Die Symbolik der Freimaurer in Mozarts "Die Zauberflöte"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was ist „Freimaurerei“?

Allgemeine Notizen zum freimaurerischen Inhalt der Oper

Freimaurerische Zahlensymbolik
Drei, Dreizahl, 3
Achtzehn, 18
Dreißig, 30, und Dreiunddreißig, 33

Weitere freimaurerische Symboliken
Die drei Damen
Die drei Knaben
Beziehungen zwischen den drei Damen und den drei Knaben
Die Priester
„Bewahret Euch vor Weibertücken!“
„Wann also wird die Decke schwinden?“

Quellenangaben

Einleitung

Thema dieser Hausarbeit sind die Symboliken der Freimaurer in der „Zauberflöte“. Ich möchte hier versuchen, die „Zauberflöte“ einmal aus dem „freimaurerischen Blickwinkel“ zu betrachten und einen kleinen Überblick über die zahlreichen Symboliken geben.

Um erst einmal einen Einstieg in das Thema „Freimaurerei“ zu gewährleisten, beginne ich mit einem allgemeinen Überblick, was denn Freimaurerei überhaupt ist, gehe dann dazu über, allgemeine Notizen zur Freimaurerei in der „Zauberflöte“ aufzuführen und teile dann die Symboliken in Zahlensymbolik und weitere freimaurerische Symbolik ein. In den jeweiligen Unterkapiteln möchte dann auf ausgewählte Symbole näher eingehen.

Hauptquelle dieser Hausarbeit ist das „Internationale Freimaurer Lexikon“ von Eugen Lennhoff, Oskar Posner und Dieter A. Binder.

Und gemäß der großen Bedeutung der Zahl 18 in der „Zauberflöte“, umfaßt sogar diese Hausarbeit nach ihrer Fertigstellung 18 Seiten.

Was ist „Freimaurerei“?

Das „allgemeine Handbuch der Freimaurerei“ umschreibt den Begriff folgendermaßen:

„Freimaurerei ist eine Tätigkeit eng verbundener Männer, die unter Anwendung sinnbildlicher, größtenteils dem Maurerhandwerk und der Baukunst entlehnter Formen für das Wohl der Menschheit wirken, indem sie sich und andere sittlich zu veredeln suchen, um dadurch einen allgemeinen Menschheitsbund herbeizuführen, den sie unter sich im kleinen bereits darstellen wollen.“[1]

Doch hören wir die Logen selbst. Die Großloge von Hamburg schreibt in ihrer Verfassung:

„Die Freimaurerei bezweckt in einer zumeist den Gebräuchen der zu Bauhütten vereinigten Werkmaurer entlehnten Form die sittliche Veredelung des Menschen und menschliche Glückseligkeit überhaupt zu fördern. Indem sie von ihren Mitgliedern den Glauben an Gott als den obersten Baumeister aller Welten, an eine höhere sittliche Weltordnung und an die Unsterblichkeit der Seele voraussetzt, verlangt sie von ihnen Betätigung des höchsten Sittengesetzes: ‚Liebe Gott über alles, und Deinen Nächsten wie Dich selbst’.“[2]

Ergänzend dazu sei die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (Verfassung vom 13. Mai 1994) genannt:

„In den Mitgliedslogen der Großloge arbeiten Freimaurer, die in bruderschaftlichen Formen und durch überkommene rituelle Handlungen menschliche Vervollkommnung erstreben. In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten sie ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für die Brüderlichkeit, Toleranz und Hilfsbereitschaft und Erziehung hierzu. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“ (Artikel 2)

„Die Freimaurer sind durch ihr gemeinsames Streben nach humanitärer Geisteshaltung miteinander verbunden; sie bilden keine Glaubensgemeinschaft. Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewußtsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.“ (Artikel 3)[3]

Mozart wurde im Herbst 1784, wahrscheinlich auf Veranlassung seines Freundes Freiherr Otto v. Gemmingen, in die Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ aufgenommen. Er besuchte jedoch auch ständig die Arbeiten der Loge „Zur wahren Eintracht“, deren Stuhlmeister Freiherr Ignatz von Born war. Dort wurde Mozart am 7. Januar 1785 im Delegationsweg zum Gesellen befördert und war einen Monat später bei der Einführung Haydns anwesend.

Auf Veranlassung Mozarts trat auch sein Vater Leopold dem Bund bei und beide, Vater und Sohn, führten einen regen Briefwechsel über die Freimaurerei, der jedoch vom Vater fast vollständig vernichtet wurde.

Bernhard Paumgartner, der Direktor des Salzburger Mozarteums, schreibt über diesen Briefwechsel:

„Zweifellos haben die menschenfreundlichen und großzügigen Bestrebungen der Freimaurer, ihr Kampf gegen Aberglauben und Gewissensenge, die idealen Grundsätze gegenseitiger Förderung und brüderlicher Gleichberechtigung das empfindliche Gemüt Mozarts lebhaft gewonnen.“[4]

Der Einfluß der Freimaurerei auf Mozart mag daher nicht verwunderlich sein. Er schrieb eine Reihe Werke, die unmittelbar zur musikalischen Umrahmung des Rituals gedacht waren – die „Freimaurermusiken“. Und natürlich „Die Zauberflöte“, das „Hohelied der Freimaurerei“[5], in der die freimaurerische Humanitätsidee, die Menschenliebe, verherrlicht wird. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Mozart mit der Figur des Sarastro dem von ihm tief verehrten Freiherrn Ignatz von Born ein Denkmal setzen wollte, denn dessen Logenvortrag über die ägyptischen Mysterien hatte Mozart den Anstoß zur Entstehung der „Zauberflöte“ gegeben.

Allgemeine Notizen zum freimaurerischen Inhalt der Oper

Die Entstehung der „Zauberflöte“ ist eng mit der Freimaurerei verbunden. Mozart traf in der Loge auch Emanuel Schikaneder, von dem das Libretto der Oper stammt und auch Karl Ludwig Giesecke, der manche Anregung zum Textbuch gab.

Die Personen der „Zauberflöte“ haben seither vielerlei Deutung erfahren. Die erste freimaurerische Interpretation stammt von Ludwig von Blatzko, der im „Journal des Luxus und der Moden“ 1794 den Inhalt der Oper im Sinne der „Königlichen Kunst“ als Kampf zwischen Licht und Finsternis erklärte.

Häufig interpretiert man die Person des Sarastro als idealisiertes Portrait des geistigen Hauptes der Wiener Freimaurer, Freiherr Ignatz von Born. Sarastro, der Vertreter edelsten Menschentums – und seine Priester – sind die Vorkämpfer von Weisheit, Schönheit und Stärke, gegenüber dem von der Königin der Nacht personifizierten Reich der Finsternis und des Aberglaubens. Als Vergleich hierzu mag der Schlußchor dienen: „Es siegte die Stärke und krönte zum Lohn, die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron.“

Tamino, ein Prinz, „mehr noch, ein Mensch“ vertritt das suchende, aber noch auf Irrwegen wandelnde Menschentum. Der Weg Taminos zum Reich Sarastros, zum Licht, bedrohen Wasserfluten und ein Meer aus Feuer – ein deutlicher Hinweis auf die Zusammenhänge zwischen freimaurerischer und altägyptischer Einweihungsmysterien, über die Frh. von Born umfassende Studien angestellt hatte.

Zahlreich sind auch die musikalischen Beziehungen der Musik der „Zauberflöte“ zum Ritual und zur Symbolik der Freimaurer. Vom Hauptmotiv der Ouvertüre bis zu der immer wiederkehrenden, freimaurerischen Dreizahl. Doch darauf möchte ich an anderer Stelle eingehen.[6]

Die Aufgabe der Freimaurer ist es, „durch tätige Humanität an der Errichtung des auf Weisheit, Stärke und Schönheit gegründeten Tempels der allgemeinem Menschenliebe“ mitzuwirken. Daß sowohl das Textbuch als auch die Musik der „Zauberflöte“ von der Symbolik der Freimaurer durchdrungen sind, kann jedenfalls nach den Forschungen insbesondere von Alfons Rosenberg, Dieter Kerner, Gunther Duda, vor allem H.C. Robbins Landon und jüngst Helmut Perl nicht mehr bestritten werden.

Der prüfungsreiche Weg Taminos, der vor den Tempeln der Weisheit, der Vernunft und der Natur Einlaß sucht, läßt sich mit dem rituellen Aufnahmeverfahren eines Suchenden in den Kreis der Geweihten vergleichen. Schon das gestochene Titelbild des ersten gedruckten Librettos der „Zauberflöte“ weist mit zahlreichen Symbolen auf diese Zusammenhänge hin.

Die Thematik des Todes und der Todeserfahrung, die die „Zauberflöte“ durchzieht, entspricht ebenso der „Bewältigung“ des Todes, wie sie in den Tempelarbeiten der Freimauerer eingeprägt ist. So lehrt Andreas Stütz 1784 in der „Eintracht“ „über die Reisen des Maurers“:

„Gedenke an den Tod! ruft dem greisen Meister eine ernste Stimme zu. Gedenke an den Tod! flüstern ihm die in Trauer gehüllten Wände, die feyerliche Todesstille, die verhüllten nachdenkenden Angesichter seiner Brüder zu. Tod scheint die Losung, Tod das einzige Ziel seiner Reisen. … Wozu diese Erinnerung, wenn sie ihn nicht zur wahren edlen Thätigkeit aufwecken, wenn sie ihm nicht die Gruft, und durch sie die Aussicht in ein besseres leben öffnen soll, wo der Lohn der Arbeit, wo wahrer Aufschluß erhabener Geheimnisse, wo höhere Meistergrade seiner warten, und ihn zur Vollkommenheit näher rücken werden? Dahinaus, meine Brüder, ziehen die mystischen Reisen, die wir in jedem Grade gemacht haben.“

Geprägt von solcher „Weisheitslehre“ singt der „wissende“ Tamino: „Mich schreckt kein Tod als Mann zu handeln, den Weg der Tugend fortzuwandeln.“ Er antwortet dem Ritual der „Pyramide“, das ihm „zwey geharnischte Männer“ eindrucksvoll vortragen:

„Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden, wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden; wenn er des Todes Schrecken überwinden kann, schwingt er sich aus der Erde himmelan. Erleuchtet wird er dann im Stande sein, sich den Mysterien der Isis ganz zu weihn.“[7]

Auch der Schlußchor verweist auf das Ritual der Johannisfreimaurer, bei dem am Ende einer Logenzusammenkunft eben diese Worte „Weisheit … Schönheit … Stärke“ gefallen wären. Sie bilden auch das zentrale Dreieck des Dreiunddreißigsten Grades des schottischen Freimaurerrituals – eine Parallele oder Erweiterung der Johanniszeremonie.[8]

Bei jeder Neuinszenierung der „Zauberflöte“ stellt sich immer wieder die Frage an den Regisseur und sein Team, inwieweit die aufgezeigten ideologischen Grundlagen des Werkes szenische Realität werden sollen.

[...]


[1] E. Lennhoff/O. Posner/D.A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, München 2000, S. 312; im folgenden: Internationales Freimaurer Lexikon

[2] Internationales Freimaurer Lexikon, S. 311

[3] Internationales Freimaurer Lexikon, S. 311

[4] Internationales Freimaurer Lexikon, S. 582

[5] Internationales Freimaurer Lexikon, S. 582

[6] Internationales Freimaurer Lexikon, S. 924

[7] „Die Zauberflöte“: Zweiter Aufzug, Nr. 21 Finale, 28. Auftritt

[8] Salzbrenner, Udo: Das Rätsel Zauberflöte, im Folgenden: Salzbrenner
Seminar: „Die Opern Mozarts“. Magdeburg 2002.
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/wamo/raetsel.html

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Symbolik der Freimaurer in Mozarts "Die Zauberflöte"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Die Zauberflöte
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V40890
ISBN (eBook)
9783638392914
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Symbolik, Freimaurer, Mozarts, Zauberfloete, Zauberflöte
Arbeit zitieren
Corinna Schumann (Autor), 2003, Die Symbolik der Freimaurer in Mozarts "Die Zauberflöte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40890

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