Gestern und heute: Teilhabechancen und -bedingungen von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung


Hausarbeit, 2005
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Abbildungen

2. Einleitung

3. Frauen und Männer an der Universität

4. Geschichte der Universität
4. 1. Die Universität im Mittelalter
4. 2. Die Universität in der Aufklärung
4. 3. Die Universität in der Neuzeit

5. Sozialisation an der Universität

6. Gleichstellung an der Universität

7. Schluß

8. Quellen

9. Anhang

1. Abbildungen

Abb. 1: Frauenanteile in verschiedenen Stufen der akademischen Laufbahn

Abb. 2: Mögliche und tatsächliche Beteiligung von Frauen und Männern im wissenschaftlichen Karriereverlauf (1998)

Abb. 3: Männliche Studienanfänger im ersten Semester (Wintersemester 2002 / 2003) in den zehn am stärksten besetzten Studienfächern

Abb. 4: Weibliche Studienanfänger im ersten Semester (Wintersemester 2002 / 2003) in den zehn am stärksten besetzten Studienfächern

Abb. 5: Die Universität. Henricus de Allemannia beim Kolleg über Ethik. Laurentius de Volontia, zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts

Abb. 6: Kneiperei auf einer Studentenbude. Nach einer Lithographie, um 1815

Abb. 7: Dorothea Schlözer. Kupferstich, 1789

Abb. 8: Mathilde Vaerting

2. Einleitung

Renate Schmidt, die derzeitige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellt zu Anfang der neuesten Ausgabe der regelmäßig erscheinenden Broschüre „Frauen in Deutschland“ so lapidar wie richtig fest: „Entscheidungspositionen zu erobern, gleichen Lohn wie Männer für gleichwertige Arbeit zu bekommen, die Balance zwischen Erwerbstätigkeit und Familienarbeit zu halten oder geschlechtsspezifisch gesundheitlich versorgt zu werden, sind Ziele von Frauen- und Gleichstellungspolitik, die trotz des Gleichberechtigungsgebots im Grundgesetz bisher noch nicht verwirklicht werden konnten. Gerade beim Thema Gleichstellung bildet sich erst ein Problembewusstsein, das zu Veränderungen führt, wenn Fakten und Zahlen Ausmaß und Tiefe der Ungleichheit belegen.“[1]

Diese Arbeit soll die Bildung eines Problembewußtseins zum Thema Gleichstellung unterstützen und so Veränderung fördern, indem sie durch „Fakten und Zahlen Ausmaß und Tiefe der Ungleichheit“ der Geschlechter in Wissenschaft und Forschung belegt. Sie soll ferner durch einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Überblick Erklärungsmöglichkeiten zur Entstehung dieser Ungleichheit liefern, um so eine breitere Perspektive für Lösungsansätze zu eröffnen, von denen einige im Abschluß vorgestellt werden. Die Darstellung beschränkt sich hierbei hauptsächlich auf die Situation in Deutschland.

3. Frauen und Männer an der Universität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Frauenanteile in verschiedenen Stufen der akademischen Laufbahn[2]

Im Studienjahr 2002 / 2003 haben 358.946 Studienanfänger[3] ein Hochschulstudium aufgenommen, darunter 181.626 oder 50,6% Frauen, womit sich erstmals mehr Frauen als Männer an den deutschen Hochschulen eingeschrieben haben.[4] Insgesamt war im Studienjahr 2002 / 2003 fast jeder zweite Student, doch nur jeder dritte Doktorand, jeder fünfte Habilitant und jeder zehnte Professor eine Frau, obwohl Frauen und Männer annähernd den gleichen Studienerfolg zeigen (siehe Abbildung 1). An außeruniversitären Forschungseinrichtungen betrug der Anteil der Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen gar nur 5,1%.[5] Wie die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in ihrem Bericht über Frauen in der Wissenschaft aus dem Jahr 2000 zeigt, besteht also eine erhebliche Diskrepanz zwischen der möglichen und der tatsächlichen akademischen Karrierebeteiligung von Frauen (siehe Abbildung 2). Zwar sind die Daten der BLK von 1998, aber die Diskrepanz hat sich in den darauffolgenden Jahren aufgrund der anhaltend hohen Beteiligung der Frauen in den ersten wissenschaftlichen Karrierestufen und ihrer daher angenommenen weiter gestiegenen möglichen Beteiligung in allen Karrierestufen nicht verringert, wie aus Abbildung 1 ersichtlich. Es ist im Gegenteil anzunehmen, daß sie sich noch erhöht hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Mögliche und tatsächliche Beteiligung von Frauen und Männern im wissenschaftlichen Karriereverlauf (1998)[6]

Des weiteren studieren Frauen signifikant andere Fächer als Männer, wie Abbildungen 3 und 4 zeigen. So sind beispielsweise mehr als zwei von drei Sprach- und Kulturwissenschaftlern Frauen, jedoch nur einer von fünf Ingenieuren. In den Agrar- und Ernährungswissenschaften sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen.[7] Dieses unterschiedliche Studienfachwahlverhalten wäre nicht weiter beachtenswert, wenn unterschiedliche Studiengänge nicht auch unterschiedliche Berufs- und Karrierechancen ermöglichen und damit die in der Gesellschaft zu beobachtenden geschlechtsspezifischen Strukturen der Ungleichheit wie Einkommens-, Status- und Partizipationsdifferenzen festschreiben würden.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Männliche Studienanfänger im ersten Semester (Wintersemester 2002 / 2003) in den zehn am stärksten besetzten Studienfächern[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Weibliche Studienanfänger im ersten Semester (Wintersemester 2002 / 2003) in den zehn am stärksten besetzten Studienfächern[10]

Wie kommt es zur immer geringeren Beteiligung der Frauen, je höher die wissenschaftliche Karriere- und Qualifikationstufe ist, obwohl es immer mehr akademisch qualifizierte Frauen gäbe? Welche historischen und sozialen Gründe gibt es dafür? Und was kann man dagegen tun? Mit diesen Fragen wird sich die vorliegende Arbeit nun befassen.

4. Geschichte der Universität

„Die Universität ist die sichtbare Darstellung des höchsten geistigen Lebens der Nation“, so zitiert Bea Lundt den von den Nationalsozialisten wegen seiner Kritik an den Hochschulen im „Dritten Reich“ verfolgten Soziologen René König zu Anfang ihres Textes „Zur Entstehung der Universität als Männerwelt“: Die Universität habe aufgrund ihrer gesellschaftlichen, politischen und ideologischen Bedeutung immer wieder um Unabhängigkeit von Staat und Kirche kämpfen müssen. Während letztere aber bedeutenden Änderungen unterworfen gewesen seien, habe sich die Universität nicht nur erhalten, sondern gefestigt und ausgeweitet, und sie repräsentiere ein Stück europäischer Identität, das sich kontinuierlich über „die Überlieferung der Gelehrsamkeit und der gewonnenen Erkenntnisse, das ‚geistige Erbe’“ definiere. Jedoch werde dabei ein entscheidender Wandel der Universität „von ihren Anfängen bis zu ihrer heutigen Gestalt“ ignoriert: ihre Entstehung „als Zusammenschluß von lehrenden und lernenden Männern“ und die Ausgrenzung von Frauen in den ersten acht Jahrhunderten ihrer Geschichte.[11]

Im Folgenden soll die Geschichte der Universität auf diesen Aspekt hin untersucht werden.

4. 1. Die Universität im Mittelalter

Universitas (lat. Ganzheit, Gesamtheit) bedeutet zum einen die Verbindung aller bekannten Einzeldisziplinen unter einem Dach und zum anderen die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, die allen offen steht. Die ersten Universitäten gingen ab dem 12. Jahrhundert langsam aus größeren städtischen Schulen hervor, zuerst in Bologna, Paris und Oxford. Sie erhielten bald gesetzliche Unterstützung durch die Obrigkeit. Im 13. Jahrhundert entstanden 16 weitere Universitäten, die ebenfalls nach kurzer Zeit von ihren geistlichen und weltlichen Landesherren finanziell und obrigkeitlich unterstützt wurden, zum Teil mit dem Ziel, Einfluß auf die Lehreinrichtungen zu erhalten. In der Folge wurden viele weitere Universitäten gegründet, die von den ersten Studenten gut angenommen wurden.[12]

[...]


[1] BMFSFJ 2004, S. 7

[2] DESTATIS 2005, http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/hochtab8.php

[3] Ich habe lange überlegt, wie ich enthaltene Formulierungen auflösen sollte, zumal zu einem Thema und einem Seminar wie diesem, und mich schließlich für durchgehend generisch maskuline Begriffe entschieden, die geschlechtsneutral verwendet werden, wie in meinen früheren Arbeiten auch. Die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema ist mir bekannt und bewußt, doch kann ich mich für mein Werk weder mit der Fremdartigkeit der Binnenmajuskel noch mit der Umständlichkeit der Beidbenennung anfreunden. Dies mag aber jeder und jede halten, wie er und sie es mag, solange es auch mir gestattet ist, wie ich es mag.

[4] vgl. BMFSFJ 2004, S. 19

[5] vgl. BMFSFJ 2004, S. 54

[6] BLK 2000, S. 8

[7] vgl. BMFSFJ 2004, S. 19 f.

[8] vgl. Blättel-Mink 2002, S. 3

[9] BMFSFJ 2004, S. 243

[10] BMFSFJ 2004, S. 243

[11] vgl. Lundt 1996, S. 103 f.

[12] vgl. Lundt 1996, S. 104 – 106

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Gestern und heute: Teilhabechancen und -bedingungen von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung
Hochschule
Universität Stuttgart  (Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V40381
ISBN (eBook)
9783638389068
ISBN (Buch)
9783640856787
Dateigröße
1230 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Hausarbeit über die Geschichte der Beteiligung von Frauen an Wissenschaft und Forschung in der Universität mit Vorschlägen zur weitergehenden Gleichstellung. Inkl. 2 Seiten Referatshandout
Schlagworte
Gestern, Teilhabechancen, Frauen, Männern, Wissenschaft, Forschung
Arbeit zitieren
Andreas C. Lazar (Autor), 2005, Gestern und heute: Teilhabechancen und -bedingungen von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40381

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