Das finnische Schulsystem


Hausarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Die PISA-Studie und ihre Folgen

2 Hauptteil
2.1 Geschichtliche Entwicklung des Schulwesens
2.2 Vorschulische Bildung
2.2.1 NEUVULA
2.2.2 Kindergarten
2.2.3 Vorschule
2.3 Schulsystem
2.3.1 Grundschule/`Gesamtschule`
2.3.2 Weiterführende Schulen
2.3.3 Studium
2.3.4 Erwachsenenbildung

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

5 Internetquellen

6 Anhang

1 Einleitung

1.1 Die PISA-Studie und ihre Folgen

Die vorliegende Arbeit möchte das Bildungssystem Finnlands auf dem Hintergrund der Ergebnisse der sog. PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) näher beleuchten und Begründungen für das sehr gute finnische Abschneiden finden. Dazu wird das gesamte Bildungssystem in allen Stufen dargelegt. Dabei sollen Besonderheiten sowie Charakteristika herausgearbeitet werden.

Die Ergebnisse der PISA-Studie erregten in Deutschland große Aufmerksamkeit. Politiker[1], Lehrer und die Öffentlichkeit zeigten sich schockiert über das deutsche Abschneiden in diesem internationalen Ländervergleichstest.

Um die Leistungen deutscher Schüler zu verbessern, begann eine rege Diskussion über Reformen im deutschen Bildungssystem. Als Orientierung und Vorbild sollte dabei der Spitzereiter der Studie gelten: Finnland. Finnland hatte bereits in der PISA-Studie 2000 gut abgeschnitten. Damals wurden 31 Staaten in die Ergebnisliste ausgenommen. Finnland erreichte in allen getesteten Bereichen sehr gute Plätze. Im Bereich Lesen lagen die Finnen auf Platz 1, in den Naturwissenschaften belegten sie Platz 3 und in Mathematik Platz 4. Deutschland hingegen lag in allen Bereichen im unteren Drittel. In der zweiten PISA-Studie aus dem Jahr 2003 konnten die Finnen ihre Plätze sogar noch verbessern und landeten nun in allen Bereichen auf Platz 1, während Deutschland sich nicht wesentlich steigern konnte. Schnell begannen Diskussionen und die Suche nach den Ursachen für das gute finnische und im Gegensatz dazu mittelmäßige deutsche Abschneiden. Die Diskussionen waren von Beginn an verkürzte Gespräche über Bildungssysteme, da es dabei vor allem auf die strukturellen Merkmale der Bildungssysteme ging.

In der vorliegenden Arbeit soll es zwar zum einen um die Strukturen des finnischen Bildungssystems gehen. Durch Vergleiche mit der Organisation des deutschen Bildungswesens sollen so Unterschiede herausgearbeitet werden. Im Zusammenhang damit soll die Frage Beantwortung finden, ob der finnische Bildungserfolg durch die strukturelle Seite des Systems begründet werden kann oder ob es nicht andere Unterschiede sind, die die Leistungen der Schüler beeinflussen und mitbegründen. Daher werden zum anderen inhaltliche und methodische Aspekte ebenfalls in den Blickpunkt gerückt.

Ziel der Arbeit ist es, die Grundlagen der hohen Qualität des finnischen Bildungssystems offen zu legen und einen Ausblick zu geben, inwieweit Deutschland Elemente diesen Systems übernehmen könnte, um deutsche Schüler besser fördern zu können und zu größeren Leistungserfolgen zu bringen.

2 Hauptteil

2.1 Geschichtliche Entwicklung des Schulwesens

Fast sechshundert Jahre lang gehörte Finnland zum schwedischen Reich, war also politisch und kulturell an Mitteleuropa angeschlossen. Schwedisch war lange Jahre Sprache der Oberschicht und Voraussetzung für höhere Bildung und sozialen Aufstieg. 1809 gelang Russland die jahrelang angestrebte Eroberung. Die Kulturbedeutung des Schwedischen ging jedoch nicht etwa auf das Russische über. Vielmehr kam dem Finnischen zugute, dass sich die westlichen Interessen verfestigten. 1860 wurde das Grundschulsystem geplant. Wie die heutigen Bildungsplaner reiste dessen Gründer durch ganz Europa. Bis heute werden in kaum einem europäischen Land so intensive Lehrplanvergleiche mit anderen europäischen Ländern angestellt wie in Finnland. Die erste finnische Grundschule wurde 1866 gegründet, 1867 das erste Gymnasium. Am 6. Dezember 1917 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit, seither ist es selbständige Republik. Die allgemeine Schulpflicht gibt es erst seit 1921. Lange Jahre gab es in Finnland ein dreigliedriges Schulsystem. Es war das erste europäische Land, das schon 1964 eine Fremdsprache in der Grundschule und 1968 zwei verpflichtende Fremdsprachen (außer den Landessprachen) in der Mittelstufe einführte. Jeder Einwohner muss Finnisch und Schwedisch lernen und bekommt dafür auch ein Sprachzertifikat. Die Ausländer, die in Finnland leben (es sind weniger als zwei Prozent), sollen ebenfalls beide Landessprachen lernen, haben aber auch ein Anrecht auf ein bis zwei Unterrichtsstunden in ihrer Muttersprache. Albanisch, Somalisch, Russisch werden am häufigsten gebraucht und in Zukunft eher noch mehr, prophezeit Jukka Sarjala, Präsident des Zentralamts für Unterrichtswesen (vgl. http://www.finnland.de/doc/de/finninfo/fragen.html).

2.2 Vorschulische Bildung

2.2.1 NEUVULA

Die erste Instanz des finnischen Bildungssystems stellt die NEUVULA dar. NEUVULA bedeutet übersetzt Beratung und richtet sich an schwangere Frauen. Das Personal dieser Beratungsstellen setzt sich zusammen aus Krankenschwestern, Ärzten und Beratern. In freundlich gestalteten Räumen werden die teilnehmenden Frauen in Gruppen beraten, ärztlich betreut und auf die Geburt vorbereitet. In den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass die werdenden Väter ebenfalls an den Treffen teilnehmen. Die Organisation in Gruppen hat den Vorteil, dass die Mütter und Väter sich untereinander kennen lernen und Kontakte knüpfen können. Nach der Geburt gibt es weitere Treffen in Gruppen, in der Regel finden zehn dieser nachgeburtlichen Treffen statt. Dabei geht es inhaltlich um gesundheitliche und erzieherische Fragen (vgl. Domisch 2002, S. 47). Hierbei kommt dem Austausch der Eltern mit anderen eine wichtige Funktion zu. Die Teilnehmer fühlen sich in ihren Sorgen, Problemen und Unsicherheiten ernst genommen. Es herrscht eine verständnisvolle Atmosphäre und in Gespräche könne wertvolle Tipps und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Bis zum Schuleinritt stellen die Mütter ihre Kinder einmal im Jahr in NEUVULA vor. Damit wird das Ziel verfolgt, Entwicklungsstörungen, drohende oder bestehende Behinderungen frühzeitig zu erkennen. Das gewährleistet eine frühe Intervention, um die Beeinträchtigungen für das Kind und seine Familie aufzufangen oder so gering wie möglich zu halten. Bei Auffälligkeiten folgen weitere Untersuchungen, um eine genaue Diagnose zu stellen. Im Abschluss daran wir das betreffende Kind an Ärzte oder Therapeuten weitergeleitet (vgl. Domisch 2002, S 47). Schon hierin zeigt sich, dass Finnland besonders den ersten Lebensjahren große Bedeutung zumisst.

Das Angebot der NEUVULA ist flächendeckend und kostenlos. Die gesamten Kosten übernimmt die öffentliche Hand. Damit ist gewährleistet, dass die Teilnahme für jeden, unabhängig vom finanziellen Status, möglich ist. Laut Statistik nehmen annähernd 100% der Eltern dieses Angebot wahr (vgl. Domisch 2002, S. 47). Darin zeigt sich die große Akzeptanz dieser Einrichtungen in der Bevölkerung. Es scheint vollkommen normal zu sein, an diesem Angebot teilzunehmen. Erziehung scheint eine Sache zu sein, die den Staat und dessen untergeordneten Stellen etwas angeht. So arbeiten Staat und Eltern von Beginn an gemeinsam an der Erziehung und dem Wohlergehen der Kinder.

In der Beratung lernen Krankenschwestern und Therapeuten die Kinder kennen und begleiten deren Entwicklung von Geburt an. Durch die Zusammenarbeit mit Kindergärten und den Grundschulen besteht die Möglichkeit, den Erziehern und Lehrern wichtige Informationen zu dem einzelnen Kind zu geben. Erzieher und Lehrer lernen das Kind somit schnell kennen und werden über seine bisherige Entwicklung und eventuelle Besonderheiten informiert.

2.2.2 Kindergarten

Der erst Kindergarten Finnlands wurde 1888 gegründet.

Das Mindestalter des Kindes beträgt sechs Monate. Im Vergleich hierzu ist das Mindestalter in den meisten deutschen Kindergärten zwei oder sogar drei Jahre. Kleinere Einrichtungen verlangen sogar, dass die Kinder nicht mehr einnässen, sonder auf die Toilette gehen können.

Die finnischen Kindergärten zeichnen sich zum einen durch kleine Gruppen aus. Die Gruppengrößen hängen vom Alter der Kinder ab. Sind die Kinder im Alter von 6 Monaten bis zu drei Jahren, ist ein Erzieher für vier Kinder zuständig; sind die Kinder zwischen drei und sechs Jahren, sind einem Erzieher sieben Kinder zugerordnet. Zum anderen legen die Finnen großen Wert auf eine früheinsetzende sprachliche Förderung. Die offiziellen Landessprachen sind Finnisch und Schwedisch, letztere wird von etwa 6 % der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Eine weitere Minoritätensprache ist Saami, die Sprache der Lappen. Der offizielle Status des Schwedischen hat historische Wurzeln und begründet sich durch die ehemalige Zugehörigkeit Finnlands zum schwedischen Königreich. Spracherziehung und -förderung finden nicht nach einem strengen Lehrplan statt, sondern zeigen sich in Form von Gedichten, Vorlese- oder Lesebücher oder etwa in Sprachspielen. In spielerischer Form wird dem Kind die Sprache näher gebracht und die Beschäftigung mit ihr gefördert (vgl. http://www.kindergartenpaedagogik.de/833.

html). Man könnte bereits hier die Grundlage für die gute Fremdsprachenkompetenz der Finnen sehen. Auch im Alltag sind Fremdsprachen viel natürlicher als in Deutschland. So werden alle Filme im Fernsehen nur im Original mit Untertitel versehen ausgestrahlt. Will man da mitkommen, muss man schnell lesen können. Doch mit der Zeit wird zumindest ein Gehör für Fremdsprachen entwickelt. Das erleichtert dann den Zugang und das Erlernen fremder Sprachen. Die Fremdsprachen, die am häufigsten gelernt werden, auch in der Schule, sind Schwedisch, da es geografisch und geschichtlich nahe liegt, sowie Englisch.

Ein anderer Unterschied zu Deutschland besteht in der Pflicht des Kindergartenbesuchs für sog. `Risikogruppen`, also Kinder, die aus Verhältnissen kommen, die die Entwicklung des Kindes, besonders die schulische, erschweren könnten. In den meisten Fällen sind darunter Kinder mit Migra-tionshintergrund zu verstehen. Bei ihnen will man durch den Besuch des Kindergartens erreichen, dass sie das Finnische erlernen, aber auch Sozialkontakte mit anderen Kindern knüpfen und langsam in die finnische Kultur hineinwachsen können. Der Ausländeranteil beträgt in Finnland 2%, in Deutschland hingegen 8,9%. In Deutschland existiert keine Kindergartenpflicht. Dadurch kommen viele Kinder andere Muttersprache mit unzureichenden Deutschkenntnisse und –fertigkeiten in die Grundschule und können diesen Rückstand kaum aufholen.

2.2.3 Vorschule

Haben die Kinder das sechste Lebensjahr erreicht, könne sie auf freiwilliger Basis eine einjährige Vorschule besuchen. Diese Vorschulen sind meist den Kindergärten angegliedert, können aber auch der Grundschule angehören. Dieses Angebot ist ebenfalls kostenfrei und obwohl keinerlei Verpflichtung besteht, nehmen nahezu alle Kinder daran teil. Das Ziel ist die Verbesserung der Lernvoraussetzungen für den Grundschulunterricht durch spielerisches Lernen.

[...]


[1] Mit der Nennung der männlichen Form ist immer auch die weibliche gemeint. Dies gilt für den gesamten Text bei Wörtern wie Lehrer, Schüler, etc.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das finnische Schulsystem
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät Köln)
Veranstaltung
Bildungssysteme im europäischen Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V40513
ISBN (eBook)
9783638390118
ISBN (Buch)
9783638655569
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stellt das finnische Bildungssystem (auch Kindergarten, Vorschule, Erwachsenenbildung) vor, indem auf die einzelnen Einrichtungen eingegangen wird unter Bezugnahme zu finanziellen, kulturellen und geschichtlichen Hintergründen.
Schlagworte
Schulsystem, Bildungssysteme, Vergleich
Arbeit zitieren
Manuela Ickler (Autor), 2005, Das finnische Schulsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40513

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