Die alliierte Deutschlandpolitik war stets von global-strategischen Politik-Konzepten der beteiligten Mächte abhängig, die Verhandlungen beinhalteten natürlich auch immer zahlreiche Fragen der künftigen Weltordnung. Auf den Kriegskonferenzen in Teheran und in Jalta erzielten die „Großen Drei“ (Roosevelt, Churchill, Stalin) kaum Einvernehmen über die Vorgehensweise bezüglich Deutschland nach der von ihnen geforderten bedingungslosen Kapitulation. Einig war man, neben dem, dass es Reparationszahlungen geben sollte, nur darin, dass die Nationalsozialisten auszurotten seien und die Deutschen zur Demokratie erzogen werden müssen und außer Stande gesetzt werden sollten je wieder den „Weltfrieden“ zu stören. Niemand wollte die Fehler, die nach dem ersten Weltkrieg begangen waren, wiederholen. Damals hatte man nichts wirklich Wirksames übernommen, um das „ruhelose Reich“ (Michael Stürmer), die „nervöse Großmacht“ (Volker Ulrich), dauerhaft in eine europäische Ordnung einzubinden.
Die Arbeit erzählt anhand der wichtigsten Konferenzen und Verträge den schwierigen Weg der Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg in die Souveränität.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vom Krieg zum Grundgesetz: 1945-1949
2.1 Die Konferenz von Teheran und die EAC
2.2 Die Konferenz von Jalta
2.3 Kriegsende und die Berliner Erklärung
2.4 Die Vereinbarungen von Potsdam
2.5 Die 4 Konferenzen des Alliieren Kontrollrates
2.6 Londoner Sechs-Mächte-Konferenz
2.7 Die Rolle des Marshallplans für die Entstehung der BRD
2.8 Die Frankfurter Dokumente
2.9 Währungsreform und Berlin-Blockade
2.10 Beratung der Frankfurter Dokumente
2.11 Das Deutsche Grundgesetz
3 Gründerjahre: 1949-1955
3.1 Die Alliierte Hohe Kommission
3.2 Anhaltende Demonationen
3.3 Der Schuman-Plan
3.4 Die Bundesrepublik auf dem Weg zur Souveränität
4 Bilanz
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1955. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die alliierte Deutschlandpolitik, der beginnende Kalte Krieg und die Bemühungen der deutschen Akteure den Weg zur staatlichen Souveränität und Westbindung ebneten.
- Alliierte Konferenzen (Teheran, Jalta, Potsdam) und deren Auswirkungen auf Deutschland
- Die Rolle der Währungsreform und der Berlin-Blockade für die Westorientierung
- Der Entstehungsprozess des Grundgesetzes und die Rolle des Parlamentarischen Rates
- Wirtschaftliche Konsolidierung und der Einfluss des Marshallplans
- Der Weg zur souveränen Bundesrepublik und die Einbindung in internationale Strukturen
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Vereinbarungen von Potsdam
Beim Treffen in Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 einigten sich Truman, Churchill (bzw. ab 28. Juli Attlee) und Stalin auf den Fortbestand des Deutschen Reiches. Deutschland sollte als wirtschaftliche Einheit behandelt werden. (Morsey, 1995, S. 2 f)
Unstrittig war bei der Konferenz die Errichtung eines „Rates der Außenminister“ der Alliierten, welcher die weitere gemeinsame Politik koordinieren sollte. Außerdem einigte man sich auf die „vier großen D“, die für Denazifizierung, Demokratisierung, Demilitarisierung und Dezentralisierung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet standen. Um die „Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen“ sollte sich der alliierte Kontrollrat kümmern, für welchen das Prinzip der Einstimmigkeit in allen Entscheidungen festgelegt wurde. Ansonsten konnten die Besatzungsmächte in ihren eigenen Zonen nach eigenem beziehungsweise dem Ermessen ihrer Regierungen handeln.
Nach Jalta und in den Verhandlungen der EAC konnte auch in Potsdam keine Einigung über die Reparationszahlungen erzielt werden. Grundsätzlich wurde jedoch festgelegt, dass jede Besatzungsmacht ihre Ansprüche aus der eigenen Zone befriedigen sollte.
Die Vereinbarungen von Potsdam waren großteils unpräzise, so dass sie später oft unterschiedlichen interpretiert wurden. Bezeichnenderweise blieb auch der rechtliche Status der Vereinbarungen umstritten. Eine verkürzte Fassung des Konferenzprotokolls wurde zwar im Amtsblatt des Alliierten Kontrollrates veröffentlicht, die Vereinbarungen hatten aber nie vollständigen völkerrechtlichen Charakter, da sie kein Parlament der beteiligen Demokratien je passiert haben. (Halder, 2002, S. 36 ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die global-strategischen Politik-Konzepte der Alliierten und das Bestreben, Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in eine europäische Ordnung einzubinden.
2 Vom Krieg zum Grundgesetz: 1945-1949: Dieser Abschnitt beschreibt die komplexen diplomatischen Verhandlungen zwischen den Alliierten sowie die wegweisenden Ereignisse, die zur Teilung Deutschlands und zur Ausarbeitung des Grundgesetzes führten.
3 Gründerjahre: 1949-1955: In diesem Kapitel wird der Aufbau der neuen Bundesregierung, die Lockerung des Besatzungsregimes und die schrittweise Erlangung der staatlichen Souveränität analysiert.
4 Bilanz: Das Fazit reflektiert Adenauers außenpolitischen Kurs der Westintegration und diskutiert die Folgen für die deutsche Teilung und die spätere Entwicklung der Bundesrepublik.
Schlüsselwörter
Bundesrepublik Deutschland, Alliierte, Grundgesetz, Kalter Krieg, Potsdamer Konferenz, Marshallplan, Währungsreform, Berlin-Blockade, Parlamentarischer Rat, Souveränität, Westbindung, Besatzungsstatut, Konrad Adenauer, Teilung, Deutschlandpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland von der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945 bis zur Erlangung der Souveränität im Jahr 1955.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die alliierte Besatzungspolitik, die diplomatischen Spannungen des Kalten Krieges, die wirtschaftliche Konsolidierung und der verfassungsrechtliche Weg zum neuen deutschen Staat.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das politische System der Bundesrepublik im Spannungsfeld zwischen alliierter Kontrolle und dem Bestreben nach Selbstverwaltung entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die relevante Dokumente, Konferenzprotokolle und wissenschaftliche Fachliteratur zur deutschlandpolitischen Entwicklung auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der schrittweisen Konsolidierung der Westzonen, den Prozess der Grundgesetzgebung und die Etablierung der neuen Regierungsstrukturen unter Adenauer.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Wesentliche Begriffe sind die Westintegration, der Kalte Krieg, das Grundgesetz, die Rolle der Alliierten und der Prozess der staatlichen Souveränitätswerdung.
Welche Rolle spielte der Marshallplan für die Entstehung der BRD?
Der Marshallplan förderte den wirtschaftlichen Wiederaufbau und band Westdeutschland strategisch in das westliche Wirtschaftssystem ein, was die Position gegenüber den Alliierten stärkte.
Warum war der Begriff "Parlamentarischer Rat" statt "verfassungsgebende Versammlung" so wichtig?
Die deutschen Akteure wollten bewusst den vorläufigen Charakter des neuen Staates betonen, um die Option einer gesamtdeutschen Lösung für die Zukunft offen zu halten.
Wie bewertet die Arbeit Adenauers Deutschlandpolitik in der Bilanz?
Die Bilanz hinterfragt kritisch, ob Adenauers Kurs zur Westbindung die deutsche Teilung vertieft hat oder ob er die einzig realistische Option für den Aufbau der jungen Bundesrepublik darstellte.
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- Mag. Viktoria Lehner (Author), 2005, Zwei deutsche Staaten: Zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40936