Mit großen Einsatz eifern viele Menschen einem bestimmten Aussehensideal nach, das mit Hilfe der Kosmetik- und Fitnessindustrie, der Schönheitschirurgie oder mit extremem Essverhalten erreicht werden soll. Die Frage stellt sich, ob Attraktivität tatsächlich so bedeutsam ist, wie viele Menschen offensichtlich annehmen - wie beeinflusst sie die Anziehung zwischen zwei Personen?
Hier wird diskutiert, wie sich Attraktivität auf Bewertungen durch andere auswirkt, inwiefern dies verschiedene Lebensbereiche betrifft, wie sogar Dritte auf Attraktivität reagieren und es wird die mögliche Existenz geschlechtsabhängiger Unterschiede angesprochen.
Für die in vielen Untersuchungen bestätigten Auswirkungen der Attraktivität werden verschiedene Erklärungen herangezogen: Einerseits könnten reale Verhaltensunterschiede zwischen attraktiveren und unattraktiveren Personen bestehen, Attraktivität könnte belohnende Wirkung z.B. als Statusmerkmal besitzen oder auch als biologisches Signal für evolutionär nützliche Merkmale dienen.
Den positiven Auswirkungen der Attraktivität stehen jedoch auch negative Effekte gegenüber. Zudem müssten die Ergebnisse dadurch eingeschränkt werden, dass Attraktivität in Studien oft durch Urteilerkonsens bestimmt wird und dass vielfach nur mit frontalen Portrait-Fotografien gearbeitet wird, wobei andere Ansichten der Person und weitere Faktoren wie Stimme, Mimik und Gestik und die Veränderbarkeit der Attraktivität nicht berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Definitionen
2 Welchen Einfluß hat physische Attraktivität?
2.1 Einfluß auf Bewertungen
2.2 Einfluß auf verschiedene Lebensbereiche
2.3 Ausweitung des Einflusses auf Dritte
2.4 Geschlechtsabhängige Unterschiede ?
3 Wie läßt sich der Einfluß von Attraktivität erklären?
3.1 Reale Unterschiede
3.2 Attraktivität als Belohnung
3.3 Attraktivität als biologisches Signal
4 Kritik
4.1 Negative Auswirkungen von Attraktivität
4.2 Operationalisierung von Attraktivität
4.2.1 Definition durch Urteilerkonsens
4.2.2 Nicht berücksichtigte Bestandteile von Attraktivität
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Wirkungsmechanismen physischer Attraktivität auf die interpersonelle Anziehung und beleuchtet dabei, inwiefern äußere Merkmale die soziale Wahrnehmung, Partnerwahl und Bewertung in verschiedenen Lebensbereichen beeinflussen.
- Physische Attraktivität als Determinante für soziale Interaktionen und Partnerwahl.
- Das "Schönheitsstereotyp" und seine Auswirkungen auf Zuschreibungen sozial erwünschter Eigenschaften.
- Die Rolle der Attraktivität als biologisches Signal und belohnender Reiz.
- Kritische Reflexion über die Operationalisierung von Attraktivität in der Forschung.
- Negative Folgen und wahrnehmungsbedingte Verzerrungen durch das Streben nach Attraktivität.
Auszug aus dem Buch
1.1 ALLGEMEINES
Die wachsende Kosmetikindustrie, Fitnesswahn, Schönheitschirurgie und auch Eßstörungen zeigen, daß viele Menschen mit großem Einsatz einem bestimmten Aussehensideal nacheifern. Wenn Märchen, Filme und auch die Werbung versprechen, daß die Schönen identisch mit den Guten, Erfolgreichen und Glücklichen sind (Adams & Crossman, 1978, S. 2, 91ff.), hofft auch der Normalmensch auf die vorteilhafte Wirkung eines attraktiven Äußeren. Und dies nicht erst seit heute: Fiser und Fiserova (1969, zit. nach Patzer, 1985) berichten, daß Versuche, die äußere Erscheinung zu verbessern, zu den ältesten kulturellen Ausdrucksweisen des Menschen gehören. Da stellt sich die Frage, ob alle diese Bemühungen zweckmäßig waren: Hat die Attraktivität wirklich Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung?
Erstaunlicherweise spielt die Attraktivität als Forschungsthema erst seit den sechziger Jahren eine Rolle. Für das frühere Desinteresse der Forschung war vermutlich die Angst vor Diskriminierung eines bestimmten Äußeren verantwortlich, die wohl angesichts der Lavaterschen Physiognomik oder gar rassentheorethisch begründeter Schädelmessungen im 3. Reich verständlich ist. Wir würden es hassen, „festzustellen, daß hübsche Frauen mehr als weniger hübsche gemocht werden - das scheint irgendwie undemokratisch.“ (Aronson 1970, S.160, zit. nach Hassebrauck & Niketta, 1993, S.5). Also befaßte man sich wissenschaftlich gar nicht mit dem Aussehen.
Den Wandel verursachte zum einen das aufkommende Interesse an der Eindrucksbildung (Hassebrauck & Niketta, 1993, S. 4), zum anderen mit auch die „Computerdance“-Studie von Walster, Aronson, Abrahams und Rottman (1966), die unerwartet mächtige Einflüsse der Attraktivität offenbarte. Daraufhin folgten zahllose weitere Studien und Versuche, die Bedeutung der Attraktivität zu erklären. Parallel zu dieser Entwicklung möchte ich erst Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung beschreiben, dann einige Erklärungsversuche darstellen, anschließend aber auch versuchen, die Untersuchungsergebnisse etwas zu relativieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Attraktivität seit den 1960er Jahren.
2 Welchen Einfluß hat physische Attraktivität?: In diesem Kapitel werden empirische Belege dafür aufgeführt, wie Attraktivität die Bewertung von Personen und deren Erfolg in verschiedenen Lebensbereichen maßgeblich beeinflusst.
3 Wie läßt sich der Einfluß von Attraktivität erklären?: Das Kapitel diskutiert theoretische Ansätze, von realen Verhaltensunterschieden über Belohnungseffekte bis hin zu evolutionsbiologischen Signalen.
4 Kritik: Dieser Abschnitt hinterfragt die bisherigen Ergebnisse, thematisiert negative psychologische Folgen für attraktive Personen und analysiert methodische Schwachstellen der bisherigen Studien.
5 Zusammenfassung: Hier werden die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammengeführt und der Einfluss der Attraktivität in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext bewertet.
Schlüsselwörter
Physische Attraktivität, interpersonelle Anziehung, Schönheitsstereotyp, Eindrucksbildung, Partnerwahl, soziale Wahrnehmung, biologische Signale, Attraktivitätsforschung, Verhaltensunterschiede, evolutionsbiologische Aspekte, soziale Erwünschtheit, Urteilerkonsens, Selektion, Kommunikation, Forschungsmethodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Auswirkungen, die ein attraktives Äußeres auf die zwischenmenschliche Anziehung und die Beurteilung durch andere Menschen ausübt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind die Partnerwahl, die Beurteilung von Persönlichkeitsmerkmalen, der Einfluss auf den beruflichen Erfolg und die Auswirkungen auf Dritte, die mit attraktiven Menschen interagieren.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die primäre Frage ist, ob und wie physische Attraktivität tatsächlich Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung hat und welche psychologischen Mechanismen diesem Prozess zugrunde liegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung zahlreicher psychologischer Studien, die im Laufe der letzten Jahrzehnte durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Einfluss auf Bewertungen und Lebensbereiche, Erklärungsversuche wie das Schönheitsstereotyp oder biologische Signale sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsmethodik dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Schönheitsstereotyp, die "Sich-selbst-erfüllende Prophezeiung", interpersonelle Anziehung und biologische Signale der Fruchtbarkeit.
Wie wirkt sich Attraktivität auf Dritte aus?
Studien belegen eine "Ausstrahlungswirkung", bei der attraktive Personen positiv auf diejenigen abfärben, mit denen sie in Verbindung gebracht werden, sofern eine soziale Nähe suggeriert wird.
Warum ist das Schönheitsstereotyp kritisch zu sehen?
Es führt zu pauschalen, oft ungerechtfertigten Zuschreibungen von Kompetenzen oder Charakterzügen und kann soziale Verzerrungen sowie eine Objektifizierung der wahrgenommenen Person bewirken.
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- Sabine Pfisterer (Author), 2000, Die Auswirkungen physischer Attraktivität auf die interpersonelle Anziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40810