1947 waren 11 der 23 Vertragsländer des GATT Entwicklungsländer (EL). Heute im Jahr 2005 sind circa 100 der 147 Mitglieder der WTO Entwicklungsländer. Dabei belegt der starke Anstieg der teilnehmenden Entwicklungsländer die hohe Attraktivität des Abkommens bzw. der Organisation. Diese Attraktivität ist auch auf die vom GATT gewährten Sonderrechte für EL zurückzuführen. Im Folgenden soll nun erörtert werden, ob und in wie- fern diese Sonderbehandlung einen Nutzen für die EL stiften, und ob es für sie erstrebenswert ist, dass diese ihnen unter allen Umständen zugestanden werden. Kapitel 2 erklärt hierfür die Entstehung, die Bestandteile sowie die Prinzipien von GATT und WTO, und geht ausführlich auf die bestehenden Sonderrechte und ihre Hintergründe ein. In Kapitel 3 werden die wesentlichen Sonderrechte der EL auf ihren ökonomischen und politischen Nutzen hin untersucht. Eine Schlussfolgerung der zusammengetragenen Informationen erfolgt schließlich in Kapitel IV.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom GATT zur WTO
2.1 Entstehung des GATT
2.2 Grundprinzipien und Ziele des GATT
2.3 WTO- die Uruguay-Runde und danach
2.4 Sonderrechte der Entwicklungsländer im GATT (WTO)
2.5 Grundidee hinter der Sonderbehandlung
3. Nutzen und Kostenbilanz der Sonderbehandlung
3.1 Art. XVIII: Freihandel versus Protektionismus
3.2 Entbindung vom Prinzip der Reziprozität: ein wirklicher Vorteil?
3.3 Präferenzsysteme: eine Diagnose
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den ökonomischen und politischen Nutzen der sogenannten Sonderbehandlung von Entwicklungsländern innerhalb des GATT- und WTO-Systems. Im Kern steht dabei die Forschungsfrage, ob die diesen Ländern eingeräumten Privilegien und Ausnahmeregelungen tatsächlich zu einer verbesserten Entwicklungssituation beitragen oder ob sie eher als ineffiziente Hindernisse für eine erfolgreiche Integration in die Weltwirtschaft zu bewerten sind.
- Historische Entwicklung des GATT zur WTO und die Rolle der Entwicklungsländer
- Analyse der Sonderrechte (SDT) und deren theoretische Rechtfertigung
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Protektionismus und Freihandel (Art. XVIII)
- Kritische Bewertung der Entbindung vom Prinzip der Reziprozität
- Diagnose der Wirksamkeit von Präferenzsystemen und deren diskriminierende Effekte
Auszug aus dem Buch
3.1 Art. XVIII: Freihandel versus Protektionismus
Art. XVIII erlaubt es den EL Handelsrestriktionen zu ergreifen, die entweder die „Infant-Industries“ oder ihre Zahlungsbilanz schützen sollen. Es stellt sich zunächst die Frage, ob es Vorteile des „Infant-Industries“- Arguments für protektionistische Maßnahmen gegenüber der Prämisse des Freihandels gibt, die im GATT eine entscheidende Stütze darstellt. Die Idee hinter dem Erziehungszollargument ist, dass die EL durch die Einführung von Zöllen eine Produktionssteigerung bei sinkenden Kosten aufgrund von dynamischen “Economies of Scale“ erreichen. Das geschieht solange, bis diese Industrien effizient genug wirtschaften, das Ausland die Produktionsvorteile verliert und die heimischen Industrien auch ohne Zollschutz mit der ausländischen Industrien im Wettbewerb mithalten können.
Auch das Prinzip der internationalen Arbeitsteilung, das auf der Ausnutzung von komparativen Vorteilen basiert, widerspricht nicht der Forderung nach Erziehungszöllen. „ So werden durch solche Zölle die komparativen Kosten nur geändert, die Handelsströme nur in andere Betten umgelenkt, aber es sind die (neuen) komparativen Kostendifferenzen, die die Richtung der neuen Ströme bestimmen“ (Rose/Sauernheimer (1999), S. 621). Nach John St. Mill lässt sich ein Erziehungszoll nur dann als sinnvoll erklären, wenn dieser nur von gewisser Dauer ist, und um damit einen neuen Industriezweig im Land aufzubauen zu können (vgl. Rose/Sauernheimer (1999), S. 621).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Anstieg der Entwicklungsländer in der WTO und die grundlegende Forschungsfrage nach dem tatsächlichen Nutzen der ihnen gewährten Sonderrechte.
2. Vom GATT zur WTO: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Welthandelsordnung, die Prinzipien von GATT und WTO sowie die historischen Hintergründe der etablierten Sonderbehandlung für Entwicklungsländer.
3. Nutzen und Kostenbilanz der Sonderbehandlung: Hier wird der ökonomische Nutzen spezifischer Sonderrechte wie Erziehungszöllen, der Reziprozitäts-Entbindung und Präferenzsystemen kritisch untersucht und hinterfragt.
4. Schlussfolgerung: Das Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass die Sonderbehandlung oft ineffizient ist und die Integration in die Weltwirtschaft eher behindert als fördert.
Schlüsselwörter
Sonderbehandlung, Entwicklungsländer, GATT, WTO, Protektionismus, Freihandel, Reziprozität, Präferenzsysteme, Infant-Industries, Welthandel, Liberalisierung, Sonderrechte, Handelshemmnisse, Weltwirtschaft, ökonomische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Berechtigung und die ökonomischen Auswirkungen der "Special and Differential Treatment" (SDT) Regeln, die Entwicklungsländern innerhalb des internationalen Welthandelssystems gewährt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Prinzipien des GATT, das Spannungsverhältnis zwischen Protektionismus und Freihandel, die Praxis von Präferenzsystemen sowie die Auswirkungen der Reziprozitäts-Entbindung auf die Handelsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erörtern, ob die Sonderbehandlung für Entwicklungsländer ein effektives Instrument zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung darstellt oder ob sie zu ineffizienten Strukturen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die theoretische Konzepte der Außenwirtschaftstheorie mit empirischen Befunden aus der wirtschaftspolitischen Fachliteratur verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der WTO-Prinzipien, die spezifische Untersuchung der Schutzmechanismen für junge Industrien (Art. XVIII) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Präferenzabkommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Sonderbehandlung, Entwicklungsländer, Protektionismus, Freihandel und GATT/WTO charakterisieren.
Warum wird das Argument der "Infant-Industries" kritisch hinterfragt?
Das Argument wird kritisch gesehen, da es oft zu ineffizienten dauerhaften Schutzmaßnahmen führt und Anreize für "Rent-Seeking"-Verhalten schafft, statt echte Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
Welche Rolle spielt die Reziprozität im Welthandelssystem?
Reziprozität ist ein zentrales GATT-Prinzip für den fairen Handel. Die Befreiung der Entwicklungsländer von diesem Prinzip wird in der Arbeit als handelspolitisch zweifelhaft bewertet, da sie die Verhandlungsmacht der Länder schwächt.
- Quote paper
- Michael Gerlach (Author), 2005, Sollten die Entwicklungsländer im GATT (WTO) eine Sonderbehandlung erfahren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40729