Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Überlieferung und Gliederung des Bîspels

3. Kulturgeschichtlicher Hintergrund der Lehre

4. Moraltheologischer Hintergrund der Lehre
4.1. Mäßigkeit und Unmäßigkeit
4.2. Körper und Seele
4.3. Verstand und Wille
4.4. Reue und Buße
4.5. Adams Sünde der Unbußfertigkeit

5. Didaktik
5.1. Aufbau, Parallelsetzungen, Auslegungsschritte
5.2. Mittel zur Steigerung von Aufmerksamkeit und Verständnis

6. Rhetorik und Stilistik

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es ist besser, mit Vernunft Wein zu trinken, als mit Hochmut Wasser.“[1] Auf diese wohlwollende Art äußert sich der Bischof Palladius von Hellenopolis Anfang des 5. Jahrhunderts zum Genuss von Wein. Er spricht damit ein Thema an, dem sich auch der Stricker 800 Jahre später noch widmet: Solange die Menschheit den Alkohol kennt, hat sie sich über die Menge, die getrunken werden darf, Gedanken gemacht.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Bîspel „Der betrügerische Diener“, das unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes der vom Stricker vertretenen Lehre zur Trunkenheit interpretiert wird.

Um an den Text heranzuführen, sollen im folgenden Kapitel knapp der Inhalt und Aufbau des Textes sowie dessen Überlieferung dargestellt werden. Darauf folgt die Darstellung des sozial- und kulturgeschichtlichen Hintergrundes in Form eines kurzen Überblicks zum mittelalterlichen Umgang mit Rauschmitteln allgemein und Wein im speziellen. Zudem beinhaltet Kapitel 3 eine kurze Zusammenfassung weiterer Aussagen des Strickers zum Thema Wein und Trunkenheit. Basierend auf Sabine Böhms Untersuchung „Der Stricker – Ein Dichter- profil anhand seines Gesamtwerkes“ soll dabei versucht werden, die Lehre des Strickers zu diesem Themenbereich zu skizzieren und in die allgemeinen Erkenntnisse zum Weinkonsum im Mittelalter zu integrieren. Kapitel 4 stellt die zentralen moraltheologischen Themen vor, die der Stricker in seinem Bîspel „Der betrügerische Diener“ anspricht. Dabei wird besonders ausführlich auf die Aussagen des Strickers zur Tugend der Mäßigung sowie zu Reue und Busse eingegangen. Gesondert behandelt wird im Anschluss daran der Abschnitt des Bîspels, in dem der Stricker Parallelen zwischen Adam und den maßlosen Trinkern zieht, da sich hier die Strickersche Sünden- und Bußlehre mit dem kirchlichen Dogma der Erbsünde und des Erb- todes verbinden.

Auf welche Art und Weise der Stricker seine Lehre vermittelt, wird Thema von Kapitel 6 sein. Dabei wird im ersten Schritt zur Verdeutlichung der Strickerschen Didaktik der Aufbau des Bîspels noch einmal aufgegriffen, um daran die vom Dichter vollzogenen Auslegungsschritte und Parallelsetzungen aufzuzeigen. Der zweite Schritt erläutert die Mittel, die der Stricker einsetzt, um sich die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern und die eigene Autorität in der Lehre zu untermauern.

Die dazu gehörenden rhetorischen Mittel, die sowohl dem Schmuck des Textes als auch der Betonung der zentralen Aussagen dienen, stellt Kapitel 7 vor und verdeutlicht damit abschließend die in den Ausführungen herausgearbeiteten Intentionen des Strickers in „Der betrügerische Diener“.

1. Überlieferung und Gliederung des Bîspels

Das Bîspel „Der betrügerische Diener“ ist ausschließlich in Handschrift A, dem Codex Vindob. 2705 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, überliefert. Die Entstehung der Handschrift wird auf den Zeitraum zwischen 1260 und 1290 datiert. Damit ist sie die älteste der Stricker-Handschriften. Moelleken bezeichnet die Handschrift als „die ursprünglichste, verläßlichste und reichhaltigste Strickerhandschrift. Sie ist in bayrisch-österreichischem Dialekt verfaßt und enthält“ nahezu „die gesamte dem Stricker zugeschriebene Kleindichtung.“[2]

„Der betrügerische Diener“ beginnt mit einem Bildteil von 26 Versen, in denen aus auktorialer Erzählperspektive die Geschichte eines Herrn und seines Dieners geschildert wird. Die ersten elf Verse zeichnen das positive Bild des Dieners, der dem Augenschein nach ausnehmend tüchtig ist. Die Formulierung „er diente so vil ze blicke [...] (Dem Anschein nach diente er so viel [...])“ (V. 7) deutet bereits auf die folgenden Verse hin, in denen die Darstellung durch ein negatives Bild kontrastiert wird, das zeigt, dass der Diener realiter ein Betrüger ist. Der reiche Herr vertraut seinem Diener so sehr, dass er ihn sein Eigentum hüten lässt. Der Diener stiehlt ihm jedoch sein gesamtes Hab und Gut, daraufhin geht der Herr an der durch sein ungerechtfertigtes Vertrauen entstandenen Armut zugrunde.

Der Bildteil wird in zwei großen Schritten ausgelegt: Im ersten Auslegungsschritt, der die Verse 27 bis 88 umfasst und den allegorischen Auslegungsteil bildet, widmet sich der Stricker Ausführungen zum maßlosen Trinken und dessen Auswirkungen auf Körper und die Fähigkeiten der Sinne. Der zweite Auslegungsschritt, der die Verse 89 bis 180 umfasst und den moraltheologischen Auslegungsteil bildet, legt die Auswirkungen auf Verstand und Seele dar.

Auf den Bildteil und eine kurze Überleitung zur Allegorese folgt in den Versen 30 bis 34 die Rollenzuweisung.

Der Diener steht in diesem Bîspel für den Wein und der Herr entspricht dem maßlosen Trinker, dessen Leben der Schatz des Herrn ist. In den nächsten fünfzehn Versen beschreibt der Stricker das maßlose Trinken genauer: Der Trinker isst, um mehr trinken zu können. Dies tut er auch, wenn er dazu das Fastengebot brechen muss. Hier deuten sich bereits die umfassenden negativen Folgen an, die dem Trinker durch das Vertrauen in den Wein entstehen. Das maßlose Trinken bewirkt einen unstillbaren Durst, der durch den Wein entsteht und deshalb auch nicht durch Wein zu löschen ist.

In den Versen 51 bis 63 zeigt der Stricker die Parallelen zwischen dem Verhältnis des Herrn zu seinem Diener und dem Verhältnis des Trinkers zum Wein auf. Der Trinker vertraut dem Wein seinen „hort (Schatz)“ (V. 55) an, ebenso wie der Herr seinem Diener. Dieser Schatz ist der Körper und die geistigen Fähigkeiten des Trinkers, „[...] an dem beide hie unde dort sin saelde und alle sin ere stat: ([...] an dem sowohl hier wie auch dort, sein Heil und alle seine Ehre hängt:)“ (V. 56f) Der Besitz des Herrn aus dem Bildteil wird mit dem Leben des Trinkers gleichgesetzt, der übermäßige Genuss des Weines führt zu körperlichem Verfall und Armut und – wie sich in den zitierten Versen bereits andeutet – letztlich zum Verlust des Seelenheils. Ab Vers 64 wird die Betrugskunst vom Dieb auf den Wein übertragen und der verfrühte Alterungsprozess durch übermäßigen Weinkonsum beschrieben. Die Allegorese wird in den Versen 82 bis 88 zusammengefasst: Der Wein ist ein ebenso geschickter Dieb wie der Diener aus dem Bildteil. Er stiehlt dem Menschen unbemerkt die Lebenskraft und wird dafür auch noch geliebt und gelobt.

Mit den Versen 89 bis 100 beginnt der moraltheologische Auslegungsteil; sie umfassen die zentrale Aussage des Textes.[3] Der Wein wird als Fessel von Wille und Verstand bezeichnet und der Trinker macht sich vor Gott zum Toren. „der wille kumt von herzen niht, er stecket in des wines kloben! (Der Wille kommt nicht von Herzen, er steckt in des Weines Fessel!)“ (V. 96f) Da aber der Wille in der Trunkenheit nicht frei ist, werden gute Werke, die betrunken begangen werden, von Gott nicht anerkannt.

Der zweite Schritt der Auslegung drückt im Anschluss die Sorge um das Seelenheil des Trinkers aus (V. 101-107), denn die Seele wird Gott durch die Trunkenheit gestohlen.. Armut von Körper und Seele ergeben sich aus dem Vertrauen in den Wein ebenso wie im Bildteil die Armut dem Vertrauen in den betrügerischen Diener folgte.

Dies beschreibt der Stricker ab Vers 108 in einer hyperbolischen Darstellung des maßlosen Trinkens, deren Höhepunkt die Feststellung bildet, dass der Wein dem Trinker das lange Leben stiehlt: „swaz im ze lebene ist gegeben, des enlebet er niht das halbe teil. (Was ihm an Leben gegeben ist, davon lebt er nicht einmal die Hälfte.)“ (V. 124f) Doch vor allem da der Wein auch das Seelenheil stiehlt, führt er in die Armut: „er stirbet armecliche, der niht kumet ze gotes riche! (Der stirbt arm, der nicht in Gottes Reich kommt!)“ (V. 131f) Besonders schlimm ist das maßlose Trinken bei Menschen, die von vorneherein mit geringer Verstandeskraft ausgestattet sind, diese werden durch die Trunkenheit vollständig verwirrt.

Einen Vergleich mit Adams Sünde der Unbußfertigkeit zieht der Autor in den Versen 139 bis 162. Menschen, die trinken, aber von sich behaupten, dass sie nicht betrunken sein wollen, sündigen ebenso wie Adam, der seine Schuld nicht eingestehen wollte, sondern sie Eva gab. So kam das Leid in die Welt. Adam hätte dies durch das Eingeständnis seiner Schuld verhindern können. Auch heute zeigt Gott jedem, der die Größe seiner Schuld nicht erkennt, deren wahres Ausmaß.

Die Parallelismen der Verse 163 bis 174 verdeutlichen, wie die Trunkenheit sämtliche Charaktereigenschaften und Handlungen der Trinkers vereinnahmt. Die Antonyme zeigen, dass jegliche Tat voller Wein, der Trunkenheit zugeschrieben wird. In der abschließenden Conclusio greift der Stricker implizit noch einmal auf den Vergleich mit Adams Unbußfertigkeit zurück. Er verleiht der Überzeugung Ausdruck, dass ohne Reue keine Vergebung möglich sei. Dies bedeutet, dass die Trinker zuerst ihre Trunkenheit als Sünde erkennen und bereuen müssten, um erlöst zu werden.

Wie der Weinkonsum und der Rausch im Mittelalter allgemein beurteilt wurden und welche weiteren Aussagen zur Trunkenheit sich im Werk des Strickers finden, wird das Thema des folgenden Kapitels sein.

2. Kulturgeschichtlicher Hintergrund der Lehre

Der Wein gehörte, wie Bier und Met in nördlichen Regionen, im Mittelalter zwar zu den Grundnahrungsmitteln, galt aber gleichzeitig auch als Rauschmittel. Branntweindestillation war zwar bereits seit dem 11./12. Jahrhundert bekannt, breitete sich aber erst ab dem 14. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich aus.

Stark berauschende Wirkung hatten die beliebten Gewürzweine, denen verschiedene Kräuter wie beispielsweise das Bilsenkraut zugesetzt waren.[4]

Die liturgische Bedeutung des Weines in der Eucharistie-Feier war für die Ausbreitung des Weinbaus im frühen und hohen Mittelalter verantwortlich und machte die absolute Verdammung des Weines unmöglich. „Dank ihrer bibl[ischen] Symbolik waren Rebstock, Traube und W[ein] in Liturgie und rituellen Handlungen präsent und prägten in zahlreichen Lebensvollzügen Feste und Brauchformen.“[5] Im Bîspel „Vom Heiligen Geist“ wird der Wein vom
Stricker aus diesem Grund auch positiv dargestellt, da er zu den Qualitäten des Heiligen Geistes gerechnet wird. Der Stricker verurteilt also nur die Trunkenheit, nicht den Wein als solches. Auch Thomas von Aquin bestätigt später in seinem Hauptwerk „Summa theologica“ den Wein als integralen Bestandteil der christlichen Liturgie:

„Das Sakrament der Eucharistie kann nur mit Wein von Trauben statthaben, denn so ist es der Wille Jesu Christi, der Wein für dieses Sakrament bestimmte [...] und auch weil der Wein von Trauben in gewisser Weise das Bild des Wirkens dieses Sakraments ist. Hiermit meine ich spirituelle Freude, denn es steht geschrieben, daß der Wein des Menschen Herz erfreut.“[6]

Auch als Heilmittel wurden Trauben und Wein im Mittelalter benutzt.[7] „Guter und teurer W[ein] gehörte ferner zu jenem Aufwand, der bei repräsentativen Mahlgemeinschaften den Status von Gastgebern und Gästen zum Ausdruck brachte. W[ein] war zudem als Geschenk ein beliebtes Mittel von Repräsentation und Diplomatie.“[8]

Ein Überblick über weitere Strickersche Texte, in denen der Autor Wein bzw. Trunkenheit thematisiert oder auch einfach erwähnt, soll ein differenzierteres Bild der Lehre des Strickers zu diesem Themenbereich aus dem Blickwinkel seines Gesamtwerkes ermöglichen.

Neben dem Bîspel „Der betrügerische Diener“ thematisiert auch das Bîspel „Ein Beispiel Salomons“ die Gefahr für das Seelenheil des Trinkers. Zentrales Bild ist in diesem Text, dass Gott aus seinem Haus, dem menschlichen Herzen, durch drei Dinge vertrieben wird:

Diese drei Dinge sind „der trouf, der ruche, daz ubel wip (der Tropfen, der Rauch und die zänkische Frau)“[9] Die Trunkenheit ist wie ein undichtes Dach, und Gott möchte – in der Darstellung des Strickers – nicht in einem Haus leben, in dem es von der Decke tropft. Ute Schwab weist auf den biblischen Hintergrund der Aufzählung hin, das Sprüche 19, 13 und 27, 15 folgt.[10] In beiden Stellen wird das Unglück eines tropfenden Daches mit dem einer streitsüchtigen Frau gleichgesetzt.

„Der unbelehrbare Zecher“ ist eine Rede, in der der Trinker das höfische Vokabular der
freude benutzt, die ere allerdings, ein für den Stricker zentraler Wertbegriff, völlig verwirft und schließlich die minne verschmäht.[11] Die Wirkung des Dialoges zwischen dem Zecher und einem Freund, der ihn erfolglos zur Abkehr von seinem momentanen Lebensstil zu bewegen sucht, beschreibt Sabine Böhm als „komisch-parodistisch“.[12]

In der Maere „Die Martinsnacht“ wird der betrunkene Bauer zum Opfer eines Betruges durch einen als Sankt Martin verkleideten Viehdieb.[13] Der Grund für seine Leichtgläubigkeit ist, dass ihm jegliches Urteilsvermögen fehlt, da er betrunken ist.[14] Durch die Lächerlichkeit seines Verhaltens wird er zur Zielscheibe des Spottes durch das Publikum, so dass – wie Sabine Böhm betont – die Verdammung des übermäßigen Weingenusses erhalten bleibt, obwohl der Erzähler die Handlung nicht kommentiert.[15] Ohne Kommentar des Erzählers ist auch die Erzählung „Der durstige Einsiedel“, in der sowohl der Einsiedler als auch die von ihm betrogenen Dorfbewohner der Lächerlichkeit preisgegeben werden. In beiden Fällen lässt der Stricker die Handlung für sich selbst sprechen, was die Rezipienten dazu auffordert, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

„Der Stricker zeigt sich häufig als ein tief religiöser Mensch, der aufrichtig Anteil an seinen Mitmenschen nimmt und sie zu ihrem Besten belehren will. Manchmal aber zieht er sich hinter seine Texte zurück, die dann eine eindeutige Lehre verweigern oder gar mit dem Rezipienten zu spielen scheinen.“[16]

In „Der durstige Einsiedel“ findet sich die Formulierung „teufels kloben (Fesseln des Teufels)“[17], die darauf hindeutet, dass der Stricker die Trunkenheit zu den Versuchungen des Teufels zählt.

Eine ähnliche Formulierung benutzt der Stricker in „Der betrügerische Diener“, wenn er sagt, dass der Wille des Trinkers „[...] in des wines kloben [...] ([...] in des Weines Fessel [...])“ (V. 97) steckt. Mit Blick auf die erste Textstelle ließe sich sagen, dass der Wille nun Opfer der teuflischen Versuchung geworden ist.

Im „Ehescheidungsgespräch“ gibt der Ehemann die Trunkenheit als Begründung für sein vorgängiges Fehlverhalten an. Er wollte sich von seiner Frau scheiden lassen, da sie ihm im betrunkenen Zustand unerträglich erschienen war. Diesem Bîspel ist mit „Die Martinsnacht“ oder auch „Der Gast und die Wirtin“ gemein, dass in beiden die Trunkenheit aufgrund ihrer praktischen negativen Auswirkungen verdammt wird.

In „Der geprüfte Diener“ und „Die törichten Pfaffen“ ist das übermäßige Trinken als ein Laster neben anderen thematisiert, die alle zu den Versuchungen des Teufels gehören.

Sabine Böhm äußert sich zusammenfassend über die Darstellung der Trunkenheit beim Strikker:

„Wenn man aber alle Texte, in denen z.B. Trunksucht thematisiert wird, nebeneinander hält, ergibt sich doch ein Meinungsbild des Strickers, bei dem (spöttisches) Verständnis für die Schwächen der Menschen gelegentlich im Vordergrund stehen kann. Der Stricker versucht, auch Gegenpositionen so überzeugend wie möglich darzustellen, und verlangt auf diese Weise von seinen Rezipienten, sich selbst Gedanken zu machen, d.h. selbst eine Entscheidung über die Gründe und die Angemessenheit des vorgeführten Verhaltens zu fällen.“[18]

Wenn man von der Häufigkeit ihrer Erwähnung in den Strickerschen Texten ausgeht, scheint die Trunkenheit ein wichtiges Problem des Mittelalters gewesen zu sein. Theologische Streitschriften gegen den Missbrauch von Alkohol finden sich allerdings erst im 16. Jahrhundert. Früher finden sich aber schon Verordnungen von Orden gegen den Abusus.[19]

„W[ein] war in Mittel- und W[est]-Europa innerhalb der Anbaugebiete mit verdichteten Rebarealen und bei ausreichenden Vorräten zwar Grundnahrungsmittel, außerhalb der W[ein]baugebiete jedoch stets der Trink- und Esskultur der Oberschicht vorbehalten. [...] Für die gehobenen bürgerl[ichen] Haushalte in spätm[ittelalterlichen] Großstädten Oberd[eutschlands] ist ein durchschnittl[icher] Verbrauch pro Tag und Kopf von 1,3 Litern W[ein] errechnet worden.“[20]

[...]


[1] Zitiert nach: Schreiber, Georg: Deutsche Weingeschichte – Der Wein in Volksleben, Kult und Wirtschaft. Köln 1980. S. 459.

[2] Moelleken, Wolfgang Wilfried: Die Kleindichtung des Strickers. Band I: Einleitender Teil und Gedicht Nr. 1 – 10. Göppingen 1973. S. XXII.

[3] Vgl. Schwab, Ute (Hrsg.): Die bisher unveröffentlichten geistlichen Bîspelreden des Strickers. Göttingen 1959. S. 273.

[4] Vgl. Kuhlen, F.-J.: Rauschmittel. In: Lexikon des Mittelalters 7. CD-ROM-Ausgabe. Stuttgart, Weimar 2000. Sp. 479 - 480.

[5] Kislinger, F.: Ursprung, Verbreitung und Entwicklung des Weinbaus. In: Lexikon des Mittelalters 8. Sp. 2116-2119.

[6] Thomas von Aquin: Summa theologica 3. Treatise on the Sacraments. 1928 London. Zitiert nach: Johnson, Hugh: Weingeschichte. Bern 1990. S. 81.

[7] Vgl. Wunderer, Regina: Weinbau und Weinbereitung im Mittelalter. Bern 2001. S. 177f.

[8] Vgl. Kislinger, F.: Ursprung, Verbreitung und Entwicklung des Weinbaus. In: Lexikon des Mittelalters 8. Sp. 2116-2119.

[9] Moelleken, Wolfgang Wilfried: Die Kleindichtung des Strickers. Band IV: Gedicht Nr. 105- 138. Göppingen 1977. S. 154.

[10] Vgl. Schwab, Ute (Hrsg.): Die bisher unveröffentlichten geistlichen Bîspelreden des Strickers. S. 273.

[11] Vgl. Böhm, Sabine: Der Stricker. Ein Dichterprofil anhand seines Gesamtwerkes. Frankfurt a.M. 1995. S. 107.

[12] Böhm, Sabine: Der Stricker. S. 107.

[13] Vgl. Böhm, Sabine: Der Stricker. S. 114.

[14] Vgl. Agricola, Eberhard: Die Prudentia als Anliegen der Stricker’schen Schwänke. In: Frings, Theodor/ Karg-Gasterstädt, Elisabeth (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 77. Halle 1955. S. 202.

[15] Vgl. Böhm, Sabine: Der Stricker. S. 114.

[16] Ebd., S. 11.

[17] Moelleken, Wolfgang Wilfried: Die Kleindichtung des Strickers. Band I. S. 119.

[18] Böhm, Sabine: Der Stricker. S. 116.

[19] Vgl. Jüttner, G.: Alkohol. In: Lexikon des Mittelalters 1. Sp. 416-417.

[20] Matheus, M.: Weinsorten und Weinverbrauch. In: Lexikon des Mittelalters 8. Sp. 2120-2121.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Der Stricker – Geistliche und „weltliche“ Bîspel
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V40903
ISBN (eBook)
9783638393010
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stricker, Diener, Textanalyse, Berücksichtigung, Hintergrundes, Geistliche, Bîspel
Arbeit zitieren
Bernadette Ohmer (Autor), 2003, Der Stricker: 'Der betrügerische Diener'. Textanalyse und -interpretation unter besonderer Berücksichtigung des kulturgeschichtlichen und moraltheologischen Hintergrundes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40903

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