Die Lizenzierungsgeschichte der Liberal-Demokratischen Zeitung in Halle an der Saale


Diplomarbeit, 1997
202 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Forschungsstand

3 Deutscher Verwaltungen nach dem Krieg
3.1 Erhard Hübener wird Ministerpräsident
3.2 Nachkriegsverwaltung in Halle
3.3 Besatzungsamt
3.4 Nachrichtenamt Halle
3.5 Abteilung Presse und Propaganda beim Volksbildungsamt
3.6 Amt für Information beim Innenministerium, Landesnachrichtenamt

4 Grundlagen der sowjetischen Informations- und Pressepolitik

5 Presse in Halle im Überblick
5.1 Die Verlagsgebäude der LDZ
5.1.1 Der erste Redaktionssitz der LDZ, Geiststraße 47
5.1.2 Zweiter Redaktionssitz: Buchdruckerei Wilhelm Knapp, Mühlweg 19
5.1.3 Dritter Redaktionssitz: Große Brauhausstraße 16/17
5.2 Presse im Dritten Reich
5.2.1 Mitteldeutsche National-Zeitung
5.2.2 Hallesche Nachrichten
5.3 Presse in der Besatzungszeit
5.3.1 Amtsblatt
5.3.2 Volks-Zeitung (KPD)
5.3.3 Volksblatt (SPD)
5.3.4. Der Neue Weg (CDU)
5.3.5 Freiheit (SED)

6 Lizenzierung
6.1 LDP-Gründung in Halle
6.2 Pressestelle des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der LDP
6.3 Gründung der LDZ
6.4 Lizenzierung der LDZ
6.5 Lizenzierung liberaler Zeitungen

7 Organisation und Struktur der LDZ
7.1 Der Gesellschaftervertrag der Elbe-Saale-Druckereien GmbH
7.2 Redaktionelle Mitarbeiter
7.2.1 Max Rudolf Agsten
7.2.2 Eugen Brinkmann
7.2.3 Harold W. Esche
7.2.4 Dr. Alfred Fast
7.2.5 Rudolf Gerhard Freymann
7.2.6 Reinhard Hoffmeister
7.2.7 Horst Rudolf Löser
7.2.8 Annerose Matz-Donath
7.2.9 Walter Reinel
7.2.10 Ewald W. Remy
7.2.11 Johannes Stefko
7.2.12 Mitarbeiterstab
7.3 Geschäftsführer und Prokuristen
7.4 Chefredakteure
7.5 Verlagsleiter
7.6 Auflage
7.7 Finanzen
7.8 Geschäftsstellen
7.9 Gestalt der LDZ
7.9.1 Titelseite
7.9.2 Kulturseite 2
7.9.3 Heimatseite 3
7.9.4 Anzeigenseite 4
7.9.6 Fotos
7.9.7 Zeichnungen
7.10 Arbeit in der Redaktion
7.11 Quellen der LDZ

8 Inhalt der LDZ
8.3 Vorzensur
8.6 Nachzensur

9 Schluß

10 Anhang

Quellen

Gedruckte Quellen

Nachschlagewerke, Handbücher, Bibliographie

Monographien und Sammelpublikationen

Aufsätze aus Periodika und Sammelpublikationen

Tages- und Wochenzeitungen

Ungedruckte Quellen

Schriftliche und mündliche Auskünfte

Abkürzungsverzeichnis

Danke

1 Einleitung

Vom 18. Dezember 1945 bis zum 30. Juni 1990 erschien in Halle die Liberal-Demokratische Zeitung (LDZ). Als Hallesches Tageblatt mit dem Untertitel LDZ führte die Redaktion mit vielen ehemaligen Liberaldemokraten die Zeitung dann weiter als Lokalausgabe der Leipziger Volkszeitung. Das Blatt gab es am 31. Dezember 1995 zum letzten Mal. Damit schloß der Verlag der Leipziger Volkszeitung einen 50 Jahre alten Zeitungsbetrieb. In einem Versuch der Nachfolge gründete der Unternehmer Dieter Schuh aus Halle 1996 das Neue Hallesche Tageblatt als Wochenzeitung. Es erschien erstmals am 1. März 1996 und scheiterte nach wenigen Wochen aus finanziellen Gründen.[1]

Bisher ist die Geschichte der LDZ nicht wissenschaftlich untersucht worden. Selbst die Redaktion hat sich mit ihrer Vergangenheit nicht gründlich beschäftigt. Für die Jubiläumsausgaben schrieb man jeweils aus der vorherigen ab. Die Rückblicke enthielten wenige Fakten. Geschichten interessierten mehr als Geschichte. Es fehlten überall - mit Ausnahme der LDZ-Jubiläumsausgabe vom 18.12.95 - Widersprüche. Das Blatt, das in der DDR, wie Chefredakteur Gerd Brunner sagte, “jeden Tag praktisch nur die Oberfläche”[2] mitteilte, blieb auch in der Beschreibung seiner eigenen Geschichte phrasenhaft. Manfred Gerlach sagte in einer Gedenkrede “20 Jahre LDZ”, daß sie ihren Lesern “ein treuer Helfer auf dem Weg in das Zeitalter des Sozialismus war.”[3] Chefredakteur Hans-Herbert Biermann bezeichnete die LDZ zum 25jährigen Jubiläum am 18.12.70 als “Bestandteil des sozialistischen Pressesystems”. Hauptanliegen sei “ihre Funktion als kollektiver Organisator, Agitator und Propagandist, als Führungsinstrument der Partei...”[4] So wird heute sofort deutlich: Zwischen den Nachkriegsidealen, die bei der Gründung der LDZ geistig Pate standen, und denen der DDR liegen Welten, Systeme.

Der heutige Leser alter LDZ-Zeitungsbände kann mit vielen Aussagen wenig anfangen. Selbst wenn er Beiträge welt- und deutschlandpolitisch zuzuordnen weiß, fehlt ihm das Wissen um ihr Gewicht. Denn diese Zeitung - und das ist kein LDZ-typisches Phänomen - streift oft nur das, was sich nach dem Krieg ereignete. Vor allem die Rolle von Zensur und Zensoren erschließt sich aus den gedruckten Texten nicht. Besonders diese soll am Beispiel der LDZ untersucht und erläutert werden.

Was in der DDR über Mediengeschichte geschrieben wurde, muß auf seinen wissenschaftlichen Wert überprüft und soll durch das Beispiel der Geschichte der LDZ ergänzt werden. Der Nachholbedarf an Arbeiten, die keine Gesellschaftsordnung rechtfertigen müssen, ist groß. Forschern, die sich nicht dem Druck der Ideologie beugen wollten, wurde der Zugang zu den Quellen erschwert oder ganz verwehrt. Über die Zeit bis 1953 gibt es nur wenig Archivmaterial. Die wenigen noch lebenden Zeitzeugen, von der DDR-Forschung nicht beachtet, sind schon über 70 Jahre alt. Ihre Aussagen haben Eingang in diese Arbeit gefunden, die nicht nur das Lesen der LDZ erleichtern, sondern generell die Zeitungen dieser Zeit besser verständlich machen möchte. Historiker, Medienwissenschaftler, Journalisten und Stadtgeschichtsforscher könnten daraus vielleicht einmal Nutzen ziehen.

Diese Arbeit konzentrierte sich auf die Jahre 1945 bis 1949. Es war ganz natürlich, den Untersuchungszeitraum der ersten LDZ-Monographie 1945 zu beginnen, weil in diesem Jahr die LDP und später die LDZ entstanden. Viele Historiker haben in ihrer LDP-Geschichte den ersten Abschnitt mit 1945 bis 1952 begrenzt, weil sich die LDP 1952 zum Aufbau des Sozialismus bekannte.[5] Tatsächlich hatte die LDP ihre Gründungsziele viel früher aufgegeben.[6] Als die Deutsche Wirtschaftskommission im Februar 1948 die Befugnis erhielt, Rechtsnormen zu erlassen, war die Demokratie in der sowjetischen Zone schon beendet.[7]

“Carola Stern ist zuzustimmen, wenn sie sagt, daß dieses Jahr 1948 das Ende der antifaschistisch-demokratischen Periode in der SBZ markiert und[8], zu der am Modell der Sowjetunion orientierten volksdemokratischen Entwicklungsphase’ überleitet.”[9]

Mitte 1948, nach dem Tode Wilhelm Külz’, erwog man sogar, die Partei aufzulösen, nachdem die Besatzungsmacht sogenannte reaktionäre LDP-Mitglieder verhaftet und ihres Amtes enthoben hatte.[10] Sicherlich ist es kein Zufall, daß die Verhaftung der damaligen politischen Redakteurin Matz-Donath in diesen Zeitraum fällt.

Heinz-Dietrich Fischer betrachtet die wesentliche Entwicklung in der SBZ/DDR-Presse “bis 1949 als abgeschlossen”, da sich bis dahin “die auch noch in den sechziger Jahren größtenteils vorhandene Pressestruktur gefestigt hatte”:

“einem ständigen Ausbau der SED-Presse lief ein Rückgang der CDU- und LDPD-Presse parallel, so daß sich nicht nur die Parteien selbst mehr und mehr der SED-Linie anpaßten und damit an Eigenständigkeit einbüßten, sondern zudem die Zentral- und Regionalorgane der ,bürgerlichen’ Parteien zunehmend das Klischee des SED-Zentralorgans ,Neues Deutschland’ übernahmen und mithin zumindest partiell zur Selbstaufgabe ihrer ursprünglich eigenständigen Ziele im Gesellschaftsgefüge der DDR beitrugen.”[11]

Als eine vorweggenommene Grabrede zur Beisetzung liberaldemokratischen Gedankenguts kann man heute die Erfurter Denkschrift von 1948 einordnen. In dem Schreiben des Vorstandes des Stadtverbandes Erfurt an den Landesvorstand Thüringen[12] vom 15.12.48 (Erfurter Denkschrift) näherte man den Begriff Liberalismus mit kabarettreifen Wortsaltos dem Sozialismus an - nach dem Motto: wir stehen nicht auf dem marxistischen Standpunkt, aber wir marschieren bei der SED in der ersten Reihe. Rudolf Agsten und Manfred Bogisch konnten das etwas diplomatischer ausdrücken. Sie werden im Anhang, Kapitel 31, zitiert.

Auch die DDR-Geschichtsschreibung bestätigt, daß die Wandlung der LDPD, beschrieben als “Höhepunkt des Kampfes” einige Zeit vor 1952 stattgefunden hatte.

“So wurde 1948 auf einem Höhepunkt des Kampfes zwischen Fortschritt und Reaktion in der LDPD sichtbar, daß die Partei einen fortschreitenden Wandlungsprozeß durchlief...”[13]

Gerhard Papke wähnt sich mit anderen LDP-Forschern einig, daß die “Transformation des ostdeutschen Parteiensystems (...) mit der Durchsetzung der Einheitsliste im Frühjahr 1950 im wesentlichen abgeschlossen war.”[14] Bereits in der zweiten Jahreshälfte 1948 trennte sich die Führung von den Mitgliedern. Papke:

“Die Rückkoppelung zwischen Mitgliedern und Funktionärskörper schwand. Das Bild der Partei wurde stärker von denen bestimmt, die die politische Unterordnung der LDP unter die Vorgaben der SED aus opportunistischen Gründen zu akzeptieren bereit waren. Auf dem Eisenacher Parteitag 1949 wurden die Positionen im Landesvorstand fast vollständig neu besetzt.”[15]

Später habe sich die LDP als Brücke zum Westen im Hinblick auf die erhoffte Wiedervereinigung und als Retter der Reste der Privatwirtschaft verstanden.

Für diese Diplomarbeit wurde die Zeit der sowjetischen Besatzung gewählt, in der es bereits eine demokratisch legitimierte Volksvertretung, den Landtag ab 3.12.46, gab. Ab 1950/51 wurde die LDZ vom Landesnachrichtenamt kontrolliert und angeleitet. Nach dieser Grundausbildung im Gleichschritt wurde diese Bevormundung von Berlin aus organisiert (im wesentlichen vom Presseamt, von der Pressestelle der Parteileitung der LDPD und vom SED-Apparat). Auch darauf einzugehen, das würde den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen. 1945-48 hatten die LDZ-Mitarbeiter (besonders die Redakteure Matz-Donath, Esche und Löser) Verbindungen zu Zeitungen in den Westzonen. Und es gab, was für eine gewisse Kontinuität spricht, durchgängig einen Chefredakteur (Eugen Brinkmann 1945 bis Juni 1949), wenn auch die zweiten Chefredakteure wechselten.

Als Verfahren und Methode für die Untersuchung der LDZ eignete sich der systemimmanent-kritische Ansatz. Geschriebenes und Gesagtes wurde zunächst ohne Wertungen zu einer Monographie über die Gründungszeit der LDZ zusammengefügt. Das Quellenmaterial über politische, mediale und menschliche Wechselbeziehungen kann sich ergänzen und das erläutern, was in der LDZ stand. In der Auswahl von signifikantem Material liegt immer ein subjektiver Faktor. Eine Wertung der Geschichte der LDZ durch den Leser soll damit in keinem Falle präjudiziert werden.

Als Beispiele für die Vorzensur findet man am Ende viele Beispiele herausgestrichener Stellen. Dazu die Erläuterung, nach welchen Kriterien zensiert wurde, welche Maßstäbe die sowjetischen Offiziere hatten und wie sie diese mitteilten.

Der systemimmanent-kritische Ansatz läßt sich am besten mit einem verbalen Kommunikationsmodell, der Lasswell-Formel realisieren: Wer sagt? (Kommunikationsforschung) Was (Aussagen-/Inhaltsanalyse) Mit welchem Mittel? (Medienforschung) Zu wem? (Rezipientenforschung) Mit welcher Wirkung? (Wirkungsforschung) Mit dem Modell lassen sich politische, wirtschaftliche und soziokulturelle Determinanten beschreiben, die für Arbeit und Wirkung der LDPD und ihrer Presse wichtig sind. Die Wirkungsforschung ist 50 Jahre nach Erscheinen und bei der Aktenlage (Leserbriefe existieren nicht mehr) nicht mehr möglich.

Aus der Beschäftigung mit der LDZ-Geschichte ließen sich folgende grundsätzlichen Erkenntnisse gewinnen:

1) Die LDZ war das Blatt der Liberaldemokratischen Partei der Provinz Sachsen, später des Landes Sachsen-Anhalt. Zu den Funktionen, denen sich jedes Lokal- beziehungsweise Regionalorgan verpflichtet fühlt, kamen ganz spezifische Nachkriegsaufgaben:

- die Einführung in liberaldemokratisches Gedankengut, was zugleich einschloß
- die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazizeit und dem Wesen eines

diktatorischen Systems überhaupt sowie in positivem Sinne

- die Darstellung des Aufbaus und der Funktionen eines demokratisch-föderalistischen

Staatswesens.

Solches Wissen war während der nationalsozialistischen Herrschaft unterdrückt worden und dadurch weitgehend verloren gegangen. Deshalb sah die Zeitung ihre Hauptaufgabe in solcher Einübung in Demokratie. Aus dieser liberalen und demokratischen Aufgabenstellung erwuchsen ihr allerdings besondere Schwierigkeiten.

Die LDZ gehörte zur politisch engagierten Presse, die angelehnt an Hagemann und Fischer folgende journalistischen Techniken anwendete:

- Abhebung durch Layout und Plazierung und variierende Wiederholung gleicher Inhalte (Beispiel: unzählige Aufmacher über Bodenreform, Deutsche Einheit, Wahlkampf, Block-Aufrufe),
- bewußte Steigerung und Verharmlosung (LDZ-Berichte über Westzone, Sowjetunion, Deutschland- und Landespolitik),
- Verschweigen von Sachverhalten (politische Verfolgung, Besatzerwillkür, Zensur, liberaldemokratische Redeauszüge),
- Verzerrung des Dargestellten (direkte Lüge: Berichte über CDU-Spitze Hermes und Schreiber in der Erstausgabe, Wiedergabe der Landtagsberichte, der Münchner Ministerpräsidentenkonferenz), Kontraste/Antithesen zu Meinungen und Einstellungen anderer (Gegendarstellungen auf kritische Westpresse),
- Vereinfachung (Feindbilder im kalten Krieg).[16]

1945 hatten die Menschen, darunter die Journalisten, in der gesamten SBZ noch Hoffnungen auf ein einiges, demokratisches, sich wirtschaftlich und politisch erholendes Deutschland, wie es auf der Potsdamer Konferenz von allen vier Alliierten versprochen worden war.

Dabei wollte man mit den Besatzern zusammenarbeiten. Aus der Sicht der LDP war dabei nicht der Aufbau des Sozialismus das Ziel. Es gab unter den Deutschen zum Teil eine devote Haltung gegenüber der SMAD. Schließlich hatten Deutsche den Krieg begonnen und anderen Völkern Leid zugefügt. Das Bewußtsein dieser Schuld saß auch bei Nicht-NSDAP-Mitgliedern und Mitläufern tief. “Das darf sich nicht wiederholen” und “Wir müssen jetzt die Not lindern helfen und aufbauen” waren die Losungen. Aus Verlierersicht war die Besatzung grundsätzlich gerechtfertigt. Heutiges Wissen über Stalinismus und Totalitarismus darf beim Rückblick nicht Maßstab sein.

Gustav Wolf hat in seinem Werk die Zeitungen als Geschichtsquelle abgehandelt und die wichtigen Fehlerquellen bestimmt: Ungenauigkeit, Irrtum, Vergröberung, geschäftliche Rücksichtnahmen und parteipolitische Einflußnahme. (Sie trafen bis auf die geschäftliche Rücksichtnahme voll auf die LDZ zu.) Jede Zeitung, so Wolf, bedürfe einer individuellen Untersuchung, bevor sie als Quelle benutzt werde. Zu dieser individuellen Untersuchung eines Blattes gehörten:

“die Kenntnis seiner Geschichte, seiner ökonomischen Vorbedingungen, seiner geschäftlichen Verbindungen (insbesondere mit Regierungen, Stadtverwaltungen, Parteivorständen, einzelnen im öffentlichen Leben stehenden Personen, Industrie- oder Gewerbeverbänden usw.), des Redaktionspersonals, der Korrespondenten und des Leserkreises”.[17]

Mit dieser Arbeit wurde diese politische Umfeld beleuchtet.

52 Jahre nach ihrer Gründung ist es schwer, die Leserschaft zu untersuchen. Die Zeitung richtete sich nicht nur an Liberaldemokraten, sondern an alle deutschen Leser, so auch an Arbeiter, an Christen wie Kommunisten. Ihre Qualität war in den Beiträgen gut, die von eigenen Mitarbeitern verfaßt waren. Dieser individuelle Stil stand in auffälligem Gegensatz zu Pflichtabdrucken und den schriftlichen Parteireden der LDP-Führer. Auch bei der LDP Sachsen-Anhalt führte der Luxus einer eigenen Zeitung unter anderem aus Mangel an Mitteln oft zu journalistischer Unterdurchschnittlichkeit. Bestimmte Leitartikelschreiber produzierten ihre Kolumnen wie am Fließband. Und es wäre kein Wunder, wenn die LDZ schon 1946 von hinten gelesen worden wäre, wie es in der DDR üblich war. Denn viele Hallenser wollten aus der Zeitung wissen, woher sie ihre Kartoffeln bekommen würden, und nicht die vielen Worte lesen, die irgendein kommunistischer Agenturjournalist über eine Molotowrede machte.

2) Bis zu Beginn der 50er Jahre waren Redaktion und LDP ebenbürtig. Die Zeitung unterlag bis zum März 1947 der Vorzensur der SMA Halle. Aber die LDZ war damals noch keine Marionette der LDP-Führung, sondern ein Mittel für Öffentlichkeitsarbeit. Einerseits identifizierten sich die Redakteure mit der LDP, und das nicht nur, weil sie von ihr Gehalt bezogen. Andererseits vertraute die LDP ihrer LDZ in bezug auf eine LDP-freundliche und -loyale Berichterstattung. Gewährleistet wurde dieses Vertrauen durch Doppelfunktionen. Leitende Redakteure und Verlagsleiter waren gewählte Mitglieder im Landesvorstand der LDP. Redakteure arbeiteten als Wahlredner für ihre Partei. Lizenzinhaber gehörten zum LDP-Landesvorstand, waren auch Chefredakteur.
3) Wer in der LDZ arbeiten durfte, entschied die Chefredaktion. Über Einstellung und freie Mitarbeit wurde kurzfristig und nach dem Eindruck entschieden, den die Chefredaktion von potentiellen Redakteuren hatte. Ein Ja des Chefredakteurs beinhaltete automatisch die Zustimmung des Landesvorstandes der LDP, in der er Mitglied war. Redakteure mußten politisch unbelastet sein und nach Möglichkeit in der Nazizeit nicht für den Nationalsozialismus geschrieben haben. Das führte zu einem für die Nachkriegszeit typischen niedrigen Durchschnittsalter unter den Journalisten. In wichtigen Punkten mußten sie mit der LDP-Politik übereinstimmen:

- Ablehnung des Monopolkapitalismus, der zum politischen Machtfaktor wird
- Trennung von Christentum und Politik
- Ablehnung des Klassenkampfes und der führenden Rolle einer einzigen Klasse
- Ablehnung von Nationalsozialismus und Sozialismus
- Unterstützung der Marktwirtschaft, von freiem Gewerbe und Handwerk
- Freiheit von Wort und Schrift[18]

Autoren waren meist Liberaldemokraten und/oder Experten auf einem bestimmten Gebiet (Wirtschaft, Recht, Kultur). Ausnahme waren von der SMA verordnete Pflichtabdrucke aus anderen Zeitungen oder aus sowjetischer Quelle, die in der Besatzungszeit und danach LDP und LDZ zu Sprachrohren machten.

Sehr schnell wurde die Willkür deutlich, mit der die SMAD zensierte, in Politik und Verwaltung eingriff, verhaftete und Sozialismus-Befürworter protegierte. Kritik an der SMA, an der von ihr geförderten Partei, an den Massenorganisationen und am Sozialismus nach sowjetischem Vorbild war für Autoren und Redner lebensgefährlich. Solange es die Vorzensur gab, mußte der jeweilige Offizier die gesamte Zeitung verantworten. Die SMAD zensierte nicht nur die Druckvorlagen, sie bestimmte auch, wer was auf Versammlungen sagen durfte. Sie griff nicht nur in der publizistischen Ebene, sondern auch in der politischen ein, indem sie Entscheidungen der Provinzverwaltung, des Landtages und der Parteien beeinflußte. Daß ausgerechnet der LDP-Generalsekretär Fiering ein Spitzel der GPU war, zeigt diese Abhängigkeit von den Besatzern. Fiering einfach als Schädling abzutun - das wäre Schwarzweißmalerei. Er setzte sich durchaus für seine Liberalen, für seine LDZ ein.

4) Bis 1948 waren mit wenigen Ausnahmen die Festangestellten und die meisten freien Mitarbeiter in der Redaktion politisch und menschlich eine Gemeinschaft, die zusammenhielt. In der Partei war das anders. Dort bildeten sich Flügel: für und gegen die SMAD/SED-Politik. Das zeigte sich - abgesehen von der Grundhaltung zum Sozialismus - bei Themen wie Enteignung, Rolle der sogenannten Arbeiterklasse, Klassenkampf, Sozialismus, Marktwirtschaft, Demokratischer Block, Wahlen nach Einheitsliste und Demokratie. Deutlich wurde es ebenfalls in der Personalpolitik. Während ein Teil der Partei dem Chefredakteur Autonomie zugestand, versuchten andere Parteileiter, Druck auf die Redaktion auszuüben. Solange der tolerante Flügel in der LDP die stärkere Seite war, konnte die Redaktion ein partnerschaftliches Verhältnis zur Partei pflegen. Willkürliche Entlassungen von Redakteuren kamen erst vor, als sich der SED-zugewandte Flügel in der Partei durchzusetzen begann.

5) Die Beiträge der LDZ zeigen die Oberfläche von dem, was sich im Demokratischen Block und in der LDP zutrug. Vieles, was die Redakteure wußten, konnten sie gar nicht oder allenfalls zwischen den Zeilen oder mündlich weitergeben. Einige veröffentlichten deshalb unter Pseudonym die Wahrheit in westzonalen Zeitungen. Bei allem Ehrgefühl und bei aller Charakterstärke, die die Redakteure hatten - auch sie wurden gezwungen, offensichtliche Lügen zu verbreiten. Sie lebten unter der ständigen Bedrohung, verhaftet und verschleppt zu werden.

Nach dem Krieg wurden Zeitungen sehr gründlich gelesen. Sie waren die einzige aktuelle Informationsquelle, denn nicht jeder hatte ein Radio. Wer in der Zeit lebte und sich umhörte, verstand Andeutungen, die uns heute wenig sagen. Das ist wichtig, wenn man die Objektivität der Berichterstattung einzuschätzen versucht.

In einigen Beiträgen kritisierte die Redaktion antidemokratische Handlungen, die dem Aufschwung schaden würden. Den Sozialismus und scheindemokratische Parteineugründungen lehnten die LDZ-Redakteure ebenso ab wie die führende Rolle der sich als Arbeiterpartei bezeichnenden SED und den Niveauverlust in einem klassenpolitisch bestimmten Bildungssystem. Das sollte sich später ändern.

6) Solange die LDZ der Partner der Liberaldemokraten und nicht nur Sprachrohr einer sowjetsozialistisch gleichgeschalteten LDP-Führung war, konnte die Redaktion arbeiten, ohne von leitenden Parteifreunden gedrückt und gegängelt zu werden. Die Nachkriegsjournalisten der LDZ konnten ihre Meinung im Westen wenigstens anonym äußern. Das unterschied sie wesentlich von den meisten späteren sowjetzonalen- bzw. DDR-Journalisten, die nur das Gespräch als Ventil für ihre politischen Ansichten nutzen konnten. Als Organ der LDP war die LDZ von Anfang an ein Spiegel der Politik ihrer Partei und veröffentlichte viele verschiedene Meinungen. In der untersuchten Zeit fanden sich noch Standpunkte, die sich grundsätzlich von denen anderer Parteien unterschieden. Die LDZ zeigte Profil, solange die LDP-Führung Profil hatte, d. h. grundsätzlich anders dachte und redete als SED und CDU. Man ist geneigt, von Der Partei und Der LDZ zu sprechen, obwohl diese Trennung falsch ist. Die LDZ war Teil der Partei. Damals wurde man zumeist erst Mitglied oder bekannte sich zur LDP-Politik, ehe man für die Zeitung schrieb. Die Redakteure waren öffentlichkeitswirksame Politiker und nicht wie heute nur finanziell abhängige Autoren.

Die Arbeit ist wie folgt gegliedert:

Kapitel 1 bis 4:

Wie entwickelte sich das zunächst amerikanisch, dann sowjetisch besetzte Halle. Hier geht es um den Aufbau der Provinzialverwaltung Sachsen und der Stadtverwaltung sowie Aufgaben und Funktion von Besatzungsamt, Nachrichtenamt und Volksbildungsamt in Halle.

Darauf folgt die Erläuterung der sowjetischen Informations- und Pressepolitik. Welches Konzept hatte die SMA? Wie war sie zonenweit organisiert, wie die Aufgaben verteilt? Anschließend wird eingegangen auf das Lizenzierungsmodell (für Parteien und Zeitungen), auf den für Pressearbeit geschaffenen rechtlichen Rahmen, die Befehle und das Reglementierungssystem der SMAD.

Kapitel 5:

Hier wird zunächst die Presse in Halle vor dem Kriegsende und in den Besatzungsjahren vorgestellt. Nachdem Mitteldeutsche National-Zeitung und Hallesche Nachrichten mit dem Dritten Reich am Ende waren, erschien als erste Tageszeitung die Volks-Zeitung (KPD) vom 25.7.45 - 15.4.46, als nächste das Volksblatt (SPD) vom 6.9.45 - 15.4.46, die sich vereinigten zur Freiheit (SED) ab 16.4.46. Die nächsten wichtigen Gründungen während der Besatzung waren die LDZ (LDP) ab 18.12.45 und Der neue Weg (CDU) ab Januar 1946. Erhältlich waren außerdem Berliner Tageszeitungen (wie Das Volk, Tägliche Rundschau) und Amtliche Nachrichten der Behörden der Stadt Halle (Saale) und des Saalkreises (Erstmals am 28.4.45) und das Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen.

Kapitel 6 und 7:

Diese Kapitel beleuchten die LDP-Gründung in Halle. Mit ihr wurde die Herausgabe einer Zeitung genehmigt. Geklärt wird die Herkunft von den Redakteuren, ihre Organisation und ihr Verhältnis zur LDP. Es werden die äußeren Merkmale der LDZ beschrieben, dazu der formale Aufbau des Blattes einschließlich Layout und Präsentation der Autoren.

Das Kapitel 8

ist dem Inhalt der Beiträge gewidmet, geht auf deren Entstehung unter Vor- und Nachzensur ein, schildert redaktionellen Alltag einer Ostzonenredaktion nach dem Krieg. Das Verhältnis von Partei/Redaktion zur SMAD soll herausgearbeitet werden. An vielen Beispielen wird gezeigt, wie vielseitig Zensur wirkte - nicht nur mit dem Rotstift. Die Unterschiede zwischen dem Idealen von Liberaldemokratie und Blockpolitik zur Wirklichkeit werden deutlich.

In Anhang finden sich Beispiele und Interviews, die das Verstehen der LDZ-Geschichte auch über den Untersuchungszeitraum hinaus zusätzlich erleichtern. Aus Platzgründen wurden die biographischen Angaben zu den Gesellschaftern des Verlages der LDZ in das Kapitel 15 des Anhangs ausgelagert.

Für die Liberaldemokratische Partei Deutschlands stehen in dieser Arbeit die Abkürzungen LDP und LDPD, zwischen denen kein Unterschied besteht. Wegen der Kürze wurde die erste häufiger gebraucht. Gleiches gilt für SMA und SMAD.

2 Forschungsstand

Über die Geschichte der LDZ wurde bisher nicht geforscht. Denn die Zeitung machte keine Politik, sondern war - wenn überhaupt - nur ihr Seismograph. Dafür hat man in der DDR um so häufiger die Geschichte der LDPD untersucht. Die Arbeiten mußten die bestehenden Verhältnisse rechtfertigen, ihr wissenschaftlicher Ertrag war entsprechend. Zwar zeichnen sie sich durch intensives Quellenstudium aus. Doch ihre Plausibilität ist anzuzweifeln, wenn sie den Weg zum Sozialismus als nach wissenschaftlichen Gesetzen zwangsläufig verlaufend beschreiben.

Außerdem erfolgte die Auswahl der behandelten politischen Persönlichkeiten häufig nicht nach logischen Gesichtspunkten, sondern nach ihrer ideologischen Verwendbarkeit. Auf diese Weise ließen manche Geschichtsschreiber der DDR Schlüsselfiguren der Nachkriegsjahre unter den Tisch fallen, und im Gegenzug hoben sie unwichtige Randfiguren in den Mittelpunkt.[19]

In den Jubiläumsausgaben der LDZ steht wenig über die ersten Nachkriegsjahre. Ausgeschiedene Kollegen haben ihr Wissen mit nach Hause genommen. Aus 50 Jahren LDZ/Tageblatt sind nur wenige Ordner übrig.

An der Karl-Marx-Universität Leipzig entstand nur eine Arbeit über die Geschichte der LDPD-Presse.[20] Chefredakteur Günter Grasmeyer schrieb 91 Seiten über 25 Jahre Zeitung. Sein Thema: “Die Entwicklung der ,Norddeutschen Zeitung’ von 1946-1971”. Seine Diplomarbeit geht auf Gesellschaftervertrag und Besitzverhältnisse ein. Im Untersuchungszeitraum hatte die Norddeutsche Zeitung mindestens acht Chefredakteure, wovon in der Arbeit nur drei erwähnt werden. Obwohl Grasmeyer Personalakten zur Verfügung hatte, blieb er oberflächlich. Grasmeyer fügte die Kopie der Lizenzurkunde vom 25.2.46 ein. Da der Herausgeber und spätere Besitzer die LDPD war, sind mit Grasmeyers Arbeit Vergleiche zur LDZ möglich.

Günter Raue geht zwar auf die LDZ nur kurz ein, beschreibt aber übersichtlich die Rahmenbedingungen für Medien in der SBZ.[21]

Über die LDPD wurde viel mehr exploriert, als über ihre Zeitungen. Ekkehart Krippendorff schrieb 1959 die erste Monographie über die LDP in der SBZ.[22] Trotz der wenigen Quellen ist diese Dissertation außerordentlich aufschlußreich und wird in nahezu jedem Folgewerk anderer Historiker beachtet. Er setzt das parlamentarisch-demokratische Ende der LDP mit Anfang 1948 an und nicht mit dem Bekenntnis zum “Aufbau des Sozialismus” im Juli 1952.

Die DDR-Historiographie nahm sich der LDPD-Parteigeschichte seit den 60er Jahren an. Mit Ausnahme von Wolfgang Hoffmann wurden alle Dissertationen zum Thema von Führungskadern der LDPD verfaßt.[23] LDP-Generalsekretär Manfred Gerlach und sein Stellvertreter Kurt Wünsche befaßten sich gemeinsam in ihrer Dissertation mit der Funktion und Entwicklung ihrer Partei im DDR-Mehrparteiensystem. Damit versuchte Gerlach, die Existenzberechtigung der LDP im Sozialismus wissenschaftlich nachzuweisen. Als Geständnis und Rechtfertigung ist die 1991 von Gerlach unter dem Titel “Mitverantwortlich” veröffentlichte Autobiographie aufzufassen. Sie zeigte, wie wenig er die Wende verarbeitet hatte, denn er nahm für sich in Anspruch “Täter und Opfer” gewesen zu sein. Auf mehreren Seiten beschrieb er die DDR-Zensur und die Rolle des LDPD-“Chefideologen” Rudolf Agsten, dem er - neben Joachim Herrmann - den schwarzen Peter für die Leere der DDR/LDPD-Medien zuschob.[24] Zwei freundliche Bitten des Autors um ein Gespräch lehnte Manfred Gerlach freundlich ab.

Wissenschaftlich gründlicher und quellenreicher als die Dissertation von Gerlach ist die von den beiden Mitgliedern des Politischen Ausschusses der LDP, Rudolf Agsten und Manfred Bogisch, vorgelegte Dissertation über die Gründungszeit 1945 bis Juli 1946. Ein Makel besonders bezüglich der geschilderten Kommunal- und Landtagswahlen 1946 ist der ideologisch enge und dadurch wirklichkeitsferne Blick verbunden mit einer Fallbeil- und Feindbild-Sprache. Die Autoren sortieren nach Aschenputtelsystem in fortschrittlich/progressiv und reaktionär (prowestlich, kleinbürgerlich-utopisch, antikommunistisch, restaurativ, reaktionär, auf falschem Wege und gegen die antifaschistisch-demokratische Umwälzung arbeitend).[25] Die Kategorien wurden nicht wissenschaftlich bestimmt, sie bezeichneten nur, ob die Person oder Meinung mit der zum jeweiligen Zeitpunkt dominierenden SED-Geschichtsschreibung übereinstimmte oder von ihr abwich. Wegen des meist lästigen marxistisch-leninistischen Beiwerks sind viele dieser Arbeiten mit Vorsicht zu benutzen und nicht ohne das ergänzende Studium der Originalakten zu verwenden. Agsten und Bogisch nahmen schon in der Einleitung die Perspektive des Herrschers, der Partei der Arbeiterklasse, ein:

“Mit der Darstellung (...) soll (...) der geschichtsfälschenden These imperialistischer Historiker entgegengetreten werden, bürgerlich-demokratische Kräfte hätten in der SBZ keine Möglichkeit gehabt, politisch selbständig tätig zu werden, und der Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien sei ein Instrument ,kommunistischer Machtergreifung’ gewesen. (...) Die Arbeit stützt sich auf die vorliegenden Ergebnisse der sozialistischen Geschichtswissenschaft. Besondere Berücksichtigung fanden Dokumente der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung und Ausführungen führender Repräsentanten der Arbeiterklasse...”[26]

Harald Krieg, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Westflüchtling, fand diese Geschichtsschreibung weltfremd:

“Agsten (...) Was er in seinem Buch mit einem Autorenkollektiv über die LDPD von 1954-1961 geschrieben hat, ist eine einzige Rechtfertigung der SED-Politik in dieser Zeit, eine Lobhudelei auf J. Dieckmann und Dr. Koch, der nach Dr. Hamanns Verhaftung von 1952 bis 1960 Parteivorsitzender war, wobei Prof. Kastner und Dr. Hamann zynisch als revolutionäre Verräter bezeichnet werden.”[27]

Es gibt einen Nachholbedarf an selbst- und systemkritischen Arbeiten, die nicht unter konservativer Status-quo-Politisierung geschrieben wurden. Hermann Weber sagte, es habe in der Anfangszeit der sowjetischen Besatzung “mit der Änderung der politischen Generallinie vom ,deutschen Weg zum Sozialismus’ zur Übertragung des stalinistischen Modells” eine apologetische und beschönigende Geschichtsdarstellung gegeben.[28]

Über den Vorsitzenden der LDP Wilhelm Külz gewinnt man viel Wissen aus der Biographie von Armin Behrendt.[29]

Seit den 90er Jahren hat die LDPD-Geschichtsforschung Niveau erreicht, sowohl in der Menge der Arbeiten als auch in ihrem wissenschaftlichen Anspruch. Einen Maßstab hat Jürgen Louis mit seiner 1996 als Buch veröffentlichten Dissertation über die LDP in Thüringen von 1945-52 gesetzt. Sie hat einen umfangreichen Anhang mit Biographien, Wahlergebnissen, Zeittafel und Parteistrukturen. Louis beschränkt sich nicht auf Politik, er füllt mit aktuellen Studien viele Lücken über die Finanzen der LDP in Thüringen und die Wechselwirkung zwischen Partei und Presse. Die Arbeit ist aktuell und berücksichtigt wichtige Ergebnisse der ost- und westdeutschen LDP-Forschung.

Ebenso faktenreich und fundiert ist das von Jürgen Frölich 1994 herausgegebene Buch “,Bürgerliche’ Parteien in der SBZ/DDR” mit Beiträgen unter anderem von Jürgen Louis, Gerhard Papke, Wolfgang Schollwer, Bernhard Bode und Ulf Sommer.

Klarheit über die politischen Veränderungen in Sachsen-Anhalt während der Besetzung gewinnt man auch durch das Buch von Stefan Creuzberger, der für die Darstellung der Rolle der SMAD auch russische Quellen aus der GUS zu Rate gezogen hat.[30]

Matthias Tullner, Historiker an der Universität Magdeburg, untersuchte die Kommunalwahlen und die Wahlen zum Provinzlandtag in Sachsen-Anhalt 1946. Sowjetische Repression und Hintergründe zu den Zahlen werden dabei gut deutlich.[31]

Zur Presse- und Zensurgeschichte in der DDR sind die Veröffentlichungen von Gunter Holzweißig unverzichtbar. Da er Jahrzehnte kritisch DDR-Medien erforschte und seit sieben Jahren intensiv zusätzlich geöffnete Archive nutzt, haben seine Arbeiten den Charakter von Nachschlagewerken.[32]

Mit “Zensur und Zensoren” hat Peter Strunk den derzeit aktuellsten Überblick über die Medienkontrolle und Propagandapolitik unter sowjetischer Besatzung vorgelegt. Er stützt sich häufig auf Akten des Office of Military Government for Germany, United States, (OMGUS), das die SMAD intensiv beobachtete. Aufschluß über die SMAD geben ferner Jan Foitzik und Norman M. Naimark. Der Amerikaner bezog sich in “Die Russen in Deutschland” stark auf Quellen aus der Sowjetunion und ging auf die Rolle Tjulpanows als oberster Presseverantwortlicher ein.

Fritz Lenke, Freiheit-Redakteur aus Halle, hat sich viele Jahre mit der Geschichte der SED-Zeitung Freiheit und ihrer Vorgänger befaßt. Trotz ihrer ideologischen Ausrichtung basieren seine Broschüren auf gründlichen Studien im Verlagsarchiv der Freiheit, heute Mitteldeutsche Zeitung, und auf Befragungen der Mitarbeiter.

Einblick in die politischen Verhältnisse der Provinz Sachsen 1945/46 vermitteln die biographisch gehaltenen Erinnerungen von Ernst Thape und Harald Krieg. Viele ihrer persönlichen Bemerkungen und Meinungen helfen, sich hinter Politikern und Funktionären Menschen, Charaktere, vorzustellen. Erhard Hübener, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, brach seine Biographie 1945 ab.[33] Oberarchivrat Werner Piechocki aus Halle hat 1993 die Hübener-Biographie mit Nachkriegsereignissen ergänzt.[34]

Beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Außenstelle Halle, liegen sechs leere Ordner zum Thema LDZ, deren Inhalt vernichtet wurde. Möglicherweise befindet sich Material in den Personalakten der LDZ-Mitarbeiter. Für diese Arbeit wurde auf eine Recherche in Personalakten verzichtet. Da das Ministerium erst Anfang der 50er Jahre entstand, kann es zu den Nachkriegsjahren keine Dokumente über Vorgänge in der LDZ geben.[35]

3 Deutsche Verwaltungen nach dem Krieg

3.1 Erhard Hübener wird Ministerpräsident

Mitte April 1945 war für die Hallenser der Krieg zu Ende. Die Amerikaner besetzten die Stadt. Langsam entstand eine neue Verwaltung. Es war eine Phase der Hoffnung, des Probierens und Modellierens am neuen Gebilde. Alles schien formbar zu sein. Resignierte Menschen sahen plötzlich eine Chance, diktaturmüde Persönlichkeiten drängten danach, sich wieder einzumischen. Armut, Hunger, Tod und Auflösung des alten Systems verband Leute, die sonst durch Kontostände, Feindbilder und Mitgliedschaften getrennt gewesen waren. Neue Verwaltungen und politische Institutionen wurden geschaffen und verändert. Diese Turbulenzen wirkten sich auch auf die LDZ aus. Deshalb folgen jetzt Fakten über die demokratischen Experimente in der SBZ.

Unter dem Druck der Nationalsozialisten war der Demokrat Erhard Hübener im April 1933 von seinem Amt als Landeshauptmann zurückgetreten und hatte sich seitdem nicht mehr politisch betätigt. Im Juni 1945 holte man ihn nach Halle, wo er mit den amerikanischen Besatzern über den Aufbau einer neuen Provinzialverwaltung sprechen sollte. Eine diesem Zweck dienende Reise mit dem Mediziner Prof. Hülse und Baron von Veltheim-Ostrau ins amerikanische Hauptquartier nach Frankfurt scheiterte, weil der Besatzerwechsel unmittelbar bevorstand. Doch die Amerikaner ernannten Hübener nach kurzer Prüfung wieder zum Landeshauptmann der Provinz Sachsen mit Sitz in Merseburg. Er sollte sein Amt am 1.7.45 antreten, an dem Tag, an dem sich der Besatzerwechsel vollzog.[36] Hübener übernahm trotzdem sein Amt, baute die Behörden auf. Es kam zu einem Gespräch mit General Kotikow, dem Befehlshaber der SMAD für die Provinz Sachsen, über die künftige regionale Gestaltung Mitteldeutschlands. Das Ergebnis: Der Regierungsbezirk Erfurt fiel an Thüringen; die Provinz Sachsen wurde begrenzt auf die Regierungsbezirke Magdeburg und Merseburg unter Einbeziehung Anhalts und aller brandenburgischen und thüringischen Exklaven; die Ämter des Oberpräsidenten und des Landeshauptmanns werden zusammengelegt; Hübener wurde Präsident der Provinz Sachsen - mit 64 Jahren.[37] Der Vorschlag für die Präsidentschaft kam von General Kotikow, dem Hübener versichern konnte, er hätte das Vertrauen aller neu gebildeten Parteien.

Der Oberkommandierende der SMAD, Marschall Shukow, genehmigte die Umbildung der Provinz Sachsen, dessen Führungsspitze sich so zusammensetzte: Präsident: Dr. Hübener, Demokrat; 1. Vizepräsident: Robert Siewert, Kommunist; Vizepräsident: Prof. Dr. Hülse, parteilos; Vizepräsident: Ernst Thape, SPD; Vizepräsident: Willy Lohmann, Demokrat (Tod durch Autounfall am 21.9.45).

Die erste Verordnung des neuen Präsidiums erschien am 23.7.45. Darin wird die Übernahme der Verwaltung mit Amtssitz in Halle bekanntgegeben.[38] Die Provinz Sachsen war in drei Bezirke gegliedert: 1) Halle-Merseburg mit Sitz in Merseburg: Präsident: Dr. Siegfried Berger, Demokrat; Vizepräsident: Otto Gotsche, Kommunist; Vizepräsident: Fritz Drescher, Sozialdemokrat. 2) Magdeburg: Präsident: Otto Bär, Sozialdemokrat; Vizepräsident: Georg Heidler, Kommunist; Vizepräsident: Arno Roßberg, Demokrat. 3) Dessau: Präsident: Heinrich Deist, Sozialdemokrat; Vizepräsident: Erich Besser, Kommunist; Vizepräsident: Fritz Hesse, Demokrat.[39]

Dem Vizepräsidenten Ernst Thape unterstanden fünf Abteilungen: Volksbildung, Presse und Propaganda, Umsiedlerfürsorge, Post- und Nachrichtendienst, Wasserwirtschaft. Thape floh am 28.11.48 in den Westen.[40] Die wichtigen Ressorts waren in SED-Händen von Vizepräsident Siewert: Personal, Justiz, Polizei.[41] Unter Siewert baute der sozialdemokratische Polizeifachmann Georg König die Polizei in Sachsen-Anhalt neu auf. Siewert wurde 1950 zu einer “niedrigeren Verwaltungstätigkeit im Aufbauministerium in Berlin” degradiert.

Im SBZ-Handbuch ist die Geschichte der SED im Zuge der Umwandlung zur Partei neuen Typs beschrieben.[42] Unter anderem wurde der Sozialdemokrat Fritz Drescher, der schon acht Jahre im Nazigefängnis gesessen hatte, 1948 zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Und Arbeitsminister Dr. Leo Herwegen (CDU) wurde zusammen mit Dr. Willi Brundert (SPD) im April 1950 wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen in einem Schauprozeß in Dessau zu jeweils 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dem SBZ-Handbuchautor Dieter Marc Schneider fiel dabei auf, daß die personalpolitischen Gewaltakte besonders die Wirtschaftsverwaltung trafen, welche gegen die Zentralisierung wirkte.[43] Damals seien auch Kommunisten festgenommen und/oder aus ihren Funktionen hinausgeworfen worden.

Am 16.1.48 trat Ministerpräsident Hübener (der einzige bürgerliche in der SBZ) von der Führung des von ihm mitverwalteten Justizministeriums zurück. Der Grund: Ein mit LDP- und CDU-Stimmen verabschiedetes Landtagsgesetz, nach dem nominelle NSDAP-Mitglieder wieder im Justizdienst arbeiten konnten, wurde wegen Einspruchs der SMA nicht verkündet.[44] Nachdem die Landtagswahlen um ein Jahr auf 1950 verschoben worden waren, trat Hübener am 1.10.49 auch vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.[45] Werner Bruschke (SED) wurde sein Nachfolger bis zur Auflösung der Länder 1952.

3.2 Die Nachkriegsverwaltung in Halle

Kurz nach Einmarsch der Amerikaner bildete sich in Halle ein antifaschistischer Ausschuß aus bürgerlichen Hitlergegnern, Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschaftern. Dieser aufgrund seiner Mitgliederzahl sogenannte Neunerausschuß war Grundlage für die Bildung des antifaschistischen Blocks. Der Ausschuß schlug den Amerikanern vor, Prof. Dr. Dr. Ing. Theodor Lieser (parteilos) als neuen Oberbürgermeister sowie Erich Behnke (KPD) und Walter Öhlschläger (SPD) als Stellvertreter (ehrenamtliche Stadträte) einzusetzen. Die Verhandlungen dauerten an. Die drei wurden erst am 17.5.45 in die Ämter eingeführt.[46]

Im Oktober 1945 stellte Prof. Lieser sein Oberbürgermeisteramt zur Verfügung, um wieder an der Universität Halle-Wittenberg forschen und lehren zu können. Seine Nachfolger wurden Ewald Mertens (LDP) als Oberbürgermeister und Karl Pretsch (KPD) als Bürgermeister. Anfang 1946 gehörten von den leitenden Mitarbeitern der Stadtverwaltung 13 der SPD, zehn der LDP, neun der KPD, fünf der CDU und elf keiner Partei an.[47]

Am 7.7.45 übernahm Generalmajor Gustyschew die Verwaltung von Halle als Stadtkommandant. Im November 1949 zog sich die sowjetische Besatzung davon zurück. An Stelle der SMA wurde zur jener Zeit die Sowjetische Kontrollkommission gebildet, die Vertretungen in Magdeburg, Dessau, Merseburg, Bitterfeld und Eisleben einrichtete.[48]

Wie überall in den von Alliierten besetzten Gebieten durften sich auch in Halle zunächst keine politischen Parteien bilden. Am wenigsten waren die Amerikaner an Betätigung der KPD interessiert. Sie gestatteten “zögernd” die Bildung von Gewerkschaften.[49]

3.3 Das Besatzungsamt

“Das Besatzungsamt Halle wurde durch die Verfügung vom 25. April 1945 ,Zur federführenden Bearbeitung der Anordnungen und Ersuchen, die die Militärregierung an die Zivilverwaltung richtet’, geschaffen. (Dienstliche Mitteilungen für die Stadtverwaltung Halle Nr. 8 vom 25.4.45, S. 62). Zum Besatzungsamt gehörte als Außenstelle ein Verbindungsmann zwischen Militärregierung und der Stadtverwaltung mit dem Sitz bei der Militärregierung. In einer Verfügung des Oberbürgermeisters vom 30. Mai 1945 heißt es über die Aufgaben der neuen Behörde, ,das Besatzungsamt hat die Anordnungen und Ersuchen zu bearbeiten, die die Militärregierung für den Stadtkreis Halle an die Zivilverwaltung richtet. Es hat aber auch Anträge, Anregungen und Vorschläge der Zivilverwaltung an die Militärregierung heranzubringen. Bei der Bearbeitung von Rechtsfragen ist das Rechtsamt einzuschalten, bei der Klärung sonstiger Fragen sind die hierfür in Betracht kommenden Dienststellen zu beteiligen. Das Besatzungsamt ist zugleich die zentrale Anweisungsstelle für alle Besatzungskosten...’ (Dienstliche Mitteilungen Nr. 11 vom 1.6.45, S. 75)”[50]

Der Bestand des Besatzungsamtes beginnt mit “Vertragsnotizen bei der Kommandantur” am 21.4.45. Zunächst vermittelte es zwischen der Stadtverwaltung und den Amerikanern. In den ersten Julitagen 1945 wurde Halle von den Sowjets übernommen. Häufig geht es in den Schriftstücken des Besatzungsamtes um Rechnungen und Leistungen zur Versorgung der Besatzungsmacht mit Immobilien, Waren und Lebensmitteln. Die Verlagsgebäude der LDZ tauchen nicht auf. Es wird nur berichtet, daß Major Gutthof die Druckerei der Heeres- und Luftnachrichtenschule am 17.8.45 vom Druckleiter Lange übernahm und versiegeln ließ.[51]

3.4 Nachrichtenamt Halle

Auf die politische Berichterstattung der LDZ hatte das Nachrichtenamt der Stadtverwaltung Halle kaum Einfluß. Es beschränkte sich im wesentlichen darauf, Verwaltungen und Medien mit Informationen zu versorgen und kontrollierte lediglich die Anzeigen, die in den Medien von Halle erschienen.

“Ich habe am 15. Oktober 1945 mit einer Stenotypistin angefangen”, erinnert sich der Leiter des Nachrichtenamtes Halle, Herr Schulze. Im Februar 1947 hatte sein Amt 13 Planstellen, davon vier “Schriftleiter”[52]. Schulze hatte neun Abteilungen geschaffen:

“1. Presse und Funk, 2. ,Amtliche Bekanntmachungen’, 3. Vertrauenswerbung und Veranstaltungen, 4. Information, 5. Anzeigen-Zensur, 6. Anzeigen-Vermittlung, 7. Verkehrs- und Werbebüro, 8. Presse-Archiv, 9. Bildstelle.”[53]

Auf einem Treffen der Nachrichtenämter des Landes Sachsen-Anhalt erstattete Schulze Bericht:

Pro Monat würden etwa 100 Kurzmeldungen an die Medien gegeben. Zum Beispiel hätte die Freiheit am 13.2.47 sechs Beiträge des Nachrichtenamtes gedruckt. Dreimal wöchentlich erschienen die “Amtlichen Nachrichten”. Sie stünden auf schwachen Füßen, weil ihnen die SMA keine Lizenz erteile. (Damals war mit der Lizenz die Papierzuteilung relativ gesichert.) Von den Amtlichen Nachrichten könnten sich die Nachrichtenämter tragen und zum Teil größere Überschüsse erzielen.

Die Abteilung Vertrauenswerbung habe Plakate über den Aufbau der Stadt herstellen lassen sowie Dias für Kinowerbung, Klischees zum Thema Umsiedler und gegen Gerüchte. Außerdem seien Versammlungen organisiert worden, auf denen der Oberbürgermeister und die Stadträte redeten. Ein Erfolg sei auch die farbige Broschüre über den Aufbau von Halle gewesen.

Alle in Halleschen Zeitungen erscheinenden Anzeigen würden vom Nachrichtenamt zensiert.

Schulze sagte, daß er jede Dienststelle unangemeldet besuchen und befragen dürfe, außerdem ständen ihm alle Ausschußsitzungen offen. Nachdem es Ärger mit dem Bericht eines Journalisten über den freien Markt in Halle gegeben hätte, habe der Bürgermeister von Halle angeordnet, jede Pressearbeit über das Nachrichtenamt laufen zu lassen. (Schulze begrüßte das. Er war Journalist und pressefreundlich.)

Der Ausschnittdienst werte täglich 60 Ostzonenzeitungen aus. Außerdem habe es eine Bürgeraktion “Besser machen!” gegeben mit 300 meist vernünftigen Antworten.

In bezug auf die verlangten Informationen sah Schulze das Problem der “Verquickung von privatbetrieblichem und behördlichem Nachrichtenwesen”. Während das Nachrichtenamt kommunalen Interessen diene, dürfe ein Nachrichtenbüro bestimmte Tendenzen vertreten. (Er lehnte es ab, in Halle über politische Versammlungen und Betriebsangelegenheiten zu berichten.) Die Behördenvertreter sollten nicht die Arbeit eines Reporters des deutschen Nachrichtenbüros ausüben, indem sie Informationen über die Stimmung des Volkes über politische Fragen sammelten. Die Stadtverwaltung habe damit nichts zu tun. Schulzes Aufgabe sei vielmehr: den Kontakt pflegen zwischen Stadtverwaltung und Öffentlichkeit. Seit einem halben Jahr (Schulze sagte das am 8.10.46) schreibe das Nachrichtenamt Informationsberichte. Sie würden öffentlich ausgewertet und an städtische Stellen zur Bearbeitung geleitet. (Schulze lehnte reine Korrespondentenarbeit ab.) Er könne nur entweder kommunalpolitische Aufgaben erfüllen oder als Nachrichtenbüro arbeiten.[54]

Das Nachrichtenamt der Stadt Halle war dem Hauptamt zugeordnet. Über seine Arbeit existieren im Stadtarchiv (gehört jetzt zum Kulturamt) und im Verwaltungsarchiv der Stadt Halle (Hauptamt)[55] keine Akten. Es gibt nur Veröffentlichungen in Druckwerken.

“Bei öffentlichen Veranstaltungen dürfen nur solche Bildberichterstatter Aufnahmen durchführen, die im Besitz eines Ausweises der Provinzialverwaltung - Abteilung Presse und Propaganda - oder des Volksbildungsamtes der Stadt Halle sind.

Halle, den 5. April 1946 Der Magistrat, Volksbildungsamt, gez. Walter Schmidt”[56]

In den Dienstlichen Mitteilungen von “Der Magistrat der Stadt Halle” vom 12.3.46 steht auf Seite 1: Oberbürgermeister Mertens war für das Nachrichtenamt verantwortlich. Das war noch am 5.3.47 so. Am 15.3.1946 verfügte Pretsch, daß sich jeder Journalist Auskünfte über die Stadtverwaltung nur mit Genehmigung des Nachrichtenamtes holen dürfe.[57] Schon am 8.11.47 hob er diese Regelung wieder auf.[58] Mehr dazu im Anhang Kapitel 1 bis 3.

3.5 Abteilung Presse und Propaganda beim Volksbildungsamt

Harold William Esches Dienstantritt am 28.8.45 (Kündigung am 15.1.46, freiwilliger Austritt am 31.1.46) in der Abteilung Presse und Propaganda (APUP)[59] deutet auf die frühe Existenz dieser Abteilung hin. Sie gehörte zum Geschäftsbereich des 2. Vizepräsidenten der Provinzverwaltung Sachsen Ernst Thape (SPD/SED). In dieser Zeit kontrollierte und genehmigte noch die SMA alles Gedruckte. So wird die APUP auf Öffentlichkeitsarbeit beschränkt gewesen sein und nicht in den Themenplan und die Gestaltung der Medien eingegriffen haben. Aufgabe der APUP war, innerhalb der Verwaltungen der Provinz den Nachrichtenfluß und Lageberichte für die Provinzleitung zu organisieren. Das hing von Existenz und Arbeitsweise der Nachrichtenämter in den Städten und Kreisen ab. Kleinere Verwaltungen konnten sich anfangs kaum Pressearbeiter leisten. Die APUP wurde am 1.1.47 aufgelöst. Nach einem Kabinettsbeschluß des neuen Landtages wurde die APUP dem Ministerium des Innern als Landesnachrichtenamt mit 36 Planstellen unterstellt. Bis zum 18.2.47 waren davon 22 Stellen besetzt.[60]

Eine Tagung aller Nachrichtenämter der Provinz Sachsen unter Leitung der APUP am 8.10.46 behandelte den Aufbau. Sie begann mit einer Rede von Eugen Podrabsky (APUP-Mitarbeiter seit 15.4.46), dem späteren Leiter des Landesnachrichtenamtes (LNA). In dem am 3.12.46 gegründeten Land Sachsen-Anhalt gehörte das LNA zum Ministerium des Innern. Podrabskys Thema: “Sinn und Zweck der Nachrichtenämter”:

“... Der Name Presse und Propaganda, den die Abteilung heute trägt, darf zu keiner Mißdeutung führen. Die Abteilung (...) will (...) kein Propagandaministerium sein. Sie hat nicht die Aufgabe, die Presse und die Propaganda zu steuern und die öffentliche Meinung zu uniformieren, sondern (...) die, der Bevölkerung die Handlungen und Vorhaben der Provinzverwaltung in Wort, Schrift und Bild nahezubringen. Die Abteilung Presse und Propaganda ist also ein Selbstverwaltungsorgan, das die tätige Mithilfe der gesamten Bevölkerung am demokratischen Neuaufbau erreichen und die freie Meinungsbildung fördern will. Die Bevölkerung soll wissen, was geschieht und was getan wurde. (...)

Die Abteilung Presse und Propaganda hat also als zentrales demokratisches Verwaltungsorgan in der Provinz Sachsen die Pflicht, die Entwicklung der Demokratie zu fördern. Sie ist also so etwas wie die Geburtshelferin der Demokratie. Je früher sich die Demokratie durchsetzt, um so eher wird die Abteilung Presse und Propaganda in ihrer heutigen Form überflüssig sein. Eine wirkliche Demokratie braucht keine Abteilung Presse und Propaganda in der Provinz Sachsen mehr. Sie braucht aber die zentrale Erfassung des Geschehens auf allen Gebieten des Lebens, um der Presse, dem Funk und dem Film die Möglichkeit zu geben, das Leben in realer Form widerzuspiegeln. Die Entwicklung der Abteilung Presse und Propaganda geht also eindeutig in der Richtung zum amtlichen Nachrichtenbüro oder aber sie wird eine reine amtliche Pressestelle.

(...) die Abteilung (...) hat alle technischen Voraussetzungen, um auch schon jetzt für Funk, Presse und Film eine große Hilfe zu sein. Die drei Sparten der Publizistik brauchen heute in der Nachrichtenübermittlung bzw. Benachrichtigung die Abteilung. (...) Die Abteilung kann nicht aus dem Nichts schöpfen. Sie braucht die zentrale Berichterstattung und deshalb die Nachrichtenämter. Da die Abteilung Mund und Ohr für die Provinzverwaltung ist, also Nachrichten und Informationen braucht, soll dieser Dualismus auch in der Berichterstattung sein. Die Abteilung braucht Nachrichten, Kurznachrichten und Artikel, die an Presse und Funk zur Veröffentlichung geleitet werden. Sie braucht auch Informationsberichte, Hinweise für Reportagen und Geschehnisse, die gefilmt werden können. Es soll der Abteilung grundsätzlich alles Wissenswerte berichtet werden, und zwar aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Dazu gehört die Berichterstattung aus dem Leben der Parteien, Gewerkschaften und sonstigen Organisationen, aus den Betrieben, aus den Verwaltungen, von Veranstaltungen etc. Sie möchte aber auch die schnellste Berichterstattung über Äußerungen bedeutender Persönlichkeiten und sonstige wichtige Vorkommnisse. (...)

Unter Information verstehen wir die Erfassung der Stimmung der Bevölkerung, die Erfassung von Flüsterparolen und auch das Aufdecken von Flüsterparolen in der Verwaltung. Die Informationsberichte können unter Umständen pressemäßig ausgewertet werden, um auf die Stimmung der Allgemeinheit regulierend zu wirken. Die Informationsberichte, die der Abteilung Presse und Propaganda von den Nachrichtenämtern übermittelt werden, dürfen nur informatorischen Charakter tragen. Das Verlangen der Abteilung Presse und Propaganda, regelmäßig Informationsberichte einzuschicken, darf die Nachrichtenämter nicht dazu verleiten, eine Bespitzelung der Öffentlichkeit in die Wege zu leiten. Es kommt auf die Informationen an, also darauf, daß man weiß, wie die Menschen handeln, denken und fühlen, und nicht darauf, sie mit der Polizei in Konflikt zu bringen. (...) Es ist augenblicklich die Periode der Rechenschaftsberichte der Selbstverwaltungen. Die Nachrichtenämter müssen in jedem Falle die Zusammenstellungen und die Herausgabe der Rechenschaftsberichte vornehmen. Außerdem sollte von den Nachrichtenämtern das Redigieren der ,Amtlichen Nachrichten’ übernommen werden. Die Nachrichtenämter können in ihrem Verwaltungsbereich alles Interessante fotografieren. (...) Von den Nachrichtenämtern sollte ebenfalls die Plakatpropaganda für ihre Verwaltung übernommen werden.”[61]

Helmut Menzel war ab dem 10.12.46 (vielleicht auch schon vorher) Mitarbeiter der Volksbildungsabteilung Presse und Propaganda.[62] Er definierte “Information” auf der Tagung so:

“...Eine zur Veröffentlichung geeignete Nachricht wird immer etwas Positives enthalten, welches ohne Bedenken der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden kann. Eine Information dagegen wird vorwiegend negative Tatsachen bringen, die unmittelbar der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ungünstige Auswirkungen haben können. (...) worauf soll sich etwas auswirken? Selbstverständlich auf die öffentliche Meinung in Hinsicht auf die Entwicklung zur kämpferischen Demokratie. Wir müssen uns darüber im klaren sein, das der Sinn der Information darin liegt, die wirkliche Stimmung der Bevölkerung zu erfahren. (...) Was geschieht mit den Informationen, die wir von Ihnen erhalten? Im allgemeinen dienen sie dazu, uns ein Bild über die öffentliche Meinung zu machen. Die Auswirkungen der Erfahrungen spiegeln sich wider in der Propaganda, in Presseartikeln und gelegentlich sogar in der Arbeit der Verwaltungen selbst.”

Menzel bat um wöchentliche Stimmungsberichte. Sinngemäß sagte er: auch das scheinbar Uninteressante könnte “uns” manchmal wichtig sein. Trotzdem sollten die Berichterstatter nicht kontrollieren und ihr Vertrauen aufs Spiel setzen.[63]

Nach Menzel referierte ein Herr Müller über Organisationsfragen:

Anfang Oktober 1946 hätte es in der Provinz Sachsen 19 Nachrichtenämter gegeben, denen jeweils monatlich 300 Mark gezahlt worden seien. Das Nachrichtenamt der Stadt Halle gehörte zu den gut organisierten. Die Nachrichten gelangten aus der Provinz über Fernschreiber und Telefon nach Halle zur Provinzialverwaltung. Für Kuriere fehlten Geld und Fahrzeuge. 10 Uhr morgens sei jeweils Redaktionsschluß für den Pressedienst. Die eingehenden Nachrichten würden nach Qualität und Aktualität entlohnt (eine sehr gute Nachricht könne deutschlandweit verbreitet werden, sie entspräche drei guten oder sechs brauchbaren Nachrichten; zwei Nachrichten entsprächen einem Bericht, für 30 brauchbare oder 5 sehr gute Nachrichten im Monat gäbe es 300 Mark).

Als mögliche Quellen, die die Nachrichtenämter der Provinz anzapfen sollten, nannte Referent Müller: Verwaltung, Bürgermeister, Betriebe, Lehrer, Parteien, Pfarrämter, Genossenschaften, VdgB, Kulturbund, Gerichte, Sparkassen und Versicherungen.[64]

Nach Müller redete ein Herr Friedrich über den Pressedienst. Dieser würde montags, mittwochs und freitags an SNB, Der Freie Bauer, Tägliche Rundschau, Neues Deutschland und Abteilung Rundfunk verteilt. Wichtiges ginge auch an anderen Wochentagen zum SNB oder Rundfunk. Regionale Abonnenten standen nicht im Verteiler. Die ersten 16 Pressedienste wären seit Ende Juli 1946 erschienen. Friedrich kritisierte allgemein die journalistischen Mängel, obwohl viele Manuskripte umgeschrieben worden seien, bevor sie in den Pressedienst gegangen wären. Die Autoren sollten “Genosse” weglassen. Das Wort gehöre nur zum “Wortschatz eines bestimmten Kreises”, der SED.

Die Tagung der Nachrichtenämter hatte Wirkung. Im Bestand Ministerpräsident, Amt für Informationen, stapelten sich Berichte aus den ihr folgenden Monaten und Jahren. Die meisten davon waren eher Informationen.

Am 18.2.47 fand eine weitere Tagung der Nachrichtenämter statt. Sie war auch notwendig durch die Umwandlung der Provinz in ein Land und die Anbindung des Amtes für Information als Nachrichtenamt an das Innenministerium. In jedem Ministerium (außer Justiz) wurde ein Pressereferent eingestellt, der vom Stellenplan her dem Landesnachrichtenamt unterstand. Das Kabinett beschloß, nach jeder Sitzung das Protokoll mit dem Leiter der Präsidialkanzlei und dem Chef des Landesnachrichtenamtes zu besprechen und die veröffentlichungswürdigen Beschlüsse herauszuziehen, die dann der Presse zugeleitet werden sollten. Im Finanzplan wurden die Nachrichtenämter mit jeweils einem Redakteur und einer Sekretärin vorgesehen. Inzwischen gab es in Sachsen-Anhalt 40 Nachrichtenämter, verteilt auf die Bezirke Halle-Merseburg 16, Magdeburg 15 und Dessau 9. Menzel vermißte regelmäßige Informationen, gleichzeitig versprach er, daß die Polizei in Zukunft nicht wieder auf Grund einer Information einer Sache nachgehen werde. Dazu steht im SBZ-Handbuch:

“Neben der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit war die Polizei nicht zuletzt auch für die ,Durchsetzung des gesellschaftlichen Fortschritts’ verantwortlich. Propagandistische Unterstützung leisteten ihr dabei die ab 1945/46 bei den Landes- und Provinzialverwaltungen gebildeten Informationsabteilungen, in der Provinz Sachsen die im Herbst 1945 errichtete Abteilung Presse, Funk und Film (ab Ende Januar 1946 Abteilung Presse und Propaganda), die dem 2. Vizepräsidenten und ab November 1946 der Abteilung Volksbildung unter der Leitung des Kommunisten Otto Halle unterstand. Analog zu dieser Provinzial- bzw. Landesabteilung wurden gleichstrukturierte Informationsabteilungen in den größeren Städten und bei den Landratsämtern gebildet. Neben der propagandistischen Tätigkeit war es auch Aufgabe dieser Informationsabteilungen, die Stimmungslage der Bevölkerung auszuforschen, sie waren außerdem befugt, die örtlichen Staatsorgane auf politische Verläßlichkeit und korrekte Verwaltungsführung hin zu überprüfen und hatten somit eine zugleich nachrichtendienstliche wie kontrollierende Funktion. Auch diese Abteilungen waren eine sorgsam gehütete Domäne der KPD bzw. SED.”[65]

1949 wurden vom Amt für Information beim Innenministerium reichlich 260 Informationsberichte geliefert. Im Oktober 1949 läßt Hübeners Nachfolger, Ministerpräsident Werner Bruschke (SED), durch seinen Mitarbeiter Kunisch die Ministerien mahnen, weil sie “in der letzten Zeit nur sehr spärlich Berichte an die Abt. Information” gegeben hätten. Es ist eine der ersten Amtshandlungen des neuen Ministerpräsidenten. Dr. Richard Kunisch (CDU) war damals Leiter der Präsidialkanzlei.[66]

Es gab aus der APUP auch journalistische Produkte. Mit einem kleinen Buch “Tatsachen sprechen! Berichte aus der Tätigkeit der Provinzial-Verwaltung, Provinz Sachsen.” stellte die APUP den Aufbau der Provinz Sachsen vor.[67]

Eugen Podrabsky hielt auf zwei Tagungen der Nachrichtenämter die Schlüsselreferate. Nach diesen Quellen ist anzunehmen, daß er für den Aufbau des Netzes des Nachrichtenamtes in der Provinz Sachsen, später im Land Sachsen-Anhalt, verantwortlich war. Sein Lebenslauf ist im Anhang, Kapitel 4.

3.6 Amt für Information beim Innenministerium, Landesnachrichtenamt

Am 13.4.50 fand die erste Pressebesprechung des Amtes für Information (AfI) des Ministeriums des Innern Sachsen-Anhalt in Halle statt. Amtsleiterin war Dora Hofmeister, die diese Funktion nur bis Juli 1950 hatte (Nachfolger Herr Lange).[68] Da das AfI zwar nach dem Untersuchungszeitraum gebildet wurde, aber wesentlich für die LDZ Anfang der 50er Jahre war, wird es im Anhang im Kapitel 5 behandelt.

Vom AfI wurden Anfang 1952 für alle Halleschen Tageszeitungen neue Lizenzen ausgestellt. In Magdeburg liegen nur Abschriften von Abschriften dieser Urkunden in den Akten des Landesnachrichtenamtes. Hier die der LDZ[69]:

“Abschrift von Abschrift

Deutsche Demokratische Republik, Amt für Information, Lizenznummer 666

1. Das Amt für Information der DDR erteilt hiermit dem Landesverband Sachsen-Anhalt der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands die Genehmigung zur Herausgabe der Zeitung: ,Liberal-Demokratische Zeitung’. 2. Die Zeitung erscheint im Verlag: Eigenverlag, Liberal-Demokratische Zeitung, Halle. 3. Chefredakteur der Zeitung ist: Rudolf Agsten. 4. Inhalt der Zeitung: Organ der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands für das Land Sachsen-Anhalt. 5. Allgemeine Angaben über die Zeitung: a) Format: 34 x 52 cm, b) Umfang: 4 - 6 Seiten (4 x 4, 1 x 6 Seiten), c) Auflage: 40.000, d) Erscheinungsweise: fünfmal wöchentlich. 6. Diese Lizenz wird unter der Bedingung erteilt: a) daß Verfassung und Gesetze der DDR eingehalten, sowie die Anordnungen der Regierung der DDR befolgt werden; b) daß alle auf Grund dieser Lizenz erscheinenden Veröffentlichungen die Aufschrift ,Veröffentlicht unter der Lizenznummer 666 des Amtes für Information der DDR’ tragen; c) daß unter 1. und 2. nicht aufgeführte natürliche oder juristische Personen ohne ausdrückliche Genehmigung des Amtes für Information der DDR weder an dem Unternehmen beteiligt sind, noch irgendwelche Gewinnanteile aus dem Unternehmen erhalten. d) das 2 Exemplare jeder Veröffentlichung an das Amt für Information der DDR einzusenden sind; e) sonstige Bedingungen: keine. 7. Diese Lizenz wird für unbestimmte Zeit erteilt. Sie ist nicht übertragbar und kann durch das AfI der DDR jederzeit entzogen werden. Berlin, 19.02.1952, DDR, Amt für Information, gez. Prof. Eisler, Leiter des Amtes. Der Zeitung ,Liberal-Demokratische Zeitung’ wird die Herausgabe von 7 Lokalausgaben genehmigt.”

4 Grundlagen der sowjetischen Informations- und Pressepolitik

Sowjetische Propaganda- und Kontrollarbeit begann schon vor dem deutschen Angriff auf die UdSSR. Damals lernten die später leitenden Politoffiziere ihren Beruf in der Hauptverwaltung für Politische Propaganda (PURKA). Man schuf im Frühjahr 1940 die 7. Abteilungen in den Politverwaltungen der Roten Armee, die sich mit Propaganda gegenüber einem künftigen Kriegsgegner befaßten. Die Arbeit ging schon sehr weit, nicht nur Felddienstvorschriften zur Propagandaschulung wurden herausgegeben und ein Informationsdienst “Ausland und ausländische Armeen” eingerichtet; man baute auch schon Redaktionen für fremdsprachige Zeitungen auf. Aus den Mitarbeitern der 7. Abteilungen rekrutierten sich die meisten späteren SMAD-Offiziere.[70]

Stefan Creuzberger hat mit seinem 1991 erschienenen Buch “Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945-1949” gründlich Wissen zusammengetragen, das in den folgenden zehn Absätzen zitiert wird.

Die SMAD bestand von Juni 1945 bis Oktober 1949. Ihre Vorboten waren die Exilkommunisten Walter Ulbricht, Anton Ackermann und Gustav Sobottka. Sie hatten die Idee, ein stalinistisches Grundmodell von Sozialismus in der SBZ zu errichten. Am 9.6.45 wurde mit Befehl Nr. 1 die Bildung der SMAD in Berlin-Karlshorst als oberstes Machtorgan der SBZ offiziell bekanntgegeben. Die Verfügung sah Marschall G. K. Schukow als Obersten Chef, Armeegeneral W. D. Sokolowskij als Ersten Stellvertreter, Generaloberst I. A. Serow als Stellvertreter für Fragen der Zivilverwaltung und Generaloberst W. W. Kurasow als Stabschef vor. Dazu gehörten ein Politischer Berater, ein Stellvertreter für Wirtschaftsfragen sowie ein Gehilfe für die See- und die Luftstreitkräfte.

Der Oberste Chef der SMAD hatte formale Befehlsgewalt über die gesamte SBZ. Er war Oberbefehlshaber der am 10.6.45 etablierten sowjetischen Besatzungstruppen, oberster Vertreter seiner Regierung im Alliierten Kontrollrat, und er erließ und unterzeichnete die Mehrzahl der Befehle.

Daneben existierte vom 28.6.45 bis Januar 1947 der Militärrat der SMAD, ein kollektives Leitungsorgan. Es beschnitt die Machtfülle des Obersten Chefs und hatte zentrale politische Führungsfunktion.

Der “eigentliche Vertreter der sowjetischen Parteipolitik in Deutschland”[71] war der Politische Berater. Seine Aufgabe war die Beratung des Obersten Chefs. Dieser Politische Berater informierte Moskau über die Lage in Deutschland, kontaktierte die drei westlichen Bündnispartner und Auslandsvertreter im Kontrollrat und baute bis zur Errichtung der Informationsverwaltung das Parteiensystem auf. Sämtliche Politischen Berater entstammten dem diplomatischen Korps. Der erste war A. J. Wyschinskij, erster stellvertretender Außenminister. Im folgten A. A. Sobolew und dann A. A. Smirnow, früherer Botschaftsrat in Berlin. Smirnow hatte das Amt nur einige Monate inne, bis ihn der ehemalige stellvertretende Politische Berater W. S. Semjonow ablöste.

Die Informationsverwaltung ging aus der Verwaltung für Propaganda hervor, die am 18.8.45 nach Anordnung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gebildet wurde. Oberst Sergej Iwanowitsch Tjulpanow baute sie auf und leitete sie, unter ihm waren 150 Offiziere tätig, darunter viele Wissenschaftler, Lehrer, also Menschen, die im Krieg für Aufklärung und Propaganda bei der Politischen Hauptverwaltung der Sowjetischen Armee gearbeitet hatten. Die Verwaltung für Propaganda (Informationsverwaltung) hatte einen direkten Draht zur ZK-Abteilung für Agitation und Propaganda in Moskau.[72]

Es unterstanden der Informationsverwaltung: Tägliche Rundschau, SWA-Verlag, “Haus der Kultur der Sowjetunion” in Berlin, “Antifaschule” in Königs Wusterhausen.

Stellvertreter für Fragen der Zivilverwaltung waren Generaloberst I. A. Serow, Erster Stellvertretender Volkskommissar für Staatssicherheit der UdSSR, oberster Kontrolleur der deutschen Zivilverwaltung. Serow baute Abteilungen des Volkskommissariats für Staatssicherheit (NKGB) und des Volkskommissariats des Innern (NKWD) auf und leitete sie. So beeinflußte er den Polizeiapparat und bereitete personell und organisatorisch das Ministerium für Staatssicherheit vor. Er beschäftigte sich mit der Verwaltung der inneren Angelegenheiten, mit der Kontrolle von Justiz, Polizei, Opposition und Kritikern sowie mit der Überwachung von Parteien, Gewerkschaften und Politikern.

Der Befehl Nr. 5 vom 9.7.45 ordnete den Aufbau von SMAD-Verwaltungen in den fünf Ländern und Provinzen an. Berlin wurde von einer besonderen sowjetischen Kommandantur verwaltet. Es gab in der SBZ 12 Bezirks-, 644 Kreis-, Stadt- und Ortskommandanturen mit 32.000 Soldaten aller Dienstgrade, sie handelten im demokratischen Zentralismus.

Ein Jahr nachdem sich die Personalverhältnisse in der SMAD stabilisiert hatten, ordnete der Oberste Chef der SMA im Herbst 1946 eine politische Überprüfung des gesamten Mitarbeiterstabes an. Im Zuge einer “hysterischen ,Kampagne der Wachsamkeit’” setzte eine verstärkte politische Schulung unter den Mitarbeitern der SMAD ein. Außerdem wurden alle leitenden Politoffiziere abberufen und in den Verwaltungen der SMAD spezielle Kaderabteilungen eingerichtet.[73] Bei dieser wie auch bei einer im Jahre 1947 durchgeführten “Säuberungsaktion” “kam klar die Intention zum Ausdruck, die ursprünglich durch Militärs geprägte Führungsspitze der SMAD durch stärker politisch verankerte Personen zu ersetzen”.[74] “Die während des Krieges mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten Militärs wurden somit entmachtet und wieder in vollem Umfang dem Willen des Parteiapparates untergeordnet.”[75]

Die Gesetzgebung für die deutsche Zivilverwaltung beruhte auf den Befehlen und Anordnungen des Obersten Chefs der SMAD. Ein eigenes Amtsblatt hatte die SMAD nicht, sie veröffentlichte ihre Befehle in der Täglichen Rundschau, anderen Zeitungen oder verschickte sie in Russisch.[76]

Strunk hält für möglich, daß die SMAD zunächst nur auf die Gründung von KPD, SPD und Zentrum (CDU) vorbereitet war. Nach der Genehmigung der LDP mußte sich Marschall Shukow im Juli 1945 erst in Moskau beim stellvertretenden Vorsitzenden des Staatlichen Verteidigungskomitees, Außenkommissar Molotow, erkundigen, ob die LDP auch ein eigenes Organ herausgeben dürfe. Zuvor hätte sich Shukow bei den KPD-Führern Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht eine Befürwortung geholt.

In einem Vortrag in Halle nannte ein Herr Major Dragin Mitte August 1946 “Die Ziele der Roten Armee in Deutschland”: Entwaffnung Deutschlands, Demokratisierung, Aufbau von Industrie und Kultur, Sichern der Reparationen. Dragin hielt viele Vorträge über sein Heimatland in der Provinz Sachsen.[77]

Zu Beginn der Nachkriegszeit dachten viele LDP-Mitglieder, die Sowjetunion sei an der Wiedervereinigung interessiert. Deshalb versuchten sie sich gegen die Machtausbreitung der SED zu wehren, indem sie sich an die SMA wandten, darauf vertrauend, “daß die Sowjets aus eigenem Interesse den Aufbau des Sozialismus in ihrer Zone nicht gutheißen würden”. Arthur Lieutenant sagte sogar, die SMAD “denke viel deutscher” als mancher deutsche Politiker.[78]

5 Presse in Halle im Überblick

5.1 Die Verlagsgebäude der LDZ

5.1.1 Der erste Redaktionssitz der LDZ, Geiststraße 47

Der erste Sitz der LDZ-Redaktion war die Druckerei August Pries (vormals Walter Kersten) in Halle, Geiststraße 47. Durch einen Nachtragsbeschluß der Provinzialverwaltung vom 30.12.45 bekam die KPD diese Druckerei, zusammen mit 16 anderen Druckbetrieben in der Provinz. Die Vorgeschichte beschreibt ausführlich das Kapitel 6 im Anhang.

Warum lag hier die Gründungsredaktion der LDZ? Harold W. Esche, freier Mitarbeiter des sozialdemokratischen Volksblattes[79] und Leiter der Abteilung Presse und Propaganda der Provinzverwaltung Sachsen (28.8.45-31.1.46) ließ in der Geiststraße 47 seit Sommer 1945 das Verordnungsblatt der Provinz Sachsen drucken. Von daher hatte er Verbindung zum Verlagshaus. Kriegszerstörungen und die Tausenden von Umsiedlern waren eine Ursache für Raumknappheit in Halle. So mußte sich die LDZ zunächst mit Arbeitsräumen in der Geiststraße zufrieden geben. Die Anzeigenannahme war zu Beginn am Franckeplatz. Der spätere Sitz von Verlag und Redaktion, die Große Brauhausstraße, wurde von der SPD bis weit in das Jahr 1946 genutzt. Die LDZ hatte in der Geiststraße 47 den Frühstücksraum der Drucker bekommen:

Der erste Sitz der Zeitung war in der Geiststraße im Frühstücksraum einer alteingesessenen Druckerei. Nur dieser eine Raum stand der LDZ als Domizil des gesamten Betriebs zur Verfügung - ein etwa 15 Meter langer Schlauch entlang einer Fensterfront. Wer den Druckersaal betreten oder verlassen wollte, mußte durch unsere “Redaktion”. Bei jedem Schichtwechsel und jeder Essenpause zog die gesamte Belegschaft des Druckbetriebs lärmend an uns vorbei.

Alle Tische in diesem zweckentfremdeten Frühstücksraum hatten Biergartenstil und -format - rohes Holz, knapp zwei Meter lang, nicht sehr breit. Der erste Tisch vorne war das Sekretariat. Am nächsten Tisch saßen Verlags- und Anzeigenleitung in trautem Verein. Die folgenden zwei Tische - das war dann die Redaktion. Und dahinter thronte an einem richtigen Schreibtisch der ältere der beiden Chefredakteure, Eugen Brinkmann. Jeder hatte gerade soviel Raum, daß er dem anderen körperlich oder mit seinem Stuhl nicht ins Gehege kam. Für Esche gab es überhaupt keinen festen Platz. Er brauchte auch keinen; denn er war viel unterwegs.[80]

5.1.2 Zweiter Redaktionssitz: Buchdruckerei Wilhelm Knapp, Mühlweg 19

Laut Impressum zog die LDZ-Redaktion kurz vor dem 17.7.46 in den Mühlweg 19 um. Das Grundstück - einst nur Acker und Park - gehörte Moritz Körding (Halle), von dem es Franz Ferdinand Kolbenach 1873 erwarb, der es 1878/79 an den Buchhändler Georg Wilhelm Knapp verkaufte. Die Verlagsgebäude hatte Familie Knapp aufgebaut. Seit 1929 war Verlagsbuchhändler Dr. Hans Knapp Miteigentümer des Mühlweg 19. Es ging 1963 an die Angehörigen Elisabeth Knapp, geborene Risel, und 1978 an Rüdiger Knapp. Danach wurde Mühlweg 19 vom VEB Gebäudewirtschaft Halle übernommen.[81]

5.1.3 Dritter Redaktionssitz: Große Brauhausstraße 16/17

Laut Impressum zog die LDZ-Redaktion bis zum 14.9.46 in die Große Brauhausstraße um, die Anzeigenannahme war auch in diesem Gebäudekomplex im Waisenhausring 1b. Das Verlagshaus wurde 1717 von Johann Christian Hendel dem Älteren gegründet. Es kam zu Weltruhm durch die 1896 begründete “Bibliothek der Gesamtliteraten des In- und Auslandes”. Diese hatte bis 1917 2.400 Nummern billig herausgegeben.

Vom 1.11.1867 erschien hier „Der Bote für das Saaletal“ zweimal wöchentlich, später unter dem Titel Saale-Zeitung. Nach einigen Monaten kam „Der Bote für das Saaletal“ täglich. Verleger war Otto Hendel (geboren am 14.9.1820 - verstorben am 13.12.1898). Hendel gehörte seit den frühen 1880ern zu den führenden Liberalen von Halle. Sie waren im “Verein der Liberalen” organisiert. Mit der Saale-Zeitung verbreitete er liberales Gedankengut, schrieb ausführlich über seine Versammlungen, den Verein und den Wahlkampf.

Zunächst war die Saale-Zeitung im Hendelschen Verlagsgebäude, Moritzzwinger 12. Im Oktober 1879 lagerte Hendel die Druckerei aus in einen vierstöckigen Neubau im Hof des Riesenhauses und kaufte Anfang der 1890er Jahre das Nachbargrundstück, die Alte Post dazu. Nach Otto Hendels Ausscheiden 1898 gingen die Grundstücke an die Nachfolger Warnatz und Schirrmeister. Am 13.12.1898 starb Otto Hendel, noch bei Vorbereitungen für Neubau. 1899 waren die Quergebäude, zwei Seitenflügel und der mit Eisengittern verschließbare Hof fertig.

Hugo Stinnes, der in den 20er Jahren über 1.500 schwache Unternehmen aufkaufte, erwarb 1921 in Halle die Hendel-Druckerei und verkaufte sie 1930 an den Hugenbergkonzern. Danach etablierte sich hier die Mitteldeutsche Verlags-Aktiengesellschaft (Mivag), die in dieser Druckerei die Saale-Zeitung für die Deutsche Demokratische Partei und die Allgemeine Zeitung für die Deutsche Volkspartei herstellte. 1926 erschien nur noch eine Zusammenlegung aus beiden unter dem Titel Saale-Zeitung mit dem Untertitel Allgemeine Zeitung. (“Saale-Zeitung - Allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland - Hallesche Neueste Nachrichten - Amtsblatt der Stadt Halle und der Handelsregisterbehörde”; seit dem 18.4.1930 mit der Halleschen Zeitung vereinigt unter dem Titel: “Saale-Zeitung - Allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland - Hallesche Neueste Nachrichten - Hallesche Zeitung - Landeszeitung für die Provinzen Sachsen und Anhalt” neuer Eintrag: “Saale-Zeitung - Allgemeine Zeitung - Hallesche Neueste Nachrichten - Hallesche Zeitung für Mitteldeutschland - Landeszeitung für die Provinzen Sachsen und Anhalt - Amtsblatt der Stadt Halle und der Handelsregisterbehörde”, seit 1.1.1934 unter dem Titel Mitteldeutsche Saale-Zeitung)[82]

Nachdem die Amerikaner in Halle am 19.4.45 den Widerstand gebrochen und die Stadt besetzt hatten, entstand aus dem Mivag-Betrieb in der Großen Brauhausstraße die “Druckerei Fortschritt”. Das Geld für die Wiedereröffnung wurde mit dem Verkauf von hier gedruckten deutsch-englischen Wörterbüchern erwirtschaftet. Papier gab es genug.

Am 19.4.45 gingen neun Männer, darunter Alfred Wielepp, in die Verlagsgebäude der nationalsozialistischen Mitteldeutschen National-Zeitung im Gebäudekomplex Waisenhausring 1a/ Große Brauhausstraße 16/17, um alles im Beisein des Polizeipräsidenten Richard König[83] zu beschlagnahmen.[84] Das Protokoll darüber ist im Kapitel 7 im Anhang abgedruckt. Wielepp war schon mit Fritz Riebenstahl früher im Verband der Deutschen Buchdrucker Funktionär gewesen.[85]

Nach dem Gesetz Nr. 52 der SMAD wurden die MNZ-Immobilien und -maschinen von der SMA beschlagnahmt. Das von der Militärregierung bestellte Treuhandamt hatte zur Verwaltung der Vermögensmasse Rechtsanwalt Dr. Kunze, Große Ulrichstraße 63, als Sondertreuhänder bestellt. Herr Kunze hatte den Auftrag, diesen Betrieb “im Interesse der Bevölkerung fortzuführen” unter dem Namen ,Volksverlag’ mit der allgemein formulierten Aufgabe “Der Betrieb dient heute zur Durchführung von Druckaufträgen zur Unterrichtung der Bevölkerung.” Der Sondertreuhänder hatte zur Fortführung des Betriebes bei der Deutschen Bank, Filiale Halle, ein Guthaben in Höhe von 27.868,65 RM und beim Halleschen Bankverein in Halle ein Guthaben in Höhe von 125.394,98 RM unter dem Namen der MNZ mit Verfügungsberechtigung des Sondertreuhänders Rechtsanwalt Dr. Kunze geführt. Diese brauchte er “zur Zahlung der Löhne, Gehälter und langfristigen Ausgaben.”[86]

Im Handbuch der Stadt Halle/Saale von 1950 - es erfaßt Daten von 1947 bis 1949 - ist bei den Zeitungshäusern Geiststraße 47, Große Ulrichstraße 16, Große Brauhausstraße 16/17 und Waisenhausring 1a und b die Mitteldeutsche Grundstücks- und Treuhand GmbH in der Rubrik Eigentümer angegeben.

5.2 Presse im Dritten Reich

5.2.1 Mitteldeutsche National-Zeitung

Die Mitteldeutsche National-Zeitung (MNZ) stellte sich am 14.10.33 mit einer Sonderbeilage vor.[87] Der gesamte Betrieb wurde beschrieben mit Fotos von den wichtigsten Mitarbeitern. Man liest, wie die Zeitung entsteht. Dazu einen alltäglichen Produktionsplan mit Uhrzeiten. Die Beiträge waren mit Namen unterschrieben. Hauptschriftleiter Diplomkaufmann Parteigenosse Dr. Trautmann ging sogar auf das Verhältnis zwischen Verlag und Schriftleitung ein. Obwohl die Druckerei Walter Kersten der NSDAP nahe stand, waren seine Worte allgemeingültig:

“Verhältnis zwischen Verlag und Schriftleitung.

Der seinen Beruf wirklich ausfüllende Schriftleiter hat stets höchste journalistische Leistung und beste geistige Qualität im Auge. Und dies ist gewiß die hohe Sendung dieses Standes, stets an der Erziehung des Volkes zu einer höheren kulturellen Stufe mitzuwirken. Aber auch einer Zeitung ist ein bestimmter Absatz nicht garantiert und deshalb muß der Schriftleiter sich in manchen Dingen nach den Wünschen der Leserschaft und den ökonomischen Grenzen richten. Während nun das Streben des Verlages - und hier liegt ja auch zweifellos seine Aufgabe - auf die Verbreiterung der ökonomischen Basis und die Berücksichtigung der Wünsche der ,Kundschaft’ gerichtet ist, was nicht immer gerade mit den Zielen des Schriftleiters übereinstimmt, weil er stets auf Erfüllung seiner kulturellen Aufgabe drängt, so entstehen auch hier häufig Konflikte.”

Im nächsten Absatz argumentiert Trautmann schon nationalsozialistisch:

“Die Nationalsozialistischen Zeitungen wiesen hier insofern eine Eigenart auf, als die einheitliche weltanschauliche Grundlage und die großen Ziele der Bewegung den Kampf zwischen Gesinnung und Kulturwillen einerseits und dem ökonomischen Prinzip auf ein kaum noch bemerkbares geringes Maß verminderten. Niemals gab es hier die in der ganzen bürgerlichen Presse übliche Vergewaltigung des Schriftleiters durch das liberalkapitalistische Wollen des Verlegers, was sich in der Herrschaft des Anzeigengeschäfts auszudrücken pflegte und seinen Einfluß auf die ganze Haltung der Zeitung, vor allem in politisch bewegten Zeiten ausgeübt, und durch die Rücksichten auf die Wünsche der Hintermänner, die sehr häufig in den Kreisen des nach politischer Macht gierigen Großkapitals zu finden sind.”[88]

Da bedienten sich also schon die Nazis des “liberalkapitalistischen” Feindbildes. Ihre Nachfolger, bestimmte SED-Mitglieder, griffen es gern wieder auf, indem sie in der Freiheit auf typisch feinsinnige Art LDP mit Kapitalismus und Krieg gleichsetzten.

5.2.2 Hallesche Nachrichten

Die Halleschen Nachrichten (HN) wurden 1889 gegründet. 1929 hatten sie 70.000 Auflage. Es gab im Verteilergebiet 800 Orte mit Botendienst und 1.000 Postorte. Anfangs wohnten die meisten Abonnenten in der Nähe von Bahnhöfen in Halles Umgebung. Das Blatt hatte als erste mitteldeutsche Zeitung die kommunalen und heimatkundlichen Themenseiten. Es wuchs mit Mitteldeutschland und kommunale und Provinzialpolitik verschmolzen. 376 Filialen lieferten der Redaktion Nachrichten. Ein Stab fachlicher Mitarbeiter hatte seinen festbegrenzten Bereich.[89]

In einem Brief, mit dem Logo von Dr. Hans Joachim Huck und dem der HN, an den Militärkommandanten Gustyschew vom 14.7.45 beantragte ein Hallescher HN-Mitarbeiter die Genehmigung zur Herausgabe einer Tageszeitung, die 56 Jahre stark heimatverbunden gewesen sei. Diese mitteldeutsche Wirtschaftszeitung sei mit 70.000 Exemplaren, verteilt in der Provinz Sachsen und Teilen von Anhalt und Thüringen, bis 1944 die meistgelesenste Heimatzeitung in Halle gewesen. Der Antragsteller schrieb: 1944 seien die HN auf Anordnung der Reichspressekammer eingestellt worden und unter Einbuße ideeller und materieller Art in Gauzeitung aufgegangen. Die HN wären Zeitungsdruckerei für die “Leipziger Neuesten Nachrichten” geblieben: Auflage 170.000-180.000 Exemplare, manchmal bis zu 300.000.[90]

Da die SMA Lizenzen nur an Parteien gab, war die Fortführung der HN als Privatbetrieb ohne parteipolitische Bindung aussichtslos. In einem weiteren Brief jeweils an den Militärkommandanten und den Oberbürgermeister vom 20.7.45 protestierte ein Mitarbeiter dagegen, daß die HN beschlagnahmt und dem Verlag der Volks-Zeitung (KPD) überlassen worden seien. Der Autor des Briefes vermutete, daß sich der Betriebsinhaber Dr. Hans Joachim Huck in russischer Kriegsgefangenschaft befände. Erbrechte hätten Witwe und Kinder in Schmachtenberg. Verlagsdirektor Spretke sei laut gerichtlichem Handelsregister mit Vollmacht (Einzelprokura) versehen. Nochmals betonte der gleiche Autor wie im ersten Brief:

Am 1.9.44 seien die deutsche Privatpresse stillgelegt und nur noch reine Parteiblätter zugelassen worden, denn die Verlage der Nazis hätten das Geschäft gewollt. Deshalb seien die HN zum Titel der Mitteldeutsche National-Zeitung hinzugefügt worden als Untertitel “Auf Kriegsdauer vereinigt mit Halleschen Nachrichten”. Betrieb und Verlag seien ab 1.9.44 nicht mehr benutzt worden. Hier habe es nur fünf Prozent Parteigenossen gegeben. Das Überlassen der HN an den Volksverlag sei am 19.7.45 geschehen. Eigentümer des Grundbesitzes wären die Gebrüder Huck. Inhaber des Verlagsunternehmens der HN, des Verlagsrechts und der Druckerei mit allen Maschinen und dem sonstigen kaufmännischen und technischen Zubehör sei Dr. Hans Joachim Huck gewesen. Dr. Huck habe an die Gebrüder Huck Miete gezahlt.[91]

Weil die Sowjets die HN nicht fortgeführt haben wollten, war die Einstellung von 1944 endgültig.

5.3 Presse in der Besatzungszeit

Die amerikanische Besatzung in Mitteldeutschland war dem Grunde nach nur eine Vertretung ab Mitte April 1945 bis zur Übernahme durch die Rote Armee am 1.7.45. Deshalb beschränkten sich die Amerikaner auf die Gewährleistung von Ordnung und Notversorgung. Demokratische Umgestaltung und reeducation waren hier nicht ihre Aufgaben. Unter amerikanischen Besatzern durfte in Halle keine Tageszeitung erscheinen. Sie genehmigten nur die Herausgabe der “Amtlichen Nachrichten der Behörden der Stadt Halle (Saale) und des Saalkreises” ab Ende April. Sie brachten die wichtigsten Bekanntmachungen zweisprachig, alles andere in deutsch.

Nach dem Erlaß des Gesetzes 191, auf den sich Briten und Amerikaner am 24.11.44 geeinigt hatten, wurden Presse und Rundfunk in Deutschland verboten. Da sich eine Plakatausgabe dieses Erlasses in den Besatzungsakten der Stadt Halle befindet, ist anzunehmen, daß er auch hier ausgehangen hat. In einem Gespräch auf der sowjetischen Stadtkommandantur am 19.7.45 wird das amerikanische Verbot erwähnt. Es bezog sich ursprünglich auf “Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und Bücher”. Die Amerikaner genehmigten dann doch den Druck von Büchern der Halleschen Verlage Marhold, Niemeyer und Knapp, behielten trotzdem das Genehmigungrecht für alles zu Druckende:

“Kurze Zeit nach dem erwähnten allgemeinen Verbot fand eine Lockerung statt insofern, als Drucksachen des täglichen Bedarfs keinerlei Genehmigung für die Herstellung bedurften. Eine weitere Lockerung für Zeitschriften, Bücher, usw. fand anschließend daran vor einigen Wochen statt, welche Lockerung indessen an verschiedenen Voraussetzungen und Bedingungen gebunden war, deren Erfüllung durch den Magistrat der Stadt laufen sollte und lief.”[92]

Kostenlos verteilt wurde die von US-Streitkräften gedruckte Wochenzeitung Hessische Post, die auf Militärlastkraftwagen nach Halle geliefert wurde. Auch aus diesem Blatt erfuhren die Hallenser Ende Juni von der Übergabe ihres Besatzungsgebietes an die Sowjetische Armee.

Im August 1945 wurden KPD-Mitglieder in Zeitz mit der Berliner Zeitung beliefert. In einem Rundschreiben der Kreisleitung steht, daß der Verkauf ab dem 30.8.45 zwischen 19 und 20 Uhr erfolgen sollte.[93]

Am 5.6.45 übergaben die Amerikaner die beschlagnahmte Druckerei in der Großen Brauhausstraße 16/17 und den Verlag am Waisenhausring 1b der Antifaschistischen gewerkschaftlichen Deutschen Bewegung. Diese gründete dort den “Volksverlag o. H.” unter der Geschäftsführung von Alfred Wielepp und Fritz Lessig. Das beschlagnahmte Geld der Mitteldeutschen Nationalverlags GmbH betrug am 24.5.45 an Bargeld, Postscheck- und Bankvermögen 611.489,90 Mark.[94]

Einen für die neuen Parteien und deren Öffentlichkeitsarbeit wichtigen Beschluß verabschiedete der Präsident der Provinz Sachsen am 17.12.45:

“Durch die nationalsozialistische Regierung sind den Arbeiterparteien und Freien Gewerkschaften ohne Rechtsgrundlage durch Willkürakt ihnen gehörige Zeitungsdruckereien, Buchhandlungen, Volkshäuser (Parteihäuser) enteignet worden.”

Mit Einvernehmen der SMAD beschloß die Provinzialverwaltung die Aufteilung der oben genannten Gebäude an SPD und KPD. In Halle bekamen die Sozialdemokraten “Zeitungsverlag und Druckerei Große Brauhausstraße Nr. 16/17, Rannische Straße 10, Waisenhausring 1a und 1b”, und die Kommunisten erhielten den “Verlag Hallische Nachrichten, Große Ulrichstraße 16”. KPD und SPD hatten damit das Nutzungsrecht erhalten. Und sie durften sich, vertreten durch ihre jeweiligen Bezirksleitungen, gebühren- und steuerfrei als Eigentümer in die Grundbücher eintragen lassen.

Zur Gleichberechtigung von LDP und CDU wurden die neuen Eigentümer verpflichtet

“für die Ausführung von Drucksachen einschließlich Zeitungsdruck der Liberaldemokratischen Partei und der Christlich-Demokratischen Union auf Wunsch Lohndruckaufträge durchzuführen, solange die beiden letztgenannten Parteien über eigene Druckereien nicht verfügen.”

Unterzeichner waren Provinzialpräsident Erhard Hübener, der Erste Vizepräsident Siewert und die Vizepräsidenten Dr. Hülse, Thape und Bruschke.[95]

Das gleiche Präsidium ergänzte den Beschluß vom 17.12.45 am 29.12.45 und schrieb:

“daß mit den Druckereien und Verlagshäusern nicht nur die zu diesen Unternehmen gehörenden Grundstücke, sondern auch alle Druckerei-Einrichtungen und sonstige Vermögenswerte dieser Unternehmen, einschließlich der etwa vorhandenen Ausweichlager und Fahrzeuge als zugewiesen zu betrachten sind. (...) Hierzu wird erläuternd festgestellt, daß die genannten Parteien auch ermächtigt sind, Anträge auf Eigentumsübertragung auf von ihnen zu benennende natürliche und juristische Personen zu stellen.”[96]

Ein Nachtragsbeschluß vom 30.12.45 übereignete die Buchdruckerei Walter Kersten, Halle, Geiststraße 47, ebenfalls der KPD. Hier war der erste Sitz der LDZ, so steht es im Impressum der LDZ vom 18.12.45 an. Später wurde die Geiststraße 47 zum Betriebsteil der “Mitteldeutschen Druckerei und Verlagsanstalt GmbH”.[97] Damit hatten die Kommunisten insgesamt 17 Druckbetriebe in der Provinz Sachsen bekommen. Die SPD erhielt entsprechend den Provinzbeschlüssen 19 Druckbetriebe.[98]

5.3.1 Amtsblatt

Die Amtlichen Mitteilungen erschienen vermutlich ab April[99] 1945 mit 40.000 Exemplaren[100] und wurden im Verlag “Volks-Zeitung”, Große Ulrichstraße 16, gedruckt. Davon wurde der Saalkreis mit 4.000 Exemplaren beliefert, die übrigen gingen an Behörden und Hausbesitzer in Halle. Deshalb forderte das Landratsamt Saalkreis eine Gesamtauflage von 80.000 bis 100.000.

Auf der Vorderseite standen Befehle, Bekanntmachungen der Stadt, auf der Rückseite Anzeigen, Tausch, Kauf, Arbeit, Kino. Es war betont nüchtern und amtlich gestaltet, zum Beispiel druckte das Amtsblatt keine Weihnachts- und Neujahrswünsche. Ab 18.4.46, Nr. 127, stand im Impressum: Mitteldeutsche Druckerei GmbH, Halle, Große Ulrichstraße 16 (43)[101], Druck: Mitteldeutsche Druckerei GmbH.

5.3.2 Volks-Zeitung (KPD)

Am 22.7.45 erteilte die SMAD die Lizenz für die Herausgabe der Volks-Zeitung für die Provinz Sachsen.[102] Seit dem 25.7.45 erschien die Volks-Zeitung im rheinischen Format dreimal wöchentlich, vierseitig, zum Preis von 20 Pfennigen. Im August 1945 ging man zum täglichen Erscheinen, montags bis sonnabends, über. Ab 11.10.45 gab es sechs Seiten. Seite 6 war gefüllt mit Lokalem “Aus Halle und Saalkreis”. Die Volks-Zeitung erschien am 15.4.46 zum letzten Mal, wie das Volksblatt der SPD.[103] Ab 27.8.45 erschien die Volks-Zeitung erstmals jeden Arbeitstag, sechsmal pro Woche. Sie wurde von Halle in die gesamte Provinz Sachsen geliefert.[104] Der Zeitungshunger 1945 war groß: statt 15 Pfennigen wurde eine Mark bezahlt; es gab Anweisung, daß die Zeitungen öffentlich ausgehangen werden mußten.[105]

5.3.3 Volksblatt (SPD)

Die SPD erhielt die Grundstücke und Gebäude mit der Druckerei in der Großen Brauhausstraße bis zur Rannischen Straße und am Waisenhausring 1a und 1b. Ab dem 6.9.45 gab die SPD hier das Volksblatt, Organ der SPD für die Provinz Sachsen, heraus, das bis zum Tag vor der Vereinigung von KPD und SPD am 16.4.46 hergestellt wurde. Startauflage war 40.000, sie stieg bis zum letzten Erscheinen am 15.4.46 auf 200.000.[106]

Eröffnungsbilanz der Volksblatt-Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH Halle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Gesellschaftervertrag wurde am 20.11.45 vor dem Notar Schneider in Halle ausgefertigt (Urkundenrolle 366). Darin sicherte sich der Parteivorstand der SPD-Zentrale Berlin durch den Direktor Erich Gniffke von den 20.000 Mark Stammkapital die absolute Mehrheit von 11.000 Mark; der Vizepräsident Fritz Drescher vertrat 4.000 Mark, Rechtsanwalt Dr. Kunze und der Bezirkssekretär der SPD Bruno Böttge je 2.500 Mark. Geschäftsführer wurde Paul Peters aus Halle. Er vertrat die Gesellschaft allein.[107]

In der Großen Brauhausstraße gab es mehr als zehn Setzmaschinen, zwölf Druckmaschinen und drei veraltete Rotationsmaschinen.[108] Der seit der amerikanischen Besatzung in “Druckerei Fortschritt” umbenannte Betrieb druckte neben Volksblatt und Amtlichen Bekanntmachungen für Halle und den Saalkreis auch Aufträge von Berliner Verlagen. So wurden gedruckt: Vorwärts, die Montagsausgabe für Neues Deutschland, die Tribüne, die Junge Welt, das Sport-Echo, und fast zehn Jahre die Wochenschrift Der freie Bauer.[109] Fritz Lenke gibt den Einzug von Redaktion und Verlag der LDZ mit Mitte Dezember 1945 an. Das widerspricht dem Impressum und den Aussagen von Annerose Matz-Donath, die sich noch gut an die Enge in der Geiststraße 47 erinnern konnte. In der Jubiläums-LDZ vom 18.12.55 wurde ebenfalls an die Zeit in der Geiststraße 47 erinnert.[110] In den Räumen der Buchdruckerei Walter Kersten befand sich später der Betrieb II der Mitteldeutschen Druckerei und Verlagsanstalt GmbH.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[111]

Der “Volksblatt-Druckerei- und Verlags GmbH” in der Großen Brauhausstraße 16/17 wurde am 10.1.46 vom Bezirksverband Halle-Merseburg der SPD bestätigt, daß sie den Lohnauftrag “Volksblatt” fortsetzen kann.[112]

5.3.4. Der Neue Weg (CDU)

Ab Januar 1946 entstand in den Räumen der Großen Brauhausstraße die Tageszeitung Der Neue Weg (CDU). Ab dem 3.1.49 wurde Der Neue Weg nur noch im Betrieb Brauhausstraße gesetzt und in der zur CDU gehörenden Druckerei des Kreuzverlages (Waisenhausdruckerei, Zweigbetrieb Franckestraße) gedruckt. Der Neue Weg erschien zweimal als Sonderdruck mit zwei Seiten in Halle am Sonntag, den 16.12.45, und wenige Tage später. Von Anfang an stand Chefredakteur Heinz A. Dechant im Impressum. Herausgeber war der Landesvorstand der Provinz Sachsen der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Verlag und Redaktion befanden sich in Halle, Merseburger Straße 11. Den Druck übernahm das Volksblatt, Druckerei und Verlagsgesellschaft, Halle (S.), Große Brauhausstraße 16/17.

Der Neue Weg erschien mit dem Untertitel Mitteldeutsche Tageszeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Stimme der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands ab 1946 zweimal wöchentlich dienstags und freitags. Für die Druckerei war das günstig, weil die LDZ mittwochs und sonnabends fertig sein mußte. Im Titellogo war das W so geschrieben, daß man ein Kreuz darin erkennen konnte.

Im Impressum des Neuen Weges stand die Kreuz-Verlag GmbH. Es änderte sich 1946 wie folgt: Ab Dienstag, 19.3.46 (Nr. 23) stand der Chefredakteur nicht mehr im Impressum. Ab 3.5.46 (Nr. 36): Fortschritt-Verlag, Druckerei GmbH, Halle (S.), Große Brauhausstraße 16/17. Ab 31.5.46 (Nr. 44): Mitteldeutsche Druckerei und Verlagsanstalt GmbH.

Mit einer Lizenz belohnte die SMA die CDU Sachsen-Anhalt für Opportunismus. Sie hatten die Provinzparteileitung am 11.12.45 aufgefordert, gegen Hermes und Schreiber zu sprechen, da diese im November 1945 den Entwurf für die Bodenreform nicht unterschrieben hatten. Nachdem sich der Landesvorstand Sachsen-Anhalt am 13.12.45 mit einer Entschließung gegen Schreiber und Hermes gewandt hatte, konnte am 16.12.45 der erste Sonderdruck Der Neue Weg erscheinen.[113]

5.3.5 Freiheit (SED)

Vor Erscheinen der Freiheit bildete sich die Mitteldeutsche Druckerei. Am 14.2.46 trafen sich 19 Personen, darunter KPD-Vizepräsident Robert Siewert und Oberbürgermeister Kurt Lindner, um die Mitteldeutsche Druckerei-Gesellschaft mbH zu gründen. Als erste Geschäftsführer wurden Paul Thielemann und Paula Koch bestellt.

Die erste Ausgabe der Mitteldeutschen Tageszeitung Freiheit, Organ der SED für die Provinz Sachsen, erschien am 16.4.46, nachdem am Vortag Volks-Zeitung (KPD) und Volksblatt (SPD) zum letzten Mal erschienen waren. Bis zum 15.4.46 bestand der Verlag Volks-Zeitung GmbH.

Verantwortlicher Freiheit-Herausgeber war der SED-Provinzalvorstand. Redaktion, Druck und Verlag lagen in Halle, Große Ulrichstraße 16. Zwei Chefredakteure leiteten die Zeitung paritätisch, und zwar Peter Florin (bis dahin Chefredakteur der Volks-Zeitung, KPD) und Hugo Saupe (ehemaliger Chefredakteur des Volksblattes). Die erste Nummer der gemeinsamen neuen Zeitung imprimierte der amtierende Chefredakteur Robert Büchner.

KPD und SPD hatten sich am 31.3.46 im Halleschen Volkspark, einem Gebäude der Arbeiterbewegung, vereinigt. Hier reichten sich die Parteiorganisationen der Provinz von KPD, Bernhard Koenen, und SPD, Bruno Böttge, die Hände.

Die in Halle gedruckten Freiheitausgaben für den Saalkreis, den Kreis Merseburg und Halle-Stadt hatten das rheinische Format von 37 x 51 cm, alle übrigen Kreisausgaben, die auch dezentral gedruckt werden, das Berliner Format 31,5 x 47 cm. Die Freiheit kostete 15 Pfennige, 3 Mark im Monat. Die sechsseitige Ausgabe hatte zwei Lokalseiten, einschließlich Anzeigen, mit der Titelzeile “Aus Halle und Umgebung”. Alle Textseiten waren sechsspaltig umbrochen. Im Laufe des Jahres 1946 wurden 22 Lokalausgaben aufgebaut.[114]

Zentralorgan der SED wurde die Tageszeitung Neues Deutschland, die am 23.4.46 zum ersten Mal in Berlin erschien. Die bisherigen Berliner Verlage Neuer Weg (KPD) und Vorwärts-Verlag vereinigten sich zum Dietz-Verlag.[115]

Der Name Freiheit ging auf einen Vorschlag des Wirtschaftssekretärs der SPD, Paul Wessel, zurück. Robert Büchner, Redakteur bei der Volks-Zeitung und später der Freiheit erinnerte sich in der Freiheit von 1976 daran:

“Aus unseren Gesprächen wußte Genosse Wessel, daß ich vor 1933 Redakteur bei der KPD-Tageszeitung Freiheit in Düsseldorf war und daß Genosse Hugo Saupe, Chefredakteur des Volksblattes, seinerzeit beim USPD-Zentralorgan Freiheit in Berlin seinen Weg zum Redakteur nahm”.[116]

6 Lizenzierung

6.1 LDP-Gründung in Halle

Am 26.6.46 wird der erste Geburtstag der Halleschen LDP gefeiert. LDP-Provinzvorsitzender Carl Delius erinnert daran:

“Wir von der demokratischen Partei hatten uns schon im Mai im kleinen Kreis unmittelbar nach dem endgültigen Zusammenbruch der Naziherrschaft mit den Vorbereitungen zur Schaffung einer demokratischen Volkspartei beschäftigt.”

In einem Haus außerhalb der Stadt Halle hatten sich getroffen: Walter Leuschel, später 2. Vorsitzender der LDP der Provinz Sachsen, Dr. Rexrodt[117], Walter Kirst[118] und Fräulein Becker. Delius arbeitete ein Programm aus und sammelte Unterschriften für die “Demokratische Volkspartei”. Er habe es schon im ersten Aufruf abgelehnt, eine bürgerliche Partei zu gründen.[119]

Walter Kirst schied mit Wirkung vom 1.9.46 aus dem Provinzvorstand und aus dem geschäftsführenden Vorstand des LDP-Provinzverbandes aus.[120]

Am 20.3.46 schrieb die LDZ, daß nach einer Vorstandswahl Delius weiter Präsident war. 1. und 2. Stellvertreter wurden Fabrikdirektor Walter Leuschel (er wechselte am 8.9.46 in die Westzone)[121] und Handelskammerpräsident Albrecht Pickert.

Der LDP-Kreisverband Halle wählte Anfang Dezember 1946 seinen ersten Vorstand:

1. Vorsitzender: Eberhard Haase; 1. Stellvertreter: Fritz David; 2. Stellvertreter: Arno Schulz; Beisitzer: Walter Fritzsche, Paul Schimmelpfennig; Frauenreferentin: Elfriede Giesler; Jugendreferent: Dieter Übel.[122]

Gerhard Papke über die Mitgliederstruktur:

“...die LDP profitierte auch von der ausgeprägten Organisationsbereitschaft der Bevölkerung.” Sie wurde “schon früh von vielen als Sammelbecken für Nicht-Marxisten begriffen, die den Eintritt (...) in die CDU ablehnten.” “Ihr individuelles Freiheitsverständnis machte die LDP für Bevölkerungskreise attraktiv, die nicht primär über den mittelständischen Charakter der Partei erreicht werden konnten.” “Bis zum März 1946 stieg der Arbeiteranteil der Gesamtpartei (...) auf 15 Prozent und steigerte sich bis Mitte 1948 auf 16,7 Prozent.” Bauern machten im März 1946 13,1 Prozent der Mitglieder aus.[123]

6.2 Pressestelle des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der LDP

Nach einem Beschluß des Landesvorstandes der LDP in Sachsen-Anhalt wurde im Herbst 1950 beim Landesverband eine Abteilung Presse eingerichtet, die “in engster Verbindung mit der LDZ” arbeitete. Abteilungsleiter war LDZ-Redakteur Gerhard Freymann, zugleich Vertreter des Landesverbandes in Pressefragen. In den LDP-Informationen wird aufgerufen:

“Wir bitten die Unterverbände, von allen grundlegenden politischen und organisatorischen Maßnahmen, die in Form von Rundschreiben, Anweisungen an die Ortsgruppen usw. ergehen, dieser Abteilung jeweils einen (...) Durchschlag zuzuleiten, damit auf diesem Wege durch Einschaltung der Presse eine verstärkte Arbeit in politischer und organisatorischer Hinsicht gewährleistet wird.”[124]

Sicher versprach sich die Redaktion davon, besser über die Vorgänge in der LDP informiert zu werden. Dasselbe versuchte die Freiheit mit einer epidemischen Volkskorrespondentenbewegung 1948. Freymann ist am 19.1.53 vom Bezirksvorstand Halle aus der LDPD ausgeschlossen worden. Dann verließ er die DDR.[125]

6.3 Gründung der LDZ

Die SMA erteilte der LDP in der Provinz Sachsen die Genehmigung, ab 17.12.45 eine Zeitung herauszugeben. Dafür bedankte man sich bei der SMA auf der ersten Titelseite, wo sich die LDZ vorstellte als “Wegweiser in die neue Zeit”. Unter dieser Überschrift schrieb Autor M., die LDZ betrachte sich “als Mitglied des politischen Ensembles der Blockparteien” und sei “für einen harmonischen Gleichklang stets bedacht”. Weiter:

“In allen Fragen der Politik, der Wirtschaft, der Kultur werden wir uns befleißigen, in strengster Objektivität ein freies, offenes Wort zu reden. Wir werden aber auch eifersüchtig darüber wachen, daß die Presse nie wieder (...) von einzelnen Männern aus falschem Geltungsbedürfnis mißbraucht wird zum Schaden der eigenen Nation...”

Der 1. Vorsitzende der LDP der Provinz Sachsen, Carl Delius, wünschte sich im Geleitwort der Erstausgabe Einfluß der LDZ auf die Öffentlichkeit. Sie sollte Sprachrohr aller in der Partei vertretenen Schichten sein und dem Leser ein treuer Freund und Ratgeber. “Wahrheit, Klarheit und Sachlichkeit soll ihr Leitmotiv sein. (...) Es muß ihr fernliegen, mit Phrasen die Leser zu füttern und die Hirne durch schwülstige Redensarten zu vernebeln.” Delius steigerte noch die angestrebte Wahrheit, indem er ihr das Wort nackt voranstellte. Trotz der “Beschränkungen” hoffte Delius zuversichtlich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der SMA. “Wir sind überzeugt, daß wir, wie bisher, das nötige Verständnis für unsere Ziele und Bestrebungen finden werden.”

6.4 Lizenzierung der LDZ

Der Befehl Nr. 90 der SMAD vom 17.4.47 regelte die Tätigkeit von Verlagen und Druckereien. Danach durfte keine Druckerei, kein Vervielfältigungsbetrieb, kein Verlag seinen Betrieb aufnehmen, ohne eine Lizenz zu besitzen. Veröffentlichungen mußten im genehmigungspflichtigen Verlagsplan enthalten sein. Der Druckerei war vor Abdruck jeder Ausgabe ein schriftlicher Antrag vorzulegen. Ohne diesen Auftag mit Stempel und Unterschrift des Nachrichtenamtes durfte keine Druckerei einen Abdruck beginnen. Außerdem mußte jede Druckarbeit in der linken unteren Ecke ein Kennzeichen mit der ständigen Nummer der Druckerei aufweisen und in der unteren rechten Ecke in Fettdruck die Nummer der Verlagslizenz zeigen. Die Druckerei war nicht berechtigt, die Auflage oder den Umfang einer Druckarbeit eigenmächtig zu ändern. Monatlich war von jeder Druckarbeit ein Exemplar dem zuständigen Organ der SMA zu schicken. Jede Veränderung der Betriebseinrichtung und der Schriften (Typen) sowie die Schließung wegen Reparaturen mußten gemeldet werden. Die Arbeitsräume einer Druckerei waren täglich nach Arbeitsschluß zu versiegeln. Eine systematische Kontrolle über die Arbeit der Druckereien und Meldungen an die SMAD über etwaige Verstöße wurden den deutschen Selbstverwaltungsorganen auferlegt. Ebenso trugen Polizei und Nachrichtenämter die volle Verantwortung für den Inhalt des Materials, das durch ihre Genehmigung und Kontrolle gegangen war.[126] Die Genehmigungspflicht für Drucksachen wurde am 15.1.48 eingeführt.[127]

Zur Abwehr der Störungs- und Spaltungsversuche gab das Nachrichtenamt der Stadtkommandantur der Besatzungsmacht am 15.1.48 einen neuen Stempel in russischer und deutscher Sprache für die Genehmigung von Druckaufträgen heraus.[128] Genehmigungsstempel von Den Kommandanturen anderer Städte und Kreise waren ab 17.1.48 ungültig. Die Halleschen Druckereien durften nur solche Druckarbeiten herstellen, die entweder 1. den Stempel der Stadt Halle trugen, 2. eine von der SMA Sachsen-Anhalt ausgestellte Druckgenehmigung aufwiesen oder 3. eine Genehmigung von der SMA hatten. Diese Regelung betraf nur Druckarbeiten, die der Genehmigungspflicht durch die Besatzungsmacht unterlagen. Aber auch die deutschen Genehmigungsstellen waren verständlicherweise angesichts der sich verschärfenden politischen Situation auf erhöhte Sicherheit bedacht, weil

“immer wieder Sabotageakte und Anschläge auf volkseigene Betriebe, auch auf Geschäftsstellen des Verlags erfolgten. Da konnte ein einzelner Betrieb schwerlich die Verantwortung für mehrere Betriebe übernehmen. Es war notwendig, daß Endverantwortliche für Sicherheit direkt in jedem Druckereibetrieb saßen.”[129]

In Besatzungsländern konnte die Presse nie frei sein. Rücksicht auf die Besatzungsmacht war immer eine Schranke.[130] In der SBZ regelte der Befehl Nr. 19 vom 2.8.45 die Presse, nachdem die SMAD jede Vervielfältigung kontrollierte.[131] Die Lizenz war ein Auftrag mit politischen Aufgaben, ein Vertrauensbeweis gegenüber dem Lizenznehmer bzw. seiner Partei und ein Zeichen der Verantwortung die der Lizenzinhaber übernahm. Sie konnte jederzeit entzogen oder geändert werden.

Die jüngste, als Fotoplatte noch existierende Lizenzurkunde der LDZ wurde am 24.8.47 ausgestellt. Sie befindet sich im Rechtsarchiv der Leipziger Volkszeitung. Darin genehmigte die Informationsverwaltung der SMA unter S. Tjulpanow dem Landesvorstand der LDP für das Land Sachsen-Anhalt die Herausgabe der LDZ ab August 1947 im Selbstverlag unter Chefredakteur Dietrich Brinkmann. Der Vorname muß richtig Eugen heißen. Der Schreibfehler läßt annehmen, daß die Urkunde in Berlin ausgestellt wurde. Die Zeitung sollte als Organ der Liberaldemokratischen Partei für das Land Sachsen-Anhalt im Format 34 mal 52 Zentimeter mit jeweils vier Seiten in einer Auflage von 25.000 Exemplaren zweimal pro Woche erscheinen. In Punkt sieben der Urkunde hieß es “Die Lizenz wird für unbestimmte Zeit erteilt und stellt kein Eigentumsrecht dar; sie ist nicht übertragbar und kann ohne Kündigungsfrist durch die Sowjetische Militäradministration zurückgezogen werden.” Zum ersten Mal wurde die Lizenznummer im Impressum der LDZ am 6.9.47 veröffentlicht.

Eine der ersten in Halle ausgegebenen Lizenzurkunden galt den Veröffentlichungen von Provinz- und Stadtverwaltung. Die erste Tageszeitungslizenz nach dem Krieg bekam die Volks-Zeitung der KPD am 23.7.45, die ab 25.7.45 erschien.[132]

Der Vordruck für die Freiheit-Lizenz Nr. 287 ähnelte dem der LDZ. Er wurde ausgestellt für die Mitteldeutsche Druckerei- und Verlagsanstalt GmbH Halle am 2.7.48. Die Freiheit durfte unter Chefredakteur Fritz Beyling fünfmal wöchentlich mit vier, einmal mit sechs Seiten erscheinen in einer Gesamtauflage von 450.000. Im weiterentwickelten Vordruck war nur Punkt 6d hinzugekommen: “Die Lizenz wird unter der Bedingung erteilt, daß 20 Exemplare jeder Nummer der Zeitung bei Erscheinung der Informationsverwaltung gesandt werden.”[133] Ein deutlicher Hinweis auf Bestehen der Nachzensur. Es war hier die Informationsverwaltung der SMA gemeint. Der oben erwähnte Fritz Beyling war von 1953 bis 1958 der Leiter des Presseamts beim Ministerpräsidenten der Regierung der DDR als Nachfolger von Gerhart Eisler und Vorgänger von Kurt Blecha.[134]

In der CDU-Tageszeitung - sie erschien anfangs dienstags und freitags - wurde ab 12.9.47 (Nr. 74) im Impressum die Lizenznummer 313 der SMAD veröffentlicht. Die LDZ hatte die Nummer 312.[135]

Eine so späte Lizenzurkundenausgabe läßt sich auf zwei Arten begründen: Erstens: Die Besatzer erlaubten schneller, Zeitungen herauszugeben, als sie in der Lage waren, juristisch und formell ausgereifte Lizenzurkunden zu erteilen. Man beließ es zunächst bei mündlichen Genehmigungen. Ein amerikanischer Presseoffizier notierte nach einem Gespräch mit Otto Meier, Chefredakteur des SPD-Zentralorgans Das Volk: “There is no officially laid down procedure in which a license to publish a newspaper is obtained”.[136] Die Berliner Zeitung war schon acht Monate unter deutscher Regie erschienen, bis sie eine schriftliche Genehmigung dafür erhielt.[137] Obwohl die Zulassung der LDP auch die Herausgabe eines Parteiorgans implizierte, war die Genehmigung dazu nicht selbstverständlich. Sie kam für die Halleschen Liberaldemokraten am 17.12.45 fünf Monate nach der Druckerlaubnis für die Volks-Zeitung der SED im Juli 1945.

Die zweite Erklärung ist plausibler: Es gab von Anfang an zumindest Schreibmaschinen, auf denen man formlose Lizenzen tippte. Das geschah auch, aber diese wurden nicht aufgehoben. Beispielsweise hat die Norddeutsche Zeitung in Schwerin am 25.2.46 eine maschinenschriftliche Lizenz mit dem Text erhalten:

“Nr. 27 LIZENZ Die Propagandaleitung der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland genehmigt dem Ausschusse der Liberal-demokratischen Partei Provinz Mecklenburg ab 20 Februar 1946 die Herausgabe einer Zeitung kleines Formats. Auflage - 20.000 Ex. Erscheint drei Mal wöchentlich. Umfang. - vier Seiten. Die Propagandaleitung genehmigt den Zeitungsüberschrift ,Die Norddeutsche Zeitung’.” (“Tjulpanow” handschriftlich, in Berlin-Karlshorst ausgestellt - A.B.)[138]

Der gleiche Text stand in Russisch daneben.

Lizenzurkunden für Hallesche Zeitungen können genauso ausgesehen haben. In diesen Anfangsurkunden fehlte die Anweisung, die Lizenznummer in jeder Ausgabe zu drucken. Deshalb begann die LDZ damit erst am 6.9.47.

Veränderungen aller in der Lizenzurkunde vereinbarten Daten mußten beantragt werden. Der Lizenzgeber (Besatzungsmacht, dann Amt für Information, später Presseamt) stellte - sofern er zustimmte - dann eine neue Urkunde aus. Ein frühes Beispiel ist der Antrag auf Neulizenzierung an das Amt für Information in Berlin vom 20.10.50.[139] LDZ-Herausgeber war der Landesvorstand Sachsen-Anhalt der LDP. Gefordert wurde für die Neulizenzierung, die beiden neuen Lizenzträger einzutragen: Ernst Lorenz, Hauptabteilungsleiter, Halle, 1. Vorsitzender des LDP-Landesverbandes Sachsen-Anhalt und Hans Stefko (Chefredakteur von Mai 1949 bis 18.3.51 - Todestag), Halle, Vorstandsmitglied des LV Sachsen-Anhalt. Die Leitung des Verlages “Elbe-Saale-Druckereien GmbH” hatte Willi Karwath. Außerdem wollte der Verlag sein Produkt umbenennen in “Mitteldeutsche Zeitung” oder “Mitteldeutsche Nachrichten” - Organ der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands für das Land Sachsen-Anhalt. Ziel dieses Lizenzantrags waren neue Lokalausgaben im gesamten Land Sachsen-Anhalt. Es ist die Rede von Bezirksausgaben Magdeburg, Anhalt, Altmark, Naumburg, Eisleben-Sangerhausen und Süd. Im Schreiben vom 20.10.50 wird auf einen Antrag vom 17.4.50 verwiesen, in dem “Alle übrigen Fragen” beantwortet worden seien.[140] Die LDZ wollte als Mitteldeutsche Zeitung expandieren. Diesen Titel nahm sich die Freiheit im März 1990. Einen mitteldeutschen Namen trug nur die Zeitung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, gegründet in Halle als Mitteldeutsche Neueste Nachrichten, später nach Leipzig gezogen. Die MNN gab es bis zum Mai 1990.

6.5 Lizenzierung liberaler Zeitungen

In der SBZ war der SMAD-Befehl Nr. 2 Starterlaubnis für Parteizulassungen und Lizenzvergabe, obwohl er keinen Hinweis auf Presse enthielt. Neben Parteien erhielten auch gesellschaftliche Organisationen Lizenzen. Allein mit Reden und Treffen konnten die Mitglieder ihre Ansichten nicht austauschen und verbreiten. Um überhaupt neue Mitglieder und Wähler zu finden, mußte eine Zeitung auf die Parteien und ihre Treffen hinweisen. An der Union von Parteien und Presse lag der SMA, weil sie dadurch über die Zensur beide gleichzeitig kontrollieren konnte. Zensuroffiziere steuerten einen wichtigen Teil der Öffentlichkeitsarbeit der herausgebenden Parteien. Außerdem hatten sie wegen der engen Verbindung zwischen Partei und Presse ein Druckmittel gegen die Partei. Denn man traf mit Senkung von Auflage und Seitenzahl eine empfindliche Stelle des Herausgebers. Beispiel war das Abhängigmachen der Herausgabe weiterer LDP-Organe (Sächsisches Tageblatt, Norddeutsche Zeitung) vom Rücktritt des LDP-Vorsitzenden Waldemar Koch. Daß Koch auf die Erpressung einging, zeigt, wie wichtig die Presse der Partei war und wie wenig Macht ein Vorsitz bedeuten konnte, wenn ihn die SMAD nicht wünschte.[141] Mit der Lizenzierung von Parteizeitung hatte es die SMAD auch deshalb eilig, weil sie sich dadurch einen besseren Ruf bei der deutschen Bevölkerung erhoffte, wenn sie in dieser Hinsicht gegenüber den westlichen Besatzern einen Vorsprung hatte. Peter Strunk vermutet, die relative Gleichbehandlung bei der Lizenzierung der CDU- und LDP-Organe geschah aus einem Teile-und-herrsche-Kalkül heraus. Denn je stärker die bürgerlichen Parteien und ihre Zeitungen untereinander konkurrierten, um so weniger konnten sie die KPD/SED schwächen.

Als erste liberale Zeitung in der SBZ erschien am 3.8.45 Der Morgen in Berlin mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren unter dem Verleger Günter Mossner und der Chefredaktion von Wilhelm John. Dank der Verbindungen und Aktivitäten des Privatunternehmers Mossner konnte die Auflage in der ersten Oktoberhälfte auf rund 150.000 und im Januar 1946 auf 250.000 Exemplare gesteigert werden. Anschließend wurden lizenziert: Thüringer Landeszeitung ab 12.12.45, LDZ ab 18.12.45, Sächsisches Tageblatt ab Februar 1946 und Norddeutsche Zeitung ab März 1946 (fünfmal wöchentlich, je 20.000 Auflage, ebenfalls von Mossner verlegt und mit Papier versorgt).

7 Organisation und Struktur der LDZ

7.1 Der Gesellschaftervertrag der Elbe-Salle-Druckereien GmbH

Die Urkundenrolle Nr. 226 von 1947 enthält den am 9.12.47 in Halle verhandelten Gesellschaftervertrag für die Elbe-Saale-Druckereien GmbH. Rechtsanwalt, Notar und Liberaldemokrat Bernd Bennewitz hat ihn ausgefertigt. Verhandlungsort war das Haus des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der LDPD in Halle, Straße der Opfer des Faschismus 3. Die Gesellschafter waren:

1. Herber Fiering, geschäftsführendes Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes, Halle, Landrain 155,
2. Ministerialdirektor Dr. Bruno Zierold-Pritsch, Halle, Fischer-von-Erlach-Straße 96,
3. Stadtrat Ludwig Münz aus Magdeburg, Gerhart-Hauptmann-Straße1,
4. Großverteiler Erich Knof aus Halle-Nietleben, Ulmenstraße 4,
5. Kaufmann Johann Stefko aus Desskau, Wilhelm-Müller-Straße 2.

[...]


[1] Die Wochenzeitung “Neues Hallesches Tageblatt. Wochenzeitung für die Saalestadt und das Umland” wurde herausgegeben von der Neues Hallesches Tageblatt Verlags AG i.G., Vorstand: Michael Eberlein, Torsten Reishauer, Vorsitzende des Aufsichtsrates: Christa Schuh. Redaktion und Verlag befanden sich in der Großen Steinstraße 14 in 06108 Halle.

[2] Gerd Brunner Interview 20.9.95

[3] Auszüge aus der Festrede “20 Jahre LDZ”, S. 4. (Kopie im Besitz des Autors).

[4] Begrüßungsansprache am 18.12.70 (Kopie im Besitz des Autors)

[5] z. B. Werke von Agsten/Bogisch, Jürgen Louis, Ekkehart Krippendorff und anderen

[6] SBZ-Handbuch S. 553-556

[7] SBZ-Handbuch S. 201 ff.

[8] Carola Stern: Ulbricht. Eine politische Biographie. Köln, Berlin, 1964, S. 134.

[9] Theo Rütten: Der deutsche Liberalismus 1945 bis 1955. Deutschland- und Gesellschaftspolitik der ost- und westdeutschen Liberalen in der Entstehungsphase der beiden deutschen Staaten. Nomos, Baden-Baden 1984. Hrsg.: Friedrich-Naumann-Stiftung. S. 303

[10] SBZ-Handbuch S. 556

[11] Heinz-Dietrich Fischer: Die Presse der DDR, in: “Bulletin des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbandes”, Zürich, Nr. 418 vom Oktober 1960, S. 345 ff. Zitiert in Heinz-Dietrich Fischer: Handbuch. S. 382

[12] ADL-LDPD-C VII c 14479a

[13] Rudolf Agsten, Manfred Bogisch, Wilhelm Ort: LDPD 1945-1961, Buchverlag Der Morgen 1985, S. 24

[14] Gerhard Papke: ”Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR 1945-1952” in: “,Bürgerliche’ Parteien in der SBZ/DDR” hrsg. von Jürgen Frölich. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1994, S. 26

[15] ebenda S. 39

[16] Heinz-Dietrich Fischer: Handbuch der politischen Presse in Deutschland 1480-1980. Synopse rechtlicher, struktureller und wirtschaftlicher Grundlagen der Tendenzpublizistik im Kommunikationsfeld. Droste: Düsseldorf 1981, S. 17. Fischer zitiert: Walter Hagemann: Begriffe und Methoden publizistischer Forschung, in: “Publizistik” (München) 1. Jg./Nr. 1 (Januar/Februar 1956). S. 21

[17] Gustav Wolf: Einführung in das Studium..., S. 322 ff. zitiert in Heinz-Dietrich Fischer: Handbuch, S. 11

[18] Grundmann, Karl-Heinz: Zwischen Verständigungsbereitschaft, Anpassung und Widerstand: Die LDPD in Berlin und der SBZ 1945-1949: eine Dokumentation zur Sonderausstellung der F.D.P.-Bundestagsfraktion im Reichstagsgebäude / zusammengestellt und kommentiert von Karl-Heinz Grundmann unter Mitarbeit von Dieter Hein. Bonn 1978, S. 39

[19] Zum Beispiel ließ Fritz Lenke in seinen Untersuchungen über die Freiheit öfter Drucker zu Wort kommen als Redakteure. Und in den LDZ-Jubiläumsausgaben wurden häufiger Zustellerinnen porträtiert, aber kaum Journalisten. Auch in den Geschichtsbüchern von Rudolf Agsten und Manfred Bogisch wurden die sozialismusresistenten Liberalen mit wenigen Sätzen abgehandelt, und dafür widmete man den LDP-Genossen (z. B. Loch und Dieckmann) ganze Broschüren.

[20] Keine der an der Journalistik-Sektion der Karl-Marx-Universität Leipzig verfaßten Diplomarbeiten über die LDZ untersucht deren Geschichte: Jürgen Heinrich (1978), Doris Bismarck/Philipp von Wilcke (1976), Rolf-Dietmar Schmidt (1976), Manfred Hummel (1969), Armin Hopf (1966).

[21] Günter Raue: Geschichte des Journalismus in der DDR (1945-1961). VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1986; derselbe: Im Dienste der Wahrheit. Ein Beitrag zur Pressepolitik der sowjetischen Besatzungsmacht 1945-1949. VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1966

[22] Ekkehart Krippendorff: Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands in der Sowjetischen Besatzungszone 1945-1948. Entstehung-Struktur-Politik. Maschinenschriftlich, Bebenhausen bei Tübingen 1959

[23] Hoffmann war wissenschaftlicher Assistent am Institut für Marxismus-Leninismus an der Universität Jena.

[24] Manfred Gerlach/Kurt Wünsche: Funktion und Entwicklung der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands im Mehrparteiensystem der DDR, Potsdam-Babelsberg, Adakdemie für Staats- und Rechtswissenschaft, Dissertation, 1964; Manfred Gerlach: Mitverantwortlich. Als Liberaler im SED-Staat. Morgenbuchverlag Berlin 1991, S. 84 (Nachfolger des Buchverlags Der Morgen.)

[25] Rudolf Agsten/Manfred Bogisch: Die Herausbildung der antifaschistisch-demokratischen und antiimperialistischen Grundhaltung bei den Mitgliedern der LDPD 1945/46. Von der Parteigründung bis zum 1. Parteitag im Juli 1946, Halle, Universität, Dissertation, 1969. Eine Buchausgabe liegt unter dem Titel “Bürgertum am Wendepunkt. Die Herausbildung der antifaschistisch-demokratischen und antiimperialistischen Grundhaltung bei den Mitgliedern der LDPD 1945/46” vor.

[26] Agsten/Bogisch: Die Herausbildung, S. 9

[27] Harald Krieg: Entscheidungen. S. 147 bezieht sich auf “LDPD 1945 - 1961. Im festen Bündnis mit der Arbeiterklasse und ihrer Partei, Buchverlag Der Morgen, Berlin 1985 und 2., erweiterte Auflage 1987” S. 7

[28] Hermann Weber: “Weiße Flecken” in der DDR-Geschichtsschreibung; in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 11/1990, S. 3-15

[29] Armin Behrendt: Wilhelm Külz. Aus dem Leben eines Suchenden. 2., erweiterte Auflage. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1985

[30] Stefan Creuzberger: Die sowjetische Besatzungsmacht und das politische System der SBZ. Böhlau Verlag Weimar, Köln, Wien, 1996

[31] Mathias Tullner: Zwischen Demokratie und Diktatur. Magdeburg 1996

[32] Gunter Holzweißig: Zensur ohne Zensor. Die SED-Informationsdiktatur, Bouvier Bonn 1997; derselbe: Massenmedien in der DDR. 2., völlig überarbeitete Auflage, Berlin 1989

[33] Harald Krieg: LDPD und NDPD in der “DDR” 1949-1958. Köln Opladen 1965; Ernst Thape: Von Rot zu Schwarz-Rot-Gold, Hannover 1969; Erhard Hübener: Lebenskreise. Lehr- und Wanderjahre eines Ministerpräsidenten. herausgegeben. von Thomas Klein. Böhlau Verlag Köln, Wien 1984

[34] Dr Werner Piechocki: Leben und Leistung des Politikers und Verwaltungsfachmanns Prof. Erhard Hübener. In: Erhard-Hübener-Stiftung e. V. Reden anläßlich der feierlichen Stiftungsgründung am 10.7.93 in Halle. Verantwortlich: Conelia Pieper. Bearbeitung: Rainer Schulze. Druck: Buch- und Offsetdruckerei “Max Schlutius”, Magdeburg

[35] Auskunft von Herrn Plötze, BUSt (Gauckbehörde), Außenstelle Halle, vom 24.10.95

[36] Befehl Nr. 1 “8. Juli 1945 Halle (Saale) - Auf Grund des Befehls des Garnisonschefs vom 7. Juli 1945 habe ich heute den Posten des Militärkommandanten der Stadt Halle (Saale) und des Saalkreises übernommen. Der Militärkommandant der Stadt Halle (Saale) Generalmajor Gustyschew” So als A6-Flugblatt in den Stadtarchivakten, Besatzungsamt.

[37] Hübeners Wirken in Halle: Nach den Landtagswahlen in der SBZ am 20.10.46 konstituierte sich der Landtag in Halle am 18.11.46. Auf der zweiten Landtagssitzung am 3.12.46 wurde der bisherige Präsident der Provinzialverwaltung zum Ministerpräsidenten der Provinz Sachsen-Anhalt gewählt. Den Status Land Sachsen-Anhalt erhielt die Provinz am 27.7.47. Hübener war Ministerpräsident bis zum 30.9.49, als er auf sein Amt verzichtete. Er starb am 3.6.58. (Werner Piechocki: Erhard Hübener, S. 30; SBZ-Handbuch, S. 147)

[38] Werner Piechocki: Erhard Hübener, S. 27-28

[39] Lenke: Die Theorie, S. 25

[40] SBZ-Handbuch S. 157; Ernst Thape: Von Rot zu Schwarz-Rot-Gold. S.8

[41] Tatsachen sprechen! Berichte aus der Tätigkeit der Provinzialverwaltung. Hrsg.: Der Präsident der Provinz Sachsen, Abt. Presse und Propaganda, Halle (Saale), S. 4

[42] SBZ-Handbuch S. 157

[43] SBZ-Handbuch S. 158

[44] Karl-Heinz Grundmann: Zwischen Verständigungsbereitschaft, Anpassung und Wiederstand: Die LDPD in Berlin und der SBZ 1945-1949, Bonn 1978, S. 54

[45] SBZ-Handbuch S. 158

[46] Bock: Übergabe oder Vernichtung, S. 50

[47] Schellbach: Umwälzung, S. 101

[48] LDZ Nr. 136 vom 15.11.49, S. 3

[49] Bock: Übergabe oder Vernichtung, S. 51

[50] So zitiert von Werner Piechocki im Findbuch der Akten des Besatzungsamtes beim Stadtarchiv Halle, Einleitung.

[51] Stadtarchiv Halle, Besatzungsamt, Vertragsnotizen bei der Kommandantur Nr. 3

[52] Schriftleiter hießen in der Nazizeit die Redakteure.

[53] Landesarchiv Magdeburg, Landeshauptarchiv, Rep. K. Ministerpräsident, Landesregierung Sachsen-Anhalt, Amt für Information, Nr. 3896, Film 473, S. 34-36

[54] ebenda S. 16-17, Schulze während der Diskussion der Nachrichtenämter, 8.10.46

[55] Gespräch mit Frau Biesecke, Leiterin des Verwaltungsamtes, und Rolf Jacob, Leiter des Stadtarchivs Halle, am 23.9.97

[56] Besatzungsamt Nr. 34 zitiert Amtliche Mitteilungen Nr. 122, S. 1

[57] Meldung vom Nachrichtenamt, Dienstliche Mitteilungen 4/1947, S. 30

[58] Dienstliche Mitteilungen (8.11.47), S. 98

[59] APUP war keine geläufige Abkürzung, aber sie ist praktisch für den Autor.

[60] Landesarchiv Magdeburg, Landeshauptarchiv, Rep. K. Ministerpräsident, Landesregierung Sachsen-Anhalt, Amt für Information, Nr. 3896, Film 473, S. 24-32

[61] Landesarchiv Magdeburg, Landeshauptarchiv, Rep. K. Ministerpräsident, Landesregierung Sachsen-Anhalt, Amt für Information, Nr. 3896, Film 473, S. 1-3

[62] LAMDLHA, Rep. K. Ministerpräsident, Landesregierung. Sachsen-Anhalt, MdI, Nr. 4203, Neuordnung des Nachrichtendienstes S. 1

[63] ebenda S. 13-14

[64] ebenda S. 4-8

[65] SBZ-Handbuch S. 161

[66] Landesarchiv Magdeburg, Landeshauptarchiv, Rep. K. Ministerpräsident, Landesregierung Sachsen-Anhalt, MdI, Gruppe I B9, Film 398, 24.10.49

[67] Der Präsident der Provinz Sachsen, Abt. Presse und Propaganda, Halle: Tatsachen sprechen! Berichte aus der Tätigkeit der Provinzial-Verwaltung, Provinz Sachsen. Halle (Saale), Geiststraße 47: Mitteldeutsche Verlagsgesellschaft 1946, 61 Seiten

[68] Folgende (nur männliche) Pressevertreter waren geladen: Schaper - Chefredakteur Der Neue Weg, Büchner - Chefredakteur Volksstimme und Vertreter für die Freiheit, Pfeffer - Chefredakteur ADN Halle, Langer - Chefredakteur der Außenstelle Halle der Täglichen Rundschau, Koegel - Chefredakteur der Außenstelle Halle der Halleschen National-Zeitung, Waasner - Chefredakteur des Landessenders Halle, Stockmann - Chefredakteur der Außenstelle des Berliner Rundfunks, Dr. Ziegler - Redakteur der Außenstelle des Leipziger Rundfunks.

[69] LAMDLHA, Landesregierung Sachsen-Anhalt, AfI, Nr. 880, Film 231 (Foto 0930), Lizenzurkunde Liberal-Demokratische Zeitung

[70] Peter Strunk: Zensur und Zensoren S. 13; PURKA = Politischeskoje Uprawlenije Rabotschej-Kresjanskoj Armij, so hieß bis Sommer 1940 die Politische Hauptverwaltung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee

[71] Gregory Klimow: Berliner Kreml, Köln 1952, S. 223 zitiert in: Peter Strunk: Zensur und Zensoren, S. 17

[72] Agitieren - eine Person, Agitator = Aufwiegler, Treiber. Propagieren - werben für eine Sache, etwas verbreiten., Duden Band 7, 1993

[73] Gregory Klimow: Berliner Kreml, Köln 1952, S. 410-11

[74] Jan Foitzik: Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) in: SBZ-Handbuch, München 1990, S. 19

[75] Stefan Creuzberger: Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945-1949. In Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., St. Augustin. Melle: Knoth 1991. S. 12-20

[76] Creuzberger: SMAD. S. 22

[77] Freiheit Nr. 105 vom 21.8.46, S. 3

[78] Theo Rütten: Der Deutsche Liberalismus 1945 bis 1955. Deutschland- und Gesellschaftspolitik der ost- und westdeutschen Liberalen in der Entstehungsphase der beiden deutschen Staaten. Baden-Baden 1984. S. 304. Rütten zitiert Agsten/Bogisch: Auf dem Weg in die DDR, S. 243

[79] Seine Beiträge im Volksblatt sind namentlich unterschrieben.

[80] MD Interview 28.9.95

[81] Mutterrolle Halle 285; Eigentümerverzeichnis Halle: Grundsteuermutterrolle 285, dann 1987, Grundbuchnummer 69, Blatt 2522 - Archiv Barby; Im SBZ-Handbuch wird auf Seite 164 ein Dr. Knapp erwähnt als Abteilungsleiter Verkehr im Ministerium für Wirtschaft (später Industrie ) und Verkehr, wo er ab Juli 1948 arbeitete.

[82] laut Zentraler Kartei der Universitätsbibliothek Halle, August-Bebel-Straße. Dieser Marathon-Titel ist noch im Stadtarchiv Halle auf einigen Exemplaren zu lesen.

[83] Richard Krüger: 1946 war er 66 Jahre (geb. 1880) 1898 SPD-Eintritt. 1920-28 Reichstagsabgeordneter, fast gleichzeitig Stadtrat in Merseburg, 1928 Polizeipräsident von Weißenfels. Mehrmals von Gestapo verhaftet, zuletzt wegen Hitler-Attentat in KZ Sachsenhausen. 1945 Aufbau Polizei in Halle. Handbuch des Landtages S. 277

[84] Dokumentenarchiv Freiheit I/Fotos

[85] Lenke: Die Theorie, S. 20. Alfred Wielepp (geboren 20.3.1878 in Berlin, Schriftsetzer, 1913-16 Redakteur von Vorwärts, 1916-17 Parteisekretär in Neukölln, 1918-20 Redakteur der Freiheit in Berlin, 15.3.1924 Mitarbeiter beim Volksblatt in Halle, Vorsitzender und Bezirksleiter des Ortsverbandes Halle der Buchdrucker

[86] Stadtarchiv Halle, Besatzungsamt: Vertragsnotizen bei der Kommandantur Nr. 4, Zur Besprechung bei dem Herrn Stadtkommandanten am 7. August 1945, S. 11-12

[87] nachzulesen im Ordner “Geschichte des halleschen Verlagswesens”, Stadtarchiv Halle

[88] Sondergabe der Mitteldeutschen National-Zeitung zum Gauparteitag Halle-Merseburg vom 14.10.33, S. 1-2

[89] Karl Friedrich Staedter in “Hallesche Nachrichten” zum 40. Erscheinungsjahr, Stadtarchiv Halle, Abteilung II, Nr. 20, Seiten nicht nummeriert

[90] Akte Besatzungsamt Nr. 34, Stadtarchiv Halle

[91] ebenda

[92] Dokumentenarchiv Mitteldeutsche Zeitung, Protokoll über Besprechung eines Zeitungsmenschen mit Oberstleutnant Gradusow am 19.7.45, 19 Uhr, AOK-Gebäude. Der Protokollant kommt von dem Verlag, der folgendes herausgab: einen kleinen Taschenfahrplan, Englisch-deutsches Wörterbuch, Aushängebogen Kneise-Schober und Atlas der Harnorgane. Dieser Verlag hatte zehn Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner mit diesen Kontakt aufgenommen und dadurch die ersten Druckgenehmigungen erhalten.

[93] LAMER I/424/21/ S. 14

[94] Dokumentenarchiv Freiheit I/4

[95] Dokumentenarchiv Freiheit I/6. Zitiert in: Lenke: Die Theorie, S. 26-27

[96] Dokumentenarchiv Freiheit I/8. Zitiert in: Lenke: Die Theorie, S. 27

[97] Lenke: Das Volk, S. 11

[98] Dokumentenarchiv Freiheit I/6. Zitiert in: Lenke: Die Theorie, S. 26

[99] Die Nr. 11 der “Amtlichen Mitteilungen” erschien am 27. Juni 1945, die Nr. 74 erschien am 4. Dezember 1945, also durchschnittlich im Abstand von zwei Tagen.

[100] Stadtarchiv Halle, Vertragsnotizen bei der Kommandantur, S. 216: 18.12.45: “Das Landratsamt ist zu informieren, daß Hauptmann Jarocker es nicht gestattet hat, die Auflage der ,Amtlichen Mitteilungen’ zu erhöhen. Das Landratsamt wird daraufhin ersucht, selbst einen Vorstoß zu unternehmen, daß ihm der Druck der Amtlichen Mitteilungen gestattet wird, da die 40.000 Ex. nur für Halle sind.”

[101] Die 43 ist keine Hausnummer. Es könnte eine Lizenznummer sein.

[102] Böhm: Chronik der Freiheit. In: Dokumentenarchiv Freiheit I/54

[103] Böhm: Chronik, S. 11. Zitiert in: Lenke: Die Theorie, S. 32

[104] ebenda S. 25

[105] Büchner, Robert (Ex-Chefredakteur und Genosse) in Freiheit 25.7.75

[106] Lenke: Das Volk, S. 18

[107] Dokumentenarchiv Freiheit I/7 und I/5 (Gesellschaftsvertrag)

[108] Lenke: Das Volk, S. 11

[109] Lenke: Das Volk, S. 18

[110] “Als die LDZ geboren wurde, Versandleiter Walter Reinel plaudert vom ersten Tag”

[111] Hendrik Klemm: Zur Geschichte sozialdemokratischer Regionalorgane: Volksblatt, Halle, und Volksstimme, Magdeburg, (1925-1933). Diplomarbeit an der Universität Leipzig, 1990, S. 4-5, Anlagen S. 5, 19

[112] Dokumentenarchiv Freiheit DA I/54. Zitiert in: Lenke: Das Volk. S. 28

[113] Peter Strunk: Zensur und Zensoren. S. 132

[114] Lenke: Das Volk, S. 6

[115] Lenke: Die Theorie, S. 34; Geschichte der SED. Abriß, S. 118

[116] Freiheit Nr. 91, 15.4.76 “Vor 30 Jahren...”

[117] Rexrodt: geb. 18.3.1895 in Wanfried an der Werra, Studium der Nationalökonomie in Leipzig, Promotion 1921, 1925-28 Generalsekretär der Demokratischen Partei in Franken, im Oktober 1945 wurde ihm die Leitung der Bubiag übertragen, er wurde im März 1947 kaufmännischer Direktor der Gruppe Kohle der Industriewerke, dann des Reviers Halle des Direktorats der Kohlenindustrie. Quelle: LDZ 24.3.48, S. 3

[118] Freiheit Nr. 114 vom 20.5.48, S. 3: Es gab einen Theaterdirektor Kirst in Halle.

[119] LDZ Nr. 53 vom 26.6.46, S. 1

[120] LDZ 25.9.46, S. 2 Auch Albrecht Pickert und Herbert Lindau schieden aus.

[121] Freiheit vom 17.10.46, S. 1-2

[122] LDZ 4.12.46, S. 3

[123] Gerhard Papke: “Die LDPD in der SBZ und DDR 1945-1952”. In: Jürgen Frölich: “Bürgerliche” Parteien. S. 32-33; Horst Dähn: LDPD. In: SBZ-Handbuch. S. 570.

[124] LDP-Information November 1950, Nr. 21, 4. Jahrgang, S. 459

[125] ADL-Auskunft von Dieter Sandler am 1.4.97, Telefon 0 22 61 - 3002-402

[126] Lenke: Das Volk, S. 23

[127] Rundschreiben I/48 des Nachrichtenamtes 012 Halle. Zitiert in: Lenke: Zeittafel, S. 6

[128] Dokumentenarchiv Freiheit I/24

[129] Lenke: Die Theorie, S. 31

[130] Helmut Brandt: “Lizenz und Presse”. In: Handbuch der Lizenzen Deutscher Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Buchverlage: Walter de Gruyter & Co, Berlin 1947, S. III

[131] Befehle des Obersten Chefs der SMAD, Heft 1, SWA-Verlag Berlin 1946, S. 16

[132] Lenke: Das Volk, S. 10

[133] Dokumentenarchiv Freiheit, ausgehoben durch Frau Uhlmann im Sommer 1997

[134] Gunter Holzweißig: Zensur ohne Zensor. Die SED-Informationsdiktatur. Bouvier Verlag Bonn, 1997, S. 74; LDZ 17./18.12.55, S. 1

[135] Weihnachten 1946 druckte Der Neue Weg in Nr. 103 auf Seite 2 die Meldung: “Auf der Buchverleger-Tagung überreichte Oberstleutnant Koltypin acht Verlagen die Lizenzen...”, der Mitteldeutschen Verlagsanstalt und dem Verlag Max Niemeyer.

[136] Lt. Gerald M. Konecky, Press Sub Section (OMGUS), Semi-Weekly Report No. 10, 11.7.1945, 740 00 119 Control (Germany), Zentralinsitut für Sozialwissenschaftliche Forschung, FU Berlin. So zitiert in: Peter Strunk: Zensur und Zensoren, S. 65

[137] Fotografische Wiedergabe der Lizenzurkunde in: Kegel: In den Stürmen, S. 448-449

[138] Günter Grasmeyer: Die Entwicklung der Norddeutschen Zeitung 1946-1971, S. 4

[139] Das Amt für Information der Deutschen Wirtschaftskommission war im September 1949 hervorgegangen aus der Abteilung “Kulturelle Aufklärung” der Deutschen Verwaltung für Volksbildung. Für Pressekontrolle und -lenkung waren die Besatzer bis Ende Februar 1950 allein verantwortlich. (Peter Strunk: Zensur und Zensoren, S. 147)

[140] Bundesarchiv Berlin, SAPMO DC 9, Lizenzierung Nr. 124

[141] Peter Strunk: Zensur und Zensoren. S. 84; Jürgen Fröhlich: “Bürgerliche” Parteien in der SBZ/DDR. S. 36; ADL-LDPD-Nr. 903 (enthält Brief von Wilhelm Külz vom 1.11.45); Jürgen Louis: Die LDPD in Thüringen 1945-52. S. 284

Ende der Leseprobe aus 202 Seiten

Details

Titel
Die Lizenzierungsgeschichte der Liberal-Demokratischen Zeitung in Halle an der Saale
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Zensur in der SBZ
Note
2,5
Autor
Jahr
1997
Seiten
202
Katalognummer
V40887
ISBN (eBook)
9783638392884
ISBN (Buch)
9783638706407
Dateigröße
2732 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Interviews mit Redakteuren, die 1945-48 unter russischer Zensur gearbeitet haben. Detaillierte Biografien. Redaktionsalltag, Pressegeschichte in Halle/Saale. Interna über Verhaftungen und Wechsel von Redakteuren. Interviews: Walter Reim, Gerd Brunner, Hans-Herbert Biermann, Joachim Kirmis, Margit Boeckh, Wolfgang Boeckh, Odo Lilienthal, Philipp von Wilcke, Michael Willing, Bernhard Stavenhagen, Kurt Mündecke, Rudolf Agsten.
Schlagworte
Lizenzierungsgeschichte, Liberal-Demokratischen, Zeitung, Halle, Saale, Zensur
Arbeit zitieren
Achim Baatzsch (Autor), 1997, Die Lizenzierungsgeschichte der Liberal-Demokratischen Zeitung in Halle an der Saale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40887

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Lizenzierungsgeschichte der Liberal-Demokratischen Zeitung in Halle an der Saale


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden