Musik und Religion - Erlösung in der Rock- und Popmusik


Diplomarbeit, 2005
68 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Religionsbegriff
2.1. Herkunft des Begriffs
2.2. Annäherungen und Definitionsversuche
2.3. Funktionaler und substantieller Religionsbegriff
2.3.1. Substantieller Religionsbegriff
2.3.2. Funktionaler Religionsbegriff
2.4. Zusammenfassung

3. Erlösung
3.1. Annäherung
3.2. Altes und Neues Testament
3.3. Systematisch-theologischer Zugang
3.4. Zusammenfassung

4. Musik im religiösen Zusammenhang
4.1. Rock- und Popmusik
4.2. Wurzeln des Rock&Pop
4.2.1. Spiritual, Gospel und Blues
4.2.2. Rhythm & Blues
4.2.3. Country- und Folkmusik – die „weißen Wurzeln“ des Rock
4.2.4. Rock `n` Roll
4.2.5. Zusammenfassung
4.3. Das „religiöse Erbe“ des Rock & Pop
4.4. Funktionen der Musik
4.5. Rockmusik und Erlösung
4.6. Gnosis – postmoderne Weltreligion?

5. Grundlagen der Analyse ausgewählter Titel
5.1. Begründung der Auswahl
5.2. Methoden der Analyse

6. Suche nach Erlösungsvorstellungen
6.1. Madonna
6.1.1. Analyse von Musik und Text
6.1.2. Theologische Interpretation
6.2. Xavier Naidoo und Söhne Mannheims
6.2.1. Analyse von Musik und Text
6.2.2. Theologische Interpretation

7. Abschluss / Ausblick

8. Literatur- und Materialverzeichnis

9. Anhang

10. Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

Das Verhältnis von Musik und Religion wird erst seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Der theologischen Diskussion in der Geschichte des Christentums war der Streit um die Bedeutung von Bildern als Ausdruck des Glaubens und der Verehrung Gottes wichtiger. Musik fiel „unter das Unanschaulichkeitsgebot und war somit grundsätzlich unverdächtiger.“[1] Wie aktuell dieses Thema ist zeigen einige Dissertationen der letzten Jahre.[2] Auch in der Praxis der evangelischen Kirchen findet die Diskussion Niederschlag. Erst am 19. März 2005 fand in Mannheim mit Unterstützung der EKD der „Message Music Contest“ statt, ein Bandwettbewerb für christliche Rockgruppen unter dem Motto „Faith is the Message. Music is its Sound.“[3] Unter dem Titel „Zeichen der Zeit“ haben sich MusikerInnen wie Yvonne Catterfeld, Xavier Naidoo und Ben zusammengeschlossen, um gemeinsam ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens musikalischen Ausdruck zu verleihen.[4] Es ist demnach unbestritten, dass Religion, auch das Christentum, in der Musik eine Sprache gefunden hat.

Diese Arbeit will keinen neuen, eigenständigen Beitrag zu dieser Diskussion leisten, sondern einen Einstieg in die Thematik bieten. Dies kann nur gelingen, indem an einigen Stellen Linien angerissen werden, die dann aber nicht weiter verfolgt werden können.

Das Anliegen dieser Arbeit ist, nach Erlösung in der Rock- und Popmusik zu fragen. Dazu ist es nötig, auch musikalisch geäußerte Religion im Allgemeinen zu thematisieren. Am Anfang der Arbeit stehen daher theoretische Vorüberlegungen, die den Blick für die in Teil III vorgenommenen Betrachtungen einzelner Lieder aus der Rock- und Popkultur schärfen wollen. Zunächst müssen Grundlagen wie der Religionsbegriff und das Erlösungsthema geklärt werden, bevor sich in Teil II dem Zusammenhang zwischen Musik und Religion, Rockmusik und Erlösung genähert werden kann. In Teil III werden dann exemplarisch zwei unterschiedliche Songs analysiert und auf die Erlösungsthematik hin befragt. Am Ende der Arbeit werde ich aus dem Erarbeiteten Schlüsse für die religions- und gemeindepädagogische Praxis ziehen.

Ich habe mich in dieser Arbeit um eine gleichberechtigte Sprache bemüht. Um die Lesbarkeit zu vereinfachen habe ich jedoch die männliche Form eines Wortes benutzt und weise durch gelegentliche Setzung femininer Formen darauf hin, dass die Leserinnen immer mit gemeint sind.

2. Religionsbegriff

Zunächst stellt sich die Frage nach der Definition des Religionsbegriffs, der dieser Arbeit zu Grunde liegen soll. Ohne diesen Begriff fehlt uns ein wichtiges Instrumentarium um zu bewerten, ob Religion in der Musik ein Thema ist. Doch die Definition ist nicht leicht zu finden, denn es gibt sehr unterschiedliche Herangehensweisen an das Phänomen „Religion“. Zuerst will ich nach der Herkunft des Wortes „Religion“ fragen. Danach will ich einige Wissenschaften zu Wort kommen lassen, um zu zeigen, in welcher Breite sich Religion betrachten lässt.

2.1. Herkunft des Begriffs

Der Begriff „Religion“ stammt von dem lateinischen Wort für „Gottesfurcht“ (religio).[5] Die Herkunft des Wortes „religio“ wiederum ist nicht unzweifelhaft festzustellen. Nach Brockhaus[6] leitet Cicero „religio“ von „relegere“ (= sorgsam beachten) ab. Demnach ergibt sich die Definition für Religion als „die sorgfältige Beobachtung alles dessen, was zum Kult der Götter gehört“[7]. Nach dem christlichen Schriftsteller Lactantius gehört „religio“ jedoch zu „religare“ (= verbinden). Dieser Deutung schließt sich auch Augustinus an, der die wahre Religion als diejenige bezeichnet, „durch die sich die Seele mit dem einen Gott, von dem sie sich gewissermaßen losgerissen hat, in der Versöhnung wieder verbindet“[8].

Weiterhin wurde „religio“ von den lateinischen Christen zur Wiedergabe griechischer Begriffe benutzt, wie zum Beispiel „latreia“ (= Dienst, Kult), „eusebeia“ (= Frömmigkeit, Gottesfurcht) und andere mehr.[9] Diese Bedeutungen sind also immer mit gemeint.

Schon der kurze Blick auf die Herkunft des Religionsbegriffs zeigt, dass verschiedene Lesarten möglich sind. Zum einen das Glaubenssystem „Religion“, das aus Überlieferungen, kultischen Handlungen und Inhalten besteht, und zum anderen die „Religion“ als persönliche Gottesbeziehung.

2.2. Annäherungen und Definitionsversuche

Doch es gibt noch weit mehr Definitionen aus den unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen, eine eindeutige und universale Definition ist bis heute noch nicht gefunden worden und wird m.E. auch nicht gefunden werden können, da der Begriff „religio“ wie gezeigt in Europa entstanden ist und sich nur bedingt eignet, um außereuropäische und außerchristliche „Religionen“ zu beschreiben, wie Gregor Ahn zeigt.[10] In der westlichen Welt wurde Religion lange Zeit mit Kirche gleichgesetzt – und wird es zuweilen immer noch.[11] Bei der Beobachtung der Veränderung der gesellschaftlichen Rolle der Kirchen sprach man daher auch von einem „Verschwinden der Religion“. In der differenzierenden wissenschaftlichen Sprache ist man jedoch vorsichtiger geworden. Treml stellt Thomas Luckmann als einen der ersten Religionssoziologen vor, die für eine eindeutige definitorische Unterscheidung der Begriffe „Religion“ und „Kirche“ eingetreten sind.[12] Die Religionssoziologie betont, dass Religion in der sichtbaren Form der Kirchen zwar nur noch einen gesellschaftlichen Bereich neben anderen darstellt, die „Reduzierung kirchlich geäußerter Religion aber nicht unbedingt mit einem Verschwinden religiöser Phänomene an sich einher gehen muß.“[13] Daraus folgt, dass wir die innerkirchliche Perspektive verlassen müssen, um die Frage nach Religion in unserer Gesellschaft immer wieder neu zu stellen. Doch dieses Heraustreten aus der Identität der Begriffe Religion und Kirche in die Pluralität der Weltanschauungen macht die Definition des Religionsbegriffes nicht gerade leichter. An dieser Stelle können nur noch sehr allgemeine und offene Definitionsversuche unternommen werden.

Ganz allgemein lässt sich Religion als ein „existenz- und situationsbezogenes (und entsprechend uneinheit[liches] und uneindeutiges) Phänomen“[14] beschreiben, und dieses Phänomen ist ausschließlich in der Welt des Menschen verortet.[15]

Formal lässt sich Religion als ein Glaubenssystem beschreiben, das „in Lehre, Praxis und Gemeinschaftsformen die ‚letzten‘ (Sinn-)Fragen menschl[icher] Gesellschaft und Individuen aufgreift und zu beantworten versucht“[16]. Da sich diese Frage in verschiedenen Zeiten und Gesellschaften in je anderer Weise stellt, fallen auch die Antworten und Erklärungen des menschlichen Daseins je unterschiedlich aus. Den jeweiligen Heilsvorstellungen zufolge und angesichts von Unheilserfahrungen gibt es in jeder Religion, also jedem Glaubenssystem, ein Heilsziel und einen entsprechenden Heilsweg.[17]

Mit der Religionssoziologie lässt sich sagen, dass es sich bei einer Religion um ein System zur Lebensbewältigung und Welterklärung handelt, das sich dadurch auszeichnet, dass es auf eine wie auch immer geartete „Unverfügbarkeit“ ausgerichtet ist, zu der die Menschen in Beziehung treten.

2.3. Funktionaler und substantieller Religionsbegriff

Da eine endgültige Definition des Begriffes Religion wie gesehen kaum möglich ist, verwendet die Religionssoziologie, die Religion und Religionen als gesellschaftliche Phänomene untersucht, zwei unterschiedliche Religionsbegriffe: Man spricht von einer substantiellen und einer funktionalen Dimension der Religion. Es scheint mir sinnvoll zu sein, diese Unterscheidung an dieser Stelle einzuführen, um später die betrachtete Musik zu einem dieser Religionsbegriffe zuordnen zu können.

2.3.1. Substantieller Religionsbegriff

Die substantielle Deutung meint ein inhaltsbezogenes Verständnis von Religion.[18] Zum Beispiel kann man Religion substantiell als Erfahrung mit dem Heiligen bezeichnen oder als Beziehung zum Göttlichen. Es geht hierbei also um die spezifischen Inhalte einer Religion, zum Beispiel das christliche Glaubensgut, sowie um die individuelle Beziehung des Menschen zum Heiligen. Was dieses Verhältnis des/der Einzelnen zur Sphäre des Göttlichen für das Individuum bedeutet, wird hier jedoch nicht gesagt. Eine inhaltliche Definition hängt immer vom individuellen Standpunkt ab, und kann nicht einmal verbindlich für das Christentum abgegeben werden.

2.3.2. Funktionaler Religionsbegriff

Der funktionale Religionsbegriff steht dem substantiellen gegenüber und gewinnt in der religionssoziologischen Diskussion zunehmend an Bedeutung. Dieser Begriff ist eher leistungsbezogen und geht davon aus, dass Religion bestimmte Funktionen für den Bestand einer Gesellschaft[19] und für das Individuum hat. „Der subjektive Bezug auf eine höhere Wirklichkeit ist dabei kein konstitutives Moment.“[20] Religion wird hier als „letzte[r] Sinnhorizont“, als „allgemeinste[r] Symbolrahmen einer Gesellschaft oder einer Gruppe“ betrachtet.[21]

Die angesprochenen Funktionen von Religion werden zum Beispiel Zusammengefasst in „Sachwissen Religion“.[22]

Nach Franz-Xaver Kaufmann[23] sind die wesentlichen Aspekte der Religion Identitätsstiftung, Handlungsführung, Kontingenzbewältigung, Sozialintegration, Welt-Distanzierung und Welt-Kosmisierung. Problematisch an dieser funktionalen Dimension ist allerdings, dass sie Zusammenhänge beschreibt, die ebenso auch in anderen, weltlichen Kontexten vorfindbar sind.[24] So können auch Rockkonzerte sozial integrativ sein, und auch politische Konzepte können Orientierungsmuster bieten.

2.4. Zusammenfassung

Es ist nicht möglich zu sagen, welcher dieser beiden Begriffe der bessere ist. Ich halte es für sinnvoll, aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunktlegung beide Definitionen zu verwenden. Der substantielle Begriff ist in dieser Arbeit dann zu verwenden, wenn es in der untersuchten Musik um tatsächlich ausgesagte Beziehung zu einer „höheren“ oder „anderen Macht“ geht. Wenn aber die in den Texten und der Musik ausgedrückte Religion oder Religiosität eine Funktion für den Einzelnen oder eine Gruppe von Menschen, beispielsweise den Fankreis hat, ist die funktionale Definition anzuwenden. Möglicherweise ist es auch notwendig, beide Begriffe zu verwenden, wenn es um Erlösung in der Rockmusik geht. Denn die Frage ist, ob Erlösung eine Funktion ist oder ob Erlösung auch eine unmittelbare inhaltliche Beziehung zum Göttlichen ausdrücken kann. Beides kann m.E. richtig sein. Die Entscheidung darüber ist aber nicht im Voraus, sondern in der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem einzelnen Musikstück zu treffen.

3. Erlösung

3.1. Annäherung

Erlösung ist in vielen Religionen ein zentraler Begriff. Allerdings hat die Heilsvermittlung, die allen Religionen eigen ist, nicht immer eine wie auch immer geartete Erlösung zum Inhalt. Dies ist nur in den so genannten „Erlöserreligionen“ der Fall, zu denen neben dem Christentum vor allem die indischen Religionen (Buddhismus, Hinduismus) und die antiken Mysterien gehören. Der Erlösungsgedanke fehlt da, wo das Heil in der Bewahrung[25] gegenwärtiger Ordnungen gesehen wird, zum Beispiel in einigen altägyptischen Religionen. Weiterhin kann man unterscheiden in Religionen, denen entweder Selbsterlösung (der Heilsweg zur Erlösung wird vom Menschen selbst beschritten) oder Fremderlösung (Erlösung geschieht durch göttlichen Erlöser oder „Mittler“) eigen ist.[26]

Ich möchte hier das christliche Erlösungsverständnis etwas ausführlicher erarbeiten. Zuerst werde ich dazu die ursprüngliche Bedeutung des (christlichen) Erlösungsgedankens herausarbeiten und dann einige wichtige Entwicklungen und theologische Überlegungen dazu aufzeigen.

3.2. Altes und Neues Testament

Die Rede von der Erlösung setzt immer den Gedanken der Erlösungsbedürftigkeit voraus, und Erlösung steht immer im Zusammenhang mit „Heil“. Wenn das Diesseits, das Hier-und-Jetzt, als „Heil“ betrachtet wird, ist Erlösung nicht notwendig oder allenfalls dazu, die idealen diesseitigen Zustände zu sichern oder wiederherzustellen.[27]

Das Judentum als Wurzel des Christentums muss also Zustände des Un-Heils gekannt haben, von denen Erlösung zu erhoffen war, woran die neutestamentliche Tradition dann anknüpfen konnte. Erlösung ist immer der Übergang vom Unheil zum Heil. Als Unheil galt das Fehlen unentbehrlicher Lebensbedingungen wie z. B. Friede, Sicherheit, Nahrung, Kinder, Heimat, eine intakte Gottesbeziehung usw.[28] Nach alttestamentlichem Denken ist solches Unheil eine Folge von Schuld, also einer zerstörten Gottesbeziehung durch Sünde. In der jüdischen Tradition ist JHWH ein rettender Gott, das heißt ein Gott, dem Heil zu verdanken ist.[29] Das Heil wird durch die Nähe und das Handeln Gottes bewirkt. Das einzige, was der Mensch nach diesem Denken tun kann, um das Heil zu erreichen, ist, die Gottesbeziehung aufrecht zu erhalten. Nach jüdischem Verständnis heißt das, nach der Tora zu leben und ihre Weisungen zu befolgen.[30] Ist das Verhältnis zu Gott einmal durch Sünde zerstört, kann es durch Sühne (Opferrituale) wiederhergestellt werden.[31] Verbunden mit der Vorstellung von der Errettung / Erlösung zum Heil ist der Gedanke, dass mit der Erlösung auch die Vergebung der Sünden eintritt, „um als Gerechter vor Gott in Gesundheit, Sicherheit u[nd] Frieden leben zu können“.[32] „Wo JHWH selbst [...] die Auslösung seines Volkes leistet, geschieht Erlösung zur Liebes- und Lebensgemeinschaft mit Gott, wie Israel sie noch nicht gekannt hat [...].“[33] Die Nähe zu Gott und das Befolgen seiner Gebote bringt also Heil, während Sünde und damit die Entfernung von Gott Unheil bringt. Die Erlösung aus dem Unheilszustand wird „für jetzt erwartet bzw. als eben geschenkt verdankt“[34], dies lässt sich unter anderem in vielen Psalmen erkennen.[35] Aber vollendet wird die Erlösung erst in der Heilszeit bei der Neuaufrichtung des Reiches, es gibt also auch eine eschatologische Erlösungsvorstellung mit der Erwartung eines „Messias“.[36] In späteren Schriften kommt auch die „Hoffnung auf Überwindung des Todes durch die Auferstehung des Fleisches zu neuem Leben“[37] hinzu. Dies ist – sehr grob umrissen – die alttestamentliche Erlösungsvorstellung.

„Das NT nimmt die eschatolog[ische] E[rlösung]s-hoffnung des AT auf u[nd] führt sie weiter [...] Das entscheidend Neue der ntl. E[rlösung] ist, daß sie, vom Vater ausgehend, ganz an die hist[orische] Person Jesu, des menschgewordenen Sohnes Gottes, als ihren Mittler gebunden u[nd] nur durch ihn zu erreichen ist.“[38]

Das heißt, dass Christus in neutestamentlicher Perspektive der schon alttestamentlich erwartete Heilsbringer Gottes ist. Erlösung zielt im Neuen Testament auf jede Art von Not, wobei Sünde und Tod die grundlegende Daseinsnot sind.[39] Hinter dieser Daseinsnot stehen dämonische Mächte und der Satan, auf welche alles Leid zurückzuführen ist. Somit sind „die negativen Vorbedingungen des Heils mit denen der alttestamentlich-jüdischen Tradition vergleichbar, jedoch tritt das Motiv der politisch-nationalen Unterdrückung so gut wie nicht in das Blickfeld“, weil man sie eben „als Folge des Grundübels des Daseins ansah.“[40] Die neutestamentliche Erlösungsvorstellung betrifft wie schon gesagt jede Art von Not, wobei die Befreiung aus den Fängen der bösen Mächte im Zentrum steht. Bei den Synoptikern bedeutet Heil die Herrschaft Gottes, deren Nähe Jesus verkündet und durch Wunderhandlungen bestätigt. Das Besondere an Jesu Verkündigung ist „ihre eschatologische Zuspitzung, die Gegenwart der Gottesherrschaft in seiner Person.“[41] Das Heil ist hier primär futurisch zu sehen[42], also als noch ausstehend; überhaupt ist im Neuen Testament das Verhältnis von Gegenwart und Zukunft nicht spannungsfrei.[43] Bei Johannes dominieren präsentische Aussagen[44], und besonders in den paulinischen Schriften wird die Spannung zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Heil deutlich.[45] Als endzeitliches Heil erwartet man die Erlösung vom Todesleib (Röm 7,24), also die Überwindung der Endlichkeit des menschlichen Daseins und der gesamten Schöpfung. Das gegenwärtige Heil wird durch den Glauben an Christus erlangt und bedeutet die Befreiung von den Sünden und damit die Erlangung des „Friedens mit Gott“, die Befreiung vom Gesetz und den bösen Mächten.[46] Die endgültige Erlösung steht noch aus, rückt aber näher, bis dahin schenkt der Geist Heilsgewissheit (vgl. bei Johannes ‚Paraklet‘).[47]

So vielfältig das Neue Testament auch von Heil und Erlösung spricht, zusammenfassend möchte ich sagen, dass es a) um den Anbruch des Gottesreiches geht, dieses b) durch Jesus Christus gebracht wird und dieser die Menschen c) von den bösen Mächten (Sünde) befreit, und d) hat der Mensch Anteil am gegenwärtigen und zukünftigen Heil durch den Glauben an Christus.

3.3. Systematisch-theologischer Zugang

Ist es schon schwierig die Aussagen des Alten und Neuen Testamentes zum Thema Erlösung zu bündeln und verständlich und sinnvoll zusammenzufassen, so ist es mir nahezu unmöglich die verschiedenen Entwicklungen und theologischen Interpretationen der letzten zwei Jahrtausende zu diesem Thema auf den Punkt zu bringen. In der Geschichte der dogmatischen Soteriologie gab es verschiedene Versuche, das Heilsgeschehen Christi zu deuten, und es gab dabei jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, je nach der Zeit, in der das jeweilige Denkmodell entwickelt wurde. Dabei wurde auch der Begriff Heil jeweils etwas anders gedeutet.

„Unter ‚Erlösung‘ (patristisches Altertum) wurde ‚Heil‘ als auslösende Befreiung, unter ‚Versöhnung‘ (19. u. 20. Jh.) als verzeihende Zusammenführung, unter ‚Genugtuung‘ (Mittelalter) als aufopferndes Zurechtbringen und unter ‚Rechtfertigung‘ (Reformation) als schenkendes Freigesprochenwerden verstanden.“[48]

Gemeinsam ist allen Vorstellungen, wo auch immer ihr Schwerpunkt liegt, dass Gott der Heil bringende ist. Gott kommt den Menschen nah, und das ist das Zentrum der christlichen Botschaft. Nicht der Mensch wirkt hier sein eigenes Heil, sondern Gott, und damit werden alle Versuche des Menschen, sich selbst zu erlösen, relativiert, denn Gottes Tat ist ungleich größer als die menschliche. Die oben genannten verschiedenen Formulierungen zum Heil sind jeweils Spiegel ihrer Zeit. Heute steht der Aspekt der „Versöhnung“ im Vordergrund, was als verzeihende Zusammenführung beschrieben ist, und dies erkläre ich mir so, dass eben nicht mehr selbstverständlich ist, wovon denn eigentlich „erlöst“ werden soll.

Nach dem Neuen Testament, der Grundlage christlichen Glaubens, kann man von Erlösung von Sünde und menschlicher Begrenztheit hin zur Sündenvergebung und Teilhabe am Reich Gottes sprechen. Dabei ist mit Christus (der Zeitpunkt variiert, entweder mit der Inkarnation, mit Tod und Auferweckung oder mit der Verkündigung[49]) das Reich Gottes angebrochen, und durch den Glauben haben wir schon jetzt Anteil am Heil, wobei die endgültige Verwirklichung des Heils noch aussteht. Wir sind also schon jetzt hineingenommen in das Reich Gottes, durch Taufe und Abendmahl bekommen wir Zugang dazu. Wenn wir so von Erlösung sprechen wollen, dann heißt das, dass wir nicht auf unsere Sünden schauen müssen, sondern in der Gewissheit leben können, dass Gott uns entgegenkommt und unsere Schuld von uns nimmt, so dass wir unser Leben wirklich leben können, und zwar in Verantwortung vor Gott. Wir sind „Gleichzeitig Sünder und Gerechte“, wir werden auch mit dem Glauben an unsere Erlöstheit weiter sündigen, aber bei Gott ist immer wieder ein neuer Anfang möglich. Wir sind zu echter Gottesbeziehung befreit.

Wie gesagt, ist in der Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts eher von „Versöhnung“ die Rede. Nach meinem Verständnis bedeutet dies, dass trotz der menschlichen Unvollkommenheit eine Aussöhnung zwischen Gott und den Menschen möglich ist und eintritt. Gleichzeitig kann es bedeuten, dass der Mensch sich mit seinen eigenen Schwächen „versöhnt“ und sie als Teil von sich annimmt. Ich möchte das so formulieren, dass der Mensch mit sich ins Reine kommt, eben heil wird. Dies ist ein moderner Gedanke und entspricht den Bedürfnissen vieler Menschen.

Abschließend zu diesem Abschnitt möchte ich noch erwähnen, dass die Frage, wovon wir erlöst worden sind oder immer wieder werden, immer auch damit zusammenhängt, was als Unheil empfunden wird.

„Wo an der todeskonzentrierten Endlichkeit gelitten wird, wird Heil als Unsterblichkeit verstanden und ersehnt. Wo Sündenschuld als das eigentlich Belastende angesehen wird, denkt man das Heil als Schuldübernahme und Gnadenermöglichung aus. Wo man an der Naturverhaftung des Geistes leidet, definiert man Heil als Ermöglichung von Kultur im Sinne geistiger Naturbeherrschung. Und wo die Problematik der Gesellschafts- und Weltbeziehungen des Menschen in den Vordergrund tritt, wird Heil als Ermächtigung und Ermunterung zur Zukunftshoffnung verstanden.“[50]

3.4. Zusammenfassung

Im biblischen Sinne bedeutet Erlösung, wie wir gesehen haben, in erster Linie die Überwindung von Unheil, das als Folge von Sünde angesehen wird. Die Überwindung von Sünde und Tod ist die Zentrale Erlösungshoffnung. Diese Erlösung hat Christus nach neutestamentlichem Verständnis gebracht.

Erlösung wird aber immer von dem erwartet, was tatsächlich als bedrängend empfunden wird. Fraglich ist allerdings, ob in einer pluralisierten und individualisierten Gesellschaft Sünde im biblischen Sinn noch als das, was Menschen bedrängt, angesehen werden kann.

Für uns Christen bedeutet der Glaube an Christus die Überwindung unserer Schuldverstrickung, denn „der Tod des sündlosen Christus wird [.] als ‚Hingabe‘ des Sohnes verstanden, die zugleich ein uns zugute kommendes Gericht Gottes über die Sünde darstellt.“[51] Wir dürfen bei Gott neu anfangen, trotz unserer Verfehlungen, die unser Gottesverhältnis immer wieder zerstören. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dann werden wir dies auch in unserem Leben weitertragen können. Dazu gehört die Einsicht, dass wir durch Christus von unseren Sünden erlöst sind, dass das Reich Gottes schon da ist, wie eine „Parallelwelt“, um es modern zu sagen, und diese Einsicht ist schwer zu erlangen angesichts des Leids, das uns immer wieder bedrängt und uns an unserer Erlöstheit zweifeln lässt.

Soviel also zum christlichen Erlösungsverständnis. Doch Dietrich Wiederkehr[52] weist schon 1976 darauf hin, dass der Erlösungsgedanke einer Neuinterpretation bedarf, und zwar weil

„die bisherigen Antworten noch eine unproblematische Unmittelbarkeit des Menschen zu Gott voraussetzten und ansprachen, während sie es heute mit Menschen zu tun haben, die ihre Position mit anderen Koordinaten und in Ausrichtung nach anderen Orientierungspunkten bestimmen. Für sie tritt Gott als das Gegenüber der Grundbeziehung des Menschen zurück gegenüber anderen, innerweltlichen und innergeschichtlichen korrelativen Zielen und Ursprüngen: Sie werden sich nicht sosehr in ihrem Verhältnis zu Gott bestimmen, sondern eher im Verhältnis zu den anderen Menschen, zum eigenen Dasein, zur Zukunft usw.“

Es ist nicht Thema dieser Arbeit, die christliche Erlösungsvorstellung nach dem Wunsch Wiederkehrs neu zu interpretieren. Aber das oben gesagte weist uns m.E. auf etwas Entscheidendes hin: Dass sich die Menschen in einer immer mehr entkirchlichten und entchristlichten Gesellschaft ihre Erlösung weiterhin suchen, allerdings nicht eine durch Gott gewirkte, sondern eine eher „innerweltliche“, das heißt auch: immer wieder verfügbare Erlösung. Ebenso spricht das in letzter Zeit wachsende Interesse an den indischen Religionen, z.B. dem Buddhismus m.E. dafür, dass der Mensch dazu neigt, sich Erlösung selbst zu suchen.[53]

Mit diesen Gedanken kommen wir dem Thema unserer Arbeit einen Schritt näher: Werden solche (innerweltlichen) Erlösungswünsche in der Rock- und Popmusik thematisiert oder gar erfüllt? Das folgende Kapitel soll uns der Antwort auf diese Frage näher bringen.

4. Musik im religiösen Zusammenhang

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, in einem Überblick über 2000 Jahre Religionsgeschichte das jeweilige Verhältnis von Musik und Religion aufzuzeigen. Dazu sei lediglich auf die entsprechenden Artikel in den bekannten theologischen Lexika verwiesen.[54] Musik ist einem ständigen Wandel unterworfen, und so kann aus der Theologie keine endgültige und zeitlose Antwort auf die Frage, wie Musik und Religion korrelieren, gegeben werden. Die Theologie muss Musik deshalb immer wieder neu hinsichtlich der veränderten sozialen und musikalischen Gegebenheiten in den Blick nehmen.

Nach Treml[55] kommen Musik- und Religionswissenschaftliche Forschungen zu dem Ergebnis, dass Musik und Religion seit Jahrtausenden sehr eng miteinander verbunden waren. Nach Sichtung des Artikels in der TRE lässt sich zusammenfassend sagen, dass es seit jeher einen Kontakt von Musik und Religion gibt und dass Musik schon immer im Kult verwendet wird. Lediglich kurzzeitig kam es zum Musikverbot, etwa durch Trauer über die Tempelzerstörung im Jahr 70 nach Christus.[56] Generell aber gab es Musik im Dienste der Religion, zum Beispiel das Widderhorn als kultisches Signalinstrument (zeigt im Tempel die Theophanie Gottes an) oder der Psalmengesang im christlichen Gottesdienst.[57]

Die Darstellung des Verhältnisses von Musik und Religion möchte ich, in Anlehnung an Bernd Schwarze[58], Christa Zöller[59], Gotthard Fermor[60] und Ilse Kögler[61] damit verbinden, die Geschichte der Rock- und Popmusik darzustellen. Zum einen, weil wir damit unserem Themenbereich der „Rock- und Popmusik“ näher kommen, zum anderen, weil wir das Verhältnis von Musik und Religion, wenn schon nicht allgemein, dann vielleicht für den für uns relevanten Teil der Musikgeschichte noch etwas genauer bestimmen können.

4.1. Rock- und Popmusik

Für das Thema dieser Arbeit ist nun noch die Begrifflichkeit von Rock- und Popmusik näher zu bestimmen. Christa Zöller[62] hält die Begriffe Rockmusik und Popmusik nicht für trennbar, weil dazu jeglicher theoretische Ansatz fehle. Sie weist darauf hin, dass die beiden Begriffe in der Literatur wechselseitig für dieselben Stile verwendet werden. Dennoch deutet sie an, dass es – zumindest umgangssprachlich – einen Unterschied gibt. So werde „Popmusik“ eher als Beschreibung für bestimmte Vermarktungsstrukturen denn als Stilbezeichnung verwendet, wohingegen „Rockmusik“ vielmehr mit „härterer“ Musik verbunden wird. Bernd Schwarze[63] kennt eine ähnliche Unterscheidung, bei der Rockmusik mit harter, „authentischer“ Musik in Verbindung gebracht wird, und von Popmusik dann die Rede ist, wenn der „Unterhaltungs- und Zerstreuungsaspekt[.]“ von Musik hervorgehoben werden soll. Auch er macht deutlich, dass es keine eindeutige Trennung der beiden Begriffe gibt. Den Grund dafür sieht er darin, dass die Rock- und Popmusik keine abgeschlossene Musikepoche ist, was eine Begriffsdefinition erleichtern könnte. Ein weiteres Problem bilde auch die unklare Herkunft des Begriffes „Pop“ – es gilt als Übersetzung des amerikanischen Kürzels von „popular“ (beliebt), es gibt jedoch auch Berührungen mit dem Begriff „Pop-Art“, was wiederum eine andere Deutung nach sich zieht. Er plädiert für den Doppelbegriff „Rock- und Popmusik“ (oder auch „Rock&Pop“), da er zwei Vorteile gegenüber der Verwendung von nur einem Begriff hat: „Zum einen wird so angezeigt, daß wir es mit Mischformen zu tun haben, zum anderen wird einer voreiligen Trennung von vermeintlich anspruchsvollerer und vornehmlich unterhaltender Musik widerstanden.“[64] Wenn er dennoch den Begriff Popmusik verwendet, dann als einen Oberbegriff, der die Rockmusik mit einschließt. Gotthard Fermor[65] nähert sich sehr ausführlich und interdisziplinär dem Phänomen der Rock- und Popmusik. Den Begriff „Popularmusik“, auf den schon Schwarze[66] als musikwissenschaftlichen Oberbegriff zur Abgrenzung von vorindustrieller populärer Musik Bezug nimmt, hält Fermor für zu weitläufig, weil er neben Rock- und Popmusik auch Chansons, Schlager, Operetten etc. mit einschließt.[67] Auch er plädiert für den schon erwähnten Doppelbegriff, wobei er die Subunterscheidung von „Pop“ als unterhaltsam und schnelllebig und „Rock“ als Nachfolge von Rhythm & Blues und Rock `n` Roll kennt und für hilfreich erachtet.[68] Allerdings merkt er an, dass es seit den 70er Jahren eine derartige Auffächerung der unterschiedlichen Musikstile innerhalb des Rock&Pop gibt, dass solche Unterscheidung kaum noch möglich ist. Erschwert wird diese außerdem durch „Crossover“, Musik also, die schon ihrer Bezeichnung nach keinem bestimmten Stil mehr zuzuordnen ist.

Ich werde im Anschluss an die angeführten Argumentationen in dieser Arbeit zur Bezeichnung der zu betrachtenden Musik den Doppelbegriff „Rock&Pop“ oder analog dazu „Rock- und Popmusik“ verwenden. Eigenschaft dieser Musik ist, dass sie „an industrielle Produktionsmethoden gebunden [ist] (Herstellung im Team von Experten nach Kriterien der möglichen Wirkung beim Publikum) und [.] als Gebrauchsmusik der Masse auf möglichst leichte Aneignung und weitestgehende Verbreitung“[69] zielt. Das bedeutet, es wird im praktischen Teil dieser Arbeit nicht um die Musik in Subkulturen (Punks, Skinheads etc.) gehen, sondern um Musik, die eben diese massenmediale „Verbreitung“ erfährt.

4.2. Wurzeln des Rock&Pop

Die Illustration der Geschichte der Rockmusik kann hier nur skizzenhaft erfolgen. Dabei werde ich mich vor allem auf Ilse Köglers „Die Sehnsucht nach mehr“ stützen, da sie damit ein äußerst materialreiches und anerkanntes Werk vorgelegt hat. Die mir vorliegenden Ausführungen von Schwarze, Zöller und Fermor beziehen diese Arbeit ebenfalls mit ein. Ich werde lediglich dort auf diese Arbeiten zurückgreifen, wo sie wesentliche Ergänzungen bieten.

Die Wurzeln der heutigen Rock- und Popmusik liegen in der Musik, die sich aus der Begegnung der afrikanischen Sklaven mit der christlichen Tradition der Weißen in Amerika gebildet hat.[70] Die Entwicklung dieser Musik soll hier umrissen werden.

4.2.1. Spiritual, Gospel und Blues

Eine rein[71] westafrikanische Musik[72] konnte sich unter dem Druck der weißen Sklavenbesitzer und Kirchen nicht erhalten, da den Sklaven aus Angst vor Rebellion Trommeln und Blasinstrumente verboten worden sind. Diese Instrumente hatten für die Afrikaner eine wesentliche Funktion zur Herbeirufung der Götter, allerdings war auch bekannt, dass diese Instrumente ebenso als Kommunikationsmittel verwendet wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (oder schon Ende des 17. Jh.[73]) begannen Methodisten und Baptisten mit der Bekehrung der Sklaven. Letztere lernten dabei europäische Kirchenlieder kennen, die sie in ihrer eigenen Weise interpretierten und sich so aneigneten. So entstanden Jubilees (Hymnengesänge) und Spirituals[74]. Die Spirituals dienten als Ersatz für die verbotenen Rhythmusinstrumente: Zur Beschwörung der Gottheit. In der afrikanischen Religion ist die Wirksamkeit der Gottheit vom lebendigen Menschen abhängig, in der Ekstase wird die Gottheit gezwungen, sich mit dem Menschen zu vereinigen. Zu dieser Beschwörung waren aber Trommeln notwendig. Da diese den nordamerikanischen Sklaven verboten waren, verloren die Gottheiten ihre Wirksamkeit. Die Gottesdienste der Baptisten und Methodisten boten den schwarzen Amerikanern nun aber die Möglichkeit, eine Gottheit ohne Trommeln, sondern nur durch Namennennung zu beschwören. Die Erzählungen der Bibel wurden in die eigene religiöse Gedankenwelt integriert, der Gottesdienstkult afrikanisiert. Vor allem die Erlöser- und Befreierfiguren des Alten Testaments (Mose, David...) wurden beschworen. „In der Begegnung zwischen europäischer und afrikanischer Kultur entstanden die Spirituals. Afrikanisch blieb die Art des Glaubensvollzugs: die Beschwörung des Göttlichen.“[75] Inhalt der Spirituals ist das Flehen um Erlösung aus einer Notlage. Besonders ist hierbei, dass es hier nicht nur um eine Erlösungshoffnung handelt, sondern um reale Erlösung, die sich in der Ekstase ereignet. Gotthard Fermor geht noch näher auf das Phänomen der Ekstase ein[76] und hält als ein wesentliches Merkmal der Beziehung von Musik und Religion in afrikanischen Kulturen das ekstatische „Aussichheraustreten, ein Trans-zendieren im Medium der Musik“[77] fest.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Spirituals geistliche Lieder sind, die durch den Zusammenprall der afrikanischen mit der christlich-amerikanischen Kultur entstanden sind. Das prägende Merkmal für die afrikanische Religiosität blieb dabei erhalten: Der Rhythmus. Die Spirituals wurden außerdem sehr körperbetont vorgetragen: stampfend, händeklatschend, wippend etc.[78]

Aus der Tradition der Spirituals und der Jubilees entwickelten sich in den 1920er Jahren in den schwarzen Gettos nordamerikanischer Metropolen die Gospels. Wie der Name verrät, haben sie mit der Auslegung des Evangeliums (Gospel) zu tun. Dem harten Leben in den sozialen Brennpunkten wurde mit besonderer Emotionalität in den Gottesdiensten begegnet. Aber „[i]m Unterschied zu den Spirituals wurden die Gospels von religiös engagierten professionellen männlichen wie weiblichen Dichtern und Komponisten geschrieben.“[79] Die Predigten der schwarzen Geistlichen erfolgten im Stil des afrikanischen Wechselgesangs, was bedeutet, dass die Gemeinde auf die Rufe des Predigers antwortete. Dies konnte zum Beispiel Analphabeten helfen, sich die biblische Botschaft anzueignen. Gospels haben „lebenssprühenden, aufrüttelnden und tief emotionalen Charakter“[80]. Sie können als rhythmisch gesungene und durch Ruf- Antwort-Schema wiederholte Predigten verstanden werden.

„Grundlage der afro-amerikanischen Musik ist der Rhythmus. Er wird durch Schlagen erzeugt (Perkussionsrhythmus).“[81] Fundament ist dabei der völlig gleichmäßige Beat, der dann mit melodischen und rhythmischen Elementen überlagert wird, deren Akzente zwischen die Schläge des Beats fallen. Diese Akzentuierungen werden Off-Beat genannt, weil sie nicht auf, sondern neben den Grundschlag fallen. Dieser Off-Beat ist aus der Geschichte der Rock- und Popmusik nicht wegzudenken. Die Musiker bedienten sich bei der Gestaltung der Melodien der Improvisation, die allerdings an ein genaues Formengesetz gebunden war. „Eine Folge von Anrufung und Beantwortung (Ruf-Antwort-Schema) wird hintereinander geordnet.“[82]

Aus den Worksongs, die die Sklaven bei ihrer Arbeit sangen, entwickelte sich nach dem amerikanischen Bürgerkrieg der Blues. Diese Worksongs wurden von den weißen Sklavenherren deshalb geduldet, weil sie den Ertrag der Arbeit steigerten. Nach der Sklavenbefreiung 1865 hatten die Sklaven eine größere Mobilität, und damit war die Möglichkeit zu einem Austausch zwischen ihren lokalen und regionalen Ausdrucksformen erstmals gegeben. Trotzdem blieben stilistische und geschichtliche regionale Unterschiede erhalten. Der Blues wurde aber zu einer allen Afroamerikanern gemeinsame musikalische Ausdrucksweise, in der soziale Erfahrungen verarbeitet werden. Anders als beim Spiritual ist der Blues vorwiegend ein Sologesang, der Sänger oder die Sängerin wir zum Sprecher der Erfahrungen der Gemeinschaft. Der Begriff Blues stammte von den weißen Amerikanern, für die die Musik klagend und traurig klang, und so bezeichnete man sie mit dem englischen Wort für eine melancholische Stimmung. Die Texte des Blues sprechen zwar von konkreten Situationen, sind aber dennoch oft doppeldeutig. Es werden sexuelle Themen angesprochen, diese werden aber verschlüsselt, um die weiße Zensur zu umgehen. Damit „erregte [der Blues] auch oft Ärgernis bei kirchlich engagierten Schwarzen, besonders wenn durch seine Texte das Gegenteil von lauterem Leben, Mäßigkeit und sexueller Enthaltsamkeit zur Sprache gebracht wurde“[83].

4.2.2. Rhythm & Blues

Der Name Rhythm & Blues ist nicht ganz korrekt, da der Rhythmus, wie wir gesehen haben, Merkmal jedes Blues ist. Allerdings ist diese Bezeichnung, die 1949 durch eine amerikanische Musikzeitschrift eingeführt wurde, eine Besserung gegenüber dem Titel Race Music, wie schwarze Musik zuvor genannt wurde. Die Rassentrennung war seit den 1920er Jahren auch im Musikgeschäft spürbar. Race Music war ausschließlich für schwarze Hörerinnen und Hörer bestimmt, es gab einen Boykott schwarzer Musik durch die weiße Bevölkerung Amerikas bis in die 50er Jahre hinein. Das schließt auch ein, dass die schwarzen Musikerinnen und Musiker gezwungen waren, eigene Produktions- und Vertriebssysteme aufzubauen.

Rhythm & Blues ist eine Sammelbezeichnung für die nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA entstandenen professionalisierten Formen einer schwarzen Tanz- und Unterhaltungsmusik.“[84] Ursprung des Rhythm & Blues sind aus dem Blues entstandene Nebenformen wie der Jump Blues, der Chicago- und der West Coast Blues. „Ein hart markierter Grundbeat, meist im 4/4-Rhythmus des schwarzen Swing mit Off-Beat-Betonung oder im 8/8-Rhythmus des Boogie-Woogie (Blues-Piano-Stil), die elektrisch verstärkte Gitarre und das ‚screaming’ Saxophon gehören zu den Kennzeichen des laut und aggressiv gespielten Rhythm & Blues.“[85] Gehört wurde er überwiegend in den Gettos, denn wie schon beim Blues gab es Zurückhaltung in einigen Schichten der schwarzen Bevölkerung. Er war „gedacht als unbekümmerte Unterhaltung und Musik für den Körper“[86]. Dabei wurden nicht mehr konkrete Situationen und Erfahrungen verarbeitet, sondern die Musik wurde weicher und die Texte beliebig.

4.2.3. Country- und Folkmusik – die „weißen Wurzeln“ des Rock

Die weißen Einwanderer, die vor allem aus Großbritannien kamen, brachten natürlich auch ihre Musik mit. Da viele von ihnen in dünn besiedelten Gebieten lebten und es wenig regionale Begegnung gab veränderte sich ihre Musik kaum. Mit der Zeit wurden in die Texte neue bekannte Namen eingesetzt – und das mitgebrachte Volksgut wurde – wie die Siedler – amerikanisch.

Die Isolierung wurde durch die Erfindung des Radios durchbrochen. Wie die afro-amerikanische Musik hat die Musikindustrie auch die Countrymusik kommerzialisiert. Durch diese Vermarktung verlor die Musik aber bald den volksmusikalischen Charakter, einige Künstler boten nur „moralisch gute“ Titel dar; da diese sich besser verkauften. Die Annahme, dass Countrymusik eigentlich die Musik der Cowboys wäre, stammt aus den Hollywood-Westernfilmen der 30er und 40er Jahre.

„Die Bedeutung der Countrymusik für die Rockmusik liegt darin, daß die weißen Sänger des Rockabilly (frühe Spielart des Rock `n` Roll) aus dem ländlichen Süden kamen und mit ihren Wertvorstellungen in die ländliche Kultur des amerikanischen Südens eingebunden waren. Namhafte weiße Rock-`n`-Roll-Sänger, wie Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Elvis Presley, waren ursprünglich Countrymusiker.“[87]

Folk ist der Oberbegriff für alle Lieder aus der britischen Tradition, er entspricht dem deutschen Wort „Volksmusik“. Allerdings hat er in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg einen eigenen Sinn bekommen, so dass man zwischen Folk und Country unterscheiden muss: „Bei Folk handelt es sich größtenteils um von jungen Intellektuellen zu aktuellen Themen vorgetragene Lieder.“[88] Die Instrumente, meistens Gitarre oder Piano, galten nur als Untermalung, Hauptinstrument war die Stimme. Die Folkbewegung stellt einen Gegenpol zur kommerziellen Musik dar. Einfluss auf die Rockmusik hat sie insofern, als durch sie ab den 60er Jahren Themen wie Ehrlichkeit, Engagement und Hervorhebung der Werte einer Gesellschaft wert gelegt wurde. Die Authentizität des Sängers war wichtig, und die lyrische Komplexität sollte die Rockmusik vom Teenager-Pop unterscheiden.

[...]


[1] Bahr, Petra / Krech, Volkhard (2001): Ambivalenzen. Zum Themenheft "Religion und Musik". In: Magazin für Theologie und Ästhetik, Ausg. 10/2001.

[2] Vgl. Schwarze, Bernd (1997): Die Religion der Rock- und Popmusik: Analysen und Interpretationen. Praktische Theologie heute; Bd. 28. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer. und

Zöller, Christa (2000): Rockmusik als jugendliche Weltanschauung und Mythologie. Religion und Biographie; Bd. 2. Münster: Lit. und

Fermor, Gotthard (1999): Ekstasis: Das religiöse Erbe in der Popmusik als Herausforderung an die Kirche. Praktische Theologie heute; Bd. 46. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer.

[3] Infos unter www.messagemusiccontest.de.

[4] Infos unter www.zeichen-der-zeit.com.

[5] Vgl. Brockhaus (1998): Brockhaus – Die Enzyklopädie: In 24 Bänden. 20., überarb. und akt. Aufl. Bd. 18: Rah – Saf. Leipzig; Mannheim: Brockhaus. S.242.

[6] Brockhaus, 242.

[7] Cicero, „De natura deorum“, 2, 72; zit. n. Brockhaus, ebd.

[8] Augustinus, „De quantitate animae“, 36, 80; zit. n. Brockhaus, ebd.

[9] Vgl. Brockhaus, ebd.

[10] Vgl. Ahn, Gregor (1997): Religion I. Religionsgeschichtlich. In: Müller, Gerhard (1997): S. 513-520.

[11] Vgl. Treml, Hubert (1997): Spiritualität und Rockmusik: Spurensuche nach einer Spiritualität der Subjekte. Anregungen für die Religionspädagogik aus dem Bereich der Rockmusik. Glaubenskommunikation Reihe Zeitzeichen; Bd. 3. Ostfildern: Schwabenverlag. S. 76.

[12] Vgl. Treml, 78.

[13] A.a.O., 77.

[14] Brockhaus, 243.

[15] Vgl. ebd.

[16] Ebd.

[17] Siehe unter „Erlösung“.

[18] Vgl. Treml, 78.

[19] Vgl. Treml, 78.

[20] Barz, Heiner (1992): Religion ohne Institution? Eine Bilanz der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung. Jugend und Religion 1; Leske & Budrich: Opladen; S. 119. Zit. n.: Zöller, 51.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Freudenberg, Hans / Goßmann, Klaus (2001): Sachwissen Religion. Ein Begleit- und Arbeitsbuch für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II und für die Erwachsenenbildung. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. S. 13.

[23] Kaufmann, Franz-Xaver (1989): Religion und Modernität. Sozialwissenschaftliche Perspektiven. Tübingen. Zit. n.: Treml (1997), S. 86.

[24] Vgl. Ahn, 519.

[25] Wenn im folgenden Kapitel von „uns“ und „wir“ die Rede ist, sind in erster Linie Christen gemeint und erst danach Menschen im allgemeinen.

[26] Vgl. Lanczkowski, Günter (1985): Heil und Erlösung I. Religionsgeschichtlich. In: Müller, Gerhard (1985). S. 606.

[27] Vgl. ebd.

[28] Vgl. Schenker, Adrian (1985): Heil und Erlösung II. Altes Testament. In: Müller, Gerhard (1985). S. 610.

[29] Vgl. Spieckermann, Hermann (1999): Erlösung/Soteriologie IV: Altes Testament. In: Betz, Hans Dieter u.a. (Hg.) (1999): S. 1444; LThK (1959), S. 1017.

[30] Vgl. Gewiess, J (1959): Erlösung II: In der Schrift. In: Höfer, Josef / Rahner, Karl (Hg.) (1959): S. 1017f.

[31] Vgl. Gewiess, 1017; Lev 4-7.

[32] Gewiess, 1017.

[33] Spieckermann, 1445.

[34] Schenker, 613.

[35] Pss 17,13ff.; 13; 22; 33; ...

[36] Vgl. Gewiess, 1017f.

[37] Gewiess, 1018.

[38] Ebd.

[39] Vgl. Larsson, Edvin (1985): Heil und Erlösung III. Neues Testament. In: Müller, Gerhard (1985): S. 616.

[40] Ebd.

[41] Larsson, 617.

[42] Vgl. Popkes, Wiard (1999): Erlösung / Soteriologie V. Neues Testament. In: Betz, Hans Dieter u.a. (Hg.) (1999): S. 1447.

[43] Vgl. Gewiess, 1019 und Popkes, 1446.

[44] Vgl. Popkes , 1447.

[45] Vgl. Larsson, 620.

[46] Ebd.

[47] Vgl. Popkes, 1446.

[48] Seils, Martin (1985): Heil und Erlösung IV. Dogmatisch. In. Müller, Gerhard (1985): S. 623, Hervorhebungen im Original, Klammern vom Verfasser.

[49] Vgl. Seils, 626.

[50] Seils, 631.

[51] Leonhardt (2003).

[52] Wiederkehr, Dietrich (1976): Glaube an Erlösung: Konzepte der Soteriologie vom Neuen Testament bis heute. Freiburg i.B.: Herder. S. 79.

[53] Vgl. 3.1.: Im Buddhismus und Hinduismus geht es um Selbst erlösung.

[54] Müller, Gerhard (Hg.) (1994): Theologische Realenzyklopädie (TRE). Bd. 23, Minucius Felix – Name / Namengebung. Artikel „Musik und Religion“, S. 441-495.

Eine sehr ausführliche Darstellung dieser geschichtlichen Entwicklung findet sich auch bei Zöller, 76-119; sowie bei Fermor, 185-207.

[55] Treml, 214.

[56] Vgl. Adler, Israel / Flender, Reinhard (1994): Musik und Religion II. Judentum. In: Müller, Gerhard (1994): S.446-452.

[57] Vgl. hierzu Seidel, Hans (1994): Musik und Religion I. Altes und Neues Testament. In: Müller, Gerhard (1994): S. 441-446.

[58] Schwarze, 113-134.

[59] Zöller, 120-138.

[60] Fermor, 121-166.

[61] Kögler, Ilse (1994): Die Sehnsucht nach mehr: Rockmusik, Jugend und Religion. Graz; Wien; Köln: Verl. Styria.

[62] Vgl. Zöller, 123f.

[63] Vgl. Schwarze, 16f.

[64] Schwarze, 17.

[65] Vgl. Fermor, 17-51.

[66] Vgl. Schwarze, 17.

[67] Vgl. Fermor, 23.

[68] Vgl. Fermor, 24.

[69] Bubmann, Peter (1990): Sound zwischen Himmel und Erde: Populäre christliche Musik. Stuttgart: Quell Verlag. S. 10; vgl. Schwarze, 17 und Zöller, 123f.

[70] Vgl. Bubmann (1990), 10 und Schwarze, 114.

[71] Nach Kögler, 12-23. Soweit nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich die folgenden Ausführungen auf dieses Werk.

[72] Die meisten Sklaven Amerikas stammten aus Westafrika, vgl. Fermor, 122, Anm. 220.

[73] Schwarze, 114.

[74] Gemeint sind hier immer sogenannte „Negrospirituals“, vgl. Redaktion Schule und Lernen (2000): Schülerduden Musik. 3., völlig neu bearb. Aufl. Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich: Dudenverlag. S. 384 und 263f.

[75] Kögler, 14.

[76] Vgl. Fermor, 121ff.

[77] Fermor, 129.

[78] Vgl. Fermor, 134.

[79] Kögler, 16.

[80] Kögler, 18.

[81] Kögler, 18. Hervorhebungen im Original.

[82] Kögler, 19. Hervorhebungen im Original.

[83] Kögler, 22f.

[84] Kögler, 24. Hervorhebungen im Original.

[85] Kögler, 26. Hervorhebungen im Original.

[86] Kögler, 26.

[87] Kögler, 32. Hervorhebungen im Original.

[88] Kögler, 32f. Hervorhebungen im Original.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Musik und Religion - Erlösung in der Rock- und Popmusik
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
68
Katalognummer
V40280
ISBN (eBook)
9783638388313
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musik, Religion, Erlösung, Rock-, Popmusik
Arbeit zitieren
Robert Stenzel (Autor), 2005, Musik und Religion - Erlösung in der Rock- und Popmusik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40280

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