Im Zuge einiger aktueller Bilanzskandale und daraus resultierenden Zusammenbrüchen ganzer Unternehmen, wie beispielsweise Enron in den USA oder Flowtex und Comroad in Deutschland, ist auch die Verantwortlichkeit der Abschlussprüfer in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers bildet die Ausgangssituation der Reformen auf diesem Gebiet. Regelungen zur Abschlussprüfertätigkeit entfalten jedoch erst ihre Wirkungen, wenn Sanktionen drohen. Sanktionen in der Rechtssprechung gewährleisten immer eine Schadensausgleichsfunktion und eine Präventionsfunktion. Sie sollen in diesem Zusammenhang die ordnungsgemäße Einhaltung der Berufspflichten des Wirtschaftsprüfers und dessen große Verantwortlichkeit in hohem Maße garantieren. Eine Art der Sanktionierung ist die Haftung.
In dieser Untersuchung werden die rechtlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Abschlussprüferhaftung dargestellt und es soll analysiert werden, in wie weit die Haftung eine größere Verantwortlichkeit des Wirtschaftsprüfers garantieren kann. Dabei wird auf die zivilrechtliche und strafrechtliche Haftung eingegangen, ordnungsrechtliche Konsequenzen bleiben im Zuge dieser Arbeit unberücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung
2. Zivilrechtliche Haftung des Abschlussprüfers
2.1 Haftung gegenüber dem Auftraggeber nach §323 HGB
2.1.1 Haftungsvoraussetzungen
2.1.2 Rechtsfolgen und Konsequenzen für die Verantwortlichkeit
2.2 Haftung gegenüber Dritten
2.2.1 Außervertragliche Haftungstatbestände
2.2.2 Vertragliche und vertragsähnliche Anspruchsgrundlagen
3. Strafrechtliche Inanspruchnahme
3.1 Verletzung der Berichtspflicht
3.2 Verletzung der Geheimhaltungspflicht
4. Zusammenfassende Beurteilung der Wirtschaftsprüferhaftung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die rechtlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Haftung von Wirtschaftsprüfern im Rahmen der Abschlusstätigkeit und analysiert, inwieweit diese Haftung dazu beitragen kann, die Verantwortlichkeit und Prüfungsqualität zu erhöhen.
- Zivilrechtliche Haftungsgrundlagen gegenüber Auftraggebern
- Haftung gegenüber Dritten im Rahmen von Deliktsrecht und Vertragsrecht
- Strafrechtliche Aspekte der Berichtspflichtverletzung
- Strafrechtliche Aspekte der Geheimhaltungspflichtverletzung
- Diskussion der Haftungsbegrenzung als Instrument der Existenzsicherung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Haftungsvoraussetzungen
Im Wesentlichen ergeben sich 4 Grundvoraussetzungen für eine Haftung des Wirtschaftsprüfers aus §323 HGB. Die erste Voraussetzung ist die Pflichtverletzung. Da das Wort „Pflichten“ in §323 Abs.1 S.3 HGB nicht näher spezifiziert ist, werden unterschiedliche Auffassungen über das Ausmaß der Pflichten vertreten. Eine Auffassung betrachtet diejenigen Pflichten als Grundlage, die in §323 Abs.1 HGB bereits genannt sind, und zwar Gewissenhaftigkeit, Unparteilichkeit und Verschwiegenheit. Weitergehende Meinungen beziehen darüber hinaus gesetzliche Vorschriften über die Prüfertätigkeit aus §§316 ff. HGB ein. Eine weite Auslegung dieser Pflichtverletzung integriert auch anerkannte Grundsätze ordnungsgemäßer Abschlussprüfungen, Berichtspflichten und Berufspflichten der WP. Diese Auffassung wird in der Praxis zugrunde gelegt.
Bei der Pflichtverletzung ist der objektive Maßstab ausschlaggebend, welcher aus der Sicht besonnener und gewissenhafter Angehöriger des in Betracht kommenden Verkehrskreises angesetzt wird. Weiterhin muss ein Fehlverhalten genau spezifiziert werden, ein Nichtstun seitens des Abschlussprüfers führt nicht zu Schadensersatzansprüchen.
Eine weitere Haftungsvoraussetzung ist das schuldhafte Verhalten. Schuldhaftes Handeln setzt Vorsatz oder Fahrlässigkeit voraus. Vorsätzlich handelt der WP, wenn er entweder willentlich die Pflichtverletzung begeht oder zumindest billigend in Kauf nimmt. Fahrlässig hingegen handelt er, wenn er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt (§276 Abs.2 BGB). Im Fall des §323 HGB führt sowohl grobe wie auch leichte Fahrlässigkeit zur Pflichtverletzung, erstere zieht auch berufsrechtliche Konsequenzen nach sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Thematik der Wirtschaftsprüferhaftung vor dem Hintergrund aktueller Bilanzskandale und Darlegung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. Zivilrechtliche Haftung des Abschlussprüfers: Analyse der Haftung gegenüber dem Auftraggeber nach §323 HGB sowie Erörterung der komplexen Haftungskonstellationen gegenüber Dritten.
3. Strafrechtliche Inanspruchnahme: Untersuchung der strafrechtlich relevanten Pflichtverletzungen bei der Berichterstattung sowie bei der Verletzung der Geheimhaltungspflicht.
4. Zusammenfassende Beurteilung der Wirtschaftsprüferhaftung: Kritische Würdigung der Haftungsinstrumente im Hinblick auf deren präventive Wirkung und die Qualitätssicherung der Abschlussprüfung.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüferhaftung, §323 HGB, Abschlussprüfung, Dritthaftung, Pflichtverletzung, Jahresabschluss, Schadensersatz, Berichtspflicht, Geheimhaltungspflicht, Haftungsbegrenzung, Sorgfaltspflicht, Bilanzskandale, Rechtsprechung, Zivilrecht, Strafrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtliche Haftung von Wirtschaftsprüfern, wenn diese bei der Prüfung von Jahresabschlüssen Fehler begehen oder Pflichten verletzen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die zivilrechtliche Haftung gegenüber Auftraggebern und Dritten sowie die strafrechtliche Relevanz der Verletzung von Bericht- und Geheimhaltungspflichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Haftung des Wirtschaftsprüfers rechtlich gestaltet ist und ob sie ausreicht, um die Verantwortlichkeit und Prüfungsqualität im Berufsstand zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer rechtlichen Analyse der einschlägigen Gesetze (HGB, BGB, StGB) sowie einer Auswertung von Fachliteratur und relevanter höchstrichterlicher Rechtsprechung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfungsvoraussetzungen und Folgen der zivilrechtlichen Haftung sowie die strafrechtlichen Konsequenzen bei Pflichtverletzungen des Abschlussprüfers.
Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wirtschaftsprüferhaftung, §323 HGB, Dritthaftung, Sorgfaltspflicht und strafrechtliche Inanspruchnahme.
Warum ist die Haftung gegenüber Dritten so kompliziert?
Die Dritthaftung ist unübersichtlich, da sie nicht direkt im Gesetz verankert ist, sondern über juristische Konstrukte wie den "Vertrag mit Schutzwirkung zu Gunsten Dritter" oder den Auskunftsvertrag hergeleitet werden muss.
Wie bewertet der Autor die Haftungsbegrenzung bei fahrlässigem Handeln?
Der Autor hinterfragt, ob die Begrenzung die Verantwortlichkeit schwächt, und schlägt vor, grobe Fahrlässigkeit gegebenenfalls wie vorsätzliches Handeln zu behandeln.
- Quote paper
- Jens Grunendahl (Author), 2004, Überblick über die derzeitige Haftung des Wirtschaftsprüfers im Rahmen der Abschlusstätigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40780