Kriegszerstörte deutsche Städte - Wiederaufbaukonzepte und Realisierungen nach 1945


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kriegszerstörungen

3 Leitbilder des Wiederaufbaus
3.1 Rekonstruktiver Wiederaufbau
3.2 Neubau
3.3 Traditioneller Anpassungsneubau
3.4 Grundsätze des Städtebaus in der DDR

4 Das Leitbild der organischen, aufgelockerten und gegliederten Stadt
4.1 Funktionsweise
4.2 Probleme bei der Umsetzung
4.3 Historische Entwicklung des Leitbildes
4.4 Der personelle Sachzwang

5 Umsetzung des Leitbildes am Beispiel Aachen
5.1 Ausgangssituation
5.2 Planerische Vorraussetzungen für den Wiederaufbau
5.3 Wiederaufbauplanung in Aachen
5.4 Umsetzung der Wiederaufbaupläne

6 Fazit

Tabellen:
Unterschiedlicher Zerstörungsgrad des Wohnungsbestandes
Baumaßnahmen im Nachkriegs- Deutschland von 1947-1956
Entwicklung der Wohnbevölkerung ausgewählter Stadtteile

Grafiken:
Kriegszerstörung in Städten 1939-1945

1 Einleitung

Am 8. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Als die Menschen aus der Evakuierung in ihre Heimatstädte zurückkehrten bot sich ihnen vielerorts ein Bild der Zerstörung. Viele Innenstädte waren völlig zerbombt, aber auch zahlreiche Häuser und Wohnungen waren dem Krieg zum Opfer gefallen. Wenn auch alle größeren Städte vom Krieg gezeichnet waren, so gab es doch deutliche Unterschiede in der Zerstörung je nach Lage und Bedeutung der Stadt. Es galt nun Konzepte und Ideen für einen sinnvollen Wiederaufbau zu entwickeln, auch wenn die ersten Nachkriegsjahre überwiegend durch Improvisation geprägt waren.

Die Wiederaufbaukonzepte sollen in dieser Arbeit erläutert und ihre Realisierung unter anderem am Beispiel Aachen untersucht werden.

2 Kriegszerstörungen

Erst nach Kriegsende wurde das ganze Ausmaß der Zerstörungen deutlich. Durch die alliierten Luftangriffe waren vor allem die deutschen Großstädte und Wirtschaftszentren zu weiten Teilen zerstört. Die angloamerikanischen Streitkräfte hatten neben der Rüstungsindustrie und den Wirtschaftsgebäuden auch ein großer Teil an Wohngebäuden bombardiert, um die deutsche Zivilbevölkerung zu demoralisieren. Das Ergebnis war, dass ca. 2,65 Millionen Wohnung gänzlich zerstört waren. (Schulz 1994. S. 33)

Durch die heimkehrenden Soldaten, die vertriebenen Deutschen aus den von der Sowjetunion besetzten Gebieten sowie die Rückkehr der evakuierten Bevölkerung in die Städte verstärkte sich die Wohnungsnot in Deutschland zusätzlich. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahre 1945 in Deutschland ca. 5 Millionen Wohnungen benötigt wurden. (vgl. Nipper 1993. S.74)

Das Gebiet der heutigen Bundesrepublik hatte während des 2. Weltkrieges die Hauptlast der alliierten Luftangriffe zu tragen. Dies führte dazu, dass im westlichen Teil Deutschland gemessen an dem Vorkriegsbestand insgesamt 18,5 % der Wohnungen total zerstört waren, während die spätere sowjetische Besatzungszone nur einen Wohnungsverlust von 9,1 % verkraften musste. (vgl. Hohn 1991. S. 146)

Der Zerstörungsgrad der Wohnungen war in den deutschen Großstädten sehr unterschiedlich. Während in Köln, Aachen, Hamburg und Kassel nahezu die Hälfte aller Wohnungen zerstört war, hatten Städte wie Karlsruhe, München und Stuttgart nur einen kleinen Teil an zerstörten Wohnungen zu beklagen. Die folgende Tabelle zeigt den absoluten und relativen Zerstörungsgrad des Wohnungsbestandes in ausgewählten deutschen Städten.

Unterschiedlicher Zerstörungsgrad des Wohnungsbestandes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sir Ch. Webster, N.Frankland, 1961, Bd.4, S.487

Die nun folgende Grafik zeigt den gesamten Zerstörungsgrad der deutschen Großstädte. Aus ihr ist ersichtlich, dass vor allem die Ballungszentren und Wirtschaftszentren den Angriffen der Alliierten ausgesetzt waren. Städte wie Hamburg, Berlin, Köln, Dresden, Magdeburg und Dortmund waren zu weiten Teilen zerstört. Stark konzentriert wurden Bomben auf Städte des Ruhrgebietes u.a. Düsseldorf, Köln, Dortmund und Essen abgeworfen, da hier ein Großteil der ehemaligen deutschen Rüstungsindustrie sowie weitere Wirtschaftsbereiche (z.B. Kohlebergbau) ansässig waren.

Die anhaltende Bombardierung der Großstädte führte zu großflächigen Evakuierung der Zivilbevölkerung in periphere Gebiete. Dadurch sank beispielsweise die Einwohnerzahl Berlins von 4,338 Millionen (Stand 1939) auf 1,19 Millionen im Jahre 1950. (vgl. Beyme 1987. S.38)

Kriegszerstörung in Städten 1939-1945:

Aus der Grafik lässt sich klar erkennen, dass der wirtschaftlich bedeutende Norden und vor allem der Nord- Westen Deutschlands stärker betroffen war als der Süden. In Süddeutschland wiesen die Städte München und Stuttgart mit 33% im nationalen Vergleich einen eher geringen Zerstörungsgrad auf. (vgl. Beyme 1987. S. 38)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Länderkunde, Leipzig (Hrsg.)(2000): Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland- Dörfer und Städte. Berlin

3 Leitbilder des Wiederaufbaus

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand die Frage im Raum, wie die zumeist stark zerstörten deutschen Städte wiederaufgebaut werden sollten. In ganz Deutschland mussten schätzungsweise insgesamt 400 Millionen Kubikmeter Trümmer beseitigt werden. In den Nachkriegsjahren entwickelten sich schon bald drei Leitbilder des Wiederaufbaus: der rekonstruktiven Wiederaufbau, der Neubau und der traditionellen Anpassungsneubau. Diese drei Leitbilder wurden in den deutschen Städten mit unterschiedlicher Intensität angewandt. Das Ergebnis ist, dass deutsche Städte heute aufgrund unterschiedlicher Leitvorstellungen der Politiker und starken wirtschaftliche Interessen höchst unterschiedliche Stadtbilder aufweisen. Im Folgenden sollen nun die drei Leitbilder näher beschrieben werden. (vgl. Beyme 1987. S.172ff)

3.1 Rekonstruktiver Wiederaufbau

Vor allem die Bevölkerung der jeweiligen Stadt stand dem Leitbild des rekonstruktiven Wiederaufbaus meist positiv gegenüber. Das lag vor allem daran, dass die einheimische Bevölkerung ihren lokalen Symbolcharakter nicht verlieren wollte. Eine Rekonstruktion ganzer Städte konnte es allerdings aufgrund des Mangels an technischen und finanziellen Mitteln nicht geben. Außerdem lehnten die meisten Denkmalpfleger und auch die meisten Architekten diese Option des Wiederaufbaus ab. Während die Denkmalpfleger die Ruinen erhalten wollten, wollten die Architekten eigene Ideen verwirklichen. (vgl. Beyme 1987. S.176-177)

Beispiele für rekonstruktiven Wiederaufbau

Die beiden Fotos zeigen zwei Beispiele für rekonstruktiven Wiederaufbau. Auf der oberen Abbildung ist der Roggenmarkt in Münster zu sehen. Hier wurden die ursprünglichen Hausfassaden wiederhergestellt

Die zweite Abbildung zeigt den Markt und im Hintergrund die Marienkirche in Rostock. Auch hier wurde das einstige Erscheinungsbild wiederhergestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Beyme 1987

3.2 Neubau

Das zweite Leitbild des westdeutschen Wiederaufbaus war der Neubau. Diese Option sah eine moderne Gestaltung ohne Rücksicht auf den regionalen Baustil und die regionalen Baumaterialien vor. Leitideen dieses Typus waren eine gestaffelte Bebauung ohne Berücksichtigung von Fluchtlinien sowie eine Durchmischung mit Grünflächen. In vielen Städten, in denen dieses Leitbild vorrangig angewandt wurde, wurden aber auch so genannte Denkmalsinseln erhalten. Ein Beispiel hierfür ist der Burgplatz und der Altstadtmarkt in Braunschweig. Allerdings gibt es aufgrund des hohen Zerstörungsgrades in vielen deutschen Großstädten nur wenige Denkmalsinseln (Bsp. Hamburg, Köln, Bremen u.a.).

In Hannover hingegen wurden nachträglich Denkmalsinseln geschaffen. Dies geschah zum Beispiel durch den Neubau des Leibnizhauses oder die Translozierung übrig gebliebener Fachwerkhäuser. (vgl. Beyme 1987. S.177-178)

Bei der Option des Neubaus galt als Minimalkonsens zwischen Modernisten und Traditionalisten die Erhaltung des Stadtgrundrisses. Das beste Beispiel für eine „Neubaustadt“ nach dem 2. Weltkrieg ist Rotterdam. In Deutschland kommt Kassel diesem Modell am nächsten. Die linke Abbildung zeigt das zerstörte Kassel am Ende des Zweiten Weltkrieges. Das rechte Foto zeigt den Neubau der Kasseler Treppenstrasse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.aachen.de

Alles in allem lässt sich sagen, dass auch die Option des Neubaus ähnlich wie die des rekonstruktiven Wiederaufbaus in keiner Stadt als einziges Leitbild angewandt wurde.

Der Neubau wurde von der einheimischen Bevölkerung zumeist abgelehnt. Sie befürchteten einen lokalen Identitätsverlust. Ein radikaler Neubau hätte auch eine radikale Änderung des Handlungsrahmens zur Vorraussetzung, besonders auf dem Gebiet der Eigentumsrechte. So gingen in der Nachkriegszeit viele städtebauliche Vorschläge mit Vorschlägen einer Sozialreform einher. Aus diesem Grund blieben diese Vorschläge auch unverwirklicht. Das beste Beispiel für einen gescheiterten radikalen Neubau ist der Neuordnungsplan für das stark zerstörte Mainz. Dieser Neuordnungsplan, der von der französischen Besatzungsmacht in Auftrag gegeben und von Marcel Lods ausgearbeitet wurde, sah eine Zusammenfassung der beiden durch den Rhein getrennten Stadtteile vor. Wenige Jahre später wurde der Plan vom Rat der Stadt und auch von der einheimischen Bevölkerung abgelehnt und die Arbeiten daran eingestellt. (vgl. Rabeler 1990. S.35ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kriegszerstörte deutsche Städte - Wiederaufbaukonzepte und Realisierungen nach 1945
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V40516
ISBN (eBook)
9783638390149
ISBN (Buch)
9783640282029
Dateigröße
697 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegszerstörte, Städte, Wiederaufbaukonzepte, Realisierungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Kriegszerstörte deutsche Städte - Wiederaufbaukonzepte und Realisierungen nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40516

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