Ein einzigartiger Fall in der Geschichte deutscher Literatur:
Mehr als hundert Jahre nach dem Tode eines bedeutenden Schriftstellers erscheinen zum ersten Male dessen „Sämtliche Werke“! Weniger zu den Vergessenen als vielmehr zu den Verschwiegenen zählte bislang dieser Autor. Wesentliche Züge deutscher Geschichte spiegeln sich in seinem Leben und Schaffen, aber auch in der Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte seiner Schöpfungen wider.1
Dieses Zitat Walter Dietzes fasst in wenigen Worten das zusammen, was Georg Weerth so interessant macht. Es klingt aber zudem an, dass er ein Autor ist, der heute auch vielen Literaturwissenschaftlern kein Begriff ist. Dies spiegelt sich deutlich in der Literatur wider, die sich mit dem Schriftsteller beschäftigt. Die Quellenlage ist sehr übersichtlich, und das obwohl Friedrich Engels, einer der bekanntesten deutschen Philosophen, Weerth als den ersten und bedeutendsten Dichter des deutschen Proletariats bezeichnet hat. Die vorliegende Arbeit soll keineswegs daran anknüpfen, dass die Werke dieses Autors nicht die Beachtung gefunden haben, die sie sicherlich verdient hätten. Vielmehr soll hier der Versuch unternommen werden zu skizzieren, wie Georg Weerth seine Zeit wahrgenommen und beurteilt hat und wie sich diese Epoche der Restauration und Revolution in seinen Werken wiederfindet.
Zunächst sollen das Leben und der Werdegang des Dichters näher betrachtet werden. Darin spielen vor allem seine Handelstätigkeit und die Freundschaft mit Marx und Engels sowie seine Zugehörigkeit zum Bund der Deutschen Kommunisten eine tragende Rolle in seinem Schaffen. Um diese Fragestellung zu entwickeln ist es auch nötig, sich eingehend mit der Zeit von der industriellen Revolution bis zu der von 1848 auseinander zu setzen. Allerdings sollen die Biographie Weerths und der zeitliche Hintergrund nicht losgelöst von seinen Werken gesehen werden. In diesen Kapiteln werden vor allem einige seiner Gedichte, aber auch Auszüge aus seinen Briefen mit einfließen. Schließlich soll exemplarisch sein Prosawerk Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben untersucht werden. Es steht in dieser Arbeit stellvertretend für den satirischen Stil Georg Weerths. Anschließend soll der Versuch unternommen werden zusammenfassend zu umreißen, wie der Dichter seine Zeit gesehen und beurteilt hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Gedanken
Biographie
Die Revolution von 1848/49
Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben als bürgerliche Satire über die Revolution 1848
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Weerth als kritischen Betrachter seiner Zeit sowie der Revolution von 1848/49. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Weerth die politischen und sozialen Missstände des Vormärz und der Revolutionsjahre wahrgenommen, beurteilt und in seinem lyrischen sowie prosaischen Werk satirisch verarbeitet hat.
- Biographische Analyse von Georg Weerths Leben und seiner Prägung durch das Handelswesen.
- Untersuchung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe der Industriellen Revolution.
- Analyse von Weerths politischer Haltung im Kontext der Revolution von 1848/49.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Prosawerk "Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben".
- Darstellung der satirischen Entlarvung bürgerlicher Moral und kapitalistischer Strukturen.
Auszug aus dem Buch
Die Revolution von 1848/49
Von 1840 an beginnt das Bürgertum sich vom feudalistischen System Friedrich Wilhelms IV abzuwenden. Gleichzeitig gewinnt diese aufstrebende Bevölkerungsklasse zunehmend an Macht und Einfluss, vor allem in den Industriezentren, die sich damals vor allem auf Berlin, Sachsen, Schlesien (vgl. Heines Schlesische Weber) und auf das Rheinland konzentrierten.
In dieser Zeit sind die gesellschaftlichen Veränderungen der Industriellen Revolution noch immer spürbar und längst nicht abgeschlossen. Begonnen hat diese Umwälzung der Agrar und Adelsgesellschaft in der Mitte des 18. Jahrhunderts in England, um von dort aus auf das europäische Festland überzugreifen. In der Mitte des 19. Jahrhunderst erfasst die Industrielle Revolution Deutschland. Die Veränderungen,die das mit sich bringt, wirken sich auf viele Bereiche aus: Produktionsverfahren, Technik, Energiequellen, Transport, Märkte, Bevölkerungszahl und vor allem die Struktur der Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitende Gedanken: Einführung in die Relevanz von Georg Weerth als literarisch unterschätztem Autor und Umriss der zentralen Fragestellung bezüglich seiner Zeitwahrnehmung.
Biographie: Darstellung der Lebensstationen Weerths, insbesondere seiner kaufmännischen Lehre und der prägenden Bekanntschaft mit Marx und Engels.
Die Revolution von 1848/49: Analyse der sozioökonomischen Bedingungen, wie Industrialisierung und Pauperismus, die zum Ausbruch der Revolution in Deutschland führten.
Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben als bürgerliche Satire über die Revolution 1848: Untersuchung des satirischen Werks als Spiegelbild kapitalistischer Moral und deren Entlarvung durch die revolutionären Ereignisse.
Schlussbetrachtung: Fazit über Weerths aggressive und kompromisslose Satire sowie dessen bleibende Aktualität durch das mutige Anprangern gesellschaftlicher Missstände.
Schlüsselwörter
Georg Weerth, Revolution 1848, Vormärz, Industrielle Revolution, Proletariat, Bürgertum, Satire, Kapitalismuskritik, soziale Frage, Handelswesen, Pauperismus, Karl Marx, Friedrich Engels, soziale Missstände, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Schriftsteller Georg Weerth als Beobachter der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen seiner Zeit, insbesondere im Kontext der Revolution von 1848/49.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Industriellen Revolution, die prekäre Lebenssituation der Arbeiterklasse, der Pauperismus und die kritische Analyse des zeitgenössischen Bürgertums.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Weerths Wahrnehmung seiner Epoche und die satirische Verarbeitung politischer sowie sozialer Realitäten in seinen Werken aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Weerths Lyrik und Prosa in Verbindung mit historisch-soziologischen Kontexten angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine historische Kontextualisierung der industriellen Umwälzungen und eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse der "Humoristischen Skizzen aus dem deutschen Handelsleben".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kapitalismuskritik, soziale Frage, Revolution 1848, Satire und literarische Entlarvung.
Inwieweit spielt die Figur des Kaufmanns Preiß eine Rolle?
Preiß dient als zentrale Typisierung des bürgerlichen Händlers, dessen profitorientiertes Handeln und scheinheilige Moral Weerth als Paradebeispiel für die Missstände der Zeit entlarvt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Bürgertums in der Revolution?
Weerth kritisiert das Bürgertum scharf für sein opportunistisches Verhalten, da es seine Interessen letztlich über die Notwendigkeit sozialer Reformen stellte und sich mit alten Mächten verbündete.
Welche Bedeutung kommt dem "Schrapnell-Geschäft" in der Analyse zu?
Das Geschäft mit Waffen zur Niederschlagung von Revolutionären dient als satirischer Höhepunkt, um die ethische Verkommenheit und das blinde Profitstreben des Kaufmanns Preiß vollends bloßzustellen.
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- Stefanie Held (Author), 2005, Georg Weerth als Betrachter seiner Zeit und der Revolution von 1848/ 49, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40944