Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, so kommt es zu einer tiefen Erschütterung innerhalb des Familienlebens. Die Behandlung des krebskranken Kindes sollte nicht nur die Genesung des Körpers beinhalten. Daher ist die psychosoziale Betreuung für die ganze Familie von großer Bedeutung.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Betreuung von leukämieerkrankten Kindern und Jugendlichen im Krankenhaus.
Ich möchte später im Krankenhaus arbeiten, um krebskranke Menschen und ihre Angehörigen zu betreuen und zu begleiten.
Der Grund dafür ist, das ich (10 Jahre alt) bereits in meiner Kindheit das schwere Krebsleiden meiner Oma miterlebt habe.
In meiner späten Jugend (20 Jahre alt) erkrankte auch meine Mutter an Krebs, so dass dieses Thema immer präsent in meinem bisherigen Leben war. Von ihr habe ich erfahren, das sie psychologisch betreut wurde. Diese Betreuung umfasste Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, aber auch die kommenden Rehabilitationsmaßnahmen. Dies war für sie sehr wichtig, stärkte ihr Selbstbewusstsein und gab ihr Kraft, den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen.
Schwerpunktmäßig setze ich mich mit der Leukämie bei Kindern und Jugendlichen auseinander, da dies die häufigste Krebserkrankung in diesem Alter ist.
Diese Arbeit beginne ich mit der Vorstellung der Krankheit und den verschiedenen Therapien. Anschließend beleuchte ich die Entwicklungsaufgaben der Kinder und Jugendlichen um kenntlich zu machen, welche Bedeutung diese auf den Prozess der Krankheitsverarbeitung haben. In diesem Zusammenhang stelle ich die psychosozialen Folgen aufgrund einer Krebserkrankung dar, um zu erläutern, wo die psychosoziale Betreuung durch das gesamte Klinikpersonal ansetzen kann.
Dann beschreibe ich, eine Möglichkeit der Betreuung im Krankenhaus, anhand eines Konzeptes zur schulischen Begleitung während einer Krebsbehandlung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet die Diagnose: Leukämie
2.1 Das Krankheitsbild der Leukämie
2.2 Vorkommen von Leukämie
2.3 Ursachen für die Entstehung von Leukämie
2.4 Die Behandlung einer Leukämie
2.4.1 Chemotherapie
2.4.2 Strahlentherapie
2.4.3 Stammzell- und Knochenmarktransplantation
3. Die Auseinandersetzung des Kindes/ des Jugendlichen mit der Diagnose Krebs
3.1 Das Kind / der Jugendliche und die Krankheit
3.2 Entwicklungspsychologische Problemstellung beim Kind
3.3 Entwicklungspsychologische Problemstellung beim Jugendlichen
3.3.1 Verarbeitung körperlicher Veränderungen und deren Integration in ein neues Körperschema
3.3.2 Ablösungsprozess von den Eltern
3.3.3 Zuwendung zu der Gruppe der Gleichaltrigen
3.3.4 Psychosexuelle Entwicklung
3.3.5 Neukonzeptualisierung der Identität
3.3.6 Besonderheiten der kognitiven Entwicklung
3.3.7 Aufbau eines eigenständigen Wert- und Einstellungssystems
3.3.8 Übergang zwischen Schule und Beruf / Studium
3.4 Psychosoziale Folgen bei Kindern mit Krebs
3.5 Das Kind / der Jugendliche im Krankenhaus
3.6 Die Familie des krebskranken Kindes
4. Betreuung und Begleitung des leukämieerkrankten Kindes und Jugendlichen
4.1 Krebs - Herausforderung für die Schule und das soziale Umfeld
4.2 Konzept zur schulischen Begleitung
4.3 Die schulische Begleitung während einer Krebsbehandlung
4.3.1 Erste Phase: Kontaktpflege während des Klinikaufenthaltes
4.3.2 Zweite Phase: Kontaktpflege während oder zwischen den Therapien
4.1.3.3 Dritte Phase: Rückkehr in die Schule
4.4 Besonderheiten der schulischen Begleitung bei einem Rezidiv und der Knochenmarktransplantation
5. Krankheitsbewältigung und Krankheitsverarbeitung
5.1 Die Phasen der Verarbeitung
5.2 Selbsthilfe bei krebskranken Kindern und Jugendlichen
5.3 Fremdhilfe - Psychosoziale Betreuung
5.4 I. Modell der Krankheitsverarbeitung: Das Coping - Modell von Lazarus
5.5 II. Modell der Krankheitsverarbeitung: Das Spiralmodell von Schuchardt
5.5.1 Die Spiralphasen
5.5.2 Verschiedene Möglichkeiten einer psychologischen Krankheitsprozeßbegleitung beim krebskranken Jugendlichen und seinen Angehörigen
5.5.2.1 Aufklärung und offene Kommunikation
5.5.2.2 Aufbau einer vertrauensvollen solidarischen Beziehung
5.5.2.3 Akzeptanz negativer Gefühle und Abwehrmechanismen
5.5.2.4 Vermittlung von Hoffnung
5.5.2.5 Aktives Zuhören
5.6 Eine Möglichkeit der Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung von krebskranken Kindern und Jugendlichen ist das Projekt: Klinikclown auf der Kinderstation
6. Sterben bei Kindern
6.1 Kind und Tod
6.2 Das Todeskonzept nach Bürgin
6.2.1 Das 1. Lebensjahr
6.2.2 Nach dem 1. Lebensjahr
6.3 Sterben und Todeserleben bei Kindern
6.4 Der Sterbeprozeß in Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross
6.5 Schmerz und Angst beim Kind
6.6 Die Seelsorge bei krebskanken Kindern
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychosoziale Betreuung leukämieerkrankter Kinder und Jugendlicher im klinischen Kontext. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Krankenhauspersonal und soziale Netzwerke den betroffenen Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit unterstützen können, um trotz lebensbedrohlicher Umstände die psychische Stabilität und soziale Integration zu fördern.
- Medizinische Grundlagen und Behandlungsformen bei Leukämie
- Entwicklungspsychologische Auswirkungen einer Krebserkrankung
- Konzepte der psychosozialen Begleitung im Krankenhaus
- Modelle zur Krankheitsverarbeitung (Coping-Modell von Lazarus & Spiralmodell von Schuchardt)
- Die Rolle der Seelsorge und ergänzender Angebote wie Klinikclowns
Auszug aus dem Buch
3.3 Entwicklungspsychologische Problemstellung bei Jugendlichen
Das Jugendalter ist durch biologische und funktionelle Veränderungen gekennzeichnet, welche mit der Geschlechtsreife einhergehen. Diese Entwicklung nennt man Pubertät. In der heutigen Literatur werden die Begriffe Adoleszenz (10-13 Jahre) und Jugend (17-18 Jahre) auf das soziale und psychische Geschehen in dieser Phase beschrieben. (Seiffge-Krenke,Olbrich, 1982)
Am Anfang sind die körperlichen Veränderungen noch leicht abgrenzbar, jedoch ist die psychische und soziale Reife des Jugendlichen nur schwer bestimmbar. Wenn das Erwachsenenalter bald erreicht ist, hört jedoch nicht die Entwicklung auf. Daher können externe Kriterien wie Volljährigkeit, Beruf und Familiengründung unter Umständen irrelevant für den psychischen und sozialen Reifegrad sein.
Erikson (1964) sieht die Veränderungen, welche ein Jugendlicher durchlebt, nicht als Krise an, der er absolut hilflos ausgeliefert ist. Denn er kann als aktive Person bei der Bewältigung einer Krise zwischen Identitätsfindung und Rollendiffusion in Erscheinung treten. Man kann diese Entwicklungsphase auch als “normale” Krise sehen, denn diese Anpassung beschleunigt die somatische, soziale und psychische Veränderung des Jugendlichen.
Die nun folgenden phasenspezifischen Entwicklungsaufgaben erfordern nicht nur vom gesunden, sondern auch vom kranken Jugendlichen, dass er sich mit ihnen auseinandersetzt. Kollmann und Kruse (1990) schildern die Entwicklungsaufgaben, um später darauf zurück zukommen, welchen Einfluss diese auf die psychosoziale Belastung durch die Krebserkrankung haben. (vgl. Kollmann, Kruse, 1990, S. 54-59)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und der Relevanz der psychosozialen Betreuung für die gesamte Familie bei Krebserkrankungen von Kindern.
2. Was bedeutet die Diagnose: Leukämie: Medizinische Erläuterung der Krankheitsbilder, Ursachen sowie der verschiedenen Therapiemöglichkeiten wie Chemotherapie, Bestrahlung und Transplantation.
3. Die Auseinandersetzung des Kindes/ des Jugendlichen mit der Diagnose Krebs: Analyse der altersspezifischen psychologischen Herausforderungen und Folgen der Diagnose, unter Berücksichtigung von Familienstruktur und Krankenhausumgebung.
4. Betreuung und Begleitung des leukämieerkrankten Kindes und Jugendlichen: Vorstellung praktischer Konzepte zur schulischen Begleitung und zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte während der Therapiephasen.
5. Krankheitsbewältigung und Krankheitsverarbeitung: Detaillierte Betrachtung theoretischer Modelle (Lazarus und Schuchardt) und therapeutischer Ansätze wie Psychosoziale Betreuung und Klinikclowns.
6. Sterben bei Kindern: Auseinandersetzung mit dem kindlichen Todeskonzept, dem Sterbeprozess und der Bedeutung der seelsorgerlichen Begleitung.
Schlüsselwörter
Leukämie, Krebs, Kinder, Jugendliche, Krankenhaus, Psychosoziale Betreuung, Krankheitsverarbeitung, Coping, Schuchardt, Spiralmodell, Seelsorge, Schule, Klinikclown, Patienten, Therapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit den psychosozialen Aspekten der Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die an Leukämie erkrankt sind, und deren Behandlung im Krankenhaus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Krankheitsverarbeitung, den entwicklungspsychologischen Auswirkungen, der Bedeutung schulischer Begleitung sowie der psychologischen Unterstützung durch professionelle Kräfte und Projekte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychosoziale Begleitung den kranken Kindern und ihren Angehörigen helfen kann, die Belastungen der Krebstherapie zu bewältigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und stellt etablierte psychologische Modelle der Krankheitsverarbeitung (von Lazarus und Schuchardt) in den Kontext der pädiatrischen Onkologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reaktionen der Kinder auf die Diagnose, die Bedeutung der Schule als soziale Brücke, Modelle zur Krisenverarbeitung und die Rolle der Seelsorge bei der Sterbebegleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leukämie, Krankheitsbewältigung, Coping, Psychosoziale Betreuung und die psychologische Begleitung im Krankenhausumfeld.
Wie geht die Arbeit mit dem Thema Sterben um?
Kapitel 6 betrachtet das kindliche Verständnis von Tod und Sterben und beleuchtet die verantwortungsvolle Aufgabe der Seelsorge bei der Begleitung schwerkranker Kinder.
Welche Rolle spielt das "Spiralmodell von Schuchardt"?
Es dient als praxisrelevantes Modell, das den Krankheitsverarbeitungsprozess nicht als starre Abfolge, sondern als wiederholbaren Lernprozess in acht Phasen beschreibt.
Was beschreibt das Projekt "Klinikclown"?
Das Projekt wird als Möglichkeit vorgestellt, durch Humor und Lachen den grauen Krankenhausalltag aufzulockern und die gesunden Anteile des Kindes zu stärken.
- Quote paper
- Madeleine Bischoff (Author), 2005, Ausgewählte Aspekte der Betreuung von leukämieerkrankten Kindern und Jugendlichen im Krankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40830