Geschichtskarten nehmen unter den Medien des Geschichtsunterrichts einen klassischen Rang ein. Schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Karten und Atlanten für die Schule entwickelt.1 Seit dieser Zeit gehört die Karte zum festen Instrumentarium des Geschichtsunterrichts. Allerdings hat es auch Kritik an der schulischen Arbeit mit Karten gegeben. So stellte der Bremer Reformpädagoge Fritz Gansberg im Jahre 1912 die polemische Frage: "Wann werden die Schulbehörden sich entschließen, den Gebrauch der Landkarte bei Todesstrafe zu verbieten?"2 Demgegenüber steht das noch heute oft von Geschichtslehrern geäußerte Credo: "Keine Geschichtsstunde ohne Karte!" In dieser Arbeit wird gezeigt werden, dass die Frage, ob und wie oft Karten im Geschichtsunterricht eingesetzt werden, davon abhängt, auf welche Weise die Schüler mit ihnen konfrontiert werden. Um dieses Thema behandeln zu können, wird zunächst, im ersten Teil, ein Überblick über die Theorie von Geschichtskarten gegeben. Was sind Geschichtskarten? In welchem Formen treten sie auf und wie ist ihr Verhältnis zu topographischen Karten? Daran anschließend soll geklärt werden, was bei der schulischen Kartenarbeit generell zu beachten ist und welche Karten sich in verschiedenen Unterrichtssituationen anbieten. Im letzten Teil der Arbeit werden dann zwei Anwendungsbeispiele vorgestellt. Gerade diese Beispiele sollen zeigen, dass Geschichtskarten weit mehr sein können als bloße Illustration eines Lehrervortrags. 1 Böttcher, Christina Die Karte, in: Pandel, Hans -Jürgen/Schneider, Gerhard (Hg.) Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, Schwalbach 1999, 172f. 2 Raisch, Herbert, Weniger ist oft mehr! Grundlagen der Kartenarbeit im Geschichtsunterricht, in: Praxis Geschichte 4/1999, 4-14.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zur Theorie von Geschichtskarten
1.1. Was sind Geschichtskarten?
1.1.1. Generalisierung und Perspektivität
1.1.2. Relative Anschaulichkeit
1.2. Erscheinungsformen von Geschichtskarten
1.3. Kartenbausteine
2. Die Geschichtskarte im Unterricht
2.1. Schulgeschichtskarten
2.2. Die drei Phasen der Kartenarbeit
2.3. Formen der Kartenarbeit
2.3.1. Karten und Sozialformen
2.3.2. Geschichtskarten im Stundenablauf – keine Geschichtsstunde ohne Karte?
3. Anwendungsbeispiele
3.1. Soldatenfriedhof Affaltern
3.2. Mit Kolumbus auf großer Fahrt
Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht den Stellenwert von Geschichtskarten im Geschichtsunterricht und analysiert, unter welchen Voraussetzungen ihr Einsatz didaktisch sinnvoll und effektiv gestaltet werden kann, um Schülern eine fundierte Kartenlesekompetenz zu vermitteln.
- Theoretische Definition und Klassifizierung von Geschichtskarten
- Didaktische Anforderungen an Schulgeschichtskarten
- Methodik der Kartenarbeit und Phasen des Lernprozesses
- Praktische Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Klassenstufen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Medieneinsatz im Unterricht
Auszug aus dem Buch
1.3. Kartenbausteine
Geschichtskarten bestehen aus verschiedenen Bausteinen. Jeder dieser Bausteine enthält Informationen zum Thema der Karte. Daher ist es in der praktischen Kartenarbeit geboten, den Schülern alle Kartenbausteine und ihre prinzipielle Funktion bewusst zu machen.
Im Einzelnen handelt es sich um: Kartentitel, Zeichenerklärung, Signaturen, Maßstab, topographische Informationen, Kartenfarben, Linien und Beschriftung der Karte.
Kartentitel: Grundlegend für das Verständnis der Karte ist der Kartentitel. Er muss über das Thema der Karte, bezogen auf Raum und Zeit, Auskunft geben (z.B. "Verfassungen im Deutschen Bund bis 1848"). Da die Orientierungsphase des Kartennutzers beim Titel ansetzt, sollte dieser äußerst sorgsam gewählt werden. Andererseits bietet der Kartentitel oft bereits den ersten Ansatzpunkt zur Kartenkritik. Ein Kartentitel wie "Der große Betrug von Versailles" nimmt beispielsweise das Ergebnis der Kartenarbeit in suggestiver Form vorweg, ist emotional gefärbt (Gleichsetzung eines Vertrages mit einem "großen Betrug") und daher unwissenschaftlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Theorie von Geschichtskarten: Dieses Kapitel definiert Geschichtskarten als Instrumente zur Visualisierung historischer Zeiträume und erläutert deren wissenschaftliche sowie didaktische Merkmale, einschließlich der notwendigen Generalisierung.
2. Die Geschichtskarte im Unterricht: Hier werden Anforderungen an schulgeeignete Kartenmaterialien sowie methodische Vorgehensweisen zur Vermittlung von Kartenlesekompetenz in drei Phasen beschrieben.
3. Anwendungsbeispiele: Anhand konkreter Unterrichtsentwürfe zur lokalen Geschichte und zu Entdeckungsfahrten wird demonstriert, wie die Arbeit mit Karten schülergerecht und handlungsorientiert gestaltet werden kann.
Schlussbemerkung: Der Autor resümiert die Notwendigkeit von Geschichtskarten als unverzichtbare Medien und plädiert für eine didaktische Anpassung der Kartenmaterialien an die Bedürfnisse der Schüler.
Schlüsselwörter
Geschichtskarten, Kartenlesekompetenz, Geschichtsunterricht, Kartendidaktik, Generalisierung, Kartenarbeit, Historische Karten, Unterrichtsmethoden, Medienkompetenz, Analysekarte, Quellenkritik, Schulgeschichtskarten, Kartentyp, Kartenform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Bedeutung und der praktischen Anwendung von Geschichtskarten im Schulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Karten, der Vermittlung von Kartenlesekompetenz, den verschiedenen Formen der Kartenarbeit und der praktischen Unterrichtsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Geschichtskarten über die bloße Illustration hinaus sinnvoll in den Lernprozess integriert werden können, um ein tieferes historisches Verständnis zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Abhandlung, die auf der Auswertung bestehender theoretischer Modelle und der Analyse von praktischen Unterrichtsbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kartenbausteine und eine methodische Anleitung für die drei Phasen der schulischen Kartenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Geschichtskarte, Kartenlesekompetenz, Kartenkritik, didaktische Brechung und handlungsorientierter Unterricht.
Warum ist die Wahl des Kartentitels für den Unterricht kritisch?
Da der Titel den ersten Kontakt mit der Karte darstellt, kann ein suggestiver oder emotional gefärbter Titel die kritische Auseinandersetzung der Schüler beeinflussen oder gar behindern.
Wie können Schüler zur aktiven Kartenarbeit motiviert werden?
Durch handlungsorientierte Ansätze, wie das selbstständige Zeichnen von Karten oder die Verwendung von "stummen Karten", wird die Kreativität gefördert und das Verständnis für den Aufbau von Karten vertieft.
- Quote paper
- Arne Friedemann (Author), 2004, Geschichtskarten in Theorie und Unterrichtspraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40232