„Not one syllable has the ever-present being of Shakespeare1“ – so kritisch äußerte sich einst der renommierte Literaturwissenschaftler Coleridge über den Auftritt des Pförtners in Shakespeares Macbeth. Selbst in neueren Werken wird diese kleine Szene (II, 3) oft als simpler Klamauk abgetan. Doch wird eine solch eindimensionale Beurteilung der Komplexität der Szene wirklich gerecht? Bei genauerer Auseinandersetzung mit dem Auftritt wird schnell klar, dass er nicht isoliert außerhalb der eigentlichen Handlung steht, sondern vielmehr eine wichtige Rolle in der Gesamtheit des Dramas einnimmt.
Im Folgenden soll genau diese Szene eingängiger betrachtet werden, wobei ich mich hierbei auf den eigentlichen Auftritt des Pförtners beschränke (Vers 1-34), da sich die restliche Szene inhaltlich in eine völlig andere Richtung entwickelt. Im Zentrum meiner Betrachtungen soll die Frage stehen, welche Funktion die Pförtnerszene auf den Rezipienten hat: Dient sie in erster Linie als humoristische Verschnaufpause oder geht es um die Charakterisierung des Protagonisten? Um sich der Thematik angemessen nähern zu können ist es zunächst einmal wichtig, den historischen Hintergrund dieser Passage zu betrachten und die Rolle solcher komischen Figuren im elisabethanischen Drama zu berücksichtigen. Im dritten Teil dieser Arbeit steht die Art und Weise, wie Shakespeare mit dem Auftreten des Pförtners Komik erzeugt im Mittelpunkt. Nachfolgend werden dann Funktions- und Wirkungsweise der Pförtnerszene eingehender betrachtet. Neben den dramatischen Funktionen ist vor allem die Bedeutung der Szene für die Figur des Macbeth, die Wirkung auf den Rezipienten, sowie das Aufgreifen zentraler Aspekte aus dem Gesamtdrama von Bedeutung. Der 5. Punkt beschäftigt sich dann mit der Umsetzung der Pförtnerfigur im Film anhand von vier Beispielen. Abschließend werde ich die wichtigsten Punkte zusammenfassen und ein Resümee ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Pförtnerszene – „un-Shakespearean“?
2. Historischer Kontext
3. Die Komik des Szene
3.1. Der Auftritt des Pförtners bis zum Eintreten Macduffs (II, 3.1-17)
3.2. Entwicklung der Szene nach dem Auftreten Macduffs (II, 3.18-34)
4. Funktionen der Pförtnerszene
4.1. Grundcharakteristika und dramatische Funktionen
4.2. Bedeutung für die Figur des Macbeth
4.3. Die Szene und ihre Wirkung auf den Rezipienten
4.4. Aufgreifen zentraler Aspekte aus dem Gesamtdrama
5. Filmische Umsetzungen
6. Schluss: Die Pförtnerszene - Herausforderung für Film und Theater
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion, den strukturellen Aufbau sowie die filmische Umsetzung der berühmten Pförtnerszene in Shakespeares Drama "Macbeth". Ziel ist es, zu analysieren, ob diese Passage lediglich als humoristisches Zwischenspiel dient oder ob sie essenzielle Charakterisierungen des Protagonisten und dramaturgische Verknüpfungen liefert, die den Zuschauer tiefgreifend beeinflussen.
- Historische Einordnung und elisabethanische Theatertradition
- Die Analyse komischer Mittel und deren dramatische Kontrastwirkung
- Charakterisierung von Macbeth und Reflexion von Leitthemen
- Vergleichende Betrachtung der Umsetzung in verschiedenen Filmadaptionen
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Auftritt des Pförtners bis zum Eintreten Macduffs (II, 3.1-17)
Narrenfiguren waren schon immer Quelle von Komik, da sie kein herrschendes Moral- und Ehrgebot akzeptierten und ein besonders respektloses Verhalten gegenüber der Obrigkeit an den Tag legten - so auch der Pförtner in Macbeth. Darüber hinaus erinnert die Szene, vor allem bis zum Eintreten Macduffs, an ein Morality-Play: Transzendente Aspekte und der Konflikt zwischen Gut und Böse stehen im Vordergrund, wobei aber die christlichen Tugenden parodiert werden.
Die Komik des Pförtner-Auftrittes entsteht schon allein durch die Situation an sich: Auf der einen Seite der Tür steht der ungeduldige Macduff, die Dringlichkeit seiner Mission und die sich zum Höhepunkt aufschaukelnde Handlung, auf der anderen Seite steht der Pförtner, dem dies alles egal ist und der mit seiner stoischen Ruhe diese groteske Wirkung erzielt. Verstärkt wird dies, indem er, immer dann wenn er sich gerade auf den Weg zum Tor gemacht hat, erneut für einen Plausch mit dem Publikum inne hält. Schon in den ersten Zeilen wird in einem Seitenhieb das Publikum direkt angesprochen und auf die Verdorbenheit der Welt angespielt. Es wird so häufig geklopft, weil es so viele Sünder auf dieser Welt gibt: “If a man were Porter of Hell gate, he should have old turning the key.” („Macbeth“ II, 3.1f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Pförtnerszene – „un-Shakespearean“?: Die Einleitung beleuchtet die literaturwissenschaftliche Kontroverse um die Szene und definiert das Erkenntnisinteresse der Arbeit.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel verortet die Pförtnerfigur in der Tradition des elisabethanischen Theaters und des mittelalterlichen Miracle-Plays.
3. Die Komik des Szene: Hier wird analysiert, wie Shakespeare durch situative Komik und zeitgenössische Anspielungen den Auftritt des Pförtners gestaltet.
4. Funktionen der Pförtnerszene: Dieser Abschnitt untersucht die dramaturgische Notwendigkeit sowie die psychologische Bedeutung der Szene für das Gesamtverständnis des Dramas.
5. Filmische Umsetzungen: Eine Analyse von vier Beispielverfilmungen verdeutlicht, wie sich die Interpretation und Darstellung der Szene über Jahrzehnte gewandelt hat.
6. Schluss: Die Pförtnerszene - Herausforderung für Film und Theater: Das Fazit fasst zusammen, warum die Szene für den Erfolg und das Verständnis von Macbeth unverzichtbar ist.
Schlüsselwörter
Shakespeare, Macbeth, Pförtnerszene, Theater, Komik, Dramatik, Equivocation, Filmumsetzung, Charakterisierung, Rezipient, elisabethanisches Theater, Ständesatire, Schuld, Böses, Theaterwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Funktion und den Aufbau der Pförtnerszene in Shakespeares Macbeth sowie die Art und Weise, wie diese Szene in verschiedenen Filmproduktionen interpretiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dramaturgie Shakespeares, der historischen Einordnung komischer Figuren, der Wirkung auf den Zuschauer und dem Transfer der Szene in moderne Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob die Szene mehr als nur eine humoristische Verschnaufpause ist und welchen Beitrag sie zur Charakterisierung des Protagonisten Macbeth leistet.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse unter Berücksichtigung historischer Quellen sowie einer vergleichenden Filmanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der komischen Elemente, die dramaturgische Funktion der Szene, ihre Bedeutung für die Hauptfigur und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Umsetzung im Film.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Equivocation", "Ständesatire", "Tragic Ambivalence" und die Rolle des elisabethanischen Narren.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Szene auf das Macbeth-Bild?
Der Autor argumentiert, dass die Szene durch den Kontrast zum Mörder Macbeth den Zuschauer dazu zwingt, das Geschehen zu reflektieren und den Protagonisten nicht rein monströs, sondern menschlich-ambivalent wahrzunehmen.
Welchen Stellenwert nimmt die "equivocation" in der Analyse ein?
Das Motiv der "equivocation" (Doppelzüngelei) wird als zentrales Element identifiziert, das durch den Pförtner mit der realen, politischen Welt der elisabethanischen Zeit verknüpft wird.
Wie beurteilt der Autor die Entwicklung der Filmumsetzungen?
Der Autor beobachtet eine Tendenz zur moderneren, mutigeren Inszenierung, bei der der Pförtner nicht mehr als unwichtige Randfigur behandelt wird, sondern als Brücke zum Publikum dient.
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- Fabian Vierbacher (Author), 2005, Die Pförtnerszene in Shakespeares Macbeth (II, 3): Funktion, Aufbau und filmische Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40453