Hört man das Wort "Leitmotiv", so denkt man zuerst an Richard Wagner [Deutscher Komponist, geb. 1813, gest. 1883], der für die leitmotivischen Verflechtungen in seinen Werken bekannt ist. Vor allem in seinen Stücken "Tristan" und dem "Fliegenden Holländer" wiederholen sich mehrmals dieselben, leicht abgewandelten Motive. Dass die Leitmotivtechnik nicht nur in der Musik, sondern auch in der Literatur erfolgreich angewendet werden kann, beweisen und bewiesen viele Schriftsteller, allen voran Thomas Mann. Er setzte sich intensiv mit Wagner auseinander, und übernahm, angeregt durch dessen Musik, die Technik und Kunst des Leitmotivs [Vgl. Weiss, Walter: Thomas Manns Kunst der sprachlichen und thematischen Integration, Düsseldorf 1964, S. 52.]. Im "Tod in Venedig" setzt Thomas Mann die Leitmotivtechnik vielfältig ein. Dabei soll in dieser Arbeit vor allem auf die Motive der Krankheit und des Todes Bezug genommen werden, die sich durch die ganze Novelle ziehen. Zunächst wird auf das Motiv des Todes eingegangen, danach auf das Motiv der Krankheit. Darauf folgt eine Untersuchung von Viscontis gleichnamigem Film auf die Umsetzung dieser Beispiele.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Die Motive Tod und Krankheit in „Der Tod in Venedig“
2.1 Das Todesmotiv
2.2 Das Krankheitsmotiv
3.) Tod und Krankheit im „Tod in Venedig“ - ein Vergleich von Film und Erzählung
4.) Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Leitmotive Krankheit und Tod in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Dabei wird analysiert, wie diese Motive die Entwicklung des Protagonisten Gustav von Aschenbach beeinflussen und inwiefern sie den Übergang vom Apollinischen zum Dionysischen markieren, wobei ergänzend die filmische Umsetzung durch Luchino Visconti betrachtet wird.
- Die Leitmotivtechnik in der Literatur nach Richard Wagner
- Die Funktion der Todesboten und ihre symbolische Bedeutung
- Die Dualität von physischer und psychischer Krankheit
- Der Vergleich der symbolischen Erzählmittel zwischen Buch und Film
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Todesmotiv
Der Tod spielt in der Novelle ein große Rolle, was allein schon am Titel zu sehen ist. So wird auch der Held Gustav von Aschenbach, ein Schriftsteller aus München, andauernd damit konfrontiert. Thomas Mann hat dabei das Todesmotiv in Figuren und Gegenstände integriert und lässt es an gegebenen Stellen auftauchen.
Sogar schon die Figur Aschenbachs birgt den Tod. Denn wahrscheinlich stand als Vorbild für den Nachnamen der Künstler Andreas Achenbach, der 1905 gestorben war und dessen Bilder in der Zeit von Manns Venedigreise in der Münchner Pinakothek ausgestellt waren. Eine geschickte Buchstabenergänzung machte daraus Asche, als Assoziation von Verbrennen und Tod.
Aschenbachs Spaziergang in München endet am Friedhof, eine Vorausdeutung auf das Ende der ganzen Geschichte, denn sein „Spaziergang“ nach Venedig endet mit dem Tod, also letztendlich auch auf dem Friedhof. Schon in München verlieren sich seine Gedanken in der „durchschneidenden Mystik“ der Inschriften auf dem Gottesacker. Eine ähnliche Abwesenheit der Gedanken kann man beim Auftauchen der Todesboten, dem Wanderer in München, dem Kartenverkäufer und dem greisen Geck auf dem Schiff, dem Gondolier und dem Straßensänger, feststellen, die immer wieder Aschenbachs Weg kreuzen. Sie alle werden detailliert beschrieben und deshalb ist das leicht verändert wiederkehrende Motiv in allen Gestalten wiederzuerkennen. Ihr Zeichen ist der Totenkopf, der durch die Beschreibungen der Köpfe heraussticht.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung führt in die Leitmotivtechnik bei Thomas Mann ein und erläutert den Fokus der Arbeit auf die Motive von Tod und Krankheit in der Novelle sowie deren filmische Adaption.
2.) Die Motive Tod und Krankheit in „Der Tod in Venedig“: Dieses Kapitel analysiert detailliert die verschiedenen Todesboten in der Novelle und untersucht die parallele Entwicklung der physischen Cholera-Epidemie sowie Aschenbachs psychischen Verfalls.
3.) Tod und Krankheit im „Tod in Venedig“ - ein Vergleich von Film und Erzählung: Hier erfolgt eine Gegenüberstellung der literarischen Vorlage mit Viscontis Verfilmung, wobei filmische Mittel zur Darstellung der Todesmotivik kritisch beleuchtet werden.
4.) Schluss: Das Schlusskapitel fasst die symbolische Dichte der Novelle zusammen und deutet Potenziale für weiterführende Analysen der Figur Tadzio an.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Leitmotiv, Tod, Krankheit, Cholera, Gustav von Aschenbach, Tadzio, Hermes, Symbolismus, Filmvergleich, Visconti, Psychagogos, Eros, Dionysisches
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die zentralen Leitmotive von Krankheit und Tod im Werk „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Leitmotivik, die Symbolik der Todesboten, den psychischen Sittenverfall und die Ausbreitung der Cholera als zentrales Krankheitsmotiv ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Thomas Mann durch gezielte Motivintegration den schrittweisen Untergang und die Selbstaufgabe des Protagonisten Aschenbach narrativ konstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, ergänzt durch einen komparatistischen Vergleich zwischen dem literarischen Text und der filmischen Adaption von Luchino Visconti.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Todesboten, der psychischen und physischen Krankheitszustände sowie einen detaillierten Vergleich von Buch und Film hinsichtlich ihrer Symbolik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Leitmotiv, Psychagogos, Apollinisch, Dionysisch, Symbolismus und Aschenbachs moralischer Verfall.
Welche Rolle spielt die Figur des Tadzio als „Psychagogos“?
Tadzio fungiert als verführerische Gegenfigur, die Aschenbach sowohl in die ästhetische Ekstase als auch letztlich in den Tod führt, vergleichbar mit der Rolle des Hermes als Seelenführer.
Warum wird der Film von Visconti zum Vergleich herangezogen?
Viscontis Film verdeutlicht durch visuelle Symbole, wie etwa die Farbe der Krawatte oder die Rolle des fotografischen Apparats, die im Text angelegten Motive und erweitert sie um neue, visuelle Interpretationsansätze.
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- Johannes Linsenmeier (Author), 2005, Die Leitmotive 'Krankheit und Tod' in Thomas Manns 'Tod in Venedig', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40517