Erdöl und Erdgas in Kanadas Energieprovinz Alberta


Seminararbeit, 1997

19 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die regionale Verteilung der Energiereserven Kanadas und deren Verfügbarkeit

2 . Erdöl und Erdgas in Alberta
a) Historische Entwicklung
b) Die Energiekrise der siebziger Jahre und ihre Auswirkungen
c) Entwicklung der Förderung von Erdöl und Erdgas
d) Abnehmer von Erdöl und Erdgas
e) Aktuelle Preisentwicklung bei Erdöl und Erdgas

3. Einfluss der Provinzregierung und des ERBC
a) Strategien der Provinzregierung zur Förderung des Erdöl- und Erdgassektors
b) Konzessionsvergabe und Informationspolitik

4. Das Auslaufen der natürlichen Ressourcen – Eine Gefährdung der wirtschaftlichen Prosperität der Provinz ?

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung :

Kanada besticht nicht nur durch seinen Reichtum an Bodenschätzen sondern auch durch den verschwenderischen Umgang mit ihnen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Kanada den höchsten Energiekonsum pro Einwohner auf der ganzen Welt hat (15765 kWh, 1984). Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einerseits liegen sie im Klima begründet, mit strengen, andauernden Wintern und entsprechend langen Heizperioden.[1] Ein weiterer Faktor ist die Größe des Landes, wodurch weite Transportwege entstehen. Starke Energieverbraucher sind aber auch die Industrie und die hochentwickelte Landwirtschaft. Der hohe Lebensstandard der Bevölkerung tut sein Übriges dazu. Jedoch verfügt das Land über genügend Energieträger, die zusammen eine ausreichende Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung gewährleisten. Die folgende Tabelle spiegelt den Anteil der einzelnen Energieträger am Gesamtverbrauch wieder:

Tabelle 1: Anteil der Energieträger am Gesamtverbrauch 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Die regionale Verteilung der Energiereserven Kanadas und deren Verfügbarkeit

Den größten Anteil an Kanadas Energieressourcen besitzen die einzelnen Provinzen, wenn diese nicht Privatinvestoren oder den Ureinwohnern gehören. Die Ressourcen in den Schelfzonen und Territorien (Yukon, Nordwest Territorium) gehören dem Bund. Bei Staatsgrenzen überschreitenden Transporten und bei Pipelines, kann der Staat eingreifen bzw. Steuern erheben. Dies gilt auch für Ressourcen innerhalb der Provinzen, wenn ganz Kanada betreffende Interessen berührt werden.

Die Energieressourcen in Kanada sind über eine riesige Fläche relativ ungleichmäßig verteilt. Der Großteil der vorhandenen Ressourcen konzentriert sich auf die westlichen Provinzen British Columbia, Saskatchewan und Alberta, wobei in Alberta selbst 40 % der gesamten Rohstoffe Kanadas gefördert werden. Allerdings müssen von hier aus große Distanzen zu den Bevölkerungszentren an den Großen Seen überwunden werden (3000-4000 km).

Abbildung 1 : Regionale Verteilung der Erdöllagerstätten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zwei dominierenden Energieträger, welche einen Anteil von über 2/3 an der Energieversorgung haben, sind Erdöl und Erdgas. Somit konzentriert sich auch das politische und wirtschaftliche Interesse primär auf diesen Sektor. Die in der kanadischen Arktis vorhanden Erdölvorkommen sind äußerst gering und die Explorationskosten sehr hoch. Deshalb konzentriert sich das wirtschaftliche Interesse hier vorwiegend auf die vorhandenen Erdgasvorkommen, die einen Anteil von 26 % an den gesamten kanadischen Reserven haben. Diese werden momentan aber aufgrund der ungünstigen Preis-Kosten-Relation und des Protests der Ureinwohner nicht ausgebeutet. Die Offshore - Lagerstätten vor der Ostküste Kanadas haben einen Anteil von 16 % an den kanadischen Erdölreserven, wobei deren Ausbeutung allerdings weitgehend unrentabel ist. Die Ölsandvorkommen Albertas, mit einer geschätzten Menge von 150 - 200 Mrd. m³[2] Schweröl, galten lange Zeit als unerschöpflich. Die Gewinnung von sogenanntem synthetischem Öl aus dem hochviskosen (zähflüssig) Schweröl der Ölsande betrug 1991 lediglich 11 Mio. t. Eine Produktionssteigerung ist derzeit aufgrund der hohen Aufbereitungskosten nicht möglich. 1991 stammten 84 % der flüssigen Kohlenwasserstoffe und 82 % des Erdgases, das in Kanada gefördert wurde, aus Alberta. Jedoch bringen es die enormen Entfernungen die beim Transport überbrückt werden müssen mit sich, dass das Erdgasnetz nicht bis in die Atlantikprovinzen reicht, wobei der Osten seit jeher billiger mit Importöl versorgt wird. Umgekehrt fließen fast 40 % der kanadischen Gas- und Erdölförderung in die nahen USA.

Die Ausbeutung der Ressourcen seit den sechziger Jahren hat dazu geführt, dass sich die Reserven langsam aber allmählich ihrem Ende zuneigen. Beim Erdöl gingen die Reserven von 1,5 Mrd. t Ende der sechziger Jahre auf ungefähr 0,7 Mrd. t zurück, so dass bei gleichbleibender Förderung die Ressourcen um das 2030 aufgebraucht sein werden. Aufgrund hoher Explorationskosten für neue Lagerstätten und den derzeit niedrigen Weltmarktpreisen wird die Produktion aber voraussichtlich schon früher eingestellt.

2. Erdöl und Erdgas in Alberta

a) Historische Entwicklung

Die Provinz Alberta gehört zu den rohstoffreichsten Regionen Kanadas überhaupt. Die Ausbeutung der reichhaltigen Bodenschätze Albertas setzte 1858 mit Goldfunden am Fraser ein. Der Abbau dieser Goldseifen bereitete technisch keine Schwierigkeiten. Zu gleicher Zeit werden im Bereich des Oberen Sees in Ontario weitere Lager an Silber-, Kupfer- und Eisenerzen entdeckt. Allerdings gelang erst in jüngerer Zeit auch der Durchbruch bei der Förderung von Erdöl und Erdgas. Obwohl schon im Jahre 1913/14 im Turner - Tal bei Calgary ein erstes Erdöllager erbohrt werden konnte, blieb hier ebenso wie im Mackenzie-Tal bei Norman Wells die Produktion gering.[3] Entscheidend für die Weiterentwicklung der kanadischen Rohstoffförderung war der 13.Februar 1943. An diesem Tag nämlich stieß ein Bohrtrupp der Firma Imperial Oil wenige Kilometer nordöstlich der Stadt Leduc nach zehn Wochen erfolgloser Bohrungen auf riesige Vorkommen hochwertigen Rohöls[4]. Die Quelle bekam den Namen Imperial Leduc 1 und ging in die Geschichte als eine der ergiebigsten Quellen ein, da sie erst 1974 versiegte. Nicht nur der Umstand, dass es sich bei dieser um die erste erbohrte Quelle handelte, sondern auch die Tatsache, dass dies noch weitere Erdölvorkommen im näheren Umfeld vermuten ließ, machten sie zu einem Ereignis in der kanadischen Geschichte, um das sich noch heute viele Erzählungen ranken. Tatsächlich war dieser Fund Auslöser für eine Reihe von weiteren Funden im näheren Umkreis von Edmonton und im Nordwesten, wo nacheinander ergiebige Felder erschlossen werden konnten. So wurde der Mittlere Westen, vor allem aber die Provinz Alberta, seit 1947 der wichtigste Produzent von Erdöl und Erdgas.

b) Die Energiekrise der siebziger Jahre und ihre Auswirkungen

Wie schon zuvor erwähnt, sind die natürlichen Ressourcen in den zehn kanadischen Provinzen in recht unterschiedlichen Mengen vorhanden und aufgrund der föderalen Struktur Kanadas sind diese auch nicht für alle Provinzen im gleichen Maße zugänglich. Die Energiekrise Anfang der siebziger Jahre stellte für einige Provinzen, die stark auf die Einfuhr von Erdöl und Erdgas angewiesen waren, eine ökonomische Katastrophe dar, während andere, mit Öl und sonstigen Energieträgern reichhaltig ausgestattete Provinzen, von einem massiven Ölpreisanstieg profitierten[5]. Damit verschob sich natürlich auch das politische Gewicht zugunsten der rohstoffreichen Provinzen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken und den Verbraucher vor zu großen Preissteigerungen zu bewahren, wurde der Preis für Inlandsöl im Herbst 1973 von der Regierung eingefroren. Dies hatte den Effekt, dass die Preise für kanadisches Öl geringer waren, als die Weltmarktpreise. Diese Regelung hatte Bestand bis in die achtziger Jahre. Beim Gas war die Situation anders. Hier war der Gaspreis vor 1975 Verhandlungssache zwischen Anbieter und Abnehmer. Nach 1975 musste der Preis zwischen Alberta und der Bundesregierung ausgehandelt werden. Dabei wurde jeweils ein spezifischer Prozentsatz (85 % bis 1980) der Rohölpreise angesetzt. Weiterhin kam es 1974 zu der Entwicklung eines Importkompensationssystems (OICP), welches durch die Einnahmen aus Exportsteuern, die die erölfördernden Provinzen zu bezahlen hatten, finanziert wurde, und welches darauf abzielte, Gleichheit und Fairness zwischen Konsumenten in unterschiedlichen Regionen des Landes herzustellen. Durch dieses Programm wurden aber auch die Verarbeiter von importiertem Öl subventioniert, damit ihre Kosten in gleicher Höhe blieben wie bei denjenigen, die kanadisches Öl verarbeiteten[6].

[...]


[1] Lenz , Karl (1988): Kanada .- Eine geographische Länderkunde , Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt , S.268

[2] Metrik für Öl : 1m³ Þ 6,3 barrels / 1 Petroleumbarrel Þ 42 gallons / 1 gallon = 3,785 l / 1 barrel Þ ~ 159 l / 1 m³ = 1001,7 l

[3] Lenz , Karl (1988) : Kanada .- Eine geographische Länderkunde, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, S. 255/56

[4] Alberta Department of Energy 1995 – 1996 Annual Report

[5] Krempf , U. , Michelman , H.-J., Schiller , T.(1991): Politik und Politikstile im kanadischen Bundesstaat , Leske und Budrich, Opladen , S.161.

[6] Krempf , U. , Michelman , H.-J., Schiller , T.(1991): Politik und Politik-stile im kanadischen Bundesstaat , Leske und Budrich , Opladen , S.168

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Erdöl und Erdgas in Kanadas Energieprovinz Alberta
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Vorbereitung auf Kanada-Exkursion 1997
Note
gut
Autor
Jahr
1997
Seiten
19
Katalognummer
V407
ISBN (eBook)
9783638102926
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kanada, Alberta, Energiewirtschaft, Erdöl, Erdgas, Ölsande
Arbeit zitieren
Eric Mühle (Autor), 1997, Erdöl und Erdgas in Kanadas Energieprovinz Alberta, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/407

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