Der Weg des Fußballs um die Welt. Internationale Fußballturniere bis 1945. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
24 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Die Voraussetzungen für internationale Fußballturniere
2.1 Die Verbreitung des Fußballs in der Welt
2.2 Die Gründung nationaler Verbände und der FIFA
2.3 Erste Länderspiele und internationale Wettbewerbe

3 Internationale Fußballturniere
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Die Genese olympischer Fußballturniere bis 1920
3.2.1 Paris und St. Louis – Ein erster Versuch
3.2.2 Von London bis Antwerpen – Fußball mit Turniercharakter
3.3 Erfolgreiche Fußballturniere bei Olympia 1924 bis 1936
3.3.1 Paris und Amsterdam – „Echte“ WM-Vorläufer
3.3.2 Fußball in Berlin – Ein letztes „Aufflackern“
3.4 Die WM-Turniere bis 1938
3.4.1 Die WM wird beschlossen
3.4.2 Uruguay 1930 – Ein Auftakt mit Hindernissen
3.4.3 Italien 1934 – Fußball als Instrument der Politik
3.4.4 Frankreich 1938 – Südamerikaner boykottieren

4 Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Der Fußball ist heute ein globaler Sport. Die FIFA zählte im Jahr 2000 in ihren 204 Verbänden 242 Millionen (Vereins-)Spieler, was etwa 4,1% der Weltbevölkerung entspricht. Die Fußballweltmeisterschaft ist nach den Olympischen Spielen das bedeutendste Sportereignis weltweit, allein bei der letzten WM-Endrunde wurden 28,8 Milliarden Fernsehzuschaltungen gezählt.

Aber diesen Stellenwert musste sich das Turnier hart erkämpfen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diesen „Kampf“ darzustellen. Es soll gezeigt werden, wie das WM-Turnier entstand und wie es sich etablierte.

Im ersten Teil werden die wichtigsten Voraussetzungen dafür dargelegt. Es wird gezeigt, wie der Fußball von England aus um die Welt ging. Weiterhin werden die nationalen Verbandsgründungen und die Gründung der FIFA angerissen, die für internationale Spiele von Bedeutung waren. Außerdem wird ein Überblick über die ersten Länderspiele gegeben, die jedoch noch Einzelereignisse waren.

Dieser Teil soll dem Leser einen kurzen Überblick zur Ausgangssituation geben.

Im zweiten Abschnitt, dem Schwerpunkt der Arbeit, wird die Entstehung der WM beschrieben. Da diese über die olympischen Fußballturniere ging, wird die Entwicklung des olympischen Fußballs erläutert. Die FIFA, die ein steter Begleiter dieser Turniere war, soll dabei stets im Auge behalten werden. Es werden dabei jedoch keine Turnier- oder gar Spielberichte gegeben, sondern es sollen Probleme und markante Einschnitte in der Entwicklung gezeigt werden.

Die Betrachtung wird mit dem letzten Vorkriegsturnier 1938 abgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt war das WM-Turnier etabliert und der olympische Fußball hatte endgültig an Bedeutung verloren.

2 Die Voraussetzungen für internationale Fußballturniere

2.1 Die Verbreitung des Fußballs in der Welt

Als „Erfinder und Exporteur“ des modernen Fußballs gilt zweifellos und zu Recht England. Von dort aus begann das Spiel seinen Siegeszug um die Welt. In diesem Kapitel soll überblicksartig gezeigt werden, wie dies vonstatten ging und wo und warum sich der Fußball etablieren konnte bzw. wo und warum nicht.

Der Fußball breitete sich, wie Schulze-Marmeling (zuletzt 2004, S. 11) mehrfach betont, binnen nur einer Generation global aus. Als verantwortlich dafür sieht er die Existenz des britischen Empires – etwa ein Drittel des Weltterritoriums war unter direkter britischer Kontrolle. Aber auch die vom Empire politisch unabhängigen Territorien standen mit Britannien im Kontakt. Es wurde Handel betrieben, britische Unternehmen produzierten dort, britische Techniker, Ingenieure, Angestellte oder Studenten lebten und arbeiteten in weiten Teilen der Erde. Die englische Kultur wurde in nahezu jeden Winkel der Welt getragen und mit ihr der Fußball. Unterstützt wurde dieser Kulturtransfer v.a. von den Erfindungen der Zeit im Bereich des Verkehrswesens: Die Dampfschifffahrt, die Erfindung der Eisenbahn und später des Autos waren die Garanten für jedwede Globalisierung.

Im kontinentalen Europa war das erste dem Fußball zugewandte Land die Schweiz. Die vielen dort lebenden Briten machten das Spiel populär und bescherten den Eidgenossen den Ruf, talentierte Spieler und Trainer zu haben, die jedoch i.d.R. in Frankreich oder Italien tätig waren (vgl. Schulze-Marmeling, 2000, S. 48).

Auch Dänemark, das enge ökonomische Beziehungen zu England unterhielt, ist eines der Länder, das sich des Fußballs schnell annahm. Die Dansk Boldspil Union, die im Mai 1889 gegründet wurde, war der erste nationale Fußballverband außerhalb Großbritanniens. In den Niederlanden, in denen im selben Jahr ein Verband gegründet wurde, erhielt der Fußball einen Schub in der Boomphase der Textilindustrie, in der viele britische Arbeiter angeworben wurden (vgl. Schulze-Marmeling, 2000, S. 48).

Allgemein ist festzustellen, dass die ersten Fußballteams in Europa auf Initiative dort ansässiger Briten entstanden. Das geschah v.a. in den Seehafenstädten im Mittelmeer-, Nord- und Ostseeraum sowie in der Schweiz.

Südamerikas erste Fußballhochburg war Buenos Aires. Die Stadt war die größte britische Gemeinschaft[1] außerhalb des Empires und die Briten, Argentiniens wichtigster Handelspartner, brachten neben Golf, Polo, Rudern und Rugby auch den Fußball mit in die neue Heimat. Bereits 1867 wurde mit dem Buenos Aires FC der erste Fußballklub Südamerikas gegründet, dessen Mitglieder jedoch bald zum Rugby konvertierten. 1893 wurde der Argentinische Fußballverband ins Leben gerufen, der sich der FA anschloss. Die Tatsache, dass Englisch bis 1906 die offizielle Verbandssprache war, zeigt die enge Verbundenheit des argentinischen Fußballs mit dem Englands.

Während sich der Fußball in Uruguay ähnlich schnell verbreitete, ging die Entwicklung in Brasilien langsamer vonstatten. An der Verbreitung des Spiels waren nicht nur Engländer beteiligt und so kam es erst 1895 in Sao Paulo zum ersten Spiel in Brasilien (vgl. Schulze-Marmeling, 2000, S. 55-57).

Das erste Fußballmatch auf afrikanischem Boden fand wohl 1841 in Nigeria statt. Zur ersten afrikanischen Fußballkapitale wurde jedoch Kairo. Mit der Ankunft der britischen Besatzungsmacht 1882 erhielt auch das runde Leder Einzug in Ägypten.

Aufgrund seiner großen Kolonialgebiete und dem damit erwachsenen Einfluss war aber Frankreich der führende „Fußballmissionar“ auf dem schwarzen Kontinent. Der afrikanische Fußball war, ab den 1920er Jahren durch die französische Regierung unterstützt, eng mit dem Frankreichs verzahnt.

Fußball war also ein britisches „Exporterzeugnis“, ein Fremdkörper in den (Sport-) Kulturen der Länder. Dennoch sind „für den Verdacht eines ,Kulturimperialismus’ keine Anhaltspunkte“ gegeben (Eisenberg, 1997, S. 12). Der Import von Soccer, so wurde der Association-Football seit etwa 1890 genannt, war vielmehr nachfrage-gesteuert. Konflikte mit traditionellen Volksspielen gab es in den genannten Regionen nicht, weil zur Zeit der Etablierung des Fußballs derartige Spiele nicht mehr existent waren (vgl. Eisenberg, 1997, S. 12).

In Ländern, in denen sich einheimische Spiele entwickelt hatten oder sich zu entwickeln im Begriff waren, vermochte der Fußball diese nicht abzulösen. So wurde in den USA, in Australien, Neuseeland, Südafrika oder Kanada trotz der seiner Zeit z.T. engen Bindung an England der Fußball bis heute nicht wirklich populär.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Fußball v.a. dort ausbreitete und etablierte, wo Briten lebten und arbeiteten. Wo hingegen der britische Herrschaftsapparat und damit die britische Oberschicht direkt präsent waren, wurden eher „herrschaftliche Spiele“ wie Cricket oder Rugby gespielt (vgl. Schulze-Marmeling, 2000, S. 46-47). Außerdem wirkten vorhandene traditionelle Sport- und Spielarten hemmend[2] oder sie machten eine Entfaltung des Fußballs unmöglich.

2.2 Die Gründung nationaler Verbände und der FIFA

Eine wichtige Voraussetzung zum Durchführen von Länderspielen und damit zur Organisation von internationalen Turnieren war die Gründung von nationalen Fußballverbänden. Den Anfang machten, natürlich, die Engländer mit der Gründung der Football Association (FA) am 26. Oktober 1863 in London. Damit war es möglich, allgemein gültige Regeln zu schaffen[3]. Die im „Bell’s Life“ veröffentlichten Regeln, nach denen das „Hacking“, Beinstellen und das Tragen des Balles verboten waren, stellten den endgültigen Bruch zwischen dem Association-Football und Rugby dar (vgl. Mason, 1997, S. 26). Die Verbandsgründungen in Schottland (1873), Wales (1876) und Irland (1880) folgten wenig später.

1882 schlossen sich die vier britischen Verbände zum International FA Board (IFAB) zusammen, um sich über Spielregeln abzustimmen und Spiele zwischen den Verbänden auszutragen.

In den folgenden Jahren wurden nationale Verbände überall auf der Welt gegründet[4]: in den Niederlanden und Dänemark (1889), in Neuseeland (1891) und Argentinien (1893), so dass mit der Gründung des DFB im Jahre 1900 weltweit 14 nationale Fußballverbände existierten.

Wenngleich England als „Erfinder“ des modernen Fußballs für die Verbreitung desselben in der Welt verantwortlich war (siehe Kapitel 2.1), so trug es zur weltweiten Organisation nichts bei. Diesbezüglich ging die Initiative von Frankreich aus. Mit dem Ziel des Gedankenaustausches zwischen den Verbänden wurde am 21. Mai 1904 in Paris die FIFA (Federation Internationale de Football Association) gegründet. V.a. das Bedürfnis nach internationalen Ländervergleichen, für die eine einheitliche Basis geschaffen werden sollte, dürfte der Ansporn gewesen sein (vgl. Grüne, 2002, S. 9). Der Aktionsradius der FIFA beschränkte sich zunächst jedoch auf Europa. Dessen ungeachtet und vom europäischen Fußball kaum wahrgenommen wurde 1916 in Südamerika die CONMEBOL (Confederacion Sudamericana de Fútbol), der erste Regionalverband der Welt gegründet.

Die weltumspannende Tätigkeit der FIFA, die Zeit ihres Bestehens die FA-Regeln anerkannte und um die aktive Teilnahme der britischen Verbände bemüht war, begann nach dem Ersten Weltkrieg. Der Einfluss auf die Fußballturniere der Olympischen Spiele und auf die nationalen Dachverbände stieg und die Ausrichtung eines eigenen internationalen Turniers wurde möglich.

2.3 Erste Länderspiele und internationale Wettbewerbe

Das moderne Fußballspiel entwickelte in Großbritannien bereits in einer frühen Phase seiner Geschichte eine internationale Dimension. So wurde zum ersten internationalen Fußballspiel überhaupt am 5. März 1870 angepfiffen. Wohlhabende Engländer und Schotten aus der Umgebung von London folgten der Einladung des Generalsekretärs der FA (vgl. Mason, 1997, S. 30). Das erste offizielle Länderspiel, ebenfalls zwischen England und Schottland ausgetragen, endete am 30. November 1872 in Glasgow vor 4.000 Zuschauern 0:0. Dieser Vergleich wurde im Übrigen bis 1990 jedes Jahr geführt.

Nach einigen Spielen zwischen den britischen Verbänden war der Fußball des Vereinigten Königreiches bereit für den ersten internationalen[5] Wettbewerb. Das Turnier um die Britische Meisterschaft wurde von den vier Verbänden von 1883 bis 1984 regelmäßig durchgeführt (vgl. Schulze-Marmeling & Dahlkamp, 2004, S. 13).

Offensichtlich waren den Briten diese Vergleiche wichtiger als die Kontakte mit anderen Ländern. Zwar wurden bereitwillig Kopien der FA-Regeln in die Welt verschickt und britische Teams tingelten durch europäische Stadien, „doch die Distanz und Selbstbezogenheit der FA war unverkennbar“ (Mason, 1997, S. 31).

So waren auch die ersten Länderspiele auf dem Kontinent, zunächst noch inoffiziell, gegen englische oder schottische Auswahlmannschaften. Die erste jener Partien fand 1899 in Deutschland auf Betreiben Walter Bensemanns statt. Im April 1901 wurde dann das erste Länderspiel in Europa ohne britische Beteiligung ausgetragen. Bei diesem inoffiziellen Spiel in Wien konnte der Gastgeber die Schweiz mit 4:0 bezwingen. Als erstes offizielles Länderspiel auf dem europäischen Festland gilt die Begegnung zwischen Österreich und Ungarn vom 12. Oktober 1902 in Wien. De facto liefen jedoch Stadtauswahlen aus Wien und Budapest auf, die sich 5:0 trennten (vgl. Schulze-Marmeling & Dahlkamp, 2004, S. 13).

[...]


[1] 1890 lebten ca. 40.000 Briten in Buenos Aires.

[2] So anfänglich der Radsport und die Gymnastik in Frankreich und das Turnen in Deutschland.

[3] Zuvor hatte jede Public School ihre eigene Regelauslegung, was zu Komplikationen bei Vergleichswettkämpfen führte.

[4] Hier sollen nur die jeweils ersten Verbände ihres Kontinents genannt werden.

[5] Es handelt(e) sich zwar um vier Nationen, jedoch um nur einen Staat. Entgegen der seiner Zeit nicht unüblichen Vorgehensweise, dass Nationalmannschaften von Nationen aufgestellt wurden, werden die Begriffe international und interstaatlich heute synonym verwendet. Lediglich Großbritannien ist es noch gestattet, mehrere Mannschaften zu führen. Hierbei wird der historischen Entwicklung Rechnung getragen.

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Details

Titel
Der Weg des Fußballs um die Welt. Internationale Fußballturniere bis 1945. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Sportwissenschaft)
Note
gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V40484
ISBN (eBook)
9783638389891
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung internationaler Fußballturniere, insbesondere der Turniere der Olympischen Spiele und der WM-Turniere bis zum Jahre 1945. Teil 1 wurde von einem Kommilitonen bearbeitet.
Schlagworte
Fußballs, Welt, Internationale, Fußballturniere, Weltmeisterschaften, Olympische, Spiele
Arbeit zitieren
Tobias Jantz (Autor), 2005, Der Weg des Fußballs um die Welt. Internationale Fußballturniere bis 1945. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40484

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