Dem Lehrplan für Realschulen des Landes Baden-Württemberg zufolge ist das übergeordnete Ziel des Geschichtsunterrichts das Erkennen des Wertes der demokratischen Grundordnung. Die SchülerInnen erkennen unter anderem „die Notwendigkeit von Macht und Gewalt als legitimes staatliches Gewaltmonopol, und zwar als Mittel zum Erhalt der Demokratie und zur Durchsetzung der Rechtsordnung.“ 1 Das Gewaltmonopol eines demokratischen Staates wird in seiner Rechtmäßigkeit vom Gewaltmonopol in diktatorischen Staaten und von „aggressiver Gewalt gegen Menschen“ 2 unterschieden. Die SchülerInnen sollen den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart erkennen, sie sollen die Realität aus mehreren Perspektiven betrachten und so lernen, auch Minderheiten anzuerkennen, sie sollen durch den Geschichtsunterricht ein Verantwortungsbewußtsein entwickeln sowie „die Bereitschaft, bei der Gestaltung unserer demokratischen, friedlichen und freiheitlichen Lebensordnung mitzuwirken“ 3 . Um diese Ziele zu erreichen, sollen die SchülerInnen die Arbeitsweisen eines Historikers in ihren Grundzügen erlernen. Weiterhin sollen sie sich mit den Fakten der Geschichtsschreibung vertraut machen, sie sollen Geschehnisse in ihren Zusammenhang einordnen können, sie sollen exemplarisch lernen. Ausdrücklich wird erwähnt, daß nicht alle geschichtlichen Themen behandelt werden sollen, was auch gar nicht möglich wäre. Der Schwerpunkt liegt auf der politischen Geschichte, aber auch „Fragestellungen der wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Entwicklung“ 4 sollen behandelt werden. „Die Lebenssituation von Frauen muß in allen geschichtlichen Zeitabschnitten berücksichtigt werden“ 5 . Doch sind diese Ziele wünschenswert? Sicher sollte eine Akzeptanz einer demokratischen Grundordnung das Ziel des Geschichtsunterrichts sein. Aber heißt dies auch, staatliche Gewalt befürworten zu müssen? [...]
Inhaltsverzeichnis des Unterrichtsentwurfs
I Konzeption des Unterrichts
1. Ziele des Geschichtsunterrichts
1.1 Generelle Ziele des Geschichtsunterrichts
1.2 Ziele des Geschichtsunterrichts für die 7. Klassenstufe
2. Inhalte und Ziele - ein Spannungsfeld
3. Stoffverteilung
4. Stellung der Stunde im Rahmen der Einheit, Thema der Stunde
5. Psychologische Voraussetzungen des Unterrichts
6. Besonderheiten der Klasse
7. Stundenziel
8. Überlegungen zur Strukturierung der Unterrichtsstunde
9. Endgültige Struktur der Unterrichtsstunde
10. Strukturskizze
Zielsetzung & Themen des Unterrichtsentwurfs
Das Hauptziel dieses Unterrichtsentwurfs ist die Konzeption einer Geschichtsstunde für die 7. Jahrgangsstufe, die den Schülern die Entstehung der mittelalterlichen Stadt sowie deren Entwicklung aus römischen Wurzeln näherbringt und gleichzeitig die Relevanz historischer Kontinuität für die Gegenwart aufzeigt.
- Analyse der Stadtentstehung im Mittelalter unter Einbeziehung römischer Traditionen.
- Erarbeitung der Motive für Stadtgründungen und der daraus resultierenden Vorteile für Stadtherren und Bürger.
- Förderung des historischen Denkvermögens und der Kompetenz zum Hinterfragen von Quellen.
- Integration der Schüler durch einen lebensweltnahen und gegenwartsbezogenen Unterrichtseinstieg.
- Klärung fachspezifischer Begrifflichkeiten wie Mutterstadt und Gründerstadt.
Auszug aus dem Buch
1. Ziele des Geschichtsunterrichts
Dem Lehrplan für Realschulen des Landes Baden-Württemberg zufolge ist das übergeordnete Ziel des Geschichtsunterrichts das Erkennen des Wertes der demokratischen Grundordnung. Die SchülerInnen erkennen unter anderem „die Notwendigkeit von Macht und Gewalt als legitimes staatliches Gewaltmonopol, und zwar als Mittel zum Erhalt der Demokratie und zur Durchsetzung der Rechtsordnung.“ Das Gewaltmonopol eines demokratischen Staates wird in seiner Rechtmäßigkeit vom Gewaltmonopol in diktatorischen Staaten und von „aggressiver Gewalt gegen Menschen“ unterschieden.
Die SchülerInnen sollen den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart erkennen, sie sollen die Realität aus mehreren Perspektiven betrachten und so lernen, auch Minderheiten anzuerkennen, sie sollen durch den Geschichtsunterricht ein Verantwortungsbewußtsein entwickeln sowie „die Bereitschaft, bei der Gestaltung unserer demokratischen, friedlichen und freiheitlichen Lebensordnung mitzuwirken“.
Um diese Ziele zu erreichen, sollen die SchülerInnen die Arbeitsweisen eines Historikers in ihren Grundzügen erlernen. Weiterhin sollen sie sich mit den Fakten der Geschichtsschreibung vertraut machen, sie sollen Geschehnisse in ihren Zusammenhang einordnen können, sie sollen exemplarisch lernen. Ausdrücklich wird erwähnt, daß nicht alle geschichtlichen Themen behandelt werden sollen, was auch gar nicht möglich wäre. Der Schwerpunkt liegt auf der politischen Geschichte, aber auch „Fragestellungen der wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Entwicklung“ sollen behandelt werden. „Die Lebenssituation von Frauen muß in allen geschichtlichen Zeitabschnitten berücksichtigt werden“.
Zusammenfassung der Kapitel
I Konzeption des Unterrichts: Dieser Abschnitt legt die theoretische Basis des Entwurfs fest, indem er die offiziellen Lehrplanvorgaben mit den pädagogischen Zielen des Lehrers in Einklang bringt.
1. Ziele des Geschichtsunterrichts: Hier werden die generellen bildungspolitischen Vorgaben und die spezifischen Ziele für die 7. Klassenstufe detailliert dargelegt.
2. Inhalte und Ziele - ein Spannungsfeld: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen dem umfangreichen Lehrplaninhalt und der begrenzten zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit.
3. Stoffverteilung: Hier wird ein konkreter Zeitplan für die Lehrplaneinheit Lebensformen und Herrschaftsordnungen im Mittelalter erstellt, um die knappen neun Schulstunden effizient zu nutzen.
4. Stellung der Stunde im Rahmen der Einheit, Thema der Stunde: Dieses Kapitel ordnet die geplante Unterrichtseinheit in den Kontext der Gesamteinheit ein und definiert die zentrale Fragestellung.
5. Psychologische Voraussetzungen des Unterrichts: Die Analyse der pubertätsbedingten Interessen und Lernvoraussetzungen der Schüler dient als Grundlage für die methodische Planung.
6. Besonderheiten der Klasse: Hier wird auf die spezifische Zusammensetzung der Klasse 7c und auf die Bedürfnisse einzelner Schüler eingegangen, um einen inklusiven Unterricht zu ermöglichen.
7. Stundenziel: Die konkreten fachlichen und methodischen Lernziele für die geplante Unterrichtseinheit werden hier explizit benannt.
8. Überlegungen zur Strukturierung der Unterrichtsstunde: Es werden verschiedene methodische Einstiegsmöglichkeiten diskutiert und gegeneinander abgewogen.
9. Endgültige Struktur der Unterrichtsstunde: Begründung der Auswahl des gewählten Unterrichtsverlaufs zur Förderung des analytischen Denkens bei den Schülern.
10. Strukturskizze: Die tabellarische Übersicht des geplanten Verlaufs inklusive Zeitmanagement, Lehrerverhalten und Medieneinsatz.
Schlüsselwörter
Unterrichtsentwurf, Geschichte, Mittelalter, Stadtentstehung, Realschule, Lehrplan, Pädagogik, Didaktik, Mittelalterliche Stadt, Stadtgründung, Mutterstadt, Gründerstadt, Historische Kontinuität, Geschichtsunterricht, Fachdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf primär?
Der Entwurf befasst sich mit der methodischen und inhaltlichen Planung einer Geschichtsstunde zur Entstehung der mittelalterlichen Stadt für eine 7. Realschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtseinheit?
Die Arbeit fokussiert auf Lebensformen und Herrschaftsordnungen im Mittelalter, insbesondere auf den Prozess der Stadtgründung und die Kontinuität von römischen Strukturen.
Welches übergeordnete Ziel verfolgt der Verfasser?
Ziel ist es, bei Schülern ein Verständnis für die historischen Ursprünge der Stadtlandschaft zu wecken und analytische Fähigkeiten durch die Hinterfragung von Geschichte zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden im Unterricht empfohlen?
Es wird eine methodische Mischung aus Quellenarbeit, der Interpretation von Statistiken und Karten sowie einem gegenwartsbezogenen Unterrichtsgespräch empfohlen.
Was wird im Hauptteil des Unterrichtsentwurfs behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Konzeption, die Stoffverteilung, die Analyse der Schülervoraussetzungen und die detaillierte Planung der Unterrichtsstunde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Geschichtsunterricht, Stadtentstehung, Mittelalter, didaktische Planung, Kontinuität und schülerzentrierte Methodik.
Warum wird im Entwurf die dritte Einstiegsvariante für die Stunde bevorzugt?
Die dritte Variante wird bevorzugt, da sie einen direkten Gegenwartsbezug ermöglicht, das Interesse der Schüler an ihrer eigenen Stadt weckt und den Überraschungseffekt fördert.
Wie geht der Autor mit den Herausforderungen der Pubertät in der Klasse um?
Der Autor schlägt vor, die Schüler durch Anknüpfung an ihre eigenen Lebenswelten zu motivieren und ihre natürliche Neugier für komplexe historische Sachverhalte zu nutzen.
- Citation du texte
- Marc Herrmann (Auteur), 1998, Unterrichtsstunde: Die Entstehung der Stadt im Mittelalter. Kontinuität und Entwicklung (7. Klasse), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40304