Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre


Hausarbeit, 2004

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Vorgeschichte: Herkunft und Entstehung alternativer Jugendbewegungen in den 50er Jahren
2.2 Die sozialistische Pädagogik: Spagat zwischen Toleranz und Repression
2.3 „Kultureller Kahlschlag“: Das vorläufige Ende einer liberalen Jugend- und Kulturpolitik
2.4. Normalisierung und Anpassung unter den Vorzeichen des „Prager Frühlings“

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jugendbewegungen und subkulturelle Strömungen Heranwachsender erhalten ihre historische Relevanz als Indikatoren gesamtgesellschaftlicher Widersprüche und Oppositionen. Auch und gerade in der DDR der 60er lassen sich die Auswüchse jugendlichen Aufbegehrens als „Motoren sozialen Wandels“[1] werten. Dies scheint in der „durchherrschten Gesellschaft“[2] problematischer denn je, war doch „die Jugend eine zentrale Größe gesellschaftlicher Planung“[3]. Nach dem zweiten Weltkrieg erfährt der soziologische Begriff „Generationenkonflikt“ durch das Aufkommen der Populärkultur und des Massenkonsums eine Zunahme an Komplexität – zunächst primär in westlichen Gesellschaften, letztendlich aber auch in den Staaten des Ostblocks und insbesondere in der DDR. Wie ging die SED mit dieser Problematik um? Welche Strategien entwickelte sie, um die Vorherrschaft westlicher Musik, Mode und Lebensentwürfe einzudämmen? Auf welchen Widerstand stieß die Parteiführung dabei unter den Jugendlichen? Kann der Siegeszug des Rock’n Roll in der DDR als allgemeine Liberalisierungs- und Modernisierung (um)-gedeutet werden? Welche Bedeutung spielt die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugend in den 60er Jahren für die friedliche Revolution im Herbst 1989?

In dieser Hausarbeit möchte ich aus einer kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Perspektive die Grenzen und Möglichkeiten ausgewählter Jugendbewegungen beleuchten. Besonderes Augenmerk werde ich dabei auf öffentliche Äußerungen, Leitlinien und Prinzipien der SED-Führung in Bezug auf jugendpolitische Entscheidungen legen – sei es anhand juristischer Anordnungen, Zeitungszitate oder ähnlichem Quellenmaterial.

An den Anfang stelle ich einen groben Überblick über Herkunft und Erscheinungsformen der aufkommenden kulturindustriellen Populärkünste und ihre Auswirkung auf die sich ausdifferenzierende Jugendkultur in der DDR Ende der 50er Jahre. Daran anschließen möchte ich eine Skizzierung der jugendpolitischen Institutionen, ihrer Aufgaben und Ziele – die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die DDR-Pädagogik und das ihr zugrunde liegende sozialistische Menschenbild stehen hier im Zentrum.

Im Hauptteil konzentriere ich mich auf die jugendpolitische Wende der SED-Führung, die Mitte der 60er die kurze Phase der kulturpolitischen Liberalisierung beendet. Geklärt werden soll, welche Gefahren und Risiken die SED-Führung in der aufkeimenden Jugendbewegung sah, welche Maßnahmen zu ihrer Eindämmung getroffen wurden und wie die Heranwachsenden auf diesen „Kahlschlag“ reagierten. Mit einem kurzen Blick auf den „Prager Frühling“ 1968 soll auch ein außenpolitischer Faktor in Hinblick auf ihre mentalitätsgeschichtliche Bedeutung beleuchtet werden und den kulturpolitischen Querschnitt dieser Hausarbeit beenden.

Schlussendlich möchte ich den Versuch unternehmen, die mentalitätsgeschichtliche Relevanz opponierender Jugendströmungen herauszuheben und ihre Kernelemente in den Großzusammenhang des gescheiterten SED-Realsozialismus stellen. Die Generationenmodelle von Hartmut Zwahr und Bernd Lindner bilden hierbei den Rahmen für meine Untersuchung, da diese beiden Autoren die „friedliche Revolution“ Ende der 80er Jahre auch generationell betrachten und Generationstypologien für ihre Untersuchungen heranziehen.

2. Hauptteil

2.1 Vorgeschichte: Herkunft und Entstehung alternativer Jugendbewegungen

„Eine große Linie deutscher Kulturgeschichte im 20. Jahrhundert bildet der Aufstieg der kommerziellen Populärkünste. […] ihre Werte haben die um 1900 noch allein gültigen Maßstäbe der so genannten Hochkultur an den Rand gedrängt.“[4] Bereits in der Mitte der 50er Jahre zeichnete sich in der DDR ab, dass angloamerikanische Musikstile, Modetrends und Lebensentwürfe vor den Grenzen des Ostblocks nicht halt machten und tradierte Erscheinungsformen der Jugend- und Massenkultur verdrängten. Wie überall auf der Welt übte die radikale Inszenierung von Körper und Genuss eine unbändige Faszination auf Jugendliche aller Schichten aus. Die propagierte Arbeitergesellschaft bot den Heranwachsenden zu wenig Reize – das Aufkommen der Erlebnis- und Freizeitgesellschaft führte zu neuen Möglichkeiten der äußeren Abgrenzung innerhalb subkultureller Nischen. Inspirationsquellen und Vorbilder kamen aus dem westlichen Raum: Rock’n Roll war eine viel versprechende Alternative zur als bieder empfundenen Schlager- und Tanz-Musik. Doch was im Westen zunächst allenfalls als Generationenkonflikt seinen Ausdruck fand, erlangte in der DDR rasch eine politische Dimension: „Die transatlantische Veitstanzmusik Rock ’n’ Roll gehört in das Konzept der NATO, in das Konzept des kalten Krieges und der psychologischen Kriegsführung“[5], war sich die SED-Jugendzeitung „Junge Welt“ Ende der 50er Jahre sicher. In ihr spiegelt sich das tiefe Misstrauen gegenüber dem westlichen „Kulturimperialismus“ wider. Und zwei Jahre später äußerte Walter Ulbricht auf der „1. Bitterfelder Konferenz“: „Es genügt nicht, die kapitalistische Dekadenz in Worten zu verurteilen, […] gegen die ‚Hotmusik’ und die ekstatischen ‚Gesänge’ eines Presley zu sprechen. Wir müssen etwas Besseres bieten“[6]. Nicht zuletzt sollte der Bau der Mauer die sozialistische Gesellschaft - und vor allem eine vermeintlich leicht verführbare Jugend - gegen die „dekadenten“ kapitalistischen Lebensstile des Westens abschirmen und immunisieren.

[...]


[1] Maase, Kaspar, Körper, Konsum, Genuss – Jugendkultur und mentaler Wandel. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 45/2003. S.9.

[2] Kocka, Jürgen, Eine durchherrschte Gesellschaft. In: Hartmut Kaelble/Jürgen Kocka/Hartmut Zwahr (Hg.): Sozialgeschichte der DDR. Stuttgart 1994. S. 574.

[3] Lindner, Bernd: Zwischen Integration und Distanzierung. Jugendgenerationen in der DDR in den sechziger und siebziger Jahren. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 45/2003. S.33

[4] Maase, Kaspar – Körper, Konsum, Genuss – Jugendkultur und mentaler Wandel in den beiden deutschen Gesellschaften. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 45/2003 S. 9.

[5] Junge Welt vom 19. November 1958. Zitiert nach: Michael Rauhut: Rock in der DDR. Bonn 2002. S.7.

[6] Ulbricht, Walter: Fragen der Entwicklung der sozialistischen Literatur und Kunst, In: Zur sozialistischen Kulturrevolution. Bd. 2, Berlin 1960, S.474. Zitiert nach: Michael Rauhut: Rock in der DDR. Bonn 2002. S.7.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Vom Mauerbau bis zur Wiedervereinigung – Deutsch-deutsche Zeitgeschichte 1961-1990
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V40525
ISBN (eBook)
9783638390200
ISBN (Buch)
9783638902212
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beat, Rock, Roll, Auseinandersetzung, Staat, Jugendbewegung, Jahre, Mauerbau, Wiedervereinigung, Deutsch-deutsche, Zeitgeschichte
Arbeit zitieren
Michael Bee (Autor), 2004, Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40525

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