„Ein Weiser gibt nicht die richtigen Antworten, sondern er stellt die richtigen Fragen“. „Frag nur vernünftig, und du hörst Vernünftiges“. Diese Zitate zeigen deutlich, dass man nur bei richtiger Fragestellung brauchbare und vernünftige Antworten erhalten kann. Fragen zählen zu den wichtigsten Instrumenten, die Menschen verwenden um an Informationen zu gelangen. Dabei geht es nicht um die Frage allein, sondern auch um die Antwort, die die Frage ermöglicht oder sie gegebenenfalls sogar vorgibt. Besonders bei den Sozialwissenschaften und im Bereich der Markforschung steigt die Bedeutung der Befragung und der Befragungstechnik. Als hilfreiches Instrument dient hier der Fragebogen, welcher die Untersuchung von Einstellungen, Meinungen, Chancen von Produkten am Markt usw. ermöglicht. Bei der Beurteilung der Qualität einer Untersuchung kommt dem Fragebogen gegenüber dem Interviewer eine größere Gewichtung zu. Die Reliabilität, Validität und Brauchbarkeit der Antworten hängt von der Qualität, dem Aufbau und der Gestaltung des Fragebogens entscheidend ab. Die Konstruktion eines Fragebogens wird ausschlaggebend dadurch geprägt, welche Informationen gesammelt, welche Arten von Aussagen getroffen, wofür und auf welcher Grundlage Validität für die Antworten in Anspruch genommen und in welcher Kommunikations-(Befragungs-)form der Fragebogen verwendet werden soll. Weiter interessiert, welche Determinanten des Antwortverhaltens der Auskunftgebenden in der Befragungssituation mutmaßlich wirksam sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung:
2 Arten und Charakteristika von Befragungen
2.1 Mündliche und schriftliche Befragung
2.2 Unstandardisierte und standardisierte Befragungen
3 Antwortverhalten
4 Fragetypen
4.1 Fragearten: Zweck der Frage
4.2 Fragestellung: direkt - indirekt
4.3 Antwortmöglichkeiten: offene und geschlossene Fragen
5 Formale Fragenkonstruktion und Fragenformulierung
5.1 Inhaltliche und formale Gestaltung von Fragen
5.2 Frageverzerrungen
5.3 Fragenformulierung
6 Fragenreihenfolgeeffekte
7 Fragebogenlänge
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Einfluss der Gestaltung eines Fragebogens auf die resultierenden Befragungsergebnisse zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch eine fundierte Fragenkonstruktion valide und reliable Daten gewonnen werden können.
- Methodische Grundlagen der Befragung (mündlich vs. schriftlich, standardisiert vs. unstandardisiert)
- Analyse des Antwortverhaltens und kognitiver Prozesse bei Probanden
- Systematisierung verschiedener Fragetypen und deren Einsatzbereiche
- Herausforderungen der formalen Fragenkonstruktion und Fragenformulierung
- Effekte durch Fragenreihenfolge und Fragebogenlänge
Auszug aus dem Buch
4.2 Fragestellung: direkt - indirekt
Ob eine Frage direkt oder indirekt formuliert werden soll, hängt vom zugrunde liegenden, interessierenden Sachverhalt ab. So bieten sich indirekt gestellte Frage meist für unangenehme, heikle und möglicherweise peinliche Sachverhalte an. Darunter fallen Fragen nach dem Einkommen, Allgemeinbildung, Sexualität, den Familienverhältnissen usw. Holm bezeichnet die indirekte Fragestellung als „Fragen durch die Hintertür“ (z.B. „Welcher Jahrgang sind Sie?“ statt „Wie alt sind Sie?“) oder als „Fragen über Ersatzdimensionen“ (z.B. „Wie viele Zähne fehlen Ihnen?“). Nach Barton können Möglichkeitsfragen („Könnte es sein, dass…?), Kartenfragen (Identifizierung der Kennung einer Karte mit der zutreffenden Antwort des Befragten), der Jedermann Ansatz („Viele haben in letzter Zeit…, wie sieht es damit bei Ihnen aus?“), der Andere Ansatz („Kennen Sie Leute, die…?“), die Urnentechnik (Antwort wird in eine Urne geworfen), die projektive Technik („Welche Gedanken kommen Ihnen bei diesem Bild?“) und die „Kinsey-Technik (bestimmte Sachverhalte werden als selbstverständlich dargestellt) unterschieden werden. Will man Meinungen und Einstellungen wegen der Gefahr, verzerrte Antworten zu erhalten, nicht direkt erfragen, kann man sie über Umwege ermitteln. So bietet die Einflechtung eines Zitats in die Fragestellung den Untersuchern die Möglichkeit, Meinungen und Einstellungen durch Stellungnahmen der Befragten zu dem Zitat unverfälschter abzuleiten. Die indirekte Fragestellung ist vor dem Hintergrund, dass eine Versuchsperson bei ihrer Beantwortung sowohl ihre eigene Meinung wie auch die Mehrheitsmeinung angeben oder auch das, was sozial erwünscht ist äußern kann, kritisch zu sehen. Dies ist besonders bei den o. g. heiklen Fragen der Fall, wenn es beim Befragten eine Diskrepanz zwischen seinem Verhalten und den zugrunde liegenden Normen gibt, was die Unangenehmheit der Frage noch erhöht. Daher ist „die Interpretation einer Antwort […] nur auf dem Hintergrund einer Theorie möglich, die den Zusammenhang zwischen Frage und Sachverhalt darstellt. […] Indirekte Fragen sind demnach höchstens so brauchbar, wie es die ihnen zugrundeliegende Theorie ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die hohe Bedeutung der Qualität und Gestaltung von Fragebögen für die Gewinnung valider Informationen in den Sozialwissenschaften.
2 Arten und Charakteristika von Befragungen: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Befragungsformen wie mündlichen und schriftlichen Interviews sowie standardisierten und unstandardisierten Verfahren.
3 Antwortverhalten: Hier werden psychologische Aspekte des Antwortverhaltens, wie Verständnisunterschiede und Antworttendenzen, untersucht, um den Beantwortungsprozess zu verstehen.
4 Fragetypen: Das Kapitel bietet eine Übersicht über verschiedene Fragetypen, deren Zwecke, die Wahl zwischen direkter oder indirekter Fragestellung sowie die Entscheidung zwischen offenen und geschlossenen Antwortformaten.
5 Formale Fragenkonstruktion und Fragenformulierung: Es werden Kriterien für eine präzise Fragenformulierung, den Umgang mit Frageverzerrungen und die Gestaltung von Antwortskalen erläutert.
6 Fragenreihenfolgeeffekte: Dieses Kapitel analysiert, wie die Anordnung von Fragen durch Kontext- und Positionseffekte das Antwortverhalten der Probanden beeinflussen kann.
7 Fragebogenlänge: Hier wird der Einfluss des Umfangs auf die Motivation der Befragten diskutiert und Lösungsansätze wie die Blockbildung oder Multiple Imputation vorgestellt.
8 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine Befragung eine sorgfältige Abwägung aller Einflussfaktoren erfordert, um die angestrebte Validität und Reliabilität der Daten zu sichern.
Schlüsselwörter
Fragebogengestaltung, Befragungstechnik, Antwortverhalten, standardisierte Befragung, Fragearten, offene Fragen, geschlossene Fragen, Frageverzerrungen, Fragenreihenfolge, Kontexteffekte, Validität, Reliabilität, Marktforschung, Sozialwissenschaften, Antworttendenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Gestaltung von Fragebögen auf die Qualität und Korrektheit der durch Befragungen gewonnenen Ergebnisse.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt unter anderem die Arten von Befragungen, das Antwortverhalten von Probanden, die Wahl verschiedener Fragetypen, die Vermeidung von Verzerrungen sowie die Auswirkungen der Fragenreihenfolge und Länge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der methodischen Konstruktion eines Fragebogens und der Validität der Antworten aufzuzeigen, um Forschern Anhaltspunkte für eine korrekte Manipulation zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse bekannter sozialwissenschaftlicher Methoden zur Umfrageforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Systematik von Fragetypen, der formalen Konstruktion zur Vermeidung von Fehlern sowie der Analyse von Reihenfolge- und Kontexteffekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fragebogengestaltung, Antwortverhalten, Validität, Reliabilität sowie verschiedene Effekte der Fragenreihenfolge.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Fragen eine wichtige Rolle?
Die Wahl beeinflusst sowohl die Art der Datenerhebung (Reproduktion vs. Wiedererkennen) als auch die Schwierigkeit der anschließenden Datenauswertung.
Was versteht man unter einer indirekten Fragestellung?
Hierbei werden heikle Themen, wie z.B. das Einkommen oder eigene Schwächen, indirekt über Ersatzdimensionen oder projektive Techniken abgefragt, um die soziale Erwünschtheit der Antwort zu umgehen.
Wie lassen sich Reihenfolgeeffekte minimieren?
Durch geschickte Platzierung der Fragen, den Einsatz von "Trichtern" (von allgemein zu speziell) oder die Variation der Antwortreihenfolge mittels Split-Ballot-Verfahren.
- Quote paper
- Lars Obernberger (Author), 2005, Wie manipuliere ich Befragungen richtig? Einfluß der Fragebogengestaltung auf die Befragungsergebnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40884