Es gibt in einer rein-japanischen Familie ein klar differenziertes Rollenverhalten der Eheleute. In meinem ersten Teil der Arbeit, möchte ich das japanische Familiensystem betrachten. Im Gegensatz zum Westen hat sich die japanische Familie erst relativ spät im Sinne einer Gleichberechtigung für beide Ehepartner entwickelt. Die beiden Eheleute gehen getrennte Wege und jeder hat seinen eigenen Bereich und seine eigenen Aufgaben im Leben. Ich möchte versuchen keine Stereotypen aufzuzeigen, sondern nur den allgemeinen Trend in der japanischen Familie zu analysieren.
Danach möchte ich mich den geschlechtsspezifischen Kommunikationsmustern widmen. Mann-Frau Gespräche sind oft gekennzeichnet durch Missverständnisse, aufgrund von unterschiedlichen Sozialisationen. Ich möchte ein paar Kommunikationsmuster erläutern und anführen, warum es hier zu geschlechtsspezifischen Unverständlichkeiten kommt.
Anschließend werde ich die unterschiedlichen Kommunikationsmuster aufgrund der nationalen Kulturen erläutern. Dabei werde ich einige Klassifikationen von der japanischen und westlichen Kultur heranziehen und analysieren, welche Probleme bei der Kommunikation zwischen Menschen aus diesen beiden unterschiedlichen Kulturkreisen auftreten können.
Das letzte Kapitel befasst sich dann mit meiner eigenen Auswertung, die ich auf der Grundlage eines Fragebogens vornehmen werde.
Methodisch ist meine Arbeit in zwei Bereiche gegliedert.
Im ersten Teil habe ich nach einer umfangreichen Literaturrecherche die mir wichtig erscheinenden kulturellen Unterschiede zusammengefasst.
Dabei habe ich verschiedene Thesen aus der Literatur vorgestellt. In meinem zweiten Teil der Arbeit will ich nun diese Thesen anhand eines quantitativen Fragebogens überprüfen.
Ich habe einen Online-Fragebogen erstellt und in diversen Japan bezogenen Internetforen, die Leute gebeten, mir, falls sie in einer interkulturellen Ehe sind, den Fragebogen auszufüllen.
Ich habe insgesamt 50 ausgefüllte Fragebogen erhalten, die ich in meiner Arbeit auswerte. Meine Ergebnisse werde ich anhand des ersten Teils meiner Arbeit interpretieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GESCHLECHTERROLLEN IN EINER JAPANISCHEN FAMILIE
2.1. Die Rolle der Frau in einer japanischen Familie
2.2. Die Rolle des Mannes in einer japanischen Familie
2.3. Die Rollenverteilung zwischen Ehemann und Ehefrau in einer japanischen Familie
Klassifikation der Familie nach Morioka
3. GESCHLECHTSSPEZIFISCHE KOMMUNIKATIONSMUSTER
4. KULTURSPEZIFISCHE KOMMUNIKATIONSMUSTER
4.1. Soziokulturelle Merkmale der unterschiedlichen Kulturen
4.2. „Low-Context“ Kultur versus „High-Context“ Kultur
4.3. Japanische Mentalität und Kultur – zwei untrennbare Welten
4.4. Kommunikationsprobleme zwischen Japanern und Europäern
4.4.1.Direkter versus indirektem Kommunikationsstil
4.4.2. Japanisch – eine „männliche“ Sprache?
5. Interkulturelle westlich-japanische Ehen
5.1 Fragebogenauswertung: Allgemeine Angaben
5.2 Auswertung über die Konflikte in interkulturellen Ehen
5.3 Auswertung über die Lösung der Konflikte
5.4 Tsengs interkulturelle Partnerschaftsarrangements
Das einseitige Arrangement
Das alternative Arrangement
Das kreative Arrangement
Verschiedene Konfliktbereiche
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht interkulturelle Konflikte in japanisch-westlichen Ehen, wobei der Fokus auf dem Einfluss unterschiedlicher geschlechtsspezifischer Rollenerwartungen und kultureller Kommunikationsmuster auf das partnerschaftliche Zusammenleben liegt. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie sich diese Differenzen in interkulturellen Partnerschaften manifestieren und welche Strategien zur Konfliktbewältigung angewendet werden.
- Analyse des japanischen Familiensystems und der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Kommunikationsmuster nach dem Modell von Tannen
- Gegenüberstellung von Low-Context- und High-Context-Kulturen (Hall)
- Diskussion soziokultureller Identitätskonzepte (Markus, Kitayama, Triandis)
- Empirische Auswertung einer Online-Befragung zu Konflikten in interkulturellen Ehen
Auszug aus dem Buch
4.2. „Low-Context“ Kultur versus „High-Context“ Kultur
Hall (1985) unterscheidet Kulturen nach der „Dichte des Informationsnetzes“. Japan lässt sich zu einer „high context“ Kultur zählen, also eine Kultur bei der man ein dichtes Informationsnetz besitzen muss um sich gut miteinander verständigen zu können. Die Länder Europas werden eher zu „low context“ Kulturen gezählt. Die Sprecher müssen also eine genaue verbale Ausdrucksweise wählen, da man nur über wenig Hintergrund Informationen zur Interpretation verfügt.
Kommunizieren nun zwei Personen aus Ländern mit einer unterschiedlichen Dichte an Informationsnetzen, so kann es sein, dass eine Person, die eine stark ausgeprägte Orientierung an Zusammenhängen, also ein dichtes Informationsnetz besitzt, häufig ungeduldig und gereizt reagiert, wenn die Person, mit der sie kommuniziert, nur über ein weniger dichtes Informationsnetz verfügt, und ihr Dinge erzählt, die sie bereits schon weiß. Umgekehrt fühlen sich solche Personen dann hilflos, wenn sie von den anderen nicht ausreichend informiert werden. (Hall 1985:40)
Bis ein Europäer die Japaner „versteht“, können Jahre vergehen. „Manchem bleibt die Botschaft der japanischen Kultur für immer ein Rätsel.“ (Hall 1985:43)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin legt das Ziel dar, das japanische Familiensystem, geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster und kulturelle Unterschiede in der Kommunikation zu analysieren und mittels einer quantitativen Befragung zu überprüfen.
2. GESCHLECHTERROLLEN IN EINER JAPANISCHEN FAMILIE: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen und gegenwärtigen Wandel der japanischen Familienstruktur sowie die spezifischen Erwartungen an Mann und Frau innerhalb der Ehe.
3. GESCHLECHTSSPEZIFISCHE KOMMUNIKATIONSMUSTER: Hier wird untersucht, wie unterschiedliche Sozialisationen von Männern und Frauen zu spezifischen Kommunikationsstilen führen, die oft Missverständnisse in Beziehungen hervorrufen.
4. KULTURSPEZIFISCHE KOMMUNIKATIONSMUSTER: Dieses Kapitel erläutert soziokulturelle Unterschiede, wie Individualismus versus Kollektivismus und Low-Context versus High-Context-Kommunikation, und deren Einfluss auf den interkulturellen Austausch.
5. Interkulturelle westlich-japanische Ehen: Der Hauptteil präsentiert die Ergebnisse einer Online-Befragung unter 50 Paaren zu Konflikthäufigkeit, Ursachen und Lösungsstrategien, eingebettet in Tsengs Modell der Partnerschaftsarrangements.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei hervorgehoben wird, dass trotz kultureller Barrieren ein hohes Maß an gegenseitigem Respekt und Verständnis in den untersuchten Ehen vorherrscht.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Ehe, Japanische Familie, Rollenerwartungen, Kommunikation, Geschlechtsunterschiede, Kulturkontakt, Akkulturation, High-Context, Low-Context, Individuelles Selbst, Bezogenes Selbst, Konfliktbewältigung, Partnerschaftsarrangements, Soziokulturelle Identität, Empirische Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Dynamik und den potenziellen Konfliktfeldern in japanisch-westlichen Ehen, insbesondere unter Berücksichtigung unterschiedlicher kultureller und geschlechtsspezifischer Prägungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen Familiensoziologie in Japan, geschlechtsspezifische und kulturspezifische Kommunikationsmuster sowie Theorien zur Akkulturation und Identitätsbildung im interkulturellen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, theoretische Erkenntnisse über kulturelle Unterschiede in der Kommunikation und in Rollenbildern anhand einer empirischen Befragung von 50 Personen in interkulturellen Ehen zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturrecherche (theoretischer Teil) mit einer quantitativen Online-Befragung (empirischer Teil), um die theoretischen Thesen in der Praxis zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der japanischen Familienwerte und Kommunikationsstile sowie eine anschließende statistische Auswertung der Fragebögen zu Konfliktursachen und Lösungsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie interkulturelle Kommunikation, Geschlechterrollen, Akkulturation, japanische Kultur, Partnerschaft und Identität charakterisieren.
Welche Erkenntnis gibt es zu den Rollenerwartungen in den untersuchten Ehen?
Entgegen der Erwartung basierend auf stereotypen Vorstellungen gaben die Befragten an, dass unterschiedliche Rollenerwartungen in ihren Ehen kaum zu Konflikten führen, was auf einen hohen Grad an Individualität und Respekt hindeutet.
Was ist das „kreative Arrangement“ nach Tseng?
Im kreativen Arrangement entwickeln Partner aus unterschiedlichen Kulturen gemeinsam neue, eigene kulturelle Werte, anstatt sich einseitig anzupassen oder strikt an alten Mustern festzuhalten.
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- Mag. B.A. Priska Lautner (Author), 2004, Interkulturelle Konflikte in westlich-japanischen Ehen aufgrund unterschiedlicher geschlechts- und kulturspezifischer Rollenerwartungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40852