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Der Nationalsozialismus als politische Religion

Title: Der Nationalsozialismus als politische Religion

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 30 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Michael Münch (Author)

Politics - History of Political Systems
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Der erste Gebrauch der Bezeichnung religio politica geht auf den wegen Ketzerei verurteilten Dominikanermönch Tommaso Campanella (1568 – 1639) zurück. Campanella sieht die Religion als den Kern der menschlichen Gemeinschaft, die auf diesem Weg geeint wird. Dennoch missbrauchen die Herrschenden stets die Religion zur Machtsicherung. Dagegen setzt Campanella den Sonnenstaat, eine utopische Konstruktion, die strikt hierarchisch aufgebaut ist. An oberster Stelle steht ein Priester, der kraft seiner Rede das Volk belehrt. In diesem Sonnenstaat sind außerdem die öffentliche Inszenierung (durch Aufmärsche, Festtage, etc.) und (freiwillige) Menschenopfer vorgesehen. Diese Elemente sind der modernen Geschichtsschreibung im Zusammenhang mit totalitären Regime sehr wohl bekannt. Während die weitere Verwendung des Begriffes der politischen Religion durch Daniel Clasen und Christoph Martin Wieland eher diffus war und hauptsächlich der Kritik an absolutistischen Herrschaftssystemen diente , taucht die Bezeichnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Auftreten von Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus erneut auf.
Die Forschung sucht bis heute nach Erklärungen, um die psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser totalitären Systeme zu verstehen. Das Konzept der politischen Religionen hat sich als geeignetes Mittel herausgestellt, um die Geisteshaltung der Regimeanhänger zumindest teilweise zu interpretieren. Dennoch haben sich an dem Begriff der politischen Religion (insbesondere durch seine undifferenzierte Verwendung) zahlreiche Kontroversen begründet. So kam die Debatte auf, ob man Politik und Religion – das Weltliche und das Geistliche – überhaupt in dieser Art und Weise auf eine Stufe stellen darf. Schließlich ist der Religionsbegriff nach wie vor positiv besetzt, während Politik für weite Teile der Bevölkerung etwas Anrüchiges darstellt.
Inhalt dieser Arbeit soll daher ein Überblick zur Kontroverse um den Nationalsozialismus als politische Religion sein. Weitere totalitäre Regime finden keinen Einfluss in die Analyse, da dies die Arbeit zu umfangreich gestalten würde. In Bezug auf den Nationalsozialismus gilt es zu klären, ob dieser eine politische Religion war, ob er tatsächlich christliche Wurzeln aufweist und welche religiösen Eigenschaften er inne hat. Kann man die Naziherrschaft wirklich transzendental, also überweltlich, verstehen oder verfolgte sie letztlich nur säkulare Ziele?

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

1.2. Aufbau

1.3. Forschungsstand

2. Hans Maiers Begriff der politischen Religion

2.1. Eigenschaften von politischen Religionen

2.2. Politik und Religion

3. Das Selbstverständnis der Nationalsozialisten

3.1. Adolf Hitlers Antireligiösität

3.2. Religionsähnliche Elemente im Nationalsozialismus

4. Eric Voegelins Verständnis vom Nationalsozialismus

4.1. Der Nationalsozialismus als innerweltliche Religion

4.2. Der Nationalsozialismus als gnostische Massenbewegung

5. Raymond Aron: Der Nationalsozialismus als säkulare Religion

6. Michael Ley: Die nationalsozialistische Apokalypse

7. Schlussbetrachtung

8. Bibliographie

8.1. Selbständig erschienene Literatur

8.2. Unselbständig erschienene Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über die wissenschaftliche Kontroverse zu geben, ob der Nationalsozialismus als politische Religion zu klassifizieren ist, wobei sie insbesondere die Ansätze von Hans Maier, Eric Voegelin, Raymond Aron und Michael Ley untersucht.

  • Vergleich von Religion und Totalitarismus
  • Selbstverständnis und Rhetorik des Nationalsozialismus
  • Religionsphilosophische Konzepte totalitärer Systeme
  • Instrumentalisierung religiöser Elemente zur Machtabsicherung
  • Frage nach dem angemessenen Begriffsstatus (säkularer Religionsersatz vs. politische Religion)

Auszug aus dem Buch

2.1. Eigenschaften von politischen Religionen

Hans Maiers Ausgangspunkt ist die Frage, was den „despotischen Regime des 20. Jahrhunderts – Kommunismus, Faschismus, Nationalsozialismus – [...] gemeinsam ist“. Er stellt zunächst fest, dass die politische Gewalt in diesen Diktaturen ein enormes Ausmaß annimmt. Sie steht nicht mehr in der Konkurrenz zu gesellschaftlichen Kräften, vielmehr verdrängt die politische Gewalt sämtliche ihr nicht positiv gesonnenen Einflüsse. Am Ende zielt sie auf die totale Kontrolle aller Lebensbereiche, der sich niemand entziehen kann. Denn für die Bevölkerung ist die herrschende Instanz (z.B. ein Diktator, eine Partei, etc.) durch Aufmärsche, Bilder und Symbole stets allgegenwärtig. Ein Rückzug von diesen administrativ verordneten Prozeduren würde sofort als ein Nichtbekenntnis zu dem jeweiligen Staat gewertet.

Doch diese Ausweitung der politischen Macht existiert nicht nur in totalitären Systemen, sondern auch in (früheren) religiösen Gesellschaften. Somit drängt sich ein Vergleich zwischen Totalitarismus und Religionen auf. Laut Hans Maier gibt es sechs konstitutive Elemente, welche die Parallelen zwischen diesen beiden Phänomenen offensichtlich werden lassen:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Begriffs der politischen Religion ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung sowie den Forschungsstand.

2. Hans Maiers Begriff der politischen Religion: Dieses Kapitel arbeitet anhand der Definition von Hans Maier die konstitutiven Merkmale heraus, die totalitäre Regime mit religiösen Phänomenen vergleichbar machen.

3. Das Selbstverständnis der Nationalsozialisten: Hier wird untersucht, wie Adolf Hitler sich gegenüber Religionen verhielt und welche religionsähnlichen Elemente innerhalb der NS-Ideologie gezielt instrumentalisiert wurden.

4. Eric Voegelins Verständnis vom Nationalsozialismus: Das Kapitel analysiert Voegelins Interpretation des Nationalsozialismus als innerweltliche Religion und gnostische Massenbewegung.

5. Raymond Aron: Der Nationalsozialismus als säkulare Religion: Hier wird Raymond Arons Sichtweise dargelegt, der den Nationalsozialismus primär durch den Gemeinschaftsverlust der Moderne und als Ideologie begreift.

6. Michael Ley: Die nationalsozialistische Apokalypse: Dieses Kapitel befasst sich mit der These Leys, der die NS-Ideologie als apokalyptisches Projekt interpretiert, das tief in christlichen Traditionslinien verwurzelt ist.

7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung bewertet die vorgestellten Ansätze kritisch und kommt zu dem Ergebnis, dass die Bezeichnung „säkularer Religionsersatz“ am zutreffendsten ist.

8. Bibliographie: Dieses Kapitel führt die für die Arbeit verwendete selbständige und unselbständige Literatur auf.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, politische Religion, Totalitarismus, Hans Maier, Eric Voegelin, Raymond Aron, Michael Ley, Religionsersatz, Ideologie, Antisemitismus, Weltanschauung, Apokalypse, Machtpolitik, säkulare Religion, NS-Ideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Debatte darüber, ob der Nationalsozialismus als eine "politische Religion" bezeichnet werden kann und welche theoretischen Konzepte diesen Vergleich stützen oder kritisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Vergleich zwischen totalitären Herrschaftssystemen und religiösen Strukturen, die Instrumentalisierung von Religion für rassenpolitische Ziele sowie die Analyse verschiedener politikwissenschaftlicher Deutungsmuster.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über die Kontroverse zur nationalsozialistischen Geisteshaltung zu geben und zu prüfen, welcher Begriff – etwa politische Religion oder säkularer Religionsersatz – diese am besten beschreibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, indem sie die religionspolitischen Konzepte ausgewählter Wissenschaftler wie Hans Maier, Eric Voegelin, Raymond Aron und Michael Ley vorstellt und analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung durch Hans Maier, eine Untersuchung der Selbstreflexion Hitlers und eine detaillierte Analyse der Thesen der genannten Wissenschaftler zum Wesen des Nationalsozialismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, politische Religion, Totalitarismus, Religionsersatz, Ideologie und Antisemitismus charakterisiert.

Wie bewertet der Autor Michael Leys Ansatz?

Der Autor hinterfragt kritisch Leys Prämisse, dass Hitler sich in der Tradition der Johannesoffenbarung sah, da dies im Widerspruch zu Hitlers dokumentierter Geringschätzung gegenüber den Kirchen stehe.

Warum lehnt der Autor die Bezeichnung "politische Religion" für den Nationalsozialismus ab?

Der Autor argumentiert, dass der Nationalsozialismus keine echte Religion sein kann, da der Mensch als Individuum nicht im Mittelpunkt steht, keine Transzendenz existiert und der Begriff der "Wiederverbindung mit Gott" auf die NS-Ideologie nicht zutrifft.

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Details

Title
Der Nationalsozialismus als politische Religion
College
Technical University of Chemnitz
Course
Politikwissenschaftliche Begriffe in der Kontroverse
Grade
1,3
Author
Michael Münch (Author)
Publication Year
2004
Pages
30
Catalog Number
V40292
ISBN (eBook)
9783638388405
Language
German
Tags
Nationalsozialismus Religion Politikwissenschaftliche Begriffe Kontroverse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Münch (Author), 2004, Der Nationalsozialismus als politische Religion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40292
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