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Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes

Title: Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des  kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bernadette Ohmer (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

[...] Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Bîspel „Der betrügerische Diener“, das unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes der vom Stricker vertretenen Lehre zur Trunkenheit interpretiert wird. Um an den Text heranzuführen, sollen im folgenden Kapitel knapp der Inhalt und Aufbau des Textes sowie dessen Überlieferung dargestellt werden. Darauf folgt die Darstellung des sozial- und kulturgeschichtlichen Hintergrundes in Form eines kurzen Überblicks zum mittelalterlichen Umgang mit Rauschmitteln allgemein und Wein im speziellen. Zudem beinhaltet Kapitel 3 eine kurze Zusammenfassung weiterer Aussagen des Strickers zum Thema Wein und Trunkenheit. Basierend auf Sabine Böhms Untersuchung „Der Stricker – Ein Dichterprofil anhand seines Gesamtwerkes“ soll dabei versucht werden, die Lehre des Strickers zu diesem Themenbereich zu skizzieren und in die allgemeinen Erkenntnisse zum Weinkonsum im Mittelalter zu integrieren. Kapitel 4 stellt die zentralen moraltheologischen Themen vor, die der Stricker in seinem Bîspel „Der betrügerische Diener“ anspricht. Dabei wird besonders ausführlich auf die Aussagen des Strickers zur Tugend der Mäßigung sowie zu Reue und Busse eingegangen. Gesondert behandelt wird im Anschluss daran der Abschnitt des Bîspels, in dem der Stricker Parallelen zwischen Adam und den maßlosen Trinkern zieht, da sich hier die Strickersche Sünden- und Bußlehre mit dem kirchlichen Dogma der Erbsünde und des Erbtodes verbinden. Auf welche Art und Weise der Stricker seine Lehre vermittelt, wird Thema von Kapitel 6 sein. Dabei wird im ersten Schritt zur Verdeutlichung der Strickerschen Didaktik der Aufbau des Bîspels noch einmal aufgegriffen, um daran die vom Dichter vollzogenen Auslegungsschritte und Parallelsetzungen aufzuzeigen. Der zweite Schritt erläutert die Mittel, die der Stricker einsetzt, um sich die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern und die eigene Autorität in der Lehre zu untermauern. Die dazu gehörenden rhetorischen Mittel, die sowohl dem Schmuck des Textes als auch der Betonung der zentralen Aussagen dienen, stellt Kapitel 7 vor und verdeutlicht damit abschließend die in den Ausführungen herausgearbeiteten Intentionen des Strickers in „Der betrügerische Diener“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überlieferung und Gliederung des Bîspels

3. Kulturgeschichtlicher Hintergrund der Lehre

4. Moraltheologischer Hintergrund der Lehre

4.1. Mäßigkeit und Unmäßigkeit

4.2. Körper und Seele

4.3. Verstand und Wille

4.4. Reue und Buße

4.5. Adams Sünde der Unbußfertigkeit

5. Didaktik

5.1. Aufbau, Parallelsetzungen, Auslegungsschritte

5.2. Mittel zur Steigerung von Aufmerksamkeit und Verständnis

6. Rhetorik und Stilistik

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit interpretiert das Bîspel „Der betrügerische Diener“ des Strickers unter Einbeziehung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Kontextes des Mittelalters, um die Lehre des Dichters zur Trunkenheit zu beleuchten.

  • Darstellung des mittelalterlichen Umgangs mit Wein und Rausch.
  • Analyse der zentralen moraltheologischen Begriffe wie Mäßigkeit, Reue und Buße.
  • Untersuchung der didaktischen und rhetorischen Mittel zur Vermittlung der Lehre.
  • Deutung der Verbindung zwischen Trunkenheit und Erbsünde/Erbtod.
  • Vergleich der Strickerschen Auffassung mit zeitgenössischen biblischen und theologischen Diskursen.

Auszug aus dem Buch

4.3. Verstand und Wille

„Mehr als jeder Dichter vor ihm ruft der Stricker dazu auf, den eigenen Verstand zu benutzen, die wîsheits-Gabe des Heiligen Geistes zu ergreifen und voll auszuschöpfen, um so den von Gott vorbestimmten Sinn des Lebens zu erkennen und mit allen Kräften darauf hinzuarbeiten, das ewige Seelenheil zu erlangen.“

Der Mensch benötigt seinen Verstand, um Gut und Böse unterscheiden zu können, nur so kann er ein gottgefälliges Leben führen. Agricola bestimmt die prudentia im Sinne der dominikanischen Tugendlehre als „christliche Lebensklugheit“. Sie steht, wie er in seinen Ausführungen zeigen kann, im Zentrum der Strickerschen Aussagen. Der Wein nimmt dem Trinkenden den Verstand und macht ihn damit für die Sünde anfällig. „er machet den menschen ane sin; daz ist der groze ungewin: er ist vor gote geswachet, der sich selben unsinnic machet. (Er raubt den Menschen den Verstand; das ist der große Schaden: Der ist vor Gott erniedrigt, der sich selber zum Toren macht.)“ (V. 89f) Hierzu finden sich Parallelen in der Bibel. „Ein Gauner ist der Wein, ein Lärmer der Rauschtrank, und keiner, der von ihnen taumelt, ist ein Weiser.“ (Sprüche 20, 1) „Wein und Most rauben vernünftiges Denken.“ (Hosea 4, 11) Wichtig ist dabei allerdings, dass es dem Menschen freigestellt ist, zu sündigen oder zu bereuen. Aus der Fähigkeit zur Unterscheidung von Gut und Böse resultiert volle Willensfreiheit und Verantwortung für das eigene Verhalten.

Den Zusammenhang zwischen Weingenuss und verantwortlichem Verhalten illustriert auch das folgende Bibelzitat: „[...], wer hat Augen trüb und matt? Die bis spät beim Weine sitzen, [...]. Und du gleichst wohl einem Manne, der da schläft auf hoher See, schläft am Steuer seines Schiffes.“ (Spr. 23, 29. 34) In dieser Bibelstelle ist das offene Meer eine Metapher für die Anforderungen der menschlichen Existenz. Der Wille, diese zu erfüllen, ist beim Trinker so geschwächt wie beim Steuermann des Zitates der Wille zum Überleben oder auch der Wille, dem eigenen Leben die richtige – in diesem Zusammenhang gottgefällige – Richtung zu geben . Doch ohne die freie Willensentscheidung, gottgefällig zu leben, sind alle guten Werke und damit die Hoffnung auf Erlösung nichtig. „der wille kumt von herzen niht, er stecket in des wines kloben! (Der Wille kommt nicht von Herzen, er steckt in des Weines Fessel!)“ (V. 96f) Der freie Wille ist somit unbedingte Voraussetzung zur Erlangung des Seelenheils.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Arbeit, die sich mit dem Bîspel „Der betrügerische Diener“ und der Lehre des Strickers zur Trunkenheit befasst.

2. Überlieferung und Gliederung des Bîspels: Vorstellung der Handschrift A und des strukturellen Aufbaus des Gedichtes in Bildteil und Auslegungsteil.

3. Kulturgeschichtlicher Hintergrund der Lehre: Überblick über den Weinkonsum im Mittelalter sowie die religiöse und soziale Bedeutung des Weines.

4. Moraltheologischer Hintergrund der Lehre: Detaillierte Analyse der theologischen Kernaspekte wie Mäßigkeit, Körper/Seele-Dualismus, Willensfreiheit und Bußlehre.

5. Didaktik: Erläuterung der Methoden des Strickers, um den Rezipienten eine moralische Lehre zu vermitteln.

6. Rhetorik und Stilistik: Analyse der rhetorischen Mittel und literarischen Stilmittel zur Unterstützung der inhaltlichen Aussagen.

7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur moralisch-didaktischen Intention des Strickers.

Schlüsselwörter

Der Stricker, Der betrügerische Diener, Bîspel, Mittelalter, Trunkenheit, Mäßigkeit, Moraltheologie, Seelenheil, Buße, Reue, Sünde, Willensfreiheit, Didaktik, Weinkonsum, Erbsünde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das mittelalterliche Lehrgedicht „Der betrügerische Diener“ des Strickers und analysiert, wie der Autor das Thema der Trunkenheit unter moraltheologischen und kulturgeschichtlichen Aspekten beurteilt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Sünden- und Bußlehre des Strickers, der mittelalterliche Umgang mit Alkohol, der Körper-Seele-Dualismus sowie die Bedeutung von Vernunft und freiem Willen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist eine Textanalyse und Interpretation, die verdeutlicht, wie der Stricker die Gefahr des übermäßigen Weinkonsums für das Seelenheil theologisch und literarisch untermauert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?

Es handelt sich um eine philologische Textanalyse, die den Text des Strickers in den Kontext zeitgenössischer theologischer Schriften, biblischer Bezüge und historischer Lebensverhältnisse des Mittelalters stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-kulturelle Einordnung, eine tiefgehende Analyse moraltheologischer Themen (wie die Mäßigkeit oder Adam als Sünder) sowie eine Untersuchung der rhetorischen und didaktischen Stilmittel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind: Der Stricker, Trunkenheit, Moraltheologie, Seelenheil, Mäßigkeit (mâze), Didaktik und Bußlehre.

Warum spielt der Vergleich mit Adam im Bîspel eine so zentrale Rolle?

Der Stricker nutzt den Vergleich mit Adam, um das Versagen der Trinker in ihrer Unbußfertigkeit zu verdeutlichen, da Adam ebenfalls seine Schuld nicht eingestehen wollte, was für den Stricker die Ursünde darstellt.

Welche Bedeutung kommt dem Wein in diesem Bîspel zu?

Der Wein wird allegorisch als Dieb personifiziert, der den Menschen heimlich den Verstand, die Lebenskraft und letztlich das Seelenheil stiehlt, weshalb der Stricker den maßlosen Konsum scharf verdammt.

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Details

Title
Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Der Stricker - Geistliche und 'weltliche' Bîspel
Grade
1,0
Author
Bernadette Ohmer (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V40903
ISBN (eBook)
9783638393010
Language
German
Tags
Stricker Diener Textanalyse Berücksichtigung Hintergrundes Stricker Geistliche Bîspel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernadette Ohmer (Author), 2003, Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40903
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