Die psychoanalytische Erklärung der Entstehung des Fremden


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in das Thema

Die Definitionen des Fremden

Der Prozess der partiellen Entfremdung des Eigenen

Die Sozialisation als entscheidender Entfremdungsfaktor

Die Identität als Barriere für das Bewusstwerden des Verdrängten

Die Selbstdistanzierung als erster Lösungsschritt

Ein Versuch des Zusammenfügens der verschiedenen Prozesse

Schlussfolgerung und Aussicht

Literaturverzeichnis

Anhang: Skizze des Entfremdungsprozesses

Einführung in das Thema

Jedem Menschen begegnet das Fremde in seinen unterschiedlichsten Formen; als eine fremde Person, ein fremdes Land, ein fremder Gegenstand, befremdende Phantasien oder Vorstellungen. Die ,,Begegnungen“ sind durch den subjektiven Blick auf das Visuelle und Imaginäre geprägt. Dieser subjektive Kontakt verursacht in uns Empfindungen, die uns dazu veranlassen, etwas als fremd zu definieren. Es ist, wie so vieles im Leben, eine Frage der Perspektive. Demnach handelt es sich beim „Fremden“ oder „Unheimlichen“ um individuelle Gefühlregungen, die einerseits oftmals durch die Sozialisation zum kollektiven Gefühlsrepertoire gehören und andererseits durch die individuelle Biographie ganz entscheidend von denen des Kollektives abweichen können.

Ziel dieser Ausarbeitung des Referats vom 04.05.2005 zum Seminar ,,Faszination und Schrecken – Zur Soziologie des Fremden’’ ist es, einen tieferen Einblick in die Entstehung des Fremden, also des befremdenden Gefühls, und dessen Wirkung zu geben. Damit Zusammenhängend soll eine Antwort darauf gefunden werden, wie es dazu kommt, dass aus Opfern Täter bzw. aus Geschlagenen wiederum Schläger werden und wie es eventuell möglich ist, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Die Leitgedanken des Referates und somit der Ausarbeitung, die mir einen Zugang zu diesem Thema lieferten stammen von Sigmund Freud und Arno Gruen. Arno Gruen erklärt die Entstehung des Fremden anhand seiner Erfahrung mit Traumapatienten. Sigmund Freud dagegen untersucht das Gefühl des Unheimlichen, welches uns beim Lesen oder Hören von Geschichten heimsucht. Durch diesen sehr begrenzten Bezugsrahmen ist es notwendig, weitere Quellen hinzuzuziehen, um ein allgemeineres Konstrukt zu erhalten. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich zudem versuchen werde, durch eigene Gedanken dieses Erklärungsmodell zu vervollständigen, indem ich zum Einen Begriffe mit neuem Inhalt fülle und zum Anderen durch logische Schlussfolgerung diverse Lücken ergänze. Die Erklärungen der Begriffe wie „Trauma“, „Sozialisation“ und „Identität“ hegen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Selbst eine Annäherung an die Komplexität dieser Begriffe würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Sie werden nur in soweit erklärt, wie es zum Verständnis des gesamten Prozesses notwendig ist. Das Grundvokabular der Psychoanalyse setzte ich beim Leser voraus.

Die Definitionen des Fremden

Arno Gruen definiert das Fremde wie folgt: ,,Der Fremde in uns, das ist der uns eigene Teil, der uns abhanden kam und den wir Zeit unseres Lebens, jeder auf seine Weise, wiederzufinden versuchen. Manche tun dies, indem sie mit sich selber ringen, andere, indem sie andere Lebewesen zerstören’’ 1

Sigmund Freud zitiert in seinem Essay ,,Das Unheimliche’’ Herrn Schelling, der seine Definition von Fremden bereits 1860 im Wörterbuch zur Deutschen Sprache veröffentlichte. Dort heißt es: ,,Unheimlich nennt man Alles, was im Geheimnis, im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist’’ 2

Für Arno Gruen wie auch für Sigmund Freud, ist das Fremde bzw. das Unheimliche etwas ursprünglich Eigenes bzw. Heimisches, das durch den Prozess der Verdrängung ins Unbewusste geschoben wurde und dort bei entsprechender Konfrontation Gefühle entstehen lässt, die in der Lage sind unser Verhalten zu steuern.3

Der Prozess der partiellen Entfremdung des Eigenen

Von Geburt an ist der Mensch auf Kompromisse angewiesen, um Konflikte mit der Außenwelt zu vermeiden. Am stärksten wird uns dies bei einem Säugling bewusst. Er ist ständig auf Suche nach Befriedigung seiner Bedürfnisse, bekommt sie allerdings nicht immer und nicht in dem Maße befriedigt, wie er sich das wünscht. Er muss sich arrangieren, egal welche Haltung die Eltern ihm gegenüber einnehmen. Auch das Kind hat keine andere Alternative als Kompromisse einzugehen, die sein eigenes ,,Ich“ betreffen.4 Laut Freud umfasst das „Ich“ in seiner frühesten Form, die gesamte wahrgenommene Außenwelt. Das heißt, dass „Ich“ scheint die Quelle aller einströmenden Empfindungen zu sein – es existiert für dieses noch kein Innen und Außen.5

[...]


1 Gruen, Arno: Der Fremde in uns. Stuttgart 2000. S. 7

2 Freud, Sigmund: Gesammelte Werke Band XII. 4. Auflage. 1947 London. S. 235

3 vgl. Gruen, Arno: Der Fremde in uns. Stuttgart 2000. S. 16

4 vgl. ebd. S. 14/15 und S. 20/21

5 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse/Das Unbehagen in der Kultur. London 1970. S. 67

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die psychoanalytische Erklärung der Entstehung des Fremden
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Faszination und Schrecken - Zur Soziologie des Fremden
Note
1,8
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V40255
ISBN (eBook)
9783638388139
ISBN (Buch)
9783640522835
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erklärung, Entstehung, Fremden, Faszination, Schrecken, Soziologie, Fremden
Arbeit zitieren
Christoph Egen (Autor), 2005, Die psychoanalytische Erklärung der Entstehung des Fremden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40255

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