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Raubrittertum im Spiegel des Westfalenbuches - Zeitgenössische Interpretation und moderne Kritik

Título: Raubrittertum im Spiegel des Westfalenbuches - Zeitgenössische Interpretation und moderne Kritik

Trabajo de Seminario , 2001 , 18 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Geoffrey Schöning (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
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Einleitung

"Ruten, roven, dat en is gheyn schande,
Dat doynt die besten van dem lande."

Der bloße Hinweis auf das Spätmittelalter genügt, und dieses Zitat evoziert ganz unwillkürlich einen schlagwortartigen Begriff: Raubritter. Ebenso schnell drängen sich bildhafte Assoziationen auf: verwahrloste Gestalten, die friedliche Kaufmannzüge überfallen; eine Paria verarmter Adeliger, die sich schadlos an ihren Bauern hält. Ohne an einen situativen Kontext gebunden zu sein, scheint das Wort an sich schon ein geschichtliches Phänomen zu beschreiben und - die Adjektive in der Beschreibung machen es deutlich - auch zu begründen: Demnach fallen unter diese Kategorie "Ritter, die infolge der gesellschaftlichen Wandlungen seit dem Spätmittelalter von sozialem Abstieg bedroht waren und sich Einnahmen durch Straßenraub und Lösegelderpressung zu verschaffen suchten."
Den Zeitzeugen der von uns so betitelten Adeligen war der Begriff freilich unbekannt. Macht man sich in mittelalterlichen Quellen auf die Suche nach "Raubrittern" und ihren Namensvettern, stößt man lediglich auf raptores, latrones oder spoliares, also Räuber im allgemeinen Sinne, nicht aber auf das Wort selbst - es ist ein Konstrukt des 19. Jahrhunderts. Hinter ihm verbirgt sich ein Idealtypus der frühen Geschichtswissenschaft, mit dem das oben skizziertes Erklärungsmodell in Letter gegossen werden sollte. Ob die spätmittelalterlichen Verhältnisse ein solches tatsächlich rechtfertigten, stand lange gar nicht zur Debatte. Erst mit Beginn der 1940er Jahre wurden Zweifel an der all zu unkritischen Verwendung des Ausdrucks und seiner Derivate laut. Diese verspätete Kritik ist auf engste mit der Quellenlage verbunden. Die gängigen Erklärungsmuster waren nämlich samt und sonders schon in den zeitgenössischen Chroniken vorgezeichnet und wurden entsprechend unreflektiert übernommen. So etwa von der Liber de laude antiquae Saxoniae nunc Westphaliae dictae - kurz: dem Westfalenbuch Werner Rolevincks, eines Kartäusermönches, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte. Seine Ausführungen zu adeligen Gewalttaten, die unter anderem mit dem illustren Eingangszitat dieser Arbeit aufwarten, wurden breit rezipiert und immer wieder als Belege für das postulierte Bedingungsgefüge in Sachen Raubrittertums herangezogen.
[...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Raubritter im Westfalenbuch

2.1. Hintergründe

2.2. Erklärungsversuche

3. Krisenphänomene beim Adel

3.1. Wirtschaft auf Talfahrt?

3.2. Alternativen im Erwerb

4. Ursprung allen Übels? Die Fehde

5. Perspektivität

5.1. Mentalitäten im Wandel

5.2. Standestypische Wahrnehmungen

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Phänomen des "Raubrittertums" im Spätmittelalter, wobei sie sich kritisch mit der Darstellung und Interpretation durch den Chronisten Werner Rolevinck in seinem "Westfalenbuch" auseinandersetzt. Ziel der Untersuchung ist es, das Klischee des verarmten Raubritters zu hinterfragen und den Begriff als perspektivisch geprägtes Konstrukt der Zeitgenossen und späterer Wissenschaft zu entlarven.

  • Kritische Analyse des Westfalenbuches von Werner Rolevinck
  • Untersuchung der sozioökonomischen Realität des spätmittelalterlichen Adels
  • Differenzierte Betrachtung des Phänomens der adeligen Fehde
  • Hinterfragung der Perspektivität in zeitgenössischen und historiographischen Quellen
  • Deutung der Raubritter-Thematik im Kontext gesellschaftlicher Umwälzungen

Auszug aus dem Buch

2.2. Erklärungsversuche

Der Titel des Abschnitts, in dem sich Rolevinck des Raubrittertums annimmt, ist symptomatisch: „Eine Entschuldigung für unser Heimatland“13. Im Stile einer Verteidigungsrede, die Vorwürfe und Schmähungen seiner Mitwelt zurückweisend, versucht er, das Bild des angeblich so ruchlosen Westfalens zurecht zu rücken. Interessanterweise schließt sein Schutz die eigentlichen Urheber von rapina und dolosita – vornehmlich „Leute ritterbürtiger Herkunft“ (S. 203) mit ein. Nicht blinde Wut oder gar Adelshass bestimmen seine Argumentation, ganz im Gegenteil: Die adeligen raptores sind seiner Beschreibung nach „stattliche, kraftstrotzende Gestalten, unternehmungslustig und dabei von Natur aus eigentlich gutmütig. Sie sind ehrgeizig und unter ihresgleichen unbedingt zuverlässig.“(S. 205) Der Grund für ihre Vergehen ist demnach nicht in ihrem Charakter zu suchen. „Nur aus Not sind sie so gewalttätig geworden [...] Die große Armut hat diese Junker zu ihren vielen Schandtaten verleitet [...] Ihr ganzes Sinnen und Trachten geht nur darauf hin, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen.“ (Ebd.) Wenn Verbrechen begangen werden, so als Folge wirtschaftlicher Missstände. Die Rädelsführer sind also beklagenswerte Opfer äußerer Faktoren: ihrer eigenen Ländereien, die „ohne ihre Wohnungen [...] Ödland [wären]“ (Ebd.) , ihrer Erziehung, die einem „Märtyrertum“(S. 20514) gleicht und schließlich auch Opfer der Geschichte. Sind doch gerade die ärmsten unter ihnen Abkömmlinge fränkischer Adeliger, die im Verteilungskampf um das geschlagene Westfalen unterlagen und so gezwungen waren, in die unfruchtbarsten Gebiete abzuwandern. Um dennoch ihr Auskommen zu finden, „setzten [sie] dort ihre Raubzüge fort bis auf unsere Tage, als wenn sie Rache nehmen wollten für das alte Unrecht“ (S. 211).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Raubrittertum und kritische Distanzierung zum gängigen, durch Chroniken geprägten Bild des verarmten Adels.

2. Raubritter im Westfalenbuch: Untersuchung von Werner Rolevincks Rolle als Chronist und seiner spezifischen Entschuldigungsstrategie für adelige Gewalttaten.

3. Krisenphänomene beim Adel: Analyse wirtschaftlicher Faktoren und Alternativen zum klassischen Agrarerwerb im spätmittelalterlichen Westfalen.

4. Ursprung allen Übels? Die Fehde: Rechtshistorische Einordnung der Fehde als legitimes Rechtsinstitut und Abgrenzung zu kriminellen Handlungen.

5. Perspektivität: Erörterung, wie soziale Mentalitäten und Standesinteressen die Wahrnehmung von Gewalt und Raub entscheidend beeinflussten.

6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass Raubrittertum kein bloßes Armutsphänomen war, sondern ein Konstrukt aus perspektivischer Wahrnehmung.

Schlüsselwörter

Raubrittertum, Werner Rolevinck, Westfalenbuch, Spätmittelalter, Adel, Fehde, Perspektivität, Sozialer Wandel, Territorialstaat, Wirtschaftsgeschichte, Rechtsgeschichte, Gewaltmonopol, Ritterstand, Geschichtsbild

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Figur des Raubritters im Spätmittelalter und hinterfragt kritisch das überlieferte Bild, das maßgeblich durch zeitgenössische Chroniken wie das Westfalenbuch von Werner Rolevinck geprägt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit beleuchtet die sozioökonomische Lage des niederen Adels, das mittelalterliche Fehdewesen als Rechtsinstitut, den Wandel von Herrschaftsstrukturen im werdenden Territorialstaat und die subjektive Wahrnehmung von Gewalt durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Dekonstruktion des Begriffs "Raubritter" als Klischee. Die Autorin zeigt auf, dass es sich hierbei weniger um eine objektive historische Realität als um ein Konstrukt handelt, das durch die interessengeleitete Perspektive der Zeitgenossen entstand.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, wobei sie das Westfalenbuch von Werner Rolevinck dekonstruiert und aktuelle geschichtswissenschaftliche Forschungsergebnisse, etwa von Regina Görner oder Otto Brunner, in den Diskurs einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die wirtschaftlichen Krisentheorien des Adels, untersucht die Bedeutung der Fehde, hinterfragt die Rolle der Kirche und des Bürgertums bei der Kriminalisierung ritterlichen Verhaltens und thematisiert den Einfluss der Standesmentalität auf die historische Überlieferung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Raubrittertum, Perspektivität, Fehde, Werner Rolevinck, Westfalenbuch, adeliger Strukturwandel und Kriminalisierung.

Inwiefern beeinflusste Werner Rolevinck das Bild des Raubrittertums?

Rolevinck konstruierte in seinem Westfalenbuch ein Bild des "edlen, aber verarmten Junkers", der nur aus Not zu Raubzügen gezwungen sei. Diese Apologetik prägte das Verständnis von Raubrittern in der Geschichtsschreibung nachhaltig und oft unreflektiert.

Welche Rolle spielte das aufkommende Bürgertum bei der Entstehung des "Raubritter"-Begriffs?

Aus der Perspektive der Städte war die adelige Fehde mit ihren typischen Begleiterscheinungen wie Plünderung und Zerstörung kriminell. Das Bürgertum setzte zunehmend sein eigenes, auf Eigentumssicherung basierendes Wertesystem durch, wodurch ritterliches Verhalten abgewertet und gebrandmarkt wurde.

Final del extracto de 18 páginas  - subir

Detalles

Título
Raubrittertum im Spiegel des Westfalenbuches - Zeitgenössische Interpretation und moderne Kritik
Universidad
University of Freiburg  (Historisches Seminar - Abteilung Landeskunde)
Curso
Proseminar: Soziale Mobilität im Mittelalter
Calificación
1,0
Autor
Geoffrey Schöning (Autor)
Año de publicación
2001
Páginas
18
No. de catálogo
V4072
ISBN (Ebook)
9783638125239
Idioma
Alemán
Etiqueta
Raubrittertum Spiegel Westfalenbuches Zeitgenössische Interpretation Kritik Proseminar Soziale Mobilität Mittelalter
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Geoffrey Schöning (Autor), 2001, Raubrittertum im Spiegel des Westfalenbuches - Zeitgenössische Interpretation und moderne Kritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4072
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