Reliquien sind Überbleibsel von Heiligen, besonders die sterblichen Überreste, aber auch Gegenstände, die besonders verehrt werden, weil ihnen wunderbare Wirkung zugesprochen wird. Es gibt Unterschied zwischen primäre und sekundäre Reliquien. Primäre Reliquien sind der Körper des Heiligen selbst oder Teile von ihm, zum Beispiel Finger, Schädel oder Haare. Sekundäre Reliquien sind Gegenstände, mit denen Heilige zu Lebzeiten umging oder Gegenstände, die mit der primären Reliquie in Verbindung stehen. Die Reliquienverehrung ist in der katholischen Christenheit, wo das religiöse Element eine stark ausgeprägte Rolle spielt, besonders bekannt. Ganz anders ist bei den antiken Griechen, bei denen die historische Dimension der Reliquien wichtig ist. Überreste, die von Griechen als Reliquien verehrten wurden, haben sehr selten eine Verbindung zu den Göttern. Die Götterreliquien zählen im antiken Griechenland eher zur Ausnahme.1 Das gilt, weil für Griechen die Götter gegenwärtig sind, während verschiedene Reliquien bereits Vergangenes symbolisieren. Die meisten von den mythischen Reliquien stammen von den Heroen. Sie wurden im jeweiligen Heiligtum aufbewahrt, und in meisten Fällen dem Publikum vorgezeigt. Wie im Christentum wurde den Reliquien eine besondere Wirkung angeschrieben. 1 Vgl. Scheer, Tanja Susanne: Ein Museum griechischer „Frühgeschichte“ in Apollontempel von Sikyon, in: KLIO 78 (1996/2), S. 354.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriff „Reliquie“
2. Reliquien bei der Griechen
3. Das Objekt des Reliquienkultes
4. Reliquien in Sparta
5. Funktion der Reliquien
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion mythischer Reliquien im Kontext des antiken Griechenlands, mit einem spezifischen Fokus auf die Stadt Sparta. Dabei wird analysiert, wie diese Objekte als physische Manifestationen der Vergangenheit und als identitätsstiftende Elemente in den städtischen Raum integriert wurden.
- Definition und Differenzierung von Reliquienarten
- Unterschiede der Reliquienverehrung zwischen Christentum und griechischer Antike
- Die archäologische und rituelle Einbettung von Heroengräbern
- Spezifische Fallbeispiele von Reliquien in Sparta (z. B. Orestes, Leda, Dioskuren)
- Die ordnungspolitische und historische Funktion von Reliquienkulten
Auszug aus dem Buch
4. Reliquien in Sparta
Auf dem Markt des Spartas beim Moirenheiligtum wurde das Grab des Orestes gezeigt. Dazu Quelle 1.7 Orestes hatte ein Kult in Sparta noch in der vordorischen Zeit. Er war Agamemnons Sohn, der im Bunde mit seiner Schwester Elektra die Ermordung seines Vaters an der Mutter und ihrem Buhlen gerächt hatte. Obwohl er das nach dem Willen des Apollon getan hat, wurde er trotzdem von den Göttinnen der Rache, den Erinnyen verfolgt und als Mörder behandelt. Später wurde er in Athen freigesprochen. Er heiratete Hermione, die Tochter des Menelaos und der Helena, nach dem er Neoptolemos in Delphi erschlagen hatte.
Aus der Quelle ist zu erfahren, dass die Spartiaten die Gebeine des Orestes nach Sparta überführen wollten, um sich ihre Hilfe im Kriege gegen Tegeaten zu versichern. Trotz der Hinweise, die sie vom delphischen Orakel bekommen haben, konnten sie lange die Gebeine nicht finden, bis ihnen es durch einen Zufall gelungen ist. Ein Spartaner, Lichas, hat in einem Gespräch mit dem Besitzer einer Schmiede bei Tegea erfahren, dass er auf seinem Hof einen Sarg, sieben Ellen lang, gefunden habe. Lichas hat sofort an die Gebeine des Orestes und an das delphische Orakel gedacht. Er hat den Schmied überredet, ihm sein Hof zu vermieten. Dort hat er die Gebeine ausgegraben und sie nach Sparta gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriff „Reliquie“: Einführung in die Definition von Reliquien und die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Reliquien.
2. Reliquien bei der Griechen: Erläuterung der griechischen Reliquienverehrung im Vergleich zum Christentum und der Fokus auf mythische Heroen statt auf Götter.
3. Das Objekt des Reliquienkultes: Analyse der Beschaffenheit und Aufbewahrungsorte von Reliquien sowie der Voraussetzungen für Bestattungen in Heiligtümern.
4. Reliquien in Sparta: Darstellung spezifischer spartanischer Reliquien und deren Einbettung in lokale Mythen und politische Orakelsprüche.
5. Funktion der Reliquien: Reflexion über die Rolle der Reliquien als greifbare Beweise der Vergangenheit und Identitätsstifter für die Griechen.
Schlüsselwörter
Sparta, Reliquien, Heroenkult, Heroengrab, Orestes, Pausanias, griechische Mythologie, Gebeine, Heiligtum, Identität, Leda, Dioskuren, Antike, Reliquienkult, Archäologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung mythischer Reliquien in der griechischen Antike und untersucht insbesondere deren Verehrung und Funktion in der Stadt Sparta.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die Definition und Klassifizierung von Reliquien, die Bedeutung von Heroengräbern, der kultische Umgang mit Gebeinen und die Funktion dieser Objekte für das historische Selbstverständnis der Griechen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie mythische Reliquien die Vergangenheit für die antiken Griechen handgreiflich und verständlich machten und welche Rolle sie bei der Etablierung lokaler Identitäten spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Untersuchung basiert auf einer literarisch-historischen Analyse, die primär antike Quellen – vor allem Pausanias und Herodot – kritisch auswertet und mit moderner Fachliteratur verknüpft.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, den allgemeinen Vergleich der Reliquienkulte, die Analyse des Objekts im Kult, eine detaillierte Fallstudie zu spartanischen Reliquien sowie eine abschließende Funktionsanalyse.
Welche zentralen Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Heroenkult, Reliquien, Sparta, Orestes und Pausanias geprägt.
Warum galten die Gebeine des Orestes als strategisch wichtig für Sparta?
Die Spartiaten glaubten, dass die Überführung der Gebeine des Orestes nach Sparta ihnen im Krieg gegen die Tegeaten zum Sieg verhelfen würde, wie es durch ein delphisches Orakel prophezeit wurde.
Welche Funktion erfüllte das „Ei der Leda“ im Heiligtum der Leukippiden?
Es diente als sichtbare mythische Reliquie, die den Ursprung der Dioskuren und der Helena im lokalen spartanischen Kontext physisch bezeugte.
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- Lana Novikova (Author), 2005, Mythische Reliquien: Sparta, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40685