Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Vorstellungswelt des Augsburger Chronisten Burkard Zink. Durch eine Betrachtung des Lebensumfeldes und des Aufbaus der Chronik soll eine erste Annäherung an die Person erreicht werden. Darüber hinaus widmen wir uns der Betrachtung der markanten Stellen der Chronik, um einen Einblick in Wert- und Normvorstellungen des Chronisten zu erlangen. Diese Aussagen werden im Folgenden anhand des Identitätsmodells von Lothar Krappmann überprüft und vertieft. Anschließend erfolgt eine Betrachtung der Stadtchronistik im Mittelalter, um einen Vergleich des Werkes Burkard Zinks mit anderen zeitgenössischen Chroniken anstellen zu können. Abschließend werden wir uns mit den neuen Gedankenströmungen des ausgehenden Mittelalters beschäftigen und klären, inwieweit der Chronist mit diesen bereits in Berührung gekommen ist. Ziel dieser Arbeit soll es sein, einige Persönlichkeitsaspekte des Burkard Zinks herauszustellen und seine Motivation für die neuartige, eingehende Beschäftigung mit den handelnden Personen in seiner Chronik zu ergründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Der Lebenslauf des Augsburger Chronisten Burkard Zink
2.2 Der Aufbau der Chronik
2.2.1 Das erste Buch der Chronik
2.2.2 Das zweite Buch der Chronik
2.2.3 Das dritte Buch der Chronik
2.2.4 Das vierte Buch der Chronik
2.2.5 Das Verhältnis der einzelnen Bücher zueinander
2.3 Augsburg im Spätmittelalter
2.3.1 Die Zunfterhebung von 1368
2.3.2 der Städtekrieg 1387-1388
2.3.3 Der Bischofsstreit 1414-1423
2.3.4 Der „Reichskrieg“ 1461-1463
3. Aspekte der Identitätsdimension
3.1 Das Bild des Menschen
3.2 Das Identitätsmodell nach Lothar Krappmann
3.2.1 Identität als Balance in sozialer Interaktion
3.2.2 Qualifikationen des sozialen Rollenhandels
3.2.3 Rolle des Konzeptes bei der Analyse der Identitätsdimensionen
3.3 Analyse der Identitätsdimensionen im Werk des Burkard Zink
3.3.1 Die Familie
3.3.2 Die Reichsstadt
3.3.3 Zusammenleben im Innern
3.4 Stadtchronistik im Spätmittelalter
3.5. Aufkommen eines neuen Denkens zum Ende des Mittelalters
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Vorstellungswelt und Identitätsbildung des Augsburger Chronisten Burkard Zink durch eine Analyse seiner Chronik. Dabei wird mittels des Identitätsmodells von Lothar Krappmann erforscht, wie der Autor seine Rolle innerhalb der Familie, der Reichsstadt und der städtischen Gesellschaft im Spätmittelalter reflektiert und in ein individuelles Identitätskonzept integriert.
- Lebensweg und Chronikaufbau von Burkard Zink
- Politisches Umfeld und Konfliktlagen im spätmittelalterlichen Augsburg
- Anwendung des soziologischen Identitätsmodells nach Lothar Krappmann
- Vergleich der städtischen Chronistik im späten Mittelalter
- Spannungsfeld zwischen mittelalterlicher Ordnung und neuen Denkströmungen
Auszug aus dem Buch
Die Familie
Die erste, mit Zink unmittelbar in Interaktion stehende Ebene, stellt die Familie dar. Sie findet Eingang in die Chronik Zinks und wird besonders in seiner Selbstbiographie86 hervorgehoben. Er beschreibt dort ausführlich seine Zeit als fahrender Schüler und erwähnt die Städte, die er auf seiner Reise durchquerte und in denen er arbeitete. Zwischen diesen Erzählungen tauchen immer wieder Berichte über Zinks Familienverhältnisse auf. Dem Schluss der Selbstbiographie fügte er eine chronologische Aufreihung seiner Ehen und Kinder an; dort werden markante Punkte wie Geburt, Heirat und Tod fokussiert.
Die Familie war damals ein fester Komplex, dessen Mittelpunkt die Gestalt des Vaters bildete. In Augsburger Eiden tritt im 16. Jahrhundert wiederholt die Vorschrift auf, ein Meister sei nicht nur für sich verantwortlich, sondern auch für seine Familie und sein Gesinde.87 Ernst Schubert stellt bei einer Untersuchung der Familienverhältnisse im Mittelalter heraus, dass die Oberhauptstellung des Vaters innerhalb der Familie, welche auch rechtlich verankert war, im offenen Widerspruch zu einer „… Realität der selbständig wirtschaftenden, vermögensrechtlich gleichgestellten Hausfrau…“88 stand.
Somit stehen auf der einen Seite die rechtlichen Rahmenbedingungen des Eheschlusses, die die Hausherrschaft des Mannes betonen, auf der anderen Seite Verhaltensnormen und Zwänge einer Überlebensgemeinschaft, durch die im Alltag dieser Interaktionsgemeinschaft eine Art Gleichberechtigung hergestellt wird. Zwischen diesen beiden Ebenen lassen sich auch die Handlungen des Burkard Zink erkennen, welche wiederum Rückschlüsse auf seine Identität zulassen, wenn Identität hier, wie oben dargestellt, als die Leistung, die ein Individuum erbringen muss, um sich an gemeinsamen Handeln zu beteiligen, 89 aufgefasst wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über den Gegenstand der Untersuchung und erläutert die methodische Herangehensweise anhand des Identitätsmodells von Lothar Krappmann.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den biographischen Hintergrund von Burkard Zink, analysiert den Aufbau seiner Chronik und beschreibt das politische Umfeld des spätmittelalterlichen Augsburgs.
3. Aspekte der Identitätsdimension: Hier erfolgt die eigentliche Analyse von Zinks Identität, unterteilt in das Menschenbild, theoretische Identitätsmodelle und deren Anwendung auf Zinks Lebenssphären (Familie, Reichsstadt, Zusammenleben).
4. Fazit: Die abschließenden Kapitel fassen die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betonen Zinks Rolle als subjektiven Zeitbeobachter an der Schwelle zur Neuzeit.
Schlüsselwörter
Burkard Zink, Augsburger Chronik, Identitätsmodell, Lothar Krappmann, Spätmittelalter, Reichsstadt, Stadtchronistik, Soziologie, Historische Identität, Familienverhältnisse, Zunfterhebung, Peter Egen, Soziale Interaktion, Individuum, Mittelalter-Neuzeit-Übergang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Vorstellungswelt des Augsburger Chronisten Burkard Zink und untersucht seine Identitätsbildung im spätmittelalterlichen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Familie, die Reichsstadt Augsburg, das Zusammenleben der Bevölkerung sowie Zinks subjektive Sichtweise auf zeitgenössische politische Konflikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Persönlichkeitsaspekte Zinks herauszuarbeiten und zu ergründen, welche Motivationen seine neuartige, detaillierte Beschäftigung mit den handelnden Personen in seiner Chronik leiteten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt das soziologische Identitätsmodell von Lothar Krappmann, um die Dynamik und Wandelbarkeit von Zinks Identität in verschiedenen sozialen Interaktionssituationen zu messen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung des Identitätsmodells und dessen Anwendung auf die drei Lebenssphären: Familie, städtische Politik (Reichsstadt) und das soziale Zusammenleben im Innern.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätsdimensionen, städtisches Bewusstsein, soziale Rollen, Harmoniestreben und der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit.
Welche Rolle spielt die Figur des Peter Egen in der Analyse?
Peter Egen dient als zentrales Fallbeispiel für Zinks Unverständnis gegenüber individuellem Streben, das die städtische Ordnung gefährdet; an ihm zeigt sich Zinks defensives Bedürfnis nach Harmonie und Beständigkeit.
Warum wird Zinks Schreibstil als besonders hervorgehoben?
Die Arbeit betont, dass Zink im Gegensatz zu zeitgenössischen Chronisten eine subjektive, emotional geprägte Sprache verwendet und die Person selbst stärker in den Mittelpunkt rückt als das reine Amt.
- Quote paper
- Florian Rolf (Author), Daniel Scholz (Author), 2005, Die Dimension der Identität - . Aspekte der Identitätsfindung im Werk von Burkard Zink, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40362