Die Figur Amalia in Franz Kafkas Roman "Das Schloss"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

18 Seiten, Note: gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der “Schloss”- Roman
2.1 Entstehung
2.2 Inhalt

3. Die Figur Amalia

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

Franz Kafkas “Schloss”- Roman

Thema: Die Figur Amalia

1. Einleitung

Ja, K. “benützt” die Frauen als Werkzeug.[1]

[...], so suchen sich die K. s ihrerseits Trümpfe zu

verschaffen, indem sie sich an einflußreiche Frauen

klammern.[2]

Im Mittelpunkt der Hausarbeit steht die Figur Amalia, die durch ihre besondere und ungewöhnliche Art hervortritt. Die meisten Gesprächspartner des Romanhelden K., die ihn mehr oder weniger beeinflussen und zu denen er im Verlauf des Romans Vertrauen bildet, sind Frauen. Mit Ausnahme der Amalia, dienen ihm diese Frauen als unverzichtbare Informationsquelle. Wie auch das Zitat besagt, werden die Frauen von K. tatsächlich als Mittel zum Zweck benutzt, da der Protagonist von diesen Frauen vermutet, eine Beziehung zum Schloss zu haben und somit ein Mittel darzustellen, mit dessen Hilfe er in das so ersehnte Schloss gelangen kann. Doch eine Frauenfigur entspricht nicht diesem Frauenbild des Protagonisten, es ist Amalia. Amalia ist die einzige Frauenfigur im Roman, die -verglichen mit den anderen Frauenfiguren- aus der Sicht des Protagonisten ein für die Dorfmädchen ungewöhnliches Verhalten aufzeigt und einen seltsamen Charakter zu besitzen scheint. Sie ist ebenso die einzige Frau im Dorf, die keine Beziehungen zum Schloss aufweisen kann, diese auch nicht anstrebt.

Die folgenden Fragen sollen als Leitfragen den Schwerpunkt der Hausarbeit bilden:

Wie ist Amalias Verhalten und Auftreten zu charakterisieren und welche sind die Ursachen ihres Verhaltens? In welcher Beziehung steht Amalia zum Protagonisten K.? Welches angebliche Geheimnis hat sie? Welche Rolle hat Amalia in der Familie und welche Rolle spielt ihre Familie im Dorf?

Da auf die Darstellung des Romanverlaufes nicht verzichtet werden kann, wird dieser vorerst widergegeben.

2. Der “Schloss”- Roman

2.1 Die Entstehung

Franz Kafkas Roman “Das Schloss” entstand -wie viele seiner literarischen Versuche[3] dank einer Lebenskrise[4]. Viele seiner Werke hatten für Franz Kafka in seinen schweren Tagen eine therapeutische Funktion[5]. Das Schreiben war für Kafka eine Befreiung von seinem elenden Leben[6] und eine Flucht in eine scheinbar andere Welt, die in Wirklichkeit keine andere als seine eigene Welt war, mit der er sich auf diese Weise auseinandersetzte, denn in seinen Werken sind z.T. auch Personen, Ereignisse, Zustände etc. wiedergegeben, die auch in gleicher Weise Kafkas Leben beeinflussten. Es kann aber lange nicht aus diesem Grund von einer Identifikation zwischen Autor und den Figuren seiner Werke gesprochen werden.

Franz Kafka begann seinen Roman vermutlich im Jahre 1922 zu schreiben als er zu einer vierwöchigen Kur nach Spindelmühle im Riesengebirge[7] ging. In diesen Tagen schien das Schreiben für Kafka ein Trost[8] zu sein, der ihm einerseits Befreiung, Abwechslung und Lebenssinn schenkte, aber andererseits, da er von Kafka als vielleicht gefährlicher Trost[9] bezeichnet wurde, er ihn letztendlich in seine verzweifelte Situation hineingetrieben hatte.[10]

Franz Kafka begann den “Schloss”- Roman 1922 zu schreiben, beendete ihn aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht, so dass der begonnene Roman Fragment blieb.[11] 1926 veröffentlichte Max Brod - ein enger Freund- den Roman nach mehrmaligem Bearbeiten des Manuskriptes, obwohl Franz Kafka in einem Testament alles, was an >>Geschriebenem<< von ihm vorliege [...] zu zerstören[12] befahl bzw. bat.

2.2. Der Inhalt

Der Protagonist des Romans, über dessen Existenz der Leser sehr wenig erfährt; ist ein junger Mann namens K. , der angeblich den Beruf des Landvermessers ausübt.

Die Erzählung wird aus der Sicht eines anonymen Erzählers berichtet und setzt mit der Ankunft des Romanhelden K. in ein ebenso unbekanntes Dorf ein, wo er sich als Landvermesser ausgibt, den der Graf hat kommen lassen.[13] Von den Dorfbewohnern wird daraufhin eine gräfliche Aufenthaltserlaubnis verlangt, die K. vorerst nicht zeigen kann, nach einem Telefonat in das “mysteriöse” Schloss jedoch jenes Problem gelöst zu sein scheint. Das Schloss hatte ihn also zum Landvermesser ernannt,[14] jedoch zu K.`s Verwunderung.

Doch dem Landvermesser, dem nun durch das Schloss zwei Gehilfen zugewiesen werden, bleibt der Zutritt in das Schloss dennoch weder morgen noch ein anderesmal verweigert. Von einem Boten des Schlosses namens Barnabas wird dem Fremden K. ein Brief überreicht, dessen Absender der Vorstand der X. Kanzlei, ein Herr namens Klamm, ist. In dem Brief wird deutlich bestätigt, dass der Adressat in die herrschaftlichen Dienste aufgenommen[15] sei. K., dem in dieser Zeit der Zugang zum Schloss wichtiger erscheint als alles andere, bildet zu dem ihm zugeteilten Boten Barnabas Vertrauen und schliesst sich diesem an bei seinem Weg nach Hause, mit der Hoffnung, Barnabas sei eng mit dem Schloss verbunden[16]. Doch zu seiner Enttäuschung wurde ihm ein Bote zugeteilt, der bezeichnender Weise nicht einmal im Schloss schlafen durfte.[17] Stattdessen lernt K. die Familie des Barnabas kennen, die ihn zu Beginn nicht im geringsten bekümmert. K. erfährt, dass Klamm im Herrenhof, dem Wirtshaus der Schlossbeamten, übernachtet. Dort lernt er Frieda, die Geliebte Klamms und Ausschankmädchen kennen und erlebt eine Liebesnacht mit ihr. Daraufhin verlässt Frieda den Herrenhof und damit ihren Geliebten Klamm und zieht mit K. in das Wirtshaus ein. Er gibt den Gedanken kund, Frieda heiraten zu wollen und zwar sehr bald.[18] Doch zuvor hat er vor mit Klamm über Frieda zu sprechen, doch diese Möglichkeit scheint als unmöglich, da Klamm ein Herr aus dem Schloss[19] und K. ein Fremder ist. Um Klarheit zu verschaffen, geht K. zunächst zum Vorsteher, von dem er jedoch erfährt, dass im Dorf mit Sicherheit kein Landvermesser benötigt wird. Aus diesem Grund wird K. vom Vorsteher vorläufig die Stelle eines Schuldieners[20] angeboten, die er auf Friedas Drängen hin schliesslich annehmen muss. Währenddessen sucht K. weiter nach einer Gelegenheit Klamm sprechen zu können, so wartet er stundenlang in der Kälte auf ihn und gibt das Warten ohne Erfolg auf.

Erneut erhält K. von Klamm einen Brief, in dem er die landvermesserischen Arbeiten, die [K.] bisher ausgeführt[21] [hat], lobt. K. hält das Lob als Missverständnis, schickt Klamm ebenfalls einen Brief, in dem er um ein Gespräch mit Klamm bittet. Als K. zu Barnabas geht um nach der Antwort Klamms zu fragen, führt er ein Gespräch mit Amalia, der Schwester Barnabas, die anfangs unfreundlich und streng auf ihn wirkte. Olga, die älteste Schwester des Boten Barnabas klärt K. über das Schicksal ihrer Familie auf. Sie berichtet, dass Amalias Verweigerung, nämlich der Aufforderung eines Schlossbeamten in das Herrenhof zu ihm zu kommen, über ihre Familie Unglück gebracht habe. Den Brief des Beamten an Amalia, in dem u.a. die Aufforderung des Beamten in den gemeinsten Ausdrücken gehalten[22] waren, zerriss Amalia an jenem morgen und warf die Fetzen dem Mann draußen [d.h. dem Boten] ins Gesicht.[23] Von diesem entscheidenden Morgen[24] an überfiel das Unglück die Familie, u.a. musste die Familie ihr Haus verlassen. Es folgten daraufhin verzweifelte Bittgänge der Familienmitglieder zum Schloss, um Vergebung zu erlangen. Doch da vom Schloss aus gegen die Familie “nichts” vorlag und aus diesem Grund es auch “nichts” zu vergeben gab, blieben alle Versuche erfolglos.

Während sich K. bei den Barnabas aufhält, kehrt Frieda aus diesem Grund in ihren Ausschank zurück. Sie teilt K. mit, dass sie ihn nicht mehr heiraten möchte. Das Romanfragment endet damit, dass Gerstäcker, der Fuhrmann, in die Wirtsstube hineintritt und K. mitnimmt, mit der Begründung bzw. Ausrede, K. werde bei ihm arbeiten. Doch K. durchschaut diesen. Gerstäcker glaubt, dass K. bei Erlanger -einem Schlossbeamten- etwas für Gerstäcker durchsetzen kann. Mit dem Eintritt K.`s in die Hütte des Gerstäckers und der vom Autor auf die Mutter des Gerstäckers gelenkten Aufmerksamkeit endet das Manuskript vollständig.

Im Nachwort zur ersten Ausgabe hat Max Brod, der enge Freund Kafkas, den geplanten Ausgang des Romans folgendermaßen beschrieben:

Ein Abschlußkapitel hat Kafka nicht geschrieben. Doch er hat es mir einmal auf meine Frage, wie der Roman enden würde, erzählt. Der angebliche Landvermesser erhält wenigstens teilweise Genugtuung. Er läßt in seinem Kampf nicht nach, stirbt aber vor Entkräftung. Um sein Sterbebett versammelt sich die ganze Gemeinde, und vom Schloß langt eben die Entscheidung herab, daß zwar ein Rechtsanspruch K.`s im Dorfe zu wohnen, nicht bestand- daß man ihm aber doch mit Rücksicht auf gewisse Nebenumstände gestatte, hier zu leben und zu arbeiten.[25]

[...]


[1] Martin Walser: Beschreibung einer Form. Carl Hanser Verlag. München: 1961. S. 60.

[2] Ebd. S. 58.

[3] Franz Kafka: Das Schloss. Reclam Verlag. Stuttgart: 1999. S. 337.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd. S. 338.

[7] Ebd. S. 342.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd. S. 347.

[12] Ebd. S. 348.

[13] Ebd. S. 8.

[14] Ebd. S. 10.

[15] Ebd. S. 28.

[16] Ebd. S. 37.

[17] Ebd.

[18] Ebd. S. 53.

[19] Ebd. S. 58.

[20] Ebd. S. 99.

[21] Ebd. S. 129.

[22] Ebd. S. 206.

[23] Ebd.

[24] Ebd. S. 207.

[25] Franz Kafka: Die Romane Amerika. Der Prozeß. Das Schloß. Lizenzsausgabe. Deutscher Bücherbund. Stuttgart

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Figur Amalia in Franz Kafkas Roman "Das Schloss"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V40489
ISBN (eBook)
9783638389945
ISBN (Buch)
9783640379330
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Figur, Amalia, Franz, Kafkas, Roman, Schloss
Arbeit zitieren
Özlem Aydin (Autor), 2002, Die Figur Amalia in Franz Kafkas Roman "Das Schloss", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40489

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