Grammatik und Stil: Wortarten, Phrasen, der einfache Satz und Satzverbindungen aus stilistischer Sicht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Grammatikunterricht früher und heute

2 Hauptteil
2.1 Das Wort und die Wortarten
2.1.1 Das Verb
2.1.2 Das Substantiv
2.2 Phrasen
2.3 Der Satz
2.3.1 Satzmuster
2.3.2 Relativsätze
2.4 Satzverbindungen
2.5 Textbeispiel

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, das Verhältnis von Grammatik und Stil zueinander näher zu betrachten. Dazu wird zunächst ein kurzer Blick auf die geschichtliche Entwicklung des Grammatikunterrichtes geworfen, so dass herausgearbeitet wird, mit welchen Legitimationen und Intentionen früher und heute Grammatikwissen in der Schule vermittelt wird. Dabei treten Unterschiede sowohl in der Theorie als auch in der didaktischen und methodischen Vermittlung von grammatischen Regeln hervor. Abschließend wird das theoretisch Erarbeitete dann angewandt, um Schülertexte aus der Schulpraxis hinsichtlich des Stils zu bearbeiten und zu verbessern.

1.1 Grammatikunterricht früher und heute

Geschichtlich betrachtet wird Grammatikunterricht erteilt seit es Schulen gibt. Doch diese Tatsache allein ist keine Rechtfertigung für die Notwendigkeit solchen Unterrichtes. Es stellt sich die Frage, wozu Schüler Grammatikwissen benötigen. Früher beantwortete man diese Frage mit Verweisen auf die Bedeutung, die Grammatik für das „richtige Sprechen“ (Weisgerber 1996, S. 56) habe. Außerdem wurde die Ansicht vertreten, dass das Lernen grammatischer Strukturen die Fähigkeit des logischen Denkens fördere. Diese Argumente gelten seit den 90-er Jahren als überholt. Der Spracherwerb des Kindes vollzieht sich ohne explizite Grammatikkenntnisse, so dass diese keine Voraussetzung für den Spracherwerb darstellen können. Selbst Erwachsene, die Sprache bereits auf einer sehr viel höheren Kompetenzstufe beherrschen als Kinder, sind nicht in der Lage, ihren Sprachgebrauch mit grammatischen Regeln und Normen explizit zu begründen.

Das Argument der Förderung des logischen Denkens durch Vermittlung von Grammatik erscheint ebenfalls fraglich. Diese Ansicht setzt voraus, dass Grammatik in sich nach logischen Strukturen aufgebaut sei und wird als normative oder präskriptive Grammatik verstanden. Dabei entsteht Sprache durch die Auseinandersetzung ihrer Benutzer mit ihrer Umwelt, sie entwickelt sich über Jahrtausende und ist somit kein starres und festes Regelsystem, sondern im Gegenteil dynamisch und unterliegt dauernden Wandlungen. Sprache ist also kein Ergebnis logischer Deduktionen, stattdessen beinhaltet sie eine Fülle von Inkonsequenzen und sogar Widersprüchen. Um diese Schwierigkeit zu beheben, kann man Grammatiken in ihrer logischen Konsequenz, ihrer Abstraktheit und ihrem Formalisierungsgrad verbessern, wie es die Dependenz- oder Transformationsgrammatik versucht. Allerdings setzt die Beschäftigung mit dieser Art Grammatik bereits logisches Denken auf einer sehr hohen Stufe voraus, über die Kinder im Grundschulalter noch keineswegs verfügen.

Im Laufe der Zeit wurde der Grammatikbegriff immer wieder hinterfragt und erfuhr schließlich eine beträchtliche Erweiterung. In den letzten Jahren versteht man unter Grammatik nicht mehr nur die stofflich zu umschreibende Systematik der Darstellung einer Sprache, sondern fasst den Begriff weiter, indem man von „Reflexion über Sprache“ (Weisgerber 1996, S. 59) spricht. Im Schulunterricht wird nun nicht mehr nur Wissen in Laut-, Wort- und Satzlehre vermittelt. Darüber hinaus sind nun inhaltliche Strukturen von Interesse und es geht um die Entwicklung von Sprachbewusstsein. Dies ist die Grundlage, um im eigenen oder fremden Sprachgebrauch grammatische Strukturen aufdecken zu können und in ihrer Funktion zu erkennen. Der reine Grammatikunterricht findet so gut wie keine Anwendung mehr. An seine Stelle ist eine Einbettung der Grammatiklehre in den pragmatischen Kontext von Sprache getreten.

Das Ziel ist die Entwicklung eines kompetenten Umgangs mit Sprache, der sich kennzeichnet durch ein Bewusstein über die Wirkungen von Sprache und darüber wie man sie erreicht. Der Schüler soll lernen zu erkennen, welche Absichten dem Sprachgebrauch zu Grunde liegen, welche sprachlichen Möglichkeiten es gibt eine Absicht auszudrücken und welche Gesetzmäßigkeiten sich dahinter verbergen.

Daher kann man sagen, die Sichtweise auf Grammatik hat sich hiermit umgekehrt: Grammatik ist nichts, was von außen künstlich auf die Sprache aufgesetzt wird, sondern ist in ihr bereits enthalten. Die Aufgabe des Schülers ist es, die grammatischen Strukturen aufzudecken, sie zu verstehen und anwenden zu lernen.

2 Hauptteil

In der Einleitung ist bereits deutlich geworden, dass die Beschäftigung mit Grammatik unumgänglich ist, will man Sprache gebrauchen. Heringer nennt Wortschatz und Grammatik die „zwei große(n) Areale, aus denen sie (die Sprache) sich nährt…“ (Heringer, 1995, S.9). Diese beiden Aspekte von Sprache stellen den Sprecher bzw. Schreiber in ein Spannungsfeld zwischen Regeln und Freiheit. Einerseits hat er Regeln der Grammatik zu folgen, um von anderen in seinen Äußerungen verstanden zu werden, andererseits gibt es unendlich viele korrekte Sätze, die ein Sprecher oder Schreiber erzeugen kann. Diese unterscheiden sich jedoch in ihrer Wirkung.

Im Folgenden wird es vor allem um den Gebrauch von Schriftsprache gehen. Während Mündlichkeit eher spontan, flüchtig und nicht rückgängig zu machen ist, bietet und verlangt guter Ausdruck im Schriftlichen Reflexion. Der Schreiber kann Sprachversuche machen, Sätze und deren Wirkung testen, verbessern oder ganz entfernen. Dabei hat er die im Mündlichen natürlichen Rückmeldungen wie Gestik, Mimik und Körpersprache des Gegenübers nicht. Der Adressat des Schrifttextes ist im klassischen Fall nicht anwesend, kennt also Umstände und Gegebenheiten der Schreibsituation nicht. Der Schreiber muss daher das Vorwissen des Adressaten berücksichtigen und überlegen, wie viel Information er in welcher Form gibt. Der Autor muss sich in den Adressaten hineinversetzen, dessen Vorkenntnisse erahnen und bereits mögliche Reaktionen voraussehen, da er kein direktes Feedback erhalten kann. Das verlangt ein gewisses Maß an Empathie.

Verschiedene Adressaten verlangen unterschiedliche Sprachstile; bei einem Brief an einen Freund kann der Text in einem lockeren Umgangston verfasst werden, ist der Empfänger eine öffentliche Stelle, müssen festgelegte Regeln und übliche Formeln Beachtung finden.

Grammatik gliedert Sprache in verschiedene Ebenen und Kategorien. Im Folgenden werden wichtige Teilgebiete der Grammatik vorgestellt und deren Einfluss auf Stil herausgearbeitet. Dabei kann auf Grund des Umfangs der Arbeit nicht auf alle Bereiche eingegangen werden. Die Auswahl der beschriebenen Gebiete ist daher exemplarisch gewählt.

2.1 Das Wort und die Wortarten

Das Wort ist die Basiseinheit der Sprache. Durch die Zusammensetzung mehrerer Wörter entstehen Sätze unterschiedlicher Komplexität. Ein Wort kann eine oder mehrere Bedeutungen haben. Dies ist abhängig davon, in welchem Kontext es gebraucht wird (z.B. Ich versichere mein Auto. – Ich versichere dir, dass ich dir helfen werde.) . Rhetorische Mittel, wie etwa das der Ironie, machen sich diese Eigenschaft von Wörtern oft zu Nutze, um einen Effekt zu erzielen. Ist beispielsweise einem Turner eine optimale Kür gelungen, wird er es als Lob empfinden, wenn man seine Darbietung als Glanzleistung bezeichnet. Ist er jedoch gestürzt und hat seinen Auftritt abgebrochen, wird er dieselbe Äußerung als Abwertung und Beleidigung auffassen. Obwohl das Wort sich nicht verändert hat, erzielt es eine vollkommen gegensätzliche Wirkung je nachdem in welchem Kontext es eingesetzt wird.

Im Deutschen unterscheidet man in den meisten Grammatiken zehn Wortarten. Jede Wortart hat ihre grammatischen Funktionen und Eigenschaften. Die zehn Kategorien bilden Verben, Substantive, Artikel, Pronomen, Adjektive, Adverben, Partikel, Interjektionen, Präpositionen und Konjunktionen (s. Anhang). Bei dieser Einteilung richtet man sich nach ihren grammatischen Eigenschaften wie die Fähigkeit zur Konjugation, Deklination bzw. ihre Unveränderlichkeit. Wortarten können aber auch nach ihren inhaltlichen Leistungen unterschieden werden. So sind Verben, Substantive und Adjektive bezeichnend, Pronomen verweisen auf etwas Erwähntes, Konjunktionen, Präpositionen und Adverben verbinden und Partikel und ebenfalls die Adverben sind kommentierend. Außerdem haben die Wortarten unterschiedliche Arbeitsgebiete, die jedoch nicht eindeutig zugeordnet sind, sondern auch von anderen Wortarten ausgefüllt werden können. So bezeichnen Substantive wie Blau oder Größe Eigenschaften, obwohl dies die typische Aufgabe von Adjektiven ist.

Nun komme ich zur Erläuterung einzelner Wortarten und ihrer grammatischen und stilistischen Bedeutung. Dabei werde ich exemplarisch vorgehen und nicht alle Wortarten detailgenau erläutern. Stattdessen möchte ich wichtige Punkte herausgreifen, diese anschaulich darstellen und ihre Auswirkungen auf Stil von Texten deutlich machen.

2.1.1 Das Verb

Verben haben die Aufgabe, Handlungen und Vorgänge zu bezeichnen (vgl. Heringer 1995, S.15). Dabei unterscheidet man inhaltlich drei große Gruppen: Handlungsverben, die ausdrücken, dass jemand etwas tut, und die oft einen Menschen als handelndes Subjekt haben; Vorgangsverben, die Veränderungen ausdrücken, oft sind das natürliche Prozesse wie wachsen, fallen, brennen; Zustandsverben, die einen Zustand eines Subjekts ausdrücken wie wissen, stehen, liegen oder kennen (vgl. Heringer 1995, S. 18).

Hierbei ist bereits deutlich geworden, dass Verben eine wichtige Rolle im Satz spielen. Dabei können sie nicht alleine stehen, sondern benötigen Ergänzung durch andere Satzglieder. Diese Eigenschaft nennt man Valenz (Wertigkeit). Anhand dieser Eigenschaft lassen sich Verben ebenfalls in Gruppen unterteilen: einwertige Verben brauchen nur eine Ergänzung, die fast immer das Subjekt ist. Ein einwertiges Verb ist z.B. schlafen; alleine kann es nicht stehen, sondern benötigt eine Ergänzung. Ein vollständiger Satz ist z.B.: Das Kind schläft. Zweiwertige Verben benötigen zwei Ergänzungen, z.B. Subjekt und Objekt, wie dies der Fall bei den Verben sehen, erkennen oder heißen ist. Zu den dreiwertigen Verben gehören geben, schenken oder legen. Je höher die Valenz eines Verbs ist, umso länger und komplexer wird der dazugehörige Satz.

Sätze brauchen fast immer finite, d.h. konjugierte, Verbformen. Entweder stellen sie das Prädikat oder wichtige Teile des Prädikats dar. Das Hauptmerkmal finiter Verben ist, dass sie sich nach Person und Numerus richten. Die drei grammatischen Personen, erste bis dritte Person in Singular und Plural, spiegeln sich in der Konjugation des Verbs wider. Die Personen haben eine wichtige Funktion bezüglich der Rollen in der Verständigung. Die erste Person ist der Sprecher, die zweite der Angesprochene, die dritte das Besprochene.

Ein anderer wichtiger Aspekt der Verben ist ihre Eigenschaft, in unterschiedliche Tempusformen gesetzt werden zu können. Das Tempus ist damit nicht mit der Kalenderzeit gleichzusetzen, sonder ist eine relative Zeit, die sich immer auf die Text- oder Sprechzeit bezieht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Grammatik und Stil: Wortarten, Phrasen, der einfache Satz und Satzverbindungen aus stilistischer Sicht
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät Köln)
Veranstaltung
Stil-Rhetorik-Grammatik
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V40509
ISBN (eBook)
9783638390071
ISBN (Buch)
9783638655545
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatik, Stil, Wortarten, Phrasen, Satz, Satzverbindungen, Sicht, Stil-Rhetorik-Grammatik
Arbeit zitieren
Manuela Ickler (Autor), 2005, Grammatik und Stil: Wortarten, Phrasen, der einfache Satz und Satzverbindungen aus stilistischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40509

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Grammatik und Stil: Wortarten, Phrasen, der einfache Satz und Satzverbindungen aus stilistischer Sicht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden