögen und der inhaltlichen Textgliederung.
3. Quellenanalyse und Synoptischer Vergleich: Vergleichende Gegenüberstellung der Erzählung mit den Parallelberichten bei Lukas und Johannes unter Berücksichtigung der 2-Quellen-Theorie.
4. Gattungsanalyse: Einordnung der Erzählung als Wundergeschichte und Bestimmung ihres Sitzes im Leben der urchristlichen Gemeinde.
5. Traditions- und Motivanalyse: Untersuchung der verwendeten Begriffe im Kontext der jüdischen Tradition und des Alten Testaments.
6. Kompositionsanalyse/ Redaktionsanalyse: Einordnung des Textabschnitts in den größeren Kontext des Matthäusevangeliums und Analyse der matthäischen Theologie.
7. Theologische Würdigung: Hermeneutische Reflexion zur Bedeutung des Textes für heute sowie Ansätze zur didaktischen Umsetzung.
Schlüsselwörter
Matthäusevangelium, Der Hauptmann von Kapernaum, Exegese, Wundergeschichte, Glaube, Textlinguistik, Quellenanalyse, Synoptik, Traditionsgeschichte, Kompositionsanalyse, Heilsgeschichte, Knecht, Finsternis, Himmelreich, Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Analyse der Perikope Mt 8,5-13, bekannt als „Der Hauptmann von Kapernaum“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der sprachlichen Struktur, dem Vergleich mit synoptischen Paralleltexten, der Gattungsbestimmung und der Einordnung in die Theologie des Matthäusevangeliums.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Text durch wissenschaftliche Exegeseschritte zu analysieren, um das Verständnis für die matthäische Komposition und die Bedeutung von Glauben und Heil im Text zu erarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden textlinguistische, quellenkritische, traditionsgeschichtliche, gattungsanalytische und redaktionsanalytische Methoden angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine sprachliche Analyse, Vergleiche mit Lukas und Johannes, eine Gattungsbestimmung, eine Motivuntersuchung sowie eine Kompositions- und Redaktionsanalyse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen zählen Exegese, Wundergeschichte, Glaube, Heilsgeschichte, Matthäusevangelium und Traditionsbezug.
Warum unterscheidet Matthäus in seiner Erzählung so stark zwischen dem Hauptmann und dem Volk Israel?
Dies verdeutlicht die matthäische Theologie, in der der Glaube des Heiden als vorbildlich hervorgehoben wird, während das ungläubige Israel mit dem Endgericht konfrontiert wird.
Welche Rolle spielt die „2-Quellen-Theorie“ bei der Quellenanalyse?
Sie dient als Basis für den Vergleich, um zu zeigen, dass Matthäus und Lukas vermutlich auf die Logienquelle Q zurückgreifen, wobei Matthäus den Text spezifisch redaktionell bearbeitet hat.
Was bedeutet der Hinweis auf das „unorganische Apophthegma“ in Bezug auf die Verse 11 und 12?
Dies deutet darauf hin, dass die Verse 11 und 12 vermutlich ursprünglich eigenständige Worte Jesu waren, die von Matthäus in den Kontext der Wundergeschichte eingefügt wurden, um das Thema des Gerichts zu vertiefen.
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- Myrna Fuchs (Author), 2004, Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40218