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Sex and Crime - Der Tod des Sardanapal von Eugène Delacroix

Title: Sex and Crime -  Der Tod des Sardanapal von Eugène Delacroix

Term Paper , 2005 , 12 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Matthias Haase (Author)

Art - Painting
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Summary Excerpt Details

Das Gemälde „La mort de Sardanapale“1 des französischen Malers Eugène Delacroix zählt zu den brisantesten Bildern der Kunstgeschichte. Es entsteht 1827 in Frankreich an der Schwelle zwischen Klassizismus und Romantik. „Der Tod des Sardanapal“ bezieht sich auf Byrons Drama „Sardanapalus“ aus dem Jahr 1821 und zeigt das Ende des assyrischen Herrschers Sardanapal dessen Palast von Aufständischen belagert wird. In seiner Erwartung der bevorstehenden eigenen Ermordung durch die Eindringlinge lässt Sardanapal alle seine Reichtümer zerstören und seine Frauen umbringen. Das großformatige Gemälde fügt sich in den Kontext einer sich herausbildenden romantischen Schule Frankreichs, bei der die subjektiven psychischen Zustände des Künstlers in sinnbildlichen Aspekten wie Hölle, Nacht und Traum zum Anlass und zum Thema künstlerische r Auseinandersetzung werden um dabei den idealisierten Helden aus dem formalen und inhaltlichen Bildzentrum zu vertreiben. Das Bild benennt die Geburtsstunde einer Malerei, bei der die Farbe selbst konkreter wird und zum Bildausdruck bzw. Bildinhalt heranwächst. Der klassizistische, plastisch theatralische Bildraum2 und seine illustrative Gegenständlichkeit werden im Werk von Eugène Delacroix in radikaler Weise zu Gunsten der bevorzugten Rangstellung der Farbe zerstört. Die Bilder „Dante-Barke“3 von 1822 und das „Massaker von Chios“ aus dem Jahr 1824 gehen dem Bild „Der Tod des Sardanapal“ voraus. Parallel dazu entstehen Delacroix` „Faust Illustrationen“ in den Jahren 1824 bis 1827. Etwas später malt er „Die Freiheit führt das Volk“. Nachdem „Der Tod des Sardanapal“ 1827 im Salon auf großes Entsetzen und kollektive Ablehnung stößt, wird das Bild erst wieder 1862 ausgestellt und schließlich 1921 vom Louvre in Paris angekauft, wo es heute zu sehen ist. 1 Vgl. Abb. 4 im Anhang. 2 Vgl. Abb. 1 im Anhang. Jean-Auguste-Dominique Ingres, „Der Tod Leonardo des Vincis“, 1818 3 Vgl. Abb. 3 im Anhang.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die verstrickte Psyche

3. Zerstörung und Zwiespalt

4. Organisation des Bildraums

4.1. Dramatisches Chaos

4.2. Orientierungslosigkeit

4.3. Vernetzung

5. Netzwerk Farbe

5.1. Freisetzung der Farbe

5.2. Neue Erfahrung des Sehens

6. Fiktion und Utopie

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Gemälde „Der Tod des Sardanapal“ von Eugène Delacroix als wegweisendes Werk der Romantik, das durch die Emanzipation der Farbe von der gegenständlichen Illustration einen neuen, psychologisch aufgeladenen Bildraum schafft. Die zentrale Forschungsfrage widmet sich dabei der Art und Weise, wie Delacroix durch die bewusste Destabilisierung klassizistischer Kompositionsprinzipien und den Einsatz einer autonomen Farbdramaturgie subjektive Konfliktpotenziale wie Macht, Ohnmacht, Erotik und Tod unmittelbar erfahrbar macht.

  • Die Analyse der psychologischen Dimensionen von Romantik und Individuum.
  • Die formale Untersuchung der Bildorganisation und die Abkehr vom bühnenhaften Illusionsraum.
  • Die Bedeutung der „Freisetzung der Farbe“ als eigenständiges Argument und Ausdrucksmittel.
  • Die Funktion des Orientalismus als Projektionsfläche für gesellschaftliche Widersprüche.
  • Die Transformation der Malerei vom illustrativen Zeichensystem zur Fiktion und Utopie.

Auszug aus dem Buch

4. Organisation des Bildraums

Das Gemälde erschlägt den Betrachter auf den ersten Blick, da es von mächtigem und gewalttätigem Chaos beherrscht wird. Ineinander stürzende Ereignisse und zahlreiche Teilszenen umgeben das ruhende Bildzentrum mit der prunkvollen roten Liege des Herrschers. Die Heldenfigur Sardanapal selbst ist aus dem Zentrum an die linke obere Bildecke in den Bildhintergrund herausgerückt. Er sieht in melancholischer Manier dem reißenden Strom aus umherwirbelnden Gegenständen passiv zu. Was ihm bleibt ist das Nachdenken über sich, seine Umwelt und über seinen unweigerlich bevorstehenden Tod.

Die Diagonalkomposition, die sich von der linken oberen Ecke, wo sich der Herrscher Sardanapal aufhält, bis nach rechts unten ausdehnt, trägt die ereignisreiche Flut aller wichtigen Teilszenen des Bildes. Im vorderen rechten Bildteil begegnen wir dem Mord einer nackten Frau, die von einem Orientalen aus dem Hinterhalt mit einem Dolch erstochen wird. Daneben im vorderen linken Bildabschnitt erfasst das gleiche Schicksal einen wertvollen weißen Schimmel, der von einem schwarzen Afrikaner getötet wird. Darüber ereignen sich weitere Todesszenen. Eine Frau mit ausgebreiteten Armen liegt ohnmächtig auf der prunkvollen Liege, dem Herrscher zu Füßen. Schmuck und Besitztümer werden zerstört noch bevor die Aufständischen in den Palast eindringen können um Sardanapal zu töten. Im Hintergrund des Bildes, in der oberen rechten Ecke, ahnt man bereits das Unheil herannahen. Der umkämpfte Palast wird von Rauchschwaden und Feuer umhüllt. Alles Szenen des Bildes scheinen sich im freien unaufhaltsamen Fall zu befinden – das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung bettet das Werk „Der Tod des Sardanapal“ in den historischen Kontext der Romantik ein und skizziert die radikale Abkehr Delacroix’ von klassischen Traditionen zugunsten einer eigenständigen Farbsprache.

2. Die verstrickte Psyche: Das Kapitel untersucht die psychologische Dimension des Gemäldes, in dem Delacroix das Motiv des Sterbens als Spiegelbild verborgener Ängste und menschlicher Widersprüchlichkeiten reflektiert.

3. Zerstörung und Zwiespalt: Hier wird analysiert, wie Delacroix das „Massaker“-Motiv nutzt, um bestehende klassizistische Kunstauffassungen zu hinterfragen und gesellschaftliche Konflikte durch den orientalistischen Kontext zu kanalisieren.

4. Organisation des Bildraums: Dieser Abschnitt beschreibt die visuelle Komposition des Bildes, die durch ein dramatisches Chaos und die bewusste Negierung eines stabilen, perspektivischen Raumes gekennzeichnet ist.

5. Netzwerk Farbe: Die Ausführungen konzentrieren sich auf die „energetische Kraft“ der Farbe, die sich vom Objekt löst und durch ein rhythmisches Farbsystem das gesamte Bildgeschehen strukturiert.

6. Fiktion und Utopie: Das abschließende Kapitel erläutert, wie das Gemälde durch die Etablierung eines bildimmanenten Zeichensystems den Betrachter zur Imagination anregt und eine neue, utopische Form der Seherfahrung ermöglicht.

Schlüsselwörter

Eugène Delacroix, Der Tod des Sardanapal, Romantik, Klassizismus, Bildraum, Farbdramaturgie, Orientalismus, Psychologie, Zerstörung, Erotik, Malerei, Bildorganisation, Imagination, Fiktion, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit analysiert das Gemälde „Der Tod des Sardanapal“ von Eugène Delacroix und untersucht, wie der Künstler durch die Befreiung der Farbe vom Gegenstand die Grenzen der klassischen Malerei überschreitet.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Tiefe der Romantik, der bewussten Destabilisierung des Bildraums und der Funktion von Farbe als eigenständigem Ausdrucksmittel.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Delacroix durch formale Innovationen und inhaltliche Provokation neue Wege für die Malerei ebnete und den Betrachter zur aktiven Imagination anregte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Es handelt sich um eine kunsthistorische Bildanalyse, die formale Kompositionsmerkmale in den historischen und psychologischen Kontext der französischen Romantik einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der psychologischen Motivationen, der räumlichen Organisation des Bildes sowie der revolutionären Behandlung der Farbe als tragendes Element der Bildstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Farbe, Bildraum, Romantik, Psychologie, Orientalismus, Zerstörung, Fiktion und Delacroix.

Wie unterscheidet sich Delacroix’ Arbeitsweise von der seines Zeitgenossen Ingres?

Während Ingres als Vertreter des Klassizismus an einem ordnenden, bühnenartigen Illusionsraum festhielt, negiert Delacroix diese Stabilität bewusst, um eine flächige, energetische Farbdramaturgie zu erreichen.

Welche Rolle spielt der „Orientalismus“ in dem analysierten Gemälde?

Der Orientalismus dient dem Künstler als notwendige Projektionsfläche, um Themen wie exzessive Erotik und Gewalt, die in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts tabuisiert waren, künstlerisch zu verhandeln.

Inwiefern ist der „Tod des Sardanapal“ laut dem Autor als „gemaltes Drama“ zu verstehen?

Das Bild illustriert die Erzählung nicht bloß, sondern erzeugt durch die energetische Führung von Farbe und Linie eine „dramatische Qualität“, die das Werk in den Bereich einer abstrakten Fiktion und eines Traumbildes hebt.

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Details

Title
Sex and Crime - Der Tod des Sardanapal von Eugène Delacroix
College
Dresden Academy of fine arts  (Kunstgeschichte)
Course
Eugène Delacroix
Grade
2,0
Author
Matthias Haase (Author)
Publication Year
2005
Pages
12
Catalog Number
V40475
ISBN (eBook)
9783638389846
Language
German
Tags
Crime Sardanapal Eugène Delacroix Eugène Delacroix
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Haase (Author), 2005, Sex and Crime - Der Tod des Sardanapal von Eugène Delacroix, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40475
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