Begriffliche Einführung in die Terrorismusthematik unter der Betrachtung der religiösen Ausprägung des Terrorismus in Form des Islamischen Fundamentalismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wissenschaftliche Einführung in die Terrorismusproblematik
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Die Internationalisierung des Terrorismus
2.3 Beweggründe terroristischer Gewalt

3. Islamischer Fundamentalismus
3.1 Der Aufstieg des Fundamentalismus in den Siebzigerjahren
3.2 Religiös-politische Anschauungen im islamischen Fundamentalismus
3.3 Gründe der Terrorentwicklung

4. Fazit

5. Quellennachweis

1. Einleitung

Verschafft man sich einen ersten Einblick über die Literatur zum Thema Terrorismus, wird deutlich, dass dem Begriff als solchem eine einheitliche Definitionsgrundlage fehlt. Was Terrorismus eigentlich ist, wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich definiert.

„Sie gelangen nach der kritischen Erörterung zahlloser Definitionsansätze zu dem Ergebnis, dass der Versuch, den Terrorismus wissenschaftlich definieren zu wollen, verlorene Liebesmüh ist,“ schließt Bruno Schoch daraus; und „weil dem so ist, liegt es nahe, ähnlich wie im allgemeinen Sprachgebrauch unter Terrorismus nichts als exzessive Gewaltanwendung überhaupt zu verstehen.“[1]

Das klingt erschöpfend und unbefriedigend. Daraus ziehe ich die Konsequenz, den Terrorismus in seinem jeweiligen gesellschaftlichen und geschichtlichen Kontext zu betrachten.

Aufgrund der Kürze der Arbeit möchte ich mich hier nur mit einer Einführung in die Terrorismusthematik beschäftigen und mögliche Szenarien sowie Bekämpfungs-maßnahmen weitgehend außer Acht lassen.

Daher möchte ich im zweiten Kapitel den „Terrorismus“ hinsichtlich seines historischen Hintergrundes, seines Begriffes, seiner Beweggründe sowie seiner Entwicklung kurz skizzieren.

Im dritten Kapitel geht es mir um die besondere Ausprägung des religiösen Terrorismus in Form des Islamischen Fundamentalismus, dessen Gründe und Anschauungen genauer betrachten werden sollen.

Eine Abgrenzung der Begriffe Terror, Terrorismus und Guerilla möchte ich nicht vornehmen, nur insofern, dass ich Terror als staatliche Schreckensherrschaft und den Guerillakampf als militärische Strategie betrachte, der auf Machtübernahme zielt, während Terrorismus auf einer irregulären Kampfstrategie beruht, die vor allem durch Schrecken das Denken in den Köpfen der Menschen verändern will.[2]

In der folgenden Arbeit geht es mir jedoch lediglich um den Begriff Terrorismus.

2. Wissenschaftliche Einführung in die Terrorismusproblematik

2.1 Begriffsbestimmung

Wie eingangs erwähnt, lässt sich in der Literatur keine einheitliche Definition zum Begriff Terrorismus finden. Ein wesentlicher Grund für den Erklärungsnotstand mag in dem häufigen Bedeutungswandel des Begriffs Terrorismus in den letzten zweihundert Jahren liegen.

Erstmals gebräuchlich wurde der Begriff Terrorismus während der Französischen Revolution. Das System der Jahre 1793/94, das als régime de la terreur in die Epoche einging, diente der Durchsetzung von Ordnung nach einer anarchischen Periode der Unruhen und Aufstände, die auf die Revolution von 1789 gefolgt waren.[3]

Mit dem Ziel, die 1789 erkämpfte bürgerliche Gesellschaft und ihre republikanischen Freiheitsrechtsrechte zu verteidigen, hatte der Terrorismus damals eine durchaus positive Nuance. Robespierre sah darin ein legitimes Mittel, die Demokratie in Phasen revolutionärer Ausbrüche zu schaffen oder zu erhalten, während die Hauptquelle einer volkstümlichen Regierung in Friedenszeiten die Tugend sei. Terrorismus war aus der Sicht Robespierres demnach nichts anderes als Gerechtigkeit und daher mit den Idealen der Tugend und Demokratie durchaus in Einklang zu bringen.

Die Französische Revolution führte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa schließlich das Ende monarchischen Gottesgnadentums mit sich, begleitet von einer neuen Vorstellung über die Rolle von Bürger und Staat, sowie einem neuen Verständnis von Nationalismus und Souveränität.

Darüber hinaus können die immensen sozioökonomischen Veränderungen der folgenden industriellen Revolution als Katalysator neuer universalistischer Ideologien (wie Kommunismus/Marxismus) gelten, die aus der Entfremdung und Ausbeutung der Arbeitskraft im Kapitalismus resultierten.

„Aus diesem Milieu ging eine neue Ära des Terrorismus hervor, in der das Konzept viele seiner bekannten revolutionären, staatsfeindlichen Aspekte von heute gewann.“[4]

Die Gemeinsamkeiten, die den revolutionären Terrorismus mit dem heutigen Terrorismus nach wie vor verbinden, sind nach Hoffmans Auffassung zum einen die Tatsache, dass Terrorakte weder während des régimes de la terreur noch heute blind und ziellos, sondern vielmehr organisiert, zielbewusst und systematisch durchgeführt wurden und werden. Zum anderen bestand damals wie auch heute sein „Ziel und seine Rechtfertigung in der Schaffung einer `neuen und besseren Gesellschaft` anstelle eines ganz und gar korrupten und undemokratischen politischen Systems“.[5]

Im Gegensatz zur heutigen Begriffsbestimmung, die den Terrorismus als gewaltsame Übergriffe auf Staaten sieht, die von nichtstaatlichen oder substaatlichen Akteuren ausgeführt werden, war das régime de la terreur allerdings ein Instrument der Herrschaft, die durch den kürzlich erst etablierten revolutionären Staat ausgeübt wurde.[6]

Demnach lässt sich Terrorismus aus heutiger Sicht als eine bestimmte Art gewaltsamen Vorgehens gegen eine politische Ordnung darstellen, die Waldmann als „planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge aus dem Untergrund“[7] definiert, deren Ziel es ist, allgemeine Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft unter Gleichgesinnten zu erzeugen.

Die Darstellung des Terrorismus als Untergrundkriegsführung, die schwächere Gruppen in die Lage versetzt, große Staatsmächte herauszufordern, wird dem Sachverhalt zuteil, dass es sich hierbei um eine Gewaltstrategie relativ kleiner Gruppen handelt, denen die militärischen sowie personellen Mittel fehlen, um offen Gegenwehr leisten zu können und daher in der Illegalität im Geheimen operieren.

Aus diesem Grund wird auch deutlich, dass Terrorgruppen nicht nur auf gut organisierte, sondern vor allem auch spektakuläre Anschläge angewiesen sind, wenn sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit möglichst nachhaltig erregen und ein Gefühl der Machtlosigkeit erzeugen wollen.[8]

Dieser ´Schockeffekt´ stellt einen zentralen Bestandteil terroristischer Logik und Strategie dar, der Terroristen maßgeblich durch ihre vergleichslose Brutalität und Willkür gelingt, mit denen sie Terroranschläge verüben.[9]

Die spezifischen Charakteristika des Terrorismus soll mit der Darlegung Hirschmanns hier wie folgt zusammengefasst werden:

1. Terroristische Gewalt ist vorsätzlich, systematisch geplant und zielt auf Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung;
2. sie verfolgt eine psychologische Wirkung und richtet sich daher an eine breite Öffentlichkeit;
3. sie verübt überraschende Angriffe auf willkürlich gewählte symbolische Ziele – Gebäude wie auch Personen, und schürt gerade aufgrund dieser Willkür die Angst der Bevölkerung,
4. setzt sich über rechtliche und moralische Normen hinweg,
5. zielt auf eine Verhaltensbeeinflussung des politischen Gegners.[10]

Betrachtet man die involvierten Personengruppen (Gewaltakteure, Opfer der Gewalttaten, eigentliche Zielgruppe), werden o. g. Charakteristika nochmals insofern deutlich, dass es nicht um die Zerstörung der Opfer geht[11], sondern diese lediglich ein ´Mittel zum Zweck´ darstellen, um die eigentliche Zielgruppe (Staaten, Regierungen, Gesellschaften) unter Druck zu setzen.

Den Terroristen geht es also nicht um die Gewalttat, sondern um den symbolischen Stellenwert, der sich dahinter verbirgt. Der Akt der Zerstörung trägt eine Botschaft; je größer der Schockeffekt, der mit der Zerstörung einhergeht, umso breiter die Öffentlichkeit, die davon Kenntnis nimmt.[12]

Der Terrorismus stellt somit eine Kommunikationsstrategie dar, deren Botschaften zum einen das Ziel verfolgen, das Vertrauen in den Staat und seine Fähigkeit zum Bürgerschutz zu untergraben und zum anderen bei Gleichgesinnten Sympathie sowie Unterstützung auszulösen.[13]

[...]


[1] Schoch, B.: Der neue Terrorismus: Hintergründe und Handlungsfehler in arabischen Staaten; in: Hirschmann, K./Leggemann,C. (Hrsg.): Der Kampf gegen den Terrorismus. Strategien und Handlungserfordernisse in Deutschland, BWV, Berlin 2003, Seite 42.

[2] Vgl. Waldmann, P.: Terrorismus. Provokation der Macht, München 1998, Seite 14.

[3] Vgl. Hoffman, B.; Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt; S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1999; Seite 15.

[4] Vgl. ebd,, Seite 18.

[5] Vgl. Hoffman, B.: Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt; S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1999; Seite 17.

[6] Vgl. ebd., Seite 16.

[7] Waldmann, P.: Terrorismus. Provokation der Macht, München 1998, Seite 10.

[8] Vgl. ebd., Seite 11.

[9] Vgl. ebd., Seite 12.

[10] Vgl. Hirschmann, K.: Internationaler Terrorismus gestern und heute: Entwicklungen, Ausrichtungen, Ziele; in: Frank/Hirschmann (Hrsg.): Die weltweite Gefahr. Terrorismus als internationale Herausforderung; Berlin Verlag Anno Spitz GmbH 2002, Seite 32.

[11] Terroristen wählen eine begrenzte Anzahl von Opfern aus, um die restlichen Menschen ihren Zielen entsprechend, z.B. in Form von Angst, manipulieren zu können. Im Gegensatz dazu steht der Genozid, dessen Ziel die völlige Beseitigung einer Opfergruppe ist (z.B. Judenvertreibung im 3.Reich) und daher mit Terrorismus in diesem Sinne nicht gleichzusetzen ist (s. Waldmann, S. 30).

[12] Vgl. Waldmann, P.: Terrorismus. Provokation der Macht, München 1998, Seite 12.

[13] Vgl. ebd., Seite 13.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Begriffliche Einführung in die Terrorismusthematik unter der Betrachtung der religiösen Ausprägung des Terrorismus in Form des Islamischen Fundamentalismus
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politik)
Veranstaltung
Soziologie des Krieges
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V40719
ISBN (eBook)
9783638391696
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begriffliche, Einführung, Terrorismusthematik, Betrachtung, Ausprägung, Terrorismus, Form, Islamischen, Fundamentalismus, Soziologie, Krieges
Arbeit zitieren
Sandra Janner (Autor), 2005, Begriffliche Einführung in die Terrorismusthematik unter der Betrachtung der religiösen Ausprägung des Terrorismus in Form des Islamischen Fundamentalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40719

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