In der zunehmend komplexer werdenden Welt, der sogenannten Informations- und Wissens-gesellschaft, ist Lesekompetenz daher unverzichtbare Voraussetzung für selbständiges lebens-langes Lernen, für selbstbestimmtes, mündiges Handeln und für die Entwicklung der Persönlich-keit. Schüler zum Lesen zu ermuntern ist von daher nicht nur ein bildungspolitisches Ziel, sondern muss gesamtgesellschaftliches Anliegen sein.
Die Notwendigkeit, Leseförderung zu verstärken, wird kaum bestritten. Offen sind eher die Fragen des Wie. Demnach soll die vorliegende Arbeit methodische Hinweise sowie ausgewählte praktische Beispiele für einen differenzierten Leseunterricht in der Grundschule geben. Aufgrund des Umfangs an Möglichkeiten erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Größtenteils werden wir uns auf die Theorie und die Praxiserfahrungen aus der Literatur stützen, da uns letztere in der Grundschule in ausreichendem Maße noch fehlen und nur einige Praxisbei-spiele im Seminar „Differenzieren im Grundschulunterricht“ von Studenten ausprobiert wurden.
Die Belegarbeit ist in zwei größere Abschnitte gegliedert. Zum einen in einen Theorie-, zum anderen in einen Praxisteil.
Im zuerst genannten Abschnitt werden die Begriffe der Differenzierung, des Übens und des Lesens allgemein und in Bezug auf das Lesen definiert. Ebenso wird auf den Leseprozess sowie auf die Lernziele des Leseunterrichtes und dementsprechende Übungsbereiche näher eingegangen. Im zweiten Abschnitt wird die Theorie durch
• Übungen zur Schaffung von Lesemotivation;
• Lesespiele im integrativen Deutschunterricht;
• Übungen zum Erlesen von Texten und
• Übungen zur Ausgestaltung der Lesestrategien
angereichert und veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundzüge
2.1 Differenzierung im Unterricht
2.2 Üben im Unterricht
2.2.1 Zum Begriff „Üben“
2.2.2 Kriterien zur Gestaltung von Übungen
2.3 Lesen im Unterricht
2.3.1 Der Leseprozess
2.3.2 Aufgaben und Lernziele des Leseunterrichtes
2.3.3 Üben im Leseunterricht
3 Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, methodische Hinweise sowie praktische Ansätze für einen differenzierten Leseunterricht in der Grundschule aufzuzeigen, um den individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder gerecht zu werden.
- Bedeutung der Lesekompetenz in der Informationsgesellschaft
- Notwendigkeit der Differenzierung aufgrund individueller Lernvoraussetzungen
- Theoretische Fundierung des Übungsbegriffs im schulischen Kontext
- Analyse des komplexen Leseprozesses und seiner Lernziele
- Konkrete Übungsbereiche zur Förderung der Lesemotivation und -strategien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Zum Begriff „Üben“
„Üben ist die Fähigkeit des Menschen, durch Wiederholung, durch wiederholtes Tun eine Fertigkeit zum einen herauszubilden und zum anderen dann zu verfeinern, in ihrem Volumen zu vergrößern und in ihrem Ablauf zu beschleunigen“ (Bönsch, S.53). Es handelt sich demnach um „ein absichtsvolles Tun, welches auf die Verbesserung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen angelegt ist (...) daher mit Verständnis und Einsicht verbunden“ (Wedel-Wolff, S. 5) also intrinsisch motiviert ist. „Üben zielt darauf, geistige Funktionen, motorische Abläufe, Einstellungen und Haltungen auszubilden, weiterzuentwickeln, zu festigen, zu automatisieren, um sie auf Dauer verfügbar zu machen und sie leichter, möglichst geläufig zu bewältigen und zu beherrschen.“ (ebenda).
Doch Üben leistet weitaus mehr als die oben genannte Verbesserung. Durch das Einüben gelangt man zum Können und Ausüben. Die Gewissheit, etwas zu können, gibt Vertrauen in eigene Fähigkeiten, was wiederum eine Voraussetzung ist, sich dem mühevollen Üben zu unterziehen. Erfolgreiches Lernen sowie die Entwicklung einer positiven Lerneinstellung werden dabei unterstützt. Üben, so BOLLOW, ist demnach eine grundsätzlich notwendige und förderliche Verhaltensweise des Menschen, die ihm Sicherheit, Gestaltungsfähigkeit und Freude vermittelt, wenn er sie als lebenswichtige Möglichkeit annimmt und sich in die Übung an sich vertieft (Bollow zit. bei Meier, S. 3).
„Die Freude am Üben, die gesammelte Hingabe an das Tun und das Gefühl des Könnens führen zu einer inneren Wandlung des Menschen. Das Üben ist ein Weg zur inneren Freiheit.“ (Wedel-Wolff, S. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gestiegene Bedeutung von Lesekompetenz angesichts der Pisa-Studie und fordert einen reflektierten, differenzierten Umgang im Unterricht.
2 Theoretische Grundzüge: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Differenzierung, das Wesen des Übens und den komplexen Leseprozess mit seinen spezifischen Lernzielen.
3 Schlussgedanke: Der Schluss betont die Notwendigkeit, Schule als Ort zu gestalten, der nicht nur zum Lesen führt, sondern Kinder langfristig zum Lesen verlockt und motiviert.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Differenzierung, Grundschule, Leseförderung, Leseprozess, Üben, Lesemotivation, Lesestrategien, Individualisierung, Unterrichtsgestaltung, Sinnerfassung, Lesetechniken, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Begründung und praktischen Umsetzung von differenzierten Übungsformen im Leseunterricht der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen den Begriff der Differenzierung, die Bedeutung von Übungsprozessen sowie die didaktische Gestaltung des Leseunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrpersonen methodische Hinweise zu geben, wie sie durch differenzierte Leseangebote die individuellen Fähigkeiten von Grundschulkindern fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Belegarbeit, die primär auf der Auswertung aktueller fachdidaktischer Literatur und Lehrplanvorgaben basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Differenzierung und Üben sowie eine spezifische Betrachtung des Leseprozesses, der Lernziele und konkreter Übungsbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lesekompetenz, Differenzierung, Lesemotivation, Leseprozess und individuelle Förderung.
Welche Rolle spielt die Lesemotivation für den Autor?
Die Lesemotivation wird als eine der wichtigsten Aufgaben der Lehrkraft identifiziert, um aus Schülern aktive Leser zu machen, die Lesen als Bedürfnis begreifen.
Wie unterscheidet der Text zwischen "Erstlesen" und "Weiterführendem Lesen"?
Der Text betont, dass es sich hierbei nicht um getrennte Bereiche handelt, sondern lediglich um verschiedene Stufen innerhalb eines lebenslangen Prozesses des Lesenlernens.
- Citar trabajo
- Susan Grüßner (Autor), 2004, Differenziertes Üben im Leseunterricht der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40667