Die Problematik der Linkshändigkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Linkshändigkeit
1.1 Definitionen
1.2 Linkshändigkeit aus wissenschaftlicher Sicht
1.2.1 Das menschliche Gehirn
1.2.2 Die zwei Gehirnhälften
1.2.3 Rechts oder Links? - Die motorische Entwicklung
1.2.4 Beidhändigkeit
1.2.5 Umschulung
1.3 Linkshänder in einer Rechtshänder orientierten Umwelt
1.4 Linkshändige und rechtshändige Kinder

2. Fördermaßnahmen für linkshändige Kinder in der Grundschule
2.1 Praktische Tipps für den Unterricht (und Alltag)
2.1.1 Sitzordnung und Lichteinfall
2.1.2 Sinnvolle Gebrauchsgegenstände

3. Hinweise für eine spezielle Förderung im Deutschunterricht
3.1 Schreiben
3.1.1 Verwischte Tinte, Schreibhaltung und Blattlage
3.1.2 Spiegelschrift, Schriftrichtung und Schriftbild
3.1.3 Lockerungsübungen
3.1.4 Schreiblehrgänge
3.2 Lesen
3.3 Tipps für andere Unterrichtsgegenstände

1. Linkshändigkeit

Eigentlich fallen sie gar nicht weiter auf! Sie tragen kein Band um den Arm und einen speziellen Ausweis haben sie auch nicht. Nur bei näherem Hinsehen, kann man erkennen, dass sie anders sind als andere, denn sie verrichten die Dinge des täglichen Lebens nicht, wie die meisten Menschen, mit der rechten, sondern mit der linken Hand. Die Rede ist von Linkshändern.

Noch immer wird in unserer Gesellschaft davon ausgegangen, dass Rechtshändigkeit die Norm wäre. Was die Anzahl der Linkshänder betrifft, geben die Statistiken nur unzureichend Auskunft, denn auf Rechtshändigkeit umgeschulte Linkshänder werden nicht miteinbezogen. Wenn Kinder mit der linken Hand malen, gibt man ihnen die Buntstifte in die rechte Hand. Oder man weist sie auf den "richtigen" Umgang mit Alltagsgegenständen hin, sofern diese Gegenstände nicht überhaupt eine Rechtshändigkeit bedingen. Wie sehr Linkshänder in unserer Gesellschaft diskriminiert werden, zeigt schon der Spruch:

„Du hast zwei linke Hände!“

1.1 Definitionen

Linkshänder sind Personen[1], die die Mehrheit der Tätigkeiten, die nur mit einer Hand ausgeführt werden und die nur möglichst wenig von erzieherischen Maßnahmen beeinflusst sind, mit links ausführen.[2]

Littre definiert einen Linkshänder als einen Menschen, der sich seiner linken Hand bedient anstelle der rechten.

Laut Bloede ist ein Linkshänder ein Mensch, der sich mit Vorliebe der linken Hand bedient. Er nimmt seine linke Hand für alle Arbeiten, die Kraft verlangen und für alle Gesten, welche Ausdruck verlangen.

Roudinesco und Thyss definieren einen Linkshänder, als jemanden dessen linke Hand geschickter ist als die rechte, oder wenigstens geschickter wäre, wenn nicht ein äußerer Einfluss die natürliche Veranlagung in der Entwicklung gehindert hätte.

1.2 Linkshändigkeit aus wissenschaftlicher Sicht

Die Hirnforschung der vergangenen Jahrzehnte erbrachte tief greifende Erkenntnisse über Aufbau und Funktion unseres Gehirns. Obwohl wir bisher nur etwa fünf Prozent unseres Steuerungsorgans wirklich verstanden haben, liefert die Neurowissenschaft wertvolle Ergebnisse über die Mechanismen unserer höheren geistigen Fähigkeiten.

1.2.1 Das menschliche Gehirn

Alles, was wir fühlen, sagen, denken oder tun[3], wird in unserem Gehirn verarbeitet und gesteuert. Das menschliche Gehirn ist die Steuerzentrale des gesamten Körpers. Wir könnten keinen Atemzug machen, ohne das wir Anweisungen aus dieser 1,5 Kilogramm schweren, weichen, nassen, rosagrauen Gewebemasse in unserem Kopf zu erhalten.

Das Gehirn hat die Aufgabe Reize aufzunehmen, zu verarbeiten und zu beantworten. Die Sinnesorgane nehmen bestimmte Reize (Licht, Druck, Töne, Temperatur, ...) auf und senden diese als kodierte Signale auf elektronchemischem Wege in das zentrale Nervensystem, dessen wichtigste Schaltstelle das Gehirn darstellt. Dort werden die eingegangenen Signale nach bestimmten Mustern verarbeitet und, falls erforderlich, Reaktionsreize an die Effektoren (Muskeln, Drüsen, ...) weitergeleitet.

Das menschliche Gehirn ist eines der interessantesten und zugleich eines der geheimnisvollsten Organe unseres Körpers. Obgleich sich unser Wissen über das Nervensystem in den letzten 50 Jahren immens erweitert hat, lassen die Probleme der Wissenschaft mit der Erklärung von Sinneswahrnehmung und Erinnerungen, von Denken und Bewusstsein von Gefühlen und Emotionen die Komplexität des Gehirns erahnen.

1.2.2 Die zwei Gehirnhälften

Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen[4], die beim gesunden Menschen harmonisch und geregelt zusammenarbeiten. Die stammesgeschichtlichen älteren Teile steuern unsere unbewusste Lebensfunktion. Die Großhirnrinde ist der jüngste Teil, die sich wie ein Mantel um die anderen Hirnregionen legt. Alle höheren Funktionen, die Fähigkeit zur Sprache, unser bewusstes Denken und Handeln und nicht zuletzt die Merkmale unserer Persönlichkeit haben dort ihren Ursprung. Für das Verständnis der Rechts- oder Linkshändigkeit eines Menschen sind Bau und Arbeitsweise der Großhirnrinde von Bedeutung. Sie besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die über den sogenannten Balken miteinander in Verbindung stehen.

Zwischen den Hemisphären besteht Arbeitsteilung, d.h. jede hat ihre bestimmten Aufgabenbereiche:

- Linke Hemisphäre: Diese ist für die sensorischen und motorischen Funktionen der rechten Körperseite zuständig. Dort ist auch der Sitz intellektueller Fähigkeiten. Mit ihrer Hilfe können wir analytisch und sprachlich-logisch denken, zeitliche Abfolgen erkennen und planen, Sprache in grammatisch richtiger Weise verarbeiten, in Abstraktionen denken und formulieren.
- Rechte Hemisphäre: Diese ist zuständig für die Steuerung der linken Körperhälfte. Sie ermöglicht es uns, synthetisch und ganzheitlich zu denken und komplexe Zusammenhänge auch intuitiv, nicht-sprachlich, zu erfassen. Raum und Perspektive werden durch die rechte Hemisphäre wahrgenommen, wir orientieren uns mit ihrer Hilfe, können in Bildern denken und Gesichter und Formen von Gegenständen erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.3 Rechts oder Links? - Die motorische Entwicklung

Die Entwicklung einer dominanten Hand ist unmittelbar mit den Meilensteinen der motorischen Gesamtentwicklung verknüpft[5].

In den ersten Lebensmonaten wird die Bevorzugung einer Hand noch nicht sichtbar. Um bewusst und gezielt greifen zu können, muss das Kleinkind verschiedene reflektorische Bewegungsmuster überwinden, die ihm in der ersten Phase seiner frühen Entwicklung nützlich waren. An ihre Stelle treten reife, kontrollierte Bewegungsabläufe. Besonders wesentliche Stadien für die Ausbildung der Händigkeit sind die Fähigkeiten, die Hände in der Körpermitte zusammenzuführen (4. Monat), Gegenstände wechselseitig von einer Hand in die andere zu übergeben (6. Monat) und die Phase des kreuzkoordinierten Krabbelns (9. Monat). Verzögerungen in der natürlichen Heranreifung einer eindeutigen Händigkeit zeigen viele Kinder, die nicht oder nur kurz krabbeln oder in dieser Phase eine andere Art der Fortbewegung vorziehen (z.B. robben, Po rutschend, etc.).

Der natürliche Gebrauch der Hände nimmt schon nach dem 7. Monat ab. Manchen Eltern fällt diese Veränderung auf, besonders, wenn ihr Kind unerwartet oft die linke Hand einsetzt. Deutlicher erkennbar manifestiert sich die Linkshändigkeit im zweiten Lebensalter.

1.2.4 Beidhändigkeit

Ist nicht deutlich, welche Hand ein Kind bevorzugt[6], spricht man von wechselndem oder instabilem Handgebrauch. In der älteren Literatur wird die Bezeichnung beidhändig benutzt, wobei dieser Begriff irreführend ist, denn er besagt, dass die Hände völlig gleichwertig benutzt werden und in der Leistungsfähigkeit der Hände keine Unterschiede bestehen.

Oft stellt sich bei gründlicher Händigkeitsuntersuchung heraus, dass es sich bei den „Beidhändern“ um rechtshändig bzw. linkshändig veranlagte Menschen handelt, die aus individuell unterschiedlichen Gründen bei den betrachteten Tätigkeiten die Hände wechselnd gebrauchen.

Um die Handbevorzugung im Alltag zu überprüfen, muss neben den Kulturtechniken wie Essen mit Besteck, Malen und Schreiben auch besonders das spontane Hantieren des Kindes im freien Spiel beobachtet werden.

Die Gründe, wie es zum instabilen Handgebrauch kommen kann, sind vielfältig. Meist greifen verschiedene Störungen ineinander, verstärken sich gegenseitig und können gerade bei linshändigen Kindern zu einem sehr uneinheitlichem Bild der Handbevorzugung führen.

Aber was tun bei „Beidhändigkeit“? Grundsätzlich sollte der Handgebrauch des Kindes nicht beeinflusst werden, aber weiter beobachtet werden. Konkret bedeutet dies, dass Gegenstände nicht in die rechte oder linke Hand gegeben, sondern immer in Körpermitte gereicht werden sollten. Dies soll die natürliche Entwicklung der Links- oder Rechtshändigkeit des Kindes möglich machen.

Bei den meisten Kindern ist es nicht schwer, die Rechts- oder Linkshändigkeit zu erkennen. Eine Schwierigkeit ergibt sich jedoch, wenn die Kinder lange Zeit wechselnden Handgebrauch vorweisen. Heutzutage gibt es zahlreiche verschiedene Tests um bei diesen Kindern die Händigkeit festzustellen, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, dass diese Tests nur von Fachmännern durchgeführt werden sollten.

Bevor diese Tests durchgeführt werden, können aber auch die Eltern einfache Beobachtungen durchführen, um zu erkennen ob ihr Kind Rechts- oder Linkshänder ist:[7]

- Malen mit Stiften, Kreiden, etc.
- Blumen gießen (kleine Kanne)
- Zähne putzen (mit Gesten vormachen lassen)
- kreiseln
- würfeln
- Perlen aus einem Gefäß holen und wieder in dieses einsammeln
- Streichhölzer zählen
- Streichhölzer in die Schachtel zurücklegen

Wichtig ist, dass das Material dem Kind stets in Körpermitte angeboten wird.

[...]


[1] vgl. J. Kramer 1970, S.24

[2] http://linkshaender.adlexikon.de/Linkshaender.shtml

[3] http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/bih/16288.html

[4] vgl. Sylvia Weber 2005, S.15-17

[5] vgl. Sylvia Weber 2005, S.22-30

[6] vgl. Sylvia Weber 2005, S.31-36 Johanna Barbara Sattler 2003, S.16-17

[7] vgl. Sylvia Weber 2005, S.40

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Problematik der Linkshändigkeit
Hochschule
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V40503
ISBN (eBook)
9783638390033
ISBN (Buch)
9783656245469
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problematik, Linkshändigkeit
Arbeit zitieren
Doris Lindner (Autor:in), 2005, Die Problematik der Linkshändigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40503

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