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Lessings Toleranzgedanke am Beispiel seines dramatischen Gedichtes 'Nathan der Weise'

Title: Lessings Toleranzgedanke am Beispiel seines dramatischen Gedichtes 'Nathan der Weise'

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 35 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Susan Grüßner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Frage, was unter Toleranz zu verstehen ist und bis zu welchen Grenzen sie reicht, hat bis zum heutigen Zeitpunkt an Aktualität nicht verloren. Eine Toleranzdiskussion ist in Deutschland besonders seit der durch Luther 1517 ausgelösten Reformation, die zur religiösen Spaltung Deutschlands führte, immer wieder aufgekommen: Der Kampf erst um religiöse Neugestaltung, dann auch um nationale Interessen erreichte im Dreißigjährigen Krieg, der in Deutschland Formen eines Bürgerkrieges annahm, seinen Höhepunkt. Erst mit Beendigung dieses Krieges kam es durch die Vereinbarungen im Westfälischen Frieden zur Rechtsgleichheit der verschiedenen Religionen (Katholiken, Lutheraner und Reformierte). Eine rechtliche Gleichstellung nichtchristlicher Religionen – von sozialer Gleichstellung ganz zu schweigen - war ein Jahrhundert später zu Lessings Zeit nicht vorgesehen, wie es in dem Drama Die Juden zum Ausdruck kommt.
Immer noch, besonders aber seit den Terroranschlägen in den USA spielt der Gegensatz zwischen einer „fundamentalistischen“ und einer „toleranten“ Religion oder Kultur in der öffentlichen Diskussion wieder eine große Rolle. Doch schon in den vergangenen Jahren ist der Begriff der Toleranz allgegenwärtig gewesen.
In der vorliegenden Arbeit soll es um die Toleranzauffassung Gotthold Ephraim Lessings gehen, welche an seinem dramatischen Gedicht Nathan der Weise explizit gemacht werden soll. Anhand Lessings Nathan der Weise und sein Verständnis von Wahrheit sowie seine Einstellung zur Reli-gion möchte ich Lessings Toleranzidee herausarbeiten. Dabei soll Lessings Umgang mit Sprache zeigen, inwieweit diese zu Toleranz und Humanität erziehen kann. „In der Tat ist Nathan der Weise, es zählt dies zur einhelligen communis opinio der Forschung, jenes Werk Lessings, in dem dieser wie in keinem anderen seiner Dramen konsequent die Grenzen und Möglichkeiten von Bildung und Umbildung des Individuums unter dem Aspekt der Befriedung von Gewalt und der Erzeugbarkeit von Toleranz reflektiert.“
Letztendlich geht es mir darum, deutlich zu machen, dass sich das Toleranzverständnis Lessings nicht mit dem des 18. Jahrhunderts deckt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff Toleranz zu Lessings Zeiten

3 Nathan der Weise

3.1 Verständigung - Sprache der Toleranz

3.1.1 Der widerspenstigen Zähmung des Tempelherrn

3.1.2 Saladin und die Frage nach der wahren Religion

3.1.3 Recha und der Glaube an wahre Wunder

3.1.4 Teilzusammenfassung

3.1.5 Der Patriarch – Intoleranz in Person

3.1.6 Die „gute böse Daja“

3.1.7 Teilzusammenfassung

3.2 Wahrheitsbesitz vs. Wahrheitssuche

4 Lessings Toleranzbegriff

5 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Toleranzverständnis von Gotthold Ephraim Lessing anhand seines dramatischen Gedichtes „Nathan der Weise“. Dabei wird analysiert, wie Lessing durch den Einsatz von Sprache und dialogischen Erziehungsprozessen die Grenzen und Möglichkeiten der Bildung des Individuums unter dem Aspekt der Gewaltbefriedung und der Erzeugbarkeit von Toleranz reflektiert, um ein Humanitätsideal zu begründen, das über das zeitgenössische Toleranzverständnis des 18. Jahrhunderts hinausgeht.

  • Unterscheidung zwischen passiver „taktischer“ Duldung und aktiver „praktischer“ Toleranz
  • Die Rolle des Dialogs und der Erziehung zur Menschlichkeit bei Nathan
  • Kritik am statischen Wahrheitsanspruch gegenüber der werdenden Wahrheitssuche
  • Analyse der Hauptfiguren (Tempelherr, Saladin, Recha, Patriarch, Daja) als Lernende oder Nicht-Lernende
  • Das Humanitätsideal und der Begriff des „Menschen“ als Schlüsselkonzept

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Der widerspenstigen Zähmung des Tempelherrn

In der Mitte des zweiten Aufzuges treffen Nathan und der Tempelherr das erste Mal aufeinander. Schon aus dem Äußeren des Tempelherrn liest Nathan Widersprüchliches, denn der „gute“ Blick erscheint ihm „trotzig“. Er interpretiert es in der Metapher von Schale und Kern: „der Kern/ Ist’s sicher nicht. – Wo sah’ ich doch dergleichen?“ (II, 410f.).

Der Tempelherr, wie er zu Beginn eingeführt wird, stellt sich zunächst dar als die personifizierte Intoleranz und Ignoranz. Trotzig verweigert er jegliche menschliche Annäherung, überheblich lehnt er jede angebotene Hilfeleistung, jeden Dank aus dem Hause Nathans für die Rettung Rechas vor dem Feuertod ab. Durch des Tempelherrn gute Tat wird sein guter Kern sichtbar, im Widerspruch jedoch zu seinen Worten und Gesten, die von Unbelehrbarkeit, jugendlichem Leichtsinn und religiösem und nationalem Hochmut zeugen. Sein Hass und seine Verachtung, sein vorurteilbehaftetes Denken und sein offensichtlich cholerischer Charakter lassen die Figur des Tempelherrn eher als „potentielle Quelle von Gewalt, eine durchaus bedrohliche Mischung aus abgehärtetem Berufskrieger, fanatischem Rassisten und unberechenbarem jugendlichen Wirrkopf“ erscheinen. Er befinde sich in einer „Identitätskrise“, so Thomas KOEBNER.

Genau hier findet nun die Erziehungskunst Nathans ihre Bewährungsprobe schlechthin: „In der Überwindung der Renitenz, der dümmlichen Wertvorstellungen und der Bereitschaft zu physischer Gewalt erweist sich die Wirkungsmacht des Wortes, die gemeinschaftsstiftende Kraft der Sprache der Toleranz.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Toleranzdiskussion ein und begründet die Relevanz der Untersuchung von Lessings Toleranzidee in „Nathan der Weise“ vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten.

2 Der Begriff Toleranz zu Lessings Zeiten: Es wird dargelegt, dass der Toleranzbegriff im 18. Jahrhundert primär als passive Duldung und taktisches Instrument zur Friedenssicherung verstanden wurde, basierend auf einer Hierarchiestruktur.

3 Nathan der Weise: Dieses Kapitel analysiert das Werk als Erziehungsdrama, in dem Nathan mittels dialogischer Prozesse versucht, den „guten Kern“ der Mitmenschen freizulegen.

3.1 Verständigung - Sprache der Toleranz: Dieser Abschnitt untersucht detailliert, wie Nathan durch den Dialog die Hauptfiguren Saladin, Recha und den Tempelherrn aus ihrer starren Haltung zu einer toleranteren Sichtweise führt.

3.1.1 Der widerspenstigen Zähmung des Tempelherrn: Die Analyse zeigt die Entwicklung des Tempelherrn von der personifizierten Intoleranz hin zur Erkenntnis und moralischen Verantwortung durch Nathans Erziehung.

3.1.2 Saladin und die Frage nach der wahren Religion: Dieses Kapitel thematisiert Saladins Wandlung durch die Ringparabel, die ihn von einer theologischen hin zu einer ethischen Fragestellung führt.

3.1.3 Recha und der Glaube an wahre Wunder: Nathan fungiert hier als Pädagoge, der Recha aus einer schwärmerischen Wundergläubigkeit zu einem einsichtsvollen Handeln führt.

3.1.4 Teilzusammenfassung: Eine Synthese der bisherigen Analysen, die betont, dass Erkenntnis im Dialog entfaltet wird und reine Logik nicht ausreicht, sondern durch Gefühl ergänzt werden muss.

3.1.5 Der Patriarch – Intoleranz in Person: Der Patriarch wird als Gegenpol zu Nathans dialogischer Existenz dargestellt, da er als Vertreter dogmatischer Intoleranz jeden echten Austausch unmöglich macht.

3.1.6 Die „gute böse Daja“: Die Analyse zeigt Dajas widersprüchliche Natur als Schwärmerin, deren missionarischer Eifer einen echten Lernprozess behindert.

3.1.7 Teilzusammenfassung: Zusammenfassende Betrachtung, die festhält, dass es neben glückenden auch missglückende Dialoge gibt, abhängig von der Bereitschaft der Partner zur Selbstbefragung.

3.2 Wahrheitsbesitz vs. Wahrheitssuche: Lessings Unterscheidung zwischen dem unmöglich erreichbaren Wahrheitsbesitz und dem notwendigen Streben nach Wahrheit bildet das Fundament für seinen Toleranzbegriff.

4 Lessings Toleranzbegriff: Dieses Kapitel definiert Lessings „praktische Toleranz“, die auf der Anerkennung der Vielfalt und der ständigen Wahrheitsannäherung basiert, als aktive, auf Respekt gründende Haltung.

5 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und hebt hervor, dass Lessings Ideal eines „Menschen“, der sich der eigenen Unvollkommenheit bewusst ist und aktiv den Dialog sucht, als erstrebenswertes, wenn auch schwierig zu erreichendes Ziel bleibt.

Schlüsselwörter

Toleranz, Duldung, Aufklärung, Nathan der Weise, Gotthold Ephraim Lessing, Dialog, Erziehung, Wahrheitssuche, Wahrheitsbesitz, Humanitätsideal, Vernunft, Religion, Ethik, Menschenliebe, Individuum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Gotthold Ephraim Lessings Toleranzbegriff, wie er in seinem Drama „Nathan der Weise“ dargestellt wird. Sie vergleicht dabei das herrschende Toleranzverständnis des 18. Jahrhunderts mit Lessings weitergehendem, aktivem Toleranzkonzept.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind der Unterschied zwischen Duldung und aktiver Toleranz, die Rolle von Dialog und Erziehung, der Wahrheitsbegriff bei Lessing sowie die Analyse menschlicher Entwicklungsprozesse innerhalb der Charaktere des Dramas.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, dass Lessings Toleranzverständnis nicht mit der bloßen „taktischen“ Duldung des 18. Jahrhunderts gleichzusetzen ist, sondern ein komplexes System darstellt, das auf Humanität, dem Streben nach Wahrheit und aktivem Dialog basiert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, indem sie das Drama „Nathan der Weise“ in den Kontext von Lessings anderen Schriften setzt und durch die Einbeziehung der Fachliteratur eine fundierte Interpretation der Charaktere und zentralen Konzepte vornimmt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die zentralen Figuren (Tempelherr, Saladin, Recha, Patriarch, Daja) auf ihre Lernfähigkeit hin untersucht. Zudem erfolgt eine theoretische Einordnung des Wahrheitsbegriffs und der aktiven gegenüber der taktischen Toleranz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Toleranz, Duldung, Aufklärung, Dialog, Wahrheitssuche, Erziehung, Humanitätsideal und Menschlichkeit.

Warum ist der Patriarch als Figur so wichtig für die Argumentation der Autorin?

Der Patriarch dient als notwendiger negativer Gegenpol. Er verkörpert die dogmatische Intoleranz, die den Dialog verweigert, und verdeutlicht so durch seinen Kontrast zu Nathans dialogischer Haltung die Bedingungen, unter denen Toleranz scheitert.

Inwiefern unterscheidet sich Dajas Verhalten von dem der anderen Figuren?

Daja ist eine widersprüchliche Figur. Obwohl sie wahres Mitleid für Recha empfindet, behindert ihr religiöser Eifer eine objektive Auseinandersetzung. Sie wird als jemand eingeordnet, der aufgrund mangelnder intellektueller Flexibilität nicht zu den „lernenden“ Figuren gehört.

Welche Bedeutung kommt der Ringparabel im Kontext der Toleranz zu?

Die Ringparabel ist zentral, da sie den Fokus von einem statischen Besitzdenken der Wahrheit (welche Religion ist die einzig wahre?) auf ein dynamisches Bewährungsdenken verschiebt, bei dem die „wahre“ Religion in den guten Taten ihres Trägers sichtbar wird.

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Details

Title
Lessings Toleranzgedanke am Beispiel seines dramatischen Gedichtes 'Nathan der Weise'
College
Dresden Technical University  (Institut für Germanistik)
Course
Lessings Theater
Grade
1,3
Author
Susan Grüßner (Author)
Publication Year
2004
Pages
35
Catalog Number
V40679
ISBN (eBook)
9783638391351
ISBN (Book)
9783640203482
Language
German
Tags
Lessings Toleranzgedanke Beispiel Gedichtes Nathan Weise Lessings Theater Thema Nathan der Weise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susan Grüßner (Author), 2004, Lessings Toleranzgedanke am Beispiel seines dramatischen Gedichtes 'Nathan der Weise', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40679
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